Geschichtliches zum Stadtteil Betzenhausen

Orchestergemeinschaft Seepark

Aktuelles (Juli 2022): Die Orchestergemeinschaft holt Gold beim World Music Contest (WMC) in Kerkrade (NL); siehe ausführliche Bericht auf www.orchesterschule-freiburg.de. Wir gratulieren ganz herzlich!

Den WMC gibt es seit 1951 als internationales Musikfest, es wird alle vier Jahre veranstaltet und geht dabei über mehrere Wochen: es gibt musikalische Wettbewerbe z.B. von Amateurblasorchestern und Showbands; aber auch Konzerte professioneller Orchester 19.000 Musiker und 200.000 Zuschauer in einem der vergangenen Jahre zeigen die Größe, siehe auch Programm bei www.wmc.nl.

Es ist es nicht leicht, sich für einen der WMC-Wettbewerbe zu qualifizieren: Die Orchestergemeinschaft Seepark hat es geschafft in der sog. „Division 3“ für „Sinfonische Blasorchester“. Ihr Wettbewerbs-Auftritt war am Sonntag, den 24. Juli. Das Projekt ist natürlich auch eine finanzielle Hürde (allein schon für Busreise und Übernachtungen). Vor allem auch durch den Corona-Stillstand ist die Orchestergemeinschaft auf Spenden und Sponsoren angewiesen.

Wer das letzte Konzert am 14. Mai hier im Konzerthaus verpasst hat: im Oktober gibt es die Orchestergemeinschaft wieder auf der Seebühne zu erleben.


Jubiläumsjahr 2021: 20 Jahre Orchestergemeinschaft Seepark

Leider hat Corona in diesem Jubiläumsjahr 2021 nur wenig Veranstaltungen erlaubt. Und doch gab es zwei Highlights, die wir hier nachträglich noch erinnern wollen:

Samstag 10. April 2021: „Vino Musica Digitale“: Musik, Wein & mehr – Eine Online-Veranstaltung zur Eröffnung des Jubiläumsjahres.  Winzer Manuel Hercher erklärte den Anbau, den Ausbau und den Geschmack dieser drei edlen Tropfen. Zum „Vino“ gibt es jede Menge „Musica“, also musikalische Unterhaltung durch das große sinfonische Blasorchester der Orchestergemeinschaft Seepark, sowie spannende Einblicke in 20 Jahre Orchestergeschichte. Alles weitere unter www.vinoemusica.de.

Samstag 11.Dez. 2021: Jubiläums-Konzert zu “20 Jahre Orchestergemeinschaft Seepark” im Bürgerhaus Seepark nach dem Motto „Zurück in die Zukunft”. „Back to the Future“ ist nicht nur der Name der Science-Fiction-Film-Trilogie, es war auch das passendes Motto zur Geschichte und aktuellen Situation der Orchestergemeinschaft.

Zu hören war das Jugendorchester unter der Leitung von Tabias Kalt und das Hauptorchester unter der Leitung von Michael Schönstein. Letzteres natürlich mit Auszügen aus “Zurück in die Zukunft” und weiteren bekannten Werken wie z.B. Auszügen aus “Frozen – Die Einkönigin”. Mit dabei waren auch erstmals die neuen Trommeln, die im Laufe des Jahres nach erfolgreichen Crowdfunding-Projekt erworben werden konnten. Ein besonderer Dank galt den großzügigen Spendern. Siehe auch vorherige Anküngigung auf www.orchesterschule-freiburg.de.


Hintergründe Orchestergemeinschaft

Im Januar 2001 war es grosser Schritt, als beim Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde ein neuer Dirigent gesucht werden musste: die Gründung der “Orchestergemeinschaft Seepark”  als gemeinsames Projektorchester zusammen mit dem Musikverein Freiburg-Mooswald e.V. Ein wenig nach der Devise: “zusammen sind wir stark”. Aus zwei eher kleinen Orchestern sollte etwas größeres werden und das ist ganz sicher gelungen. Die Orchestergemeinschaft spielt anspruchsvolle sinfonische Blasmusik  und hat sich ein vielfältigen Repertoire zugegelegt, das von klassischen Werken über Filmmusik und Musicals bis zu Swing und Pop-Hits führt.

Die Orchestergemeinschaft besteht aus einem Hauptorchester (über 60 Mitwirkende) und einem Jugendorchester (ca. 30 junge Musikern). Die eigene Musikschule organisiert eine musikalische Ausbildung für Kinder und Erwachsene; sowohl neu Neu- als auch Wiedereinsteiger sind gern gesehen (für alle Instrumente eines sinfonisches Blasorchesters).

Die Orchestergemeinschaft ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und hat u.a. bemerkenswerte Veranstaltungen organisiert. Auftritte gibt es mehrfach im Jahr, vor allem natürlich im Bürgerhaus am Seepark oder auf der Freiluftbühne. Es gab eine Reihe von Gala-Konzerten, diverse Gemeinschaftskonzerte mit anderen Musikvereinen, Benefiz-Konzerte, z.B. für die Renovierung der St. Thomas Kirche, und auch die musikalische Weinverkostung „Vino Musica“ (siehe ausführliche Liste hier).

Seit der Gründung 2001 ist Michael Schönstein Dirigent und musikalischer Leiter des Orchesters. Über Themen des Vereins berichtet seit 2005 einmal im Quartal die eigene Vereinszeitschift “Seepark aktuell“. Auch im Bürgerblättle ist die Orchestergemeinschaft regelmäßig mit Beiträgen vertreten.

Auch nach Gründung der Orchestergemeinschaft blieben im Hintergrund beide Gründungsvereine als organisatorische Einheiten bestehen. Vereinsvorsitzender war über mehr viele Jahre Mathias Gutsche. Seit 2020 gibt es für beide Vereine ein gemeinsames Vorstandsquartett, aufgeteilt nach den Verantwortungsbereichen „Musik & Orchester“, „Jugend & Ausbildung“, „Finanzen & Öffentlichkeit“ sowie „Orga & Events“.


Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde: etwas zur Geschichte

25 jahre Musikverein Betzenhausen-Lehen

Alte Unterlagen zeigen, dass schon ab ca. 1888 eine Dorfkapelle Betzenhausen exitierte und für gute Stimmung sorgte: in Betzenhausen, aber natürlich auch im nahen Lehen (etwa 10 Musiker dürften es gewesen sein). Daraus entstand 1906 der “Musikverein Betzenhausen-Lehen”: ein schönes Foto gibt es vom  25-er Jubiläum im Jahre 1931. Mit den Wirren des 2. Weltkriegs ging der Verein unter und Betzenhausen blieb lange ohne eigene Kapelle.

Im Jahre 1985 ergriff endlich der damalige Vorsitzende des Bürgervereins – Willy Kapp – die Initiative, um die Tradition einer Blaskapelle wieder aufleben zu lassen. Aufrufe in der Badischen Zeitung und natürlich im Bürgerblättle führten zum Erfolg: etwa 10 Musiker fanden sich zusammen und mit Werner Hirth wurde ein erster Dirigent gefunden. Geprobt wurde zunächst im damaligen Haus der Vereine in der Ricarda-Huch-Str., das auch gerade in dieser Zeit eröffnet werden konnte.

Die offizielle Gründung erfolgt als “Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V.” im März 1986. Erste Vorsitzende wurde Monika Karczewski (und sie blieb es für fast 20 Jahre); Werner Hirth wurde als Dirigent bestätigt.

Schon im Jahr der Gründung gab es erste Auftritte der Kapelle bei Einweihung des Betzenhauser Stegs über den Autobahnzubringer Mitte nach Weingarten und auf der Landesgartenschau (im Mai bzw. Juni 1986). Von Anfang an legte man Wert auf eine gute Ausbildung: so waren Ende 1986 neben den 15 aktiven Musikern auch schon 12 Auszubildende dabei. In den nachfolgenden Jahren folgten regelmäßig Auftritte bei Festen in Betzenhausen, den Nachbarstadtteilen oder dem Weinfest in Freiburg. Als besonderes Ereignis sei noch die 850-Jahres-Feier von Lehen im Jahr 1989 erwähnt. Schon ab 1986 folgten regelmäßige Jahreskonzerte im Bürgerhaus am Seepark; dazu noch regelmäßig das eigene Sommerfest im Hof der Gerhard-Hauptmann-Schule: häufig auch zusammen mit Partner-Orchestern.

Im Januar 2001 dann der nächste grosse Schritt, als ohnehin ein neuer Dirigent gesucht werden musste: die Gründung der Orchestergemeinschaft Seepark als gemeinsames Projektorchester zusammen mit dem Musikverein Freiburg-Mooswald e.V.

Die Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS)

Vorgeschichte

Eine eigene Schule hatte man sich in Betzenhausen schon Jahrzehnte vor Ende des 19. Jahrhunderts gewünscht: aber die damals zuständige großherzogliche Regierung zeigte wenig Verständnis dafür. Kinder aus Betzenhausen und Lehen gingen gemeinsam ins dortige, kleine Schulhaus (mit zwei Klassenzimmern von der ersten bis zur achten Klasse): das gemeinsame Schulhaus von Lehen war ein Fachwerkbau an der Ecke Breisgauer- und Kirchbergstraße. Und ein “Großherzoglicher Schulvisitator” wachte über die Einhaltung der vielen damals üblichen Vorschriften.

So wurde der Wunsch nach einer eigenen Volksschule zu einem zentralen Punkt bei den Verhandlungen zum Eingemeindungsvertrag von Betzenhausen mit Freiburg und wurde in den Vertragstext übernommen.

Bau nach Eingemeindung

Freiburg hat sein Versprechen direkt nach Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrags eingelöst. Gebaut wurde die Volksschule fast in “Rekordzeit” vom Hochbauamt Freiburg: schon 20 Monate nach der Eingemeindung (im Aug. 1909) war sie fertig. Es war ein zweistöckiges Schulhaus mit vier Klassenzimmern und einzelnen Zusatzräumen (z.B. Lehrerzimmer) und mit viel Platz um die Schule herum: Damals war das Gelände um die Schule noch ohne weitere Bebauung, nur Wiesen und Felder des Gewanns “Hofacker”. Der Ort sollte einen weiteren Ausbau ermöglichen.

Allerdings war die Erstausstattung mit Unterichtsmaterialien wohl eher dürftig. Im Jahr 1917 bekam die Schule elektrisches Licht (davor nur Azetylenlampen).

Die Schule erlebte natürlich auch die Folgen der Weltkriege, z.B. mit Unterbringung von Soldaten im ersten. Große Zerstörung brachte der zweiten Weltkrieg nach Freiburg und Betzenhausen: nach dem Bomberangriff im Nov. 1944 war die Schule im Grunde eine Ruine, selbst ein Notdach zu erhalten war nach dem Krieg sehr schwer. Also gab es bis 1946 keinen Unterricht mehr.

Im Grunde ist diese Schule ein Spiegelbild für den Zeitraum, in dem Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg ist (die Eingemeindung war 1908): ein “Zeichen der Zeit” im wahrsten Sinne des Wortes; so wie die Anne-Frank-Schule später zum Symbol für die Entwicklung des Bezirks Bischofslinde wurde.

Eine besondere Nutzung der Schule müssen wir hier noch erwähnen, denn der Wunsch nach einem Volks- und Schülerbad in Betzenhausen wurde schon 1912 laut. Aber es dauert einige Zeit, bis eine Lösung im Keller der damaligen Volksschule gefunden wurde. Zu dieser besonderen Geschichte siehe unseren Beitrag vom ehemaligen Schulleiter Harald Albiker.

Erweiterungen zur Schule heute

Geschichte 03Aber auch die schon erwarteten Erweiterungen wurden nötig, denn die Zahl der Kinder in Betzenhausen wuchs: einen ersten großen Anbau konnte man im Januar 1934 einweihen. Mit den gegebenen politischen Verhältnissen wurde die Volksschule gleichzeitig zur “Schlageterschule”. Auch Kinder der Mooswaldsiedlung kamen anfangs nach Betzenhausen und schon deshalb reichte in den 1950-er Jahren der Platz bei weitem nicht mehr: ein Schichtbetrieb wurde für mehrere Jahre die Unterichtsform als Notlösung. Etwas Entspannung brachte ein eigenes Schulhaus im Mooswald 1956.

Ihr heutiges Aussehen erhielt die Schule im Jahr 1963 insbesondere durch eine Erweiterung nach oben: der Aufbau im dritten Stock. Damit fiel auch die Entscheidung für den heutigen Namen „Gerhart-Hauptmann-Schule” (ab 1963): Bei der Einweihungsfeier waren Ministerpräsident Filbinger und Oberbürgermeister Keindel anwesend.

Natürlich unterlag auch die Schulform dem Wandel: Volksschule, Hauptschule, Werkrealschule und heute als Grundschule. Im Jubiläumsjahr 2009 blickte man in einer Reihe von Veranstaltung zurück auf die vorherigen 100 Jahre. Das tat auch der ehemalige Schulleiter Harald Albiker in seiner Rückschau mit viele kleinen Details aus dieser Zeit.

Die Mauer auf der Seite zur Hofackerstrasse ziert seit 2019 ein schönes, langes und farbenfrohes Graffiti. Siehe auch unseren Beitrag zu Kunstwerke im öffentl. Raum.


Sonstiges zur Gerhart-Hauptmann-Schule

Passend zum Thema hier siehe auch unser Beitrag “Geschichte Betzenhausen: Die Gemeinde und ihre Einrichtungen” mit weiteren historischen Hintergründen z.B. zum früheren Schulwesen. Offensichtlich gab es für Lehener und Betzenhausener Jungen und Mädchen ab 1777 einen Unterricht auf Anordnung des ,,Allerhöchsten Schulpatents”.

Zur Web-Seite der Schule siehe www.gerhart-hauptmann-schule-freiburg.de .

Hier auch noch einmal der Verweis auf die Geschichte der Schule in einem Beitrag des ehemaligen Schulleiters Harald Albiker zum 100jährigen Jubiläum (2009).

Wir berichten regelmäßig über aktuelle Ereigniss an der Schule im Bürgerblättle, dem Stadtteil-Magazin von Betzenhausen.

Der Kultur- und Geschichtskreis (KuGe)

Aktuelles Mai 2022:

Zwischenzeitlich hätte sich der Kultur- und Geschichtsverein fast aufgelöst, da die bisherigen Mitglieder im Vorstand sich zurückziehen wollten. Allerdings haben sich jetzt Dr. Walter Gropp und Rolf Baiker bereit erklärt, als neues Team den Verein weiterzuführen. Vor allem wollen beide auch versuchen, zusammen mit dem Bürgerverein, das Interesse an den Themen Kultur und Geschichte im Stadtteil zu beleben.

„Mir ist die Gemeinschaft im Stadtteil ein Anliegen, deshalb mache ich in Vereinen mit. Als ich davon hörte, dass der Betzenhauser Geschichtsverein vor der Auflösung steht, habe ich mit einigen Leuten gesprochen, ob sie weiter mitmachen wollen.“, sagte Dr. Walter Gropp. Er wohnt am Mühlbach, dort wo früher die Betzenhauser Mühle stand.  Siehe auch ausführlicher Beitrag im Bürgerblättle 343 (Juni/Juli 2022). Inzwischen berichtete auch die Badische Zeitung darüber unter dem Titel Geschichtsverein hat eine Zukunft (ggf. mit eingeschränktem Zugriff).

Mehr Infos zum Verein auf www.kuge-freiburg.de . Sind Sie interessiert an lokaler Kultur und Geschichte (KuGe)?  Dann nehmen Sie gern direkt Kontakt auf zu: Rolf.Baiker@web.de / Telefon 0761 / 89 26 33.


Aug. 2019: Vorstellung des Vereins im Bürgerblättle 257 Aug./Sept. 2019

Der Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde

Heute möchte ich den Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde vorstellen. Vielen Geschichtsinteressierten unseres Stadtteils ist er schon lange bekannt. Aber für andere könnten diese Zeilen ein Anreiz sein, sich mehr für uns zu interessieren.

Vor mehr als 20 Jahren – genau gesagt im Jahre 1998 – entstand der Kultur und –GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde als Ausgründung des Bürgervereins. Was war damals geschehen?

Dr. Franz Flamm, der bekannte Erforscher unserer Lokalgeschichte, wollte damals sein umfangreiches Archiv dem Bürgerverein anvertrauen. Um seine Arbeit weiterzuführen und auszuweiten und darüber hinaus eigene Akzente zu setzen, gründeten Dr. Thomas Hammerich und Nicolai Bischler den KuGe (Kurzform für den Kultur- und GeschichtsKreis). Eine äußerst produktive Phase seiner Kerngruppe von etwa 4-6 Personen nahm damit ihren Anfang. Die Gesamt-Mitgliederzahl wuchs bis auf ungefähr 40 Personen an. Und die folgenden Highlights wurden während 15 Jahren den Mitgliedern und anderen Interessierten geboten:

  • 1999-2000: der Feier-Zyklus zum 700-jährigen Frieden vom Bischofskreuz mit Verpflanzung des Bischofkreuz-Originals in die St. Albertkirche, Vorträgen, einem ökumenischen Gottesdienst und der Veröffentlichung einer Festschrift.
  • 2004: Ausstellung und Buch über die fast völlige Zerstörung Betzenhausens durch die Bombardierung im Jahre 1944.
  • 2008: Festakt, Ausstellung und Veröffentlichung eines Buches anlässlich der 100-jährigen Wiederkehr der Eingemeindung Betzenhausens zu Freiburg.
  • 2013: ein Festzyklus gemeinsam mit Lehen anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr des Bundschuh-Aufstandes

Daneben gab es viele Exkursionen: beispielsweise zur Burg Liechtenberg (Elsass), nach Villingen zur  Sonderausstellung 1000 Jahre Marktrecht, nach Schussenried zur Landesausstellung mit dem Schwerpunkt Säkularisierung und Reichsdeputationshauptschluß von 1803 oder nach Vörstetten ins Alemannenmuseum und nach Konstanz zur Konzilsausstellung. Natürlich hat der KuGe auch eine Anzahl Sonderführungen in Freiburg besucht. Darunter waren ein Stadtrundgang mit dem Thema Freiburg im Nationalsozialismus 2016 und der Besuch der dazugehörigen Ausstellung im Jahr 2017 um nur 2 besonders eindrucksvolle Führungen zu nennen.

Dieser kurze Abriss lässt erahnen, mit wie viel Freude und Herzblut der „harte“ Kern des Kultur- und GeschichtsKreises in den letzten 2 Jahrzehnten nicht nur die Lokalgeschichte vielen Menschen zugänglich machte.

Brigitte Hammerich


Ergänzend noch ein Hinweis auf die Beitrags-Serie “Als wär’s gestern gewesen” zum 500-Jahre-Jubiläum des Bundschuh-Bauernaufstands um Rädelsführer Jos Fritz. In dieser Serie berichtete die Zeitung im Stile von heute über Gegenbenheiten mit geschichtlichem Hintergrund. Als Beispiel hier der Beitrag Eine große Razzia in Freiburgs Umland, Untertitel “Pläne für einen Bauernaufstand in Betzenhausen und Lehen aufgedeckt” (ggf. mit eingeschränktem Zugriff).


Juni 1998: Ergänzend ein Beitrag aus Bürgerblättle 145 zur Übergabe der Sammlung von Dr. Franz Flamm an den KuGe

Franz Flamm übergibt sein Werk an den Kultur- und Geschichtskreis: Festlicher Akt aufgeschichtsträchtigem Boden

Zu einem ersten Höhepunkt für den wenige Monate bestehenden “Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen- Bischofslinde” wurde der kleine Festakt anläßlich der Übergabe des gesamten Forschungswerkes von Franz Flamm an Thomas Hammerich, den Vorsitzenden des Vereins in dem nach Albert dem Großen benannten Saal des Gemeindezentrums St. Albert in Bischofslinde. Auch dieser Gelehrte des Mittelalters stand im Mittelpunkt des Werkes von Franz Flamm. Die schlichte Feier, an der viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, auch aus Alt- Betzenhausen, teilnahmen, wurde durch das Jugendorchester St. Albert unter der Leitung von Gabriele Kling musikalisch umrahmt.

Thomas Hammerich erinnerte in seinen Grußworten, sie galten ganz besonders dem inzwischen weit über 90 Jahre alten Ehrengast Franz Flamm, an den geschichtsträchtigen Boden im Raum Betzenhausen und dem in den sechziger Jahren rund um das alte Bischofskreuz entstandenen neuen Stadtteil Bischofslinde. Mit der wesentlichste Grund für die Entstehung des Kultur- und Geschichtskreises, so meinte Thomas Hammerich, sei die Würdigung, Bewahrung und Drucklegung des gesamten Werkes von Franz Flamm für die Zukunft, ebenso aber auch die Weiterführung sowie die Aufnahme gegenwärtigen Geschehens für die Nachwelt. Neben den Werken über die Sozialarbeit in ganz Deutschland in Anlehnung an die aktive Zeit von Franz Flamm als Leiter des Sozial- und Jugendamtes seien, so meinte Hammerich, stellvertretend die Veröffentlichungen aus neuerer Zeit wie der Kunstführer von St. Albert, das Werk über Albert den Großen, den Frieden vom Bischofskreuz oder die zahlreichen noch nicht zusammengefaßten Manuskripte über die Geschichte von Betzenhausen in enger Verbindung zur Stadt Freiburg genannt.

Der neugebildete Kreis sei für alle Interessierten offen, er lade zur Mitarbeit ein.

Franz Flamm, ein stets Suchender

Seit mehr als 20 Jahren widmet sich Franz Flamm mit wissenschaftlicher Genauigkeit dem Freiburger Westen, ganz besonders aber der Geschichte von Betzenhausen, stets aber im Kontext mit den Verflechtungen zur Stadt Freiburg.

Ausgehend von der Schenkungsurkunde Otto II. im Jahre 972, wonach Bezenhusa an das Kloster Einsiedeln kam, schilderte Franz Flamm beim Festakt seinen Hörern anhand markanter Urkunden und Bilder einige tiefgreifende historische Ereignisse, die für Betzenhausen, seine Bewohner, Fluren und Gewässer von großer Bedeutung waren. Er konnte dabei in erstaunlicher Frische stets aus dem Füllhorn seines reichen Wissens schöpfen. Er erwähnte auch die Menschlichkeitsklausel in dieser Schenkungsurkunde, die später nie mehr übernommen wurde und für das Wohl der Menschen doch so wichtig gewesen wäre. Mit Land und Leuten kaufte Freiburg 1381 das Dorf Bezenhusa, die Bewohner gingen in die Leibeigenschaft über. Der Kontaverplan von 1683 zeigte neben der gesamten Gemarkung auch das damalige Betzenhausen und Lehen mit dem Mittelweg, der damals wichtigsten Verbindung zur Stadt. 145 Grenzsteine, so sagte Franz Flamm, seien in diesem Plan eingezeichnet. Sehr interessant wußte der Redner auch die Hirten- und Weideordnung von 1457 zu schildern, die der Stadt alle, dem “Bur” hingegen kaum Rechte einräumte. Eng verbunden war die Geschichte von Betzenhausen und Lehen, so sagte Franz Flamm, zur Zeit des Bauernaufstands im Bundschuh mit den harten Folgen für die Aufständischen. Auch in den darauffolgenden Jahrhunderten sei es zu großen Schlachten auf der Betzenhausener Gemarkung gekommen, Tausende mußten ihr Leben lassen, Verwüstung und Not waren die Folgen.

Doch zu den von Franz Flamm an den Kultur- und Geschichtskreis übergebenen Werken gehören auch zwei Bände der Stadtgeschichte vom Bischofskreuz mit dem so bedeutungsvollen Frieden von Bischofslinden. Auch das hiesige Internierungslager ab 1945 wurde von Franz Flamm ebenso wie das spätere Flüchtlingsdurchgangslager genau erforscht und nachgezeichnet. Etwa 30 000 Heimatvertriebene sind durch dieses Lager gegangen. Heute, so meinte Franz Flamm abschließend, wohnen auf der einstigen Gemarkung von Betzenhausen rund 20 000 Menschen. Mit sehr herzlich gehaltenen Dankesworten nahm Thomas Hammerich das Gesamtwerk von Franz Flamm unter großem Beifall der Besucher in die Obhut des Kultur- und Geschichtskreises auf.

Harald Albiker


Zur Person Dr. Franz Flamm (1905 – 2003)

Dr. Flamm war viele Jahre Leiter des Freiburger Sozial- und Jugendamtes (früherWohlfahrtsamt). Er war ausserdem bekannt durch eine Vielzahl an Veröffentlichungen insbesondere zur sozialer Gerechtigkeit. Dafür und für seine berufliche Tätigkeit erhielt er Auszeichnungen von unterschiedlichen Organisationen (u.a. Verdienstorden der Bundesrepublik).

Mit Aufbau des neuen Bezirks Betzenhausen-Bischofslinde in den 1960-er Jahren fand Dr. Flamm seine persönliche Heimat hier in Betzenhausen und begann, nach den geschichtlichen Hintergründen seiner Heimat zu forschen: z.B. zur Geschichte vom Bischofskreuz in seiner unmittelbaren Nähe, aber auch weiter gefasst über die ehemaligen Dörfer im Freiburger Westen von ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Veröffentlicht wurden daraus eine Reihe von heimatkundlichen Werken, die später in den Besitz des Kultur- und Geschichtskreises von Betzenhausen gingen: Dort wurde er 2001 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Hier der Nachruf zu seinem Tod 2003 in der Badischen Zeitung: Ein Diener der Schwachen (evtl. mit eingeschränktem Zugriff).

Geschichtes zum Bürgerblättle

Stadtteil-Magazin des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde

Vorgeschichte: Mitglieder des Bürgervereins (bzw. des vorherigen Ortsvereins) konnten in früheren Zeiten nur durch Rundschreiben vom Vorstand informiert werden. Ergänzend gab es seit Mitte der 1950er-Jahre die “Lokalnachrichten  aus Freiburg-West und Betzenhausen“: diese Hefte erschienen dreimal im Jahr (Ostern, Sommer, Weihnachten) im DIN-A5-Format und hatten bis zu 32 Seiten. Herausgegeben wurden die Nachrichten vom Lokalverein Freiburg-West, dem späteren Bürgerverein Mooswald. Dort konnte auch der Ortsverein Betzenhausen regelmäßig seine Themen angesprochen.

Viele Ausgaben der Lokalnachrichten sind im Archiv der Bürgervereins zu finden. Sie geben heute einen spannenden Einblick in die Themen, die in den ersten Jahren nach der Neugründung des Vereins im Stadtteil relevant waren. Dazu gehören Bauvorhaben wie die Entstehung vom neuen Bezirk Bischofslinde und die große Erweiterung von Alt-Betzenhausen auf Höhe Betzenhauser Torplatz, der Ausbau der Sundgauallee als Nachfolger von Teilen der Lehener Straße, die Westrandstrasse (heute Paduaallee) und natürlich auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.


Ein eigenes Stadtteil-Magazin entsteht …

In den 1960er und 1970er-Jahren ist Betzenhausen in großem Maße gewachsen; insbesondere durch den komplett neuen Bezirk Bischofslinde. So enstanden im Jahr 1975 Überlegungen, ob nicht ein eigenes Stadtteil-Magazin den wachsenden Erfordernissen besser gerecht wird. Die Umsetzung dieser Idee in die Tat ging dann auch recht schnell, denn die Druckerei Peter Lange in Landwasser war schon vorher mit einem reinen Anzeigenblatt gestartet. So kam es zu einer Kooperation, die 17 Jahre halten sollte: Der Bürgerverein zeichnete verantwortlich für die Inhalte, die Druckerei übernahm die Finanzierung über Anzeigen, Verteilung und Druck (ein Modell, wie es heute auch wieder realisiert ist).

So konnte der damalige Vorsitzende Willy Kapp zum Neujahrsempfang Januar 1976 das erste Exemplar des “Bürgerblättle” für Betzenhausen-Bischofslinde vorstellen (siehe Abbildung). Zitat aus seinem Einleitungstext:

Ziel und Zweck eines solchen Blattes soll es sein, die beiden Ortsteile enger miteinander zu verbinden, daß sie mit der Zeit zusammenwachsen mögen und so die Zusammenhörigkeit vertieft wird. Da das Gebiet Betzenhausen-Bischofslinde heute ca. 2400 Wohnungen umfaßt, wäre es nach Ansicht des Bürgervereins an der Zeit, unseren Mitbürgern mit zeitnahen Beiträgen aus dem Ortsgeschehen und aus den Vereinen und kirchlichen Institutionen, die in unserem Gebiet ansässig sind, zu informieren.
Die Herausgabe des Bürgerblättle ist nur mit Unterstützung der Betriebe und Firmen möglich, die durch ihre Inserate die Kosten finanzieren. Wir bitten Sie daher, liebe Mitbürger, diesen Geschäften Ihre Aufmerksamkeit zu schenken und sie bei Ihren Einkäufen zu berücksichtigen.

Zur vierten Ausgabe gab es dann schon ein kleines ‘Resümee’ von Bernhard Wolk, der zunächst die Redaktion übernommen hatte:

Die ersten drei Ausgaben fanden vielfach freundliche Zustimmung, wofür gedankt wird. Es gibt, wenn auch wenige, kritische Äußerungen, vor allem dreierlei:
(1) Das “Bürgerblättle” enthalte zu viele Annoncen.
(2) Das “Bürgerblättle” enthalte zu wenig Berichte aus dem Stadtteil Bischofslinde.
(3) Auf ein gelegentliches süffiziantes Lächeln über den Titel “Bürgerblättle” braucht wohl nicht näher eingegangen zu werden.

Vor allem der letzte Punkt hat uns wohl die ganzen Jahres begleitet.

Technischer Hinweis, denn das Computer-Zeitalter war ja noch nicht angebrochen: Von Beginn an wurden redaktionelle Texte in zwei Spalten mit Blocksatz geschrieben. Dafür hatte man laut Bernhard Wolk eine äußerst moderne Schreibmaschine mit Display in der Redaktion zur Verfügung. Die so erstellten Texte wurden in der Druckerei “geschnitten”, auf Seiten verteilt und mit den Anzeigen kombiniert.

Das Bürgerblättle erschien in den ersten Jahren monatlich und hatte meistens 8 Seiten. Im Jahr 2020 haben wir dann in einer Serie mal 40 Jahre zurück geschaut, und die wichtigsten Themen des Jahres 1980 in Stichworten zusammengefasst (denn PDF gab es zu der Zeit ja wirklich noch nicht).


Kontinuierliche Entwicklung

Nach den ersten sechs Jahren dann eine kritische Phase und Pause: das Echo innerhalb der Bevölkerung am Stadtteil-Magazin erschien geringer als erwartet und es habe zu viele Beschwerden über Erscheinungsdaten und Verteilung gegeben (so die Einschätzung Ende 1981). Doch dann das Comeback im September 1983: “Aus verschiedenen Gründen ist das Bürgerblättle seit Januar 1982 nicht mehr erschienen, was vielfach als Mangel empfunden wurde.” schrieb Willy Kapp aus Anlass des Wiedererscheinens. “Dem Bürgerblättle wünscht der Vorstand viel Erfolg”. Diese guten Wünsche haben geholfen, wie wir heute wissen.

Bernhard Wolk steuerte die Aufgaben in der Redaktion über viele Jahre (bis andere berufliche Verpflichtungen dies nicht mehr zuließen). Ihm folgte ab 1985 Elisabeth Schumann, die diese anspruchsvolle Aufgabe auch wieder ehrenamtlich übernahm (wie auch alle Nachfolgenden). In den 1990-Jahren wurde das Bürgerblättle umfangreicher: ab 1994 erstmals mit Ausgaben für 2 Monate wie heute. Dann ein längerer Versuch mit einer Ausgabe im Quartal (1996 bis 2006).

Ab 1995 übernahme Nico Bischler die Redaktions-Aufgaben: das Bürgerblättle war noch “schwarz/weiss“ und das Layout wurde geklebt.  Aber Rolf Abendschein als damaliger Vorsitzender gab „grünes Licht“ für eine Erneuerung und zeitgemäße Gestaltung. Gleichzeitig wurde der Computer zum zentralen Werkzeug der Redaktion. Im Juni 1995 war das Titelblatt erstmal farbig; ab 2009 dann das komplette Bürgerblättle .

In letzten beiden Jahrzehnten haben verschiedene  engagierte Bürger redaktionell verantwortlich für das Bürgerblättle gearbeitet, z.B. Roland Kreutner, Harald Albiker, Matthias Wölke (heute verantwortlich für die VAG Facetten), Dr. Thomas Hammerich und viele Jahre später auch wieder Nico Bischler. Auf der Seite des Layouts z.B. Christian Albiker, Nico Schulze und Cathrin Caspari. Sie alle haben das Bürgerblättle geprägt und weiterentwickelt. Heute vertritt Werner Hertleif die Redaktion seitens Bürgervereins, Markus Hanser ist verantwortlich für das Layout.


Heutige Ausgaben

Das Bürgerblättle hat heute durchschnittlich 32 Seiten, eine Auflage von über 6.500 Exemplaren und eine durchgängig farbiger Gestaltung. Es erscheint alle zwei Monate. Im Sommer 2018 erschien die 250-te Ausgabe (wobei die Ausgaben der ersten sechs Jahren bei der Zählung wohl übersehen wurden).

Herausgeber des Bürgerblättle ist bis heute der Bürgerverein: von dessen Arbeit zu berichten ist nach wie vor ein zentrales Anliegen. Das Bürgerblättle bietet aber darüber hinaus auch anderen Vereinen, Institutionen und Kirchen im Stadtteil die Möglichkeit, ihre Anliegen zu beschreiben und z.B. über Termine und Veranstaltungen zu informieren. Trotz Internet scheint diese Form der Kommunikation immer noch wichtig zu sein.

Redaktionelle Aufgaben und die Betreuung der Anzeige-Kunden sowie Werbegestaltung sind heute in getrennten Händen, als so wie in den ersten Jahren des Magazins (Werbe-Kunden wenden sich bitte an die Agentur Klaus Faist www.werbeagentur-klausfaist.de).

Seit über 10 Jahren steht neben der gedruckten Ausgabe des Bürgerblättle auch eine PDF-Version zur Verfügung. In unserem Online-Archiv sind diese Ausgaben abrufbar. Die jeweils aktuelle Ausgabe kann man auch direkt online lesen.

 


Sonderausgaben

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen, die teilweise auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthalten. Interessierte Leser wenden sich bitte an den Bürgerverein bzw.  Kultur- und Geschichtskreis (teilweise auch hier als PDF verfügbar). Beispiele für diese Sonderausgaben:

50 Jahre Wentzinger-Schulen

Die Wentzinger-Schulen, bestehend aus Realschule und Gymnasium, feiern am 24. September 2022 das runde Jubiläum mit einem großen Festtag. Darauf wollen wir an dieser Stelle schon mal hinweisen.  Die Schulen wenden sich insbesondere an ehemalige Klassenkamerad*innen, Kolleg*innen und Eltern mit der Bitte, sich vorab schon mal zu melden (auch Fotos sind gesucht). Alles Weitere auf den der WebSeiten von Realschule und Gymnasium.

Soweit ein erster Hinweis zum Fest. Für uns soll es aber auch ein Anlass sein, auf die Geschichte der Schulen im Nachbarstadtteil Mooswald zurückzublicken. Denn auch viele Menschen in Betzenhausen haben an einer dieser beiden weiterführenden Schulen einen grossen Teil der Kindheit verbracht oder besuchen die Schulen gerade.


Namensgeber ist Johann Christian Wentzinger, der als Bildhauer, Maler und Architekt hauptsächlich im Breisgau und insbesondere auch in Freiburg tätig war (1710 – 1797). Nach ihm benannt ist auch ein Wohn- und Atelierhaus am Freiburger Münsterplatz, das heute einfach als Wentzingerhaus bezeichnet wird. Dort ist seit 1994 das Freiburger Museum für Stadtgeschichte untergebracht. Wentzinger wurde schon zu Lebzeiten zum Ehrenbürger und Ehrenstadtrat Freiburgs ernannt. Mehr zum Namensgeber ist wie so häufig auf Wikipedia nachzulesen.

Schule und Umgebung in openstreetmap.org

Für die heutigen Schulen begann also alles im Jahr 1972 mit einem ersten Bauabschnitt (anfangs auch als “Schulzentrum West” bezeichnet); zwei Jahre später war der heutige Gesamtkomplex fertiggestellt: Markant ist der Grundriß. Heute ist es die größte Realschule und das zweitgrößte Gymnasium in Freiburg. Die beiden Schulen haben getrennte Organisationen und eigene Leitung, aber sie benutzen auch viele Einrichten gemeinsam: z.B. naturwissenschaftliche, musische und technische Fachräume, aber auch Sporthalle und Freisportanlagen.

Zu erwähnen ist natürlich auch das Westbad in direkter Nachbarschaft und auch die Nähe zum Seepark mit Ökostation. Die Schulen sind bestens zu erreichen: Radwege führen in Richtung Betzenhausen, Lehen, Rieselfeld, oder auch Landwasser und Innenstadt. Schul- und Linienbusse sorgen zusätlich für gute Anbindung an weiter entfernte westliche Stadtteile und auch Umkirch, Hochdorf, Tuniberg und March.

Als “historisch” könnte man auch eine Entscheidung am Wentzinger-Gymnasiumzum im Schuljahr 2013/2014 bezeichnen: seither bietet es als erstes öffentliches Gymnasium Freiburgs wieder G9-Klassen.

Im Jahr 2007 beschloss die Stadt Freiburg das Gebäude grundlegend zu sanieren (energetische Erneuerung, Brandschutz, Schadstoffbeseitigungen). Die Arbeiten erfolgten im laufenden Schulbetrieb; gleichzeitig galt es, eine moderne und zukunftsfähige Raumkonzeption zu entwickeln.

Natürlich stehen die Sporthallen der Wenzingerschule auch für ausserschulische Veranstaltungen zur Verfügung. Beispielhaft als Austragungsort des Freiburger Jonglierfestivals, das hier seit vielen Jahren über mehrere Tage an einem Wochende im Frühjahr stattfindet (ggf. auch im Seepark); organisiert von Jonglierbegeisterten für Jonglierbegeisterte. Ziel ist der der Austausch untereinander, mit anderen Kleinkünstlern und allen Interessierten (mehr unter www.jonglieren-in-freiburg.de).

Soweit ein erster Überblick. Es gibt sicher noch eine Fortsetzung…


Hier die WebSeiten des Wentzinger Gymnasiums www.wentz-gym.de  und der Realschule www.wentzinger-rs.de

Im Gebäude integriert ist seit 1981 auch die Stadtteilbibliothek Mooswald, die ihr aktuelles Angebot auch regelmäßig bei uns im Bürgerblättle beschreibt. Hier unser Beitrag zum 40 jährigen Bestehen.

Die Straßen von Betzenhausen

Auszug FreiGIS mit Stadtteilgrenzen

Der Titel erinnert ein wenig an die Krimi-Fernsehserie “Die Straßen von San Francisco”, die in den 1970er-Jahren einen gewissen Kult-Status erreichte. Einer der Hauptdarsteller war Michael Kirk Douglas, dessen Karriere damit im Grunde begann. Spätestens seit der Serie wusste man als ZDF-Zuschauer, dass die Polizei-Sirenen in den USA anders klingen als hierzulande.

So spannend geht es auf den Straßen von Betzenhausen natürlich nicht zu; aber es gibt doch immer wieder kleine “Geheimnisse” zu entdecken: das beginnt in vielen Fällen schon beim Namen einer Straße, über den man sich in den wenigsten Fällen mal Gedanken gemacht hat. Es können aber auch Ereignisse in der Geschichte sein oder versteckte Kunstwerke: Darauf wollen wir hier eingehen.

Der Stadtteil Freiburg-Betzenhausen ist heute begrenzt durch die Güterbahnlinie im Südosten, die Dreisam im Südwesten, die Paduaallee im Nordwesten in Richtung Lehen und in Richtung Mooswald über das nordöstliche Ufer des Flückigersees bzw. der Ensisheimer Strasse. In diesem Bereich haben wir also nach Strassennamen gesucht; nachfolgende als Liste und mit Dingen, die wir bemerkenswert finden.

Hinweis: Auf einen Link auf die jeweilige Lage z.B. in google-maps haben wir bewusst verzichtet (bitte ggf. in Ihrem Kartentool eingeben). Die Grafik rechts oben führt direkt zu FreiGIS, dem Geo-Informationssystem der Stadt Freiburg mit vielen Möglichkeiten der Auswertung inkl. der Stadtteil-Grenzen.

Am Bischofskreuz Nach dem sog. Bischofskreuz, dass für den Straßburger Bischof Conrad von Lichtenberg errichtet wurde, der in der Schlacht bei Betzenhausen schwer verletzt wurde und an den Folgen starb (siehe Beitrag Kriegerische Zeiten).
Am Mühlbach Nach dem gleichnamigen Bach, der in vergangenen Zeiten weit größer war und die Basis für allerlei Gewerbe in Betzenhausen bildete (z.B. mehrere Mühlen, siehe Beitrag Der Mühlbach).
Angelus-Silesius-Straße Benannt nach dem Dichter Angelus Silesius (1624-1677), dessen tiefreligiösen, der Mystik nahestehenden Epigramme zu den bedeutendsten lyrischen Werken der Barockliteratur gezählt werden (mehr bei Wikipedia).
Aschenbrennerstraße Benannt nach Dr. Thomas Aschenbrenner (1885 – 1963). Domdekan und Begründer badischer Baugenossenschaften, u.a. Mitbegründer der gemeinnützigen Baugenossenschaft Familienheim. Aschenbrenner erhielt 1958 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Berliner Allee Nach der Bundeshauptstadt.
Betzenhauser Torplatz Ein Platz, der im Zuge der Landesgartenschau 1986 entstand; auf dem gleichnamigen Platz standen über viele Jahrzehnte Holz-Skulpturen, die als Eingangstor zur Ausstellung gedacht waren.
Betzenhauser Steg
Die Überquerung des “Autobahnzubringers Mitte” auf Höhe der Gaskugel in Richtung Weingarten; heute ist es nur noch ein Rad- und Fußgängerweg. Eröffung war am 3. Mai 1986 mit viel Prominenz wie z.B. Oberbürgermeister Rolf Böhme. Dabei hatte auch der “Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V.” seinen ersten Auftritt: er war erst im März des gleichen Jahres gegründet worden (heute eher bekannt unter dem Projektnamen “Orchestergemeinschaft”).
Bissierstraße Julius Heinrich Bissier (1893 – 1965) war ein deutscher Maler und ist geboren in Freiburg: Er war Mitglied der Akademie der Künste Berlin und hatte weltweite Ausstellungen wie z.B. in New York, Brüssel, Jerusalem und Chicago. Zahlreiche Werke von Bissier sind heute im Museum für Neue Kunst hier in Freiburg zu sehen (mehr bei Wikipedia). Wer nicht gleich ins Museum will: sein (flächenmäßig) größtes Werk ist an einer Wand im Innenhof der alten Universität zu sehen (Bertoldstrasse, früher der Gasthof “Erzherzog Albrecht”, jetzt “Schwarzwald erleben”).
Brandensteinstraße Er erinnert an die Herren zu Brandenstein, die im 17. und 18. Jahrhundert in Betzenhausen ansässig waren. Sie wohnten im ehemaligen Beyerschlössle, einem der beiden damaligen Freihöfe von Betzenhausen. Ein solcher Freihof hatte besondere Rechte beim Weidgang und war von Steuern und Abgaben befreit. Von beiden Höfen ist heutige nichts mehr erhalten: nur noch das Wappen des Beyer-Schlössle ist zu finden am Eckhaus Sundgauallee/Dietenbachstraße.

Für weitere historische Hintergründe zur Straße siehe Beitrag im Bürgerblättle Ausgabe 204.

Charlottenburger Straße Nach einem Bezirk in Berlin
Dietenbachstraße Nach dem alten Gewann “Dietenbach”.
Edith-Stein-Straße Edith Stein (1891 – 1942) war Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, . In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie „als Jüdin und Christin“ zum Opfer des Holocaust (sie starb im KZ Auschwitz-Birkenau). Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden (mehr bei Wikipedia).
Einsiedelnweg Nach Schweizer Klostergemeinschaft Einsiedeln“. Hintergrund: Im Jahr 972 wurde das Dorf „Bezenhusa“ in einer Schenkungsurkunde von Otto II. an dieses Kloster erwähnt. Diese Kaiserurkunde ist somit das erste noch erhaltene Dokument über das Bestehen von Betzenhausen. Betzenhausen bieb für ca. 250 Jahre in den Händen des Klosters und wurde regional über ein königliches Kammergut zu Riegel verwaltet. Die gleiche Urkunde enthielt auch die heutige Partnergemeinde Tenigen als „Deninga“ (siehe auch Blick in die Geschichte von Betzenhausen).
Elisabeth-Hettich-Straße Elisabeth Hettich lebte in Betzenhausen und wurde im Jahr 1670 Opfer des Hexenwahns, der im 16. und 17. Jahrhundert vielen Frauen das Leben kostete: vermutlich allein schon 41 Frauen in Freiburg. Elisabeth Hettich war die letzte vermeintliche Hexe, die vor Gericht stand und die gerichtliche Untersuchung gegen sie im Jahr 1670 ist gleichzeitig der am besten dokumentierte Fall (sie wurde aber glücklicherweise nicht zum Tode verurteilt, mehr im Beitrag der Badischen Zeitung vom Aug. 2020).
Elisabeth-Selbert-Straße Elisabeth Selbert (1896 – 1986) war eine deutsche Politikerin und Juristin. Als SPD-Abgeordnete im Parlamentarischen Rat 1948/1949 war sie eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“. Die Aufnahme der Gleichberechtigung in die Grundrechte der bundesdeutschen Verfassung ist zum großen Teil ihr Verdienst (mehr bei Wikipedia).
Elisabeth-Walter-Straße Elisabeth Walter (1897 – 1956) war eine badische Lehrerin und sozial engagierte Schriftstellerin; zeitweise war sie auch Lehrerin in Betzenhausen (mehr bei Wikipedia).
Else-Lasker-Schüler-Weg Elisabeth „Else“ Lasker-Schüler (1869 – 1945) war eine deutsche Dichterin und gilt als Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur (mehr bei Wikipedia).
Emma-Herwegh-Straße Emma Charlotte Herwegh (1817 – 1904) war eine deutsche Revolutionärin und eine frühe Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung, sie kämpfte u.a. in der Revolution 1848/49 für demokratische Rechte (mehr bei Wikipedia).
Ensisheimer Straße Ensisheim (elsässisch Anze) ist eine französische Gemeinde an der Ill, etwa 15 Kilometer nördlich von Mülhausen. Sie war lange Regierungssitz von Vorderösterreich (Anbindung an die Residenz in Innsbruck, Erzherzogtum Österreich) .
Falkenbergerstraße
Fischermatte Nach dem Gewann “Fischermatte” (nahe der Dreisam). An dieser kleinen Straße liegt auch die Gaskugel.
Flurstraße
Nach der Lage in der früheren Feldflur.
Freytagstraße Dr. Gustav Freytag (1816 – 1895) war einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts (mehr bei Wikipedia)..
Gaußstraße Nach Carl Friedrich Gauß, der z.B. den elektromagnetischen Telegrafen erfunden hat.
Gerhart-Hauptmann-Straße Nach dem Dichter Gerhart Hauptmann (1862-1946), an der Straße liegt auch die gleichnamige Schule (mehr zum Dichter auch auf Wikipedia).
Gruberhof Dr. Karl Gruber (1885 – 1966) war Architekt, Stadtplaner, Architekturhistoriker. Von 1919-1925 war es Stadtbaumeister von Freiburg und leitete u.a. den Umbau des Augustinermuseum (vormals ein Kloster mit Nutzung vom Theater Freiburg, mehr bei Wikipedia).
Grenzstraße
Nach ihrer Lage an der früheren Gemarkungsgrenze zwischen Freiburg und Betzenhausen.
Hofackerstraße
Nach dem früheren Flurnamen “Hofacker”
Hauriweg Im Bereich des heutigen Bezirks Bischofslinde fand 1299 ein bemerkenswertes Gefecht statt, beim der kriegerische Bischof von Straßburg (Konrad von Lichtenberg) in einer Schlacht um Freiburg durch einen Freiburger Metzger names Hauri verletzt wurde und später daran verstarb. Zur Erinnerung dient das Bischofskreuz.
Husserlstraße Benannt nach dem Philosophen und Mathematiker Edmund Husserl (1859-1938), der als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts gilt. Ab 1916 war er Dozent an der Uni Freiburg; zu seinen Schülern gehörten u.a. Edith Stein und Martin Heidegger. Ab 1933 wurde er verfolgt; er verstarb in Freiburg (mehr bei Wikipedia).
Idingerstraße
Nach dem früheren Gewann “Idinger”
Johann-Fraider-Weg Johann Fraider war der letzte Bürgermeister von Betzenhausen vor Eingemeindung zum Stadteil von Freiburg im Jahr 1908.
Kußmaulstraße Der Mediziner Prof. Dr. Adolf Kußmaul (1822-1902), der zeitweise in Freiburg lebte und arbeitete. Zur Tagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie wird seit 1991 jährlich der Adolf-Kußmaul-Pries speziell an junge Wissenschaftler verliehen (mehr bei Wikipedia).
Lehener Straße
Nach dem Ort “Lehen”, zu dem die Straße früher führte (heute teilweise ersetzt durch die Sundgauallee). In früheren Zeiten ein zentraler Teil der Verbindung zwischen Freiburg und Breisach.

Die Lehener Straße war auch über lange Zeit der Weg der Betzenhauser Bauern zum Markt in Freiburg. Bis zur Eingemeindung von Betzenhausen im Jahr 1908 mussten sie dabei einen Wegezoll an der Stadtgrenze zahlen (im sog. Oktroyhaus). Das alte „Zoll“-Häuschen ist heute noch an der Lehener Straße zu sehen. Siehe Beitrag beim Kultur&Geschichtskreis.

Lichtenbergstraße Nach dem Straßburger Bischof Conrad von Lichtenberg, der an der Stelle des Bischofskreuzes in der Schlacht bei Betzenhausen 1299 gefallen ist; siehe unser Blick in die Geschichte von Betzenhausen.
Linnéstraße
Max-Rieple-Weg Max Rieple (1902-1981) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer aus dem Französischen ins Deutsche.
Meckelhof Carl Anton Meckel (1875 – 1938) war Architekt und seine Entwürfe in gewisser Weise sogar prägend sogar für das Bild Freiburgs vor dem Zweiten Weltkrieg. Auch die die ehemalige Kassenhalle im Gebäude der Sparkasse Freiburg gehört zu seinen Entwürfen; heute heist sie Meckelhalle und wird für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt (mehr bei Wikipedia).
Opitzstraße Nach dem Dichter Martin Opitz (1597-1639), einem bedeutenden Theoretiker des Barock und des Späthumanismus (mehr bei Wikipedia)
Paduaallee Nach der französischen Stadt Padua, einer Partnerstadt von Freiburg.
Platz am Bischofskreuz In der Nähe des Platzes steht das Bischofskreuz in Erinnerung an Kampf der Freiburger Bürger gegen den Straßburger Bischof Conrad von Lichtenberg, der an der Stelle des Bischofskreuzes 1299 gefallen ist (siehe Beitrag Kriegerische Zeiten).
Ricarda-Huch-Straße Ricarda Octavia Huch (1864 – 1947) war eine deutsche Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin. Sie hat als eine der ersten Frauen im deutschsprachigen Raum promovieren können (Fach Geschichte). Sie schrieb Romane und historische Werke (mehr bei Wikipedia).
Runzmattenweg Nach dem Namen des alten Gewann “Runzmatten”. Bis 1956 wurde die Straße “Im Kanzler” genannt.
Schlettstadter Straße
Nach der Stadt im Elsass.
Schlippehof Dr. Joseph Schlippe (1885 – 1970) war Architekt, Stadtplaner, Baubeamter und über viele Jahr Oberbaudirektor der Stadt Freiburg. Für die durch Bombardierung 1944 beschädigte Altstadt entwickelte Schlippe einen Wiederaufbauplan, der im Wesentlichen die Beibehaltung der alten Straßenzüge vorsah (als historisches Denkmal des Mittelalters). Die offene Laubengänge in den Häuserfassaden der Kaiser-Joseph-Straße gehen auf seine Ideen zurück und sollten anfangs auch den Raum für Autoverkehr schaffen. Es sprach sich klar gegen moderne Stahl- und Glasarchitektur in der Innenstadt aus, andererseits aber auch gegen manche Gründerzeitarchitektur und sorgte so z.B. für den Abriss der neogotischen Giebelaufsätze des Schwabentors (mehr bei Wikipedia).

Der ehemaliger BZ-Redakteur Wulf Rüskamp hat das Wirken von Joseph Schlippe in einem Buch kritsch beleuchtet; siehe “Fassaden für die Volksgemeinschaft – Stadtbild und Ideologie: Das Beispiel des Freiburger Stadtplaners Joseph Schlippe 1925 bis 1951”, Rombach Verlag, Freiburg 2022.

Schongauerweg Benannt nach dem Maler und Kupferstecher Martin Schongauer (ca. 1450 – 1491), der in Colmar geboren wurde und dort auch lange Zeit lebte. Schongauer gilt als einer der bedeutendsten Graphiker vor Albrecht Dürer, den er auch entscheidend beeinflusste. Von ihm stammen u.a. Wandmalereien im Münster von Breisach (mehr bei Wikipedia).
Sigsteinstraße Im 14. Jahrhundert war Betzenhausen zeitweise im Besitz des Freiburger Patrieziergeschlecht der Geben-Sigstein. Von dort kaufte die Stadt Freiburg im Jahre 1381 das Bauerndorf als erste Erweiterung ihres Territoriums. Ganze 425 Jahre dauerte die Grund- und Ortsherrschaft der Stadt Freiburg über Betzenhausen (siehe auch unser Blick in die Geschichte von Betzenhausen).
St.-Thomas-Platz Der Platz vor der gleichnamigen Kirche, die als das älteste Gebäude im Stadtteil gilt; siehe auch Beitrag zur St. Thomas Kirche.
Stockmattenweg Nach dem alten Gewann “Stockmatten”.
Sudermannstraße Hermann Sudermann (1857 – 1928) war ein deutscher Dramatiker, Schriftsteller und Bühnenauto. Sudermanns erfolgreichstes Stück wurde Heimat (1893) mit der Geschichte einer jungen Frau, die sich den Heiratsplänen ihres Vaters widersetzt und als berühmte Opernsängerin in ihre Heimat zurückkehrt.Viele seiner Werke wurde später auch verfilmt (mehr bei Wikipedia).
Sundgauallee Nach dem südlichsten Landschaftsteil im benachbarten Elsaß, gehörte ehemals auch zu Österreich.
Thannhauserstraße Dr. Siegfried Thannhauser (1885-1962) war ab 1930 Direktor der Medizinischen Klinik Freiburg, wurde aber 1934 von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben und zum Hilfsarbeiter degradiert. Er konnte später in die USA emigrieren. Seit 1953 war er korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, nach ihm benannt ist der Thannhauser-Preis. (mehr bei Wikipedia).
Tränkestraße Nach den Gewann-Namen “Tränkematten” und “Tränkeäcker”.
Wiechertstraße Nach dem ostpreussischen Schriftsteller Ernst Wiechert (1887-1950).
Wilmersdorfer Straße Nach dem Berliner Stadtbezirk.
Wilhelm von Möllendorff Str. Der Mediziner Prof. Dr. Wilhelm von Möllendorff (1887 – 1944) war von 1919 bis 1922 und von 1927 bis 1933 Professor für Anatomie in Freiburg. 1933 war er kurzzeitig Rektor der Universität Freiburg, trat jedoch aufgrund nationalsozialistischer Presseangriffe gegen ihn nach wenigen Tagen vom Amt zurück. 1935 übernahm von Möllendorff eine Professur in Zürich und wurde Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (mehr bei Wikipedia).

Die Strasse war vor 2018 nach dem Chrirurgen Erich Lexer benannt.

Windausstraße Prof. Adolf Windaus (1876-1959) war (Bio-)Chemiker. Er arbeite und lehrte zeitweise in Freiburg, wo er 1903 mit einer Arbeit über Cholesterin habilitierte. Windows erhielt im Jahr 1928 den Nobelpreis für Chemie (mehr bei Wikipedia).
Zehntsteinweg Nach dem dortige Gewann “Zehntstein”. Die Straße ist aber auch eine Erinnerung an vergangene Jahrhunderte, in denen die Bürger von Betzenhausen grundherrschaftliche Abgaben zu entrichten hatten (Zehnt). Erst mit dem Zehntablösungsgesetz im Nov. 1833 erfolgte auch für Betzenhausen die Ablösung des Zehnten (siehe auch unser Blick in die Geschichte von Betzenhausen).

 

Unsere Aufstellung bzw. die Anmerkungen sind sicher noch unvollständig, aber wir arbeiten dran…

 

 

Landesgartenschau 1986

Vorgeschichte

Flückigersee 1983

Seit den frühen 1920-er Jahren förderte man im heutigen Seepark schon Sand und Kies.  Anfangs wurde allerdings nicht am heutigen Standort gearbeitet, sondern weiter südöstlich: etwa dort, wo heute der Rosengarten liegt bzw. die benachbarten Strassen. Durch diese erste Phase der Förderung war schon ein See entstanden: dort wurden nach dem zweiten Weltkrieg viele Trümmerteile der Freiburger Innenstadt abgeladen.

Nach dem Krieg wurde aber auch die Förderung von Kies und Sand wieder aufgenommen, und zwar an der heute bekannten Stelle. Betreiber war jetzt die Firma Flückiger, die damit auch Namensgeber wurde (siehe Bild). Aber Ende der 1970-er Jahren hatte die Besiedlung des Gebietes bereits so zugenommen (Bischofslinde, StuSie), dass ein weiterer Kiesabbau kaum noch sinnvoll erschien. So entstanden Ideen, das Gelände (eigentlich eine Industriebrache) in einen Park für die westlichen Stadtteile zu verwandeln.

Die Stadt lobte im Jahr 1983 einen Architektenwettbewerb aus: es war die Grundlage der Landesgartenschau 1986 und Basis für das Freizeitgelände der heutigen Form. Gewonnen hatten die Gartenarchitekten Harbauer zusammen mit der Werkgruppe Lahr. Bei diesem Projekt wurde die Form des Sees teilweise sogar verändert und insbesondere auch das vorher steile Ufer abgeflacht.


So war die Landesgartenschau Freiburg 1986

Über zwei Millionen Besucher, 178 Tage dauernde Ausstellung, ein neues Parkgelände, deren Gestaltung weit über die Grenzen Freiburgs hinaus Beachtung erhielt und als städteplanerische Grundlage für die weitere grüne Entwicklung im Freiburger Westen gilt. Es war die Basis für den heutigen Seepark rund um den Flückigersee, sicher der meistbesuchte Park Freiburgs.

Am 18. April 1986 eröffnete der damalige Ministerpräsident und Schirmherr Lothar Späth die Ausstellung in Freiburg und sie dauerte bis zum 12. Oktober.  Sie zählt bis heute zu den erfolgreichsten Landesgartenschauen in Baden-Württemberg. Siehe Bilder mit Impressionen am Ende dieses Beitrags und im Archiv der Badischen Zeitung.

In den Wochen vor der Eröffnung war das Wetter schlecht, alles Wachstum war im Rückstand und man wartete sehnlichst auf Sonnenschein und Wärme. Dann – keine zwei Wochen später – ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe – und alles schien zu erstarren! Doch das ganz alltägliche Leben auf der Landesgartenschau ging weiter; trotz all der niederschmetternden Berichte aus und über Tschernobyl, strömten die Menschen.

Es war eines der ersten Ausstellungen, bei der das Thema Ökologie zentrale Bedeutung hatte in der Gestaltung und bei Veranstaltungen. Daraus entstand auch die Idee zur Ökostation, wie wir sie heute kennen.

Auch Kunst spielt eine wichtige Rolle: zeitlich begrenzte Beiträge waren nur während der Gartenschau zu sehen. Anderes blieb: z.B. das Bürgerhaus und Seetribüne, Seeparkturm, Forsthaus, Tempelchen, Pontonbrücke…

Es gab auch Besuch von Delegationen aus Freiburgs Partnerstädten (z.B. Padua und Matsuyama). In die Partnerstadt Besançon hatten sich Vertreter von Bürgervereinen aus dem Westen selbst zu einer dreitätigen Radtour (Start am Blumenhaus) aufgemacht, um dort für die Landesgartenschau zu werben. Und gefeiert wurde natürlich auch, z.B. zum Jubiläum “40 Jahre SWF” am 5. Juli.

Ein zusätzliche Anekdote: auf den See schwamm zur Landesgartenschau auch eine Art Arche in Form eines Rheinkahns mit rot-weißen Wellblechhaus. Ein Beitrag von Prof. Klaus Humpert, dem ehemaligen Leiter des Stadtplanungsamtes). Die Arche versank während eines Sturms kurz nach Ende der Gartenschau. Sie ist liegt noch heute in den Tiefen des Sees und wird auch gern von Tauchern besucht.

Abschliessend noch ein paar Fakten: 35.000 m² Gesamtfläche, davon 9.800 m² Wasseroberfläche. Gepflanzt wurden 3.200 Bäume und über 500.000 Blumen.


Stadtteiltag Betzenhausen

Am 8. Juni 1986 präsentierte sich der Stadtteil Betzenhausen bei einem sog. Stadtteiltag. In der Blumenhalle hatte der Bürgerverein zusammen mit Dr. Franz Flamm eine Dokumentation mit Exponaten zur Geschichte von Betzenhausen zusammengestellt. Alles auch beschrieben in einer Sonderausgabe des Bürgerblättle (hier Auszüge). Diverse Vereine und Schulen waren mit Aufführungen vertreten: Fanfarenumzug. Konzerte, Modenschau, Theateraufführungen, Horex-Motorsport, Fußball-Turnier u.a. Künstler aus Betzenhausen zeigten ihre Werke in einer eigenen Ausstellung. Es war auch eines der ersten Konzerte des gerade erst gegründeten “Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V.” (siehe heutige “Orchestergemeinschaft Seepark”).

Im September gab es zusätzlich noch einen gemeinsamen Tag aller Stadtteile aus dem Westen.

Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“

Im damaligen Wettbewerb (beteiligt war auch Prof. Klaus Humpert als ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes) sollten vor allem plastische Qualitäten relevant sein; deshalb waren insbesondere auch junge und renomierte Architekten zur Teilname eingeladen. Viele der so entstandenen Plastiken blieben auch nach der Ausstellung erhalten und sind heute noch im Seepark zu finden (siehe unser Beitrag Kunstwerke im öffentlichen Raum).

Bürgerhaus am Seepark

Das heutige Bürgerhaus am Seepark war bei der Landesgartenschau 1986 zum großen Teil eine Blumenhalle. Zusätzlich wurde es genutzt als Landespavillon, d.h. es war die zentrale Infostelle “Treffpunkt Baden-Württemberg”. Hier gab es auch diverse Veranstaltungen. Im heutigen Foyer befand sich ein Springbrunnen. Schon der Entwurf zum Wettbewerb für die Landesgartenschau war die Grundform des späteren Bürgerhauses enthalten.

Holz-Installationen auf dem Torplatz

Für viele Jahre waren sie ein Erkennungsmerkmal für Betzenhausen: die grossen Holz-Skulpturen/Installationen auf dem Betzenhauser Torplatz. Die Holz-Skulpturen wurden entworfen von Architekt Hans-Dieter Schaal aus Attenweiler und eigentlich sollte es nur eine temporäre Installation für den Zeitraum der Ausstellung sein. Der Torplatz diente 1986 als zentraler Eingangsbereich zur Landesgartenschau. Doch wie vieles Tempoäres: erst Ende 2020 wurden Holz-Skulpturen bei der Neugestaltung des Platzes entfernt.

Die Ökostation am Seepark

Die Ökostation im Bau Winter 1985/86

War es schon eine “ökologische Utopie” auf der Landesgartenschau, die sich in diesem Gebäude widerspiegelte? Denn eine Woche nach Eröffnung der Ausstellung kam es in Tschernobyl zur Kernschmelze: der Supergau mit verstrahlten Menschen und verstrahlter Natur. Dabei hatte gerade diese Landesgartenschau erstmals mit dem Thema Ökologie punkten wollen und eine der Hauptattraktionen war das uriges Holzhaus, das sich Ökostation nannte. Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung.

Die Ökostation zählte auf der Landesgartenschau zu den größten Attraktionen und wurde während der Dauer der Ausstellung von über 1 Mio. Gästen besucht.

Dort lief ein buntes Veranstaltungsprogramm um ökologisches Leben erfahrbar zu machen: Ökolandbau, gesunde Ernährung, Energiesparen uvm. Es gab einen ökologischen Waschtag und sogar Brotbacken war ein Thema (wie heute noch regelmäßig): wobei damals die Brötchen wohl teilweise etwas zu hart daherkamen. Aber es waren all die Themen, die auch das Angebot der Ökostation in den Jahrzehnten danach prägen sollten.


Rückblick auf die Landesgartenschau 1986

Im Jahr 2016 (also 30 Jahre nach der Ausstellung) ist es der Redaktion des Bürgerblättle gelungen, Dr. Rolf Böhme als damaligem Oberbürgermeister, Bernhard Utz, seinerzeit Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer, sowie Bernd Dallmann als damaligem Direktor der LGS, zu einem Kurzinterview für einen Rückblick zu gewinnen (hier der zugehörige Beitrag).

Andere Fundstellen:

  • “Vor dreißig Jahren wurde die Landesgartenschau in Freiburg eröffnet” (Badische Zeitung im April 2016, ggf. nur eingeschänkter Zugriff)
  • “Fotos: So war die Landesgartenschau in Freiburg 1986” (Badische Zeitung im April 2016, ggf. nur eingeschänkter Zugriff)
  • “Heute vor 30 Jahren Landesgartenschau in Freiburg eröffnet” (Stadt Freiburg, 18. April 2016).

Impressionen von der Landesgartenschau 1986

Die nachfolgenden Bilder stammen aus der privaten Sammlung eines damaligen Besuchers (DIAs, nachträglich digitalisiert).

 

Rettung von Kulturdenkmalen

Wir wollen an dieser Stelle gelegentlich auf Veranstaltungen der Arge-Stadtbild hinweisen, insbesondere natürlich dann, wenn sie sogar einen Bezug zu Betzenhausen haben.

Aktuell (Febr. 2022): “Zugochse zu verkaufen, gut eingefahren” – Freiburg in den 50er Jahren (Mi., 23.2.2022 , 19.30 Uhr)

Ein Streifzug durch die turbulente Zeit der Freiburger 1950er Jahre – mit Anzeigen, Stilblüten und Fotos aus damaligen Zeitungen. Sie erfahren, warum man noch 1954 mit 140 km/h im Auto durch Freiburg rasen durfte, wie im Kino “Sensationen und Leidenschaften” die Gemüter bewegten und warum man sich “auf eine Frau, die Taschenmesser, Bindfaden und Schraubenschlüssel mit sich führt” unbedingt verlassen konnte. Historische Fotografien von längst verschwundenen Behelfsbauten, aber auch großen neu errichteten Gebäudekomplexen runden den Vortrag ab.

Ein kostenloser Online-Bildvortrag der Volkshochschule Freiburg in Kooperation mit Vistatour und der ARGE Freiburger Stadtbild. Alles weitere (z.B. Anmeldeinformationen) bei den Veranstaltungterminen der Arge-Stadtbild.


Historische Schätze im Keller?

Wir haben immer wieder Themen im Bürgerverein mit einem Hintergrund, bei dem auch historische Fotos von Betzenhausen hilfreich wären. Insbesondere sind wären das natürlich Bilder/Fotos von Alt-Betzenhausen und auch die die Zeit vor der Sundgauallee. Deshalb hier unsere Bitte, falls sie noch solche historischen Schätze besitzen: melden Sie sich einfach bei uns!

Natürlich sind uns auch sonstige Unterlagen zum gesamten Stadtteil (Bilder, Berichte, Zeitungsausschnitte…) jederzeit willkommen. Danke schon jetzt für eine E-Mail an redaktion@Betzenhausen-Bischofslinde.de.


Rettung von Kulturdenkmalen

Passend zum Theme ein Beitrag aus Bürgerblättle 263, Okt./Nov. 2020:

Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V. hat eine Initiative gestartet, um gemeinsam mit den Bürgervereinen Gebäude und städtebauliche Situationen in den Stadtteilen zu identifizieren, die als besonders schützenswert angesehen werden. „Rettung von Kulturdenkmalen“ heißt das nach allen Seiten vernetzte Projekt, das auch die Zusammenarbeit zwischen Organisationen, Einzelpersonen, dem Verein, der Stadt und dem Denkmalschutz voranbringen möchte.

In der Vergangenheit gelang es dem 1967 gegründeten Verein bereits, zahlreiche Gebäude in Freiburg vor dem Abriss zu bewahren und die Verantwortlichen ebenso wie die Bürger*innen für diese Problematik zu sensibilisieren. Es geht darum, historische und kulturell bedeutsame Orte zu erhalten, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlen und den städtebaulichen Charakter eines Stadtteils prägen. Das können Baudenkmäler sein, aber auch Bauten, die nicht unter den Denkmalschutz fallen, Grünanlagen oder Plätze, die den großen Modernisierungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte trotzen konnten. Für die Bürger*innen sind solche Orte identitätsstiftend, und sie werden immer rarer.

Projektleiter Joachim Scheck baut systematisch eine Datenbank auf, die Informationen über potenziell gefährdete Gebäude bündelt. Auch in der Vergangenheit abgebrochene Objekte werden darin erfasst. „Wir wollen nicht erst recherchieren, wenn es schon zu spät und der Abriss schon beschlossen ist, sondern schon im Vorfeld“, erläutert er. „Zusammen mit den Bürgervereinen wollen wir frühzeitig Wissen vermitteln.“ Dank Zuschüssen der Paul-Mathis-Stiftung konnte für zwei Jahre eine Mitarbeiterstelle für die Datenerfassung eingerichtet werden. Mit im Boot ist die Stadt, die die ARGE bei ihrer Arbeit mit Plänen und sonstigen Materialien im Bereich möglicher städtebaulicher Erhaltungssatzungen unterstützt. Im Gegenzug stellt die ARGE der Stadt die Ergebnisse ihrer Recherchen für die weitere Diskussion und rechtliche Umsetzung zur Verfügung. Auch das Stadtarchiv und das Vermessungsamt unterstützen die Arbeit.

Abbildungen: Blick in die Sundgauallee, 1929 (aus Sammlung Hans-Jürgen Oehler) und heute (von Joachim Scheck)

So können Sie mitmachen: Welche Orte machen den Charme von Betzenhausen-Bischofslinde aus? Bürger*innen können Vorschläge für besonders schützenswerte Gebäude und das Stadtbild prägende Orte einreichen, gern zusammen mit näheren Informationen, falls vorhanden:

ARGE Freiburger Stadtbild e.V., Stichwort „Rettung von Kulturdenkmalen“, Wallstr. 12, 79100 Freiburg
Ansprechpartner bei Rückfragen: Joachim Scheck, scheck@arge-stadtbild.de, Tel. 0179 / 649 4116, www.arge-stadtbild.de

Dr. Heike Piehler

 

200 Jahre Dreisam-Regulierung

Jetzt, Anfang 2022 schauen wir 200 Jahre zurück: Damals wurde eine ganz besondere Baustelle eröffnet, die weitreichende Auswirkungen auf das damalige Leben in Betzenhausen hatte und im Grunde die Entwicklung zum heutigen Stadtteil erst möglich machte. Es geht um die Begradigung der Dreisam nach den Plänen von Wasserbau-Ingenieur Johann Gottfried Tulla, der ja auch für die Begradigung des Rheins in jener Zeit verantwortlich war: in den Jahren 1822 bis 1824 erfolgten die wichtigsten Arbeiten auf dem Teilstück zwischen Freiburg und Lehen. Dazwischen natürlich die Gemarkung von Betzenhausen und der Umbau war auch dort sehr willkommen.

Ein alter Seitenarm

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Dreisam ein weitläufiges System aus verschiedenen Flussarmen, die sich immer wieder neue Wege suchten und sich zeitweise über eine Breite von bis zu 2 km ausdehnte. Dieses Fluss-System durchquerte auch die damalige Gemarkung von Betzenhausen, denn die reichte fast bis zum heutigen Stadtteil St. Georgen. Die Dreisam prägte aus verschiedenen Gründen das Leben im Bauerndorf Betzenhausen. Insbesondere häufige Überschwemmungen brachten Gefahren mit sich: Im stehenden Wasser bildeten sich Krankheitserreger (z.B. für Tuberkulose oder Sumpffieber / Malaria, was wir heute nur in fremden Ländern verorten); ggf. war selbst das Wasser in den Brunnen nicht mehr trinkbar. Teilweise blieb das Wasser so lange Zeit auf den Feldern und Wiesen stehen, dass Ernten verfaulten und am Ende der Hunger quälte.

Ziel der Begradigung war also vor allem ein Schutz vor Hochwasser; nebenbei sollten natürlich auch landwirtschaftliche Flächen für Ernährung der Menschen gewonnen werden. Versuche zur Dreisam-Eindämmung hatte es auch schon in den Jahrhunderten davor gegeben: begleitet wurden die Maßnahmen und Ideen z.B. über die Freiburger Wuhrordnung. Aber als Hochwasser-Schutz war vorher alles Stückwerk geblieben. Im Jahr 1812 hatte Ingenieur Tulla als Vertreter des Wasser- und Straßenbauamtes Karlruhe seine Pläne vorgelegt, bereits 1817 ging es los. Aber am Ende sollte die Umgestaltung doch über 25 Jahre dauern (Wetter, fehlendes Geld und andere Sorgen, die man heute auch noch so kennt).

Die Dreisam bei Betzenhausen

Danach lag die Dreisam fast wie ein Strich in der Landschaft und erhielt dabei das typische “Doppeltrapezprofil”. Dieser Querschnitt sorgt für eine kontinuierlich hohe Fließgeschwindigkeit und kann gleichzeitig Platz für große Wassermengen bieten, um Überflutungen zu vermeiden. Auch viele andere Flüsse wurden in jenen Jahrzehnten nach gleichem Prinzip umgestaltet: z.B. die Elz. Mit dem gemeinsamen Umbau entstand vor deren Mündung auch der Leopoldskanal zwischen Riegel und Rhein, um ggf. großen Wassermengen aus beiden Flüssen gewachsen zu sein.

Fast unvorstellbar sind die damaligen Arbeitsbedingungen: kein Bagger, kein Lkw. Das neue Flussbett wurde mühsam von Hand freigeschaufelt und der Aushub dann mit Körben oder Schubkarren transportiert. Tätig waren überwiegend Tagelöhner: finanziert von den anliegenden Gemeinden (der Sold war sicher nicht zu hoch gegriffen, Mindestlohn ja auch noch kein Thema…). Die Dämme seitlich der Dreisam wurden überwiegend aus Material aufgeworfen, das man aus dem neuen Flussbett geschaufelt hatte. Deren Befestigung war noch ein eigenes Thema, denn die Kraft des Wassers wird in gebündelter Form ja nicht weniger, sondern eher mehr.

Auch wenn die grundlegenden Arbeiten auf Höhe Betzenhausen schon in den Jahren 1822 bis 1824 erfolgten, die alten Seitenarme wurden erst einige Jahre später geschlossen und dann auch stillgelegt. Erst danach wurde es möglich, die zugehörigen Ländereien intensiver zu nutzen (überwiegend Wiesen). Der damalige Mühlbach erhielt sein Wasser von nun an über Ausleitung aus der begradigten Dreisam. Damals führte er auch noch genügend Wasser um Mahl- und Ölmühlen in Betzenhausen zu betreiben: also nicht vergleichbar mit dem heutigen (Mini-)Mühlbach.

Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte zeigten sich aber auch die Nachteile der Begradigung: der Grundwasserspiegel senkte sich immer mehr (z.B. weil die Überflutungen jetzt fehlten); es folgten sogar Zeiten mit ernstem Wassermangel in den Bächen und Brunnen von Betzenhausen. So wurde am Ende der Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung sogar zu einem wichtigen Anliegen im Eingemeindungsvertrag mit Freiburg im Jahr 1908. Und da beginnt spätestens eine neue Geschichte…

Zum Abschluss: für uns ist die Dreisam heute vor allem ein Naherholungsgebiet oder eine Rad-Verkehrsverbindung. Die historischen Gefahren haben wir nicht vor Augen; heute würde man die Begradigung auch anders bewerten, insbesondere aus ökologischer Sicht mit dem Verlust an Naturraum. Im Osten von Freiburg hat vor Jahren schon ein gewisser Rückbau begonnen: dort waren die früheren Umbauten aber ohnehin nicht so gravierend. Wenn jetzt im Zusammenhang mit Baugebiet Dietenbach und dem Gaskugel-Projekt auch eine Re-Vitalisierung der Dreisam im Raum steht, dann sind das schöne Aussichten für alle angrenzenden Stadtteile, bzw. den gesamten Freiburger Westen.

Bei weiterem Interesse am spannenden Thema „unserer“ Dreisam hier eine passende Buchempfehlung: „Die Dreisam: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“; Jörg Lange und RegioWasser e.V., Lavori Verlag Freiburg.


Der Text basiert auf einem Beitrag in unserem Stadtteil-Magazin “Bürgerblättle”, Ausgabe 341, Febr./März 2022.

Siehe auch unsere allgemeinen Beiträge zur Dreisam mit weiteren Infos und zum Mühlbach, einst Lebensader von Betzenhausen.

Zum Umfeld passt sicher auch unser Blick in die Beschichte von Betzenhausen.

Lang ist her, da hatten wir im Bürgerblättle eine Beitragsserie mit verschiedenen Themen aus der Geschichte von Betzenhausen (siehe zugehörige Themen-Übersicht); insbesondere auch zu Naturraum und Siedlungsbild von Betzenhausen mit weiteren Hintergründen zum Thema hier.

Johann Gottfried Tulla kennt man wegen seinen Arbeiten zur Flussbegradigung; er gründete nebenbei aber auch z.B. die Ingenieursschule Karlsruhe, heute das „Karlsruher Institut für Technologie (KIT)“. Zu seinem Leben und Wirken möchten wir auf entsprechenden Wikipedia Beitrag verweisen.

Freiburger Gasgeschichte(n) 1850 bis heute

Die Betzenhauser Gaskugel ist stillgelegt. Zu den Hintergründen und dem Projekt zur weiteren Nutzung siehe unseren Beitrag zur weiteren Nutzung der Gaskugel bzw. die Projekt-Seite  www.gaskugel-freiburg.de

Die Arbeitsgruppe zur Weiternutzung der Gaskugel hat die spannende Geschichte der Freiburger Gas-Nutzung aufgearbeitet und in einem Buch zusammengefasst (seit 1.7.2021 erhältlich).

Hier Auszüge aus dem Buch in einem Rückblick mit der Frage Wie war Weihnachten 1850?.


Nachfolgende die Buchvorstellung in unserem Stadtteil-Magazin “Bürgerblättle”, Ausgabe 267 (Juni 2021):

Im „Arbeitskreis Gaskugel“ werden wir mehr und mehr zu Gasversorgungs-Experten. Wussten Sie, dass das erste Gaswerk auf dem Platz der heutigen Johanneskirche stand? Es wurde 1850 von der privaten Gesellschaft Spreng & Sonntag gebaut und war bis 1884 in Betrieb. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, Ende des 19. Jahrhunderts wurde an seiner Stelle die neoromanische Johanneskirche errichtet. Vom zweiten Gaswerk, das 1884 an der Ferdinand-Weiß-Straße im Stühlinger gebaut wurde, stehen immerhin noch zwei der Rundmauern. Auch das dritte und letzte Gaswerk im Industriegebiet Nord (1936 – 1965) musste anderen Vorhaben weichen. Allein unsere schöne Gaskugel steht noch – ein stolzes Industriedenkmal, das auf seine neue, zivile Nutzung wartet. Gemeinsam mit den Autoren und unter Mitwirkung verschiedener Bildarchive ist unser Buch nun fertig und ab sofort bestellbar (Lieferung ab 1. Juli):

Bild: Buchcover, Collage von Hajo Eickbusch

Freiburger Gasgeschichte(n), 1850 bis heute

Gasenergie in Freiburg i. Br., von Richard Funk
Mit einem Gastbeitrag von Joachim Scheck und einem Ausblick von Bernward Janzing.
Picea Verlag Freiburg, ISBN 978-3-9814265-2-6, 21 x 28 cm, 112 Seiten, 62 Abbildungen (12 farbig), 14,80 €
Erhältlich im Buchhandel und beim Verlag: www.piceaverlag.de

Freiburgs Gasgeschichte ist lang: Nacheinander beherbergte die Stadt drei Gaswerke an unterschiedlichen Standorten. In diesen Industrieanlagen wurde seit 1850 aus Kohle Stadtgas erzeugt, das vor allem die Gaslaternen an den Straßen speiste. Nach der Stilllegung des letzten Gaswerks 1965 folgte eine kurze Epoche mit Raffineriegas, ehe in den frühen 1970er Jahren das Erdgas in den Breisgau kam. Die Gaskugel blieb als imposantes Industriedenkmal erhalten.

Der Autor (Richard Funk) hat einen Teil dieser Geschichte mitgeprägt. Er war von 1965 bis 1994 Technischer Direktor der Freiburger Energie- und Wasserversorgung und verknüpft kenntnisreich die historische Entwicklung mit Wissen und Erfahrungen aus seinem eigenen Arbeitsleben. So entstand ein unterhaltsames Kapitel südbadischer Wirtschaftsgeschichte, das abgerundet wird durch Gastbeiträge zur Typologie der historischen Gaslaternen in Freiburg und zur künftigen Rolle der Gasinfrastruktur im Zuge der Energiewende“. (Klappentext)

Auszug aus dem Grußwort der Stadt Freiburg:

„…Auf sehr anregende Weise wird am Beispiel der Gasenergieerzeugung und -verteilung der letzten 170 Jahre nachvollziehbar verdeutlicht, wie technische Entwicklungen den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandel prägen und mit der Stadtentwicklung Freiburgs verkoppelt sind.

Das Buch skizziert am Beispiel des Energieträgers Gas im Zeitraffer Perioden von stadtgeschichtlichen Entwicklungsschüben, Umorientierungen, Brüchen und Mangellagen, die sich auf das Stadtbild auswirkten. Vom Weihnachtsfest 1850, als zum ersten Mal alle Straßen im Freiburger Zentrum vom hellen Gaslicht erstrahlten und selbst das Freiburger Theater mit Gasbeleuchtung den Spielbetrieb aufnahm; über die bedeutsamen Otto Winterer-Jahre, die zentrale Grundlagen für das heutige Stadtbild von Freiburg legten, und die auch durch Konkurrenz der Energieträger Gas und Strom wichtige Impulse zur stetigen Entwicklung einer modernen Stadt gaben…

In den Artikeln und Plänen des Buchs wird spürbar, wie engagiert, detailverliebt und aufklärerisch die Autorenschaft aktiv ist und wie sehr ihnen die Stadt und ihre Entwicklung am Herzen liegt… So gilt es nun, die denkmalgeschützte Gaskugel als im Stadtgebiet eindrücklich sichtbare Zeugin (Landmarke) einer energiewirtschaftlichen Ära zu erhalten, indem an oder in ihr neue Nutzungen für Naherholung und Kultur etabliert werden und sie so in einen neuen städtebaulichen bzw. freiraumplanerischen Kontext zur Stadt gestellt wird.“

Ulrich von Kirchbach, Erster Bürgermeister,
Prof. Dr. Martin Haag, Bürgermeister

Herausgeberin: Dr. Heike Piehler, für den Arbeitskreis Gaskugel – Eine gemeinsame Initiative von: Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V. und Stiftung BauKulturerbe gGmbH. Infos: www.gaskugel-freiburg.de