Geschichtliches zum Stadtteil Betzenhausen

Die Verkehrsanbindung Betzenhausen – Freiburg

Bus und Strassenbahn

Es war ein elementarer Teil der Vereinbarung von 1908 zur Eingemeindung von Betzenhausen in Freiburg: dass der 5-km Weg nach Freiburg weniger beschwerlich werde. Denn es war u.a. der Markt in Freiburg von großer Bedeutung, auf dem Betzenhausener Landwirte mehrmals in der Woche vertreten waren. Bis dahin ein Weg zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferde-Karren über die damalige “Lehener Strasse”. Insofern wenig überraschend, dass schon in der Eingemeindungs-Urkunde die Stassenbahn ein Thema war.

Im September 1926 wurde zumindest schon mal ein direkte Busverbindung eingerichtet; die allerdings am Ende des Krieges auch wieder teilweise zusammenbrach.

1978 begannen die Bauarbeiten für eine Strassenbahnverbindung von der Paduaallee in die Innenstadt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee. Die Eröffnung 1983 war ein großes Fest: der Vorstand des Bürgervereins erschien in Kleidung der Jahrhundertwende und Spruchband: “Schon 1908 versprochen, heut’ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn fährt nach Westen, ist das nicht wunderbar!”. Heute ist es die am meisten genutzte Linie der VAG. Davor lag ein langer Weg und so manche zwischenzeitliche Planungsidee wirkt heute eher skurril, z.B. zur Querung des Bahnhofs mittels Tunnel oder Hochbahn. Schon 1980 – also während der Umsetzungsphase – gab es im Bürgerblättle eine Artikelserie zur Entwicklung dieser Stadtbahn in den Westen.

Im Juni 1985 wurde dann auch die Verlängerung der Linie 1 nach Landwasser fertiggestellt. Gleichzeitig ging die Wendeschleife Bissierstrasse in Betrieb zur Anbindung des “Behördenzentrums” an der Berliner Allee (incl. Park&Ride); ein Kreuzungspunkt auch für mehrere Buslinien.

Die Sundgauallee

Die historische Lehener Strasse war zentrales Element der Ost-/West-Verbindung und führte von Freiburg bis nach Lehen (was der Strassen-Name ja auch nahelegt). Das Dorf Betzenhausen befand sich an der Kreuzung von Lehener Strasse und Dietenbachstrasse (letztere also wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung). Bereits Ende der 1920-er Jahren war insbesondere die Lehener Straße so stark befahren, das ein Verbreiterung in Angriff genommen wurde.

Wer direkt den Unterschied zwischen 1929 und heute sehen möchte: Joachim Scheck von Vistatour History Tour hat zwei Bilder übereinander gelegt (siehe hier).

Leider war es auch ein Ergebnis der Bombennacht von 1944, dass viele von Betzenhausen’s damaligen Gebäuden zerstört wurden. So ergab sich für die Stadtverwaltung nach dem Krieg die Gelegenheit, über eine neue (fortschrittliche) Gestaltung nachzudenken; und die sollte natürlich Auto-orientiert sein. Dieses Neu-Denken führte letztendlich zu der breiten Sundgauallee, wie wir sie heute kennen. Sie wird heute durchaus auch als ein trennendes Element im Stadtteil empfunden.

An den Rändern der Sundgauallee entstand ab der 1960-er Jahre der neue Bezirk Bischofslinde. Parallel sollte am westlichen Ende auch das dörflichen Alt-Betzenhausen städtisches Flair erhalten: Hochhäuser für damals höchst attraktive Urbanität, die Sundgauallee als “Boulevard des Westens”. Wie viel kleinstädtischer es vorher noch aussah, zeigt sogar noch das Titelbild des Bürgerblättle 203 mit Vergleich von Bildern aus 1973 und 2010 (die beiden Häuser im Bild von 1973 würden heute wohl auf der Mittel-Trasse der StaBa stehen).

Damals erwartete Verkehrszahlen für die Sundgauallee wurden nie erreicht: was letztendlich auch durch die parallel entstandenen Planungen für den Zubringer Mitte begründet ist.

Ca. ab dem Jahr 2000 enstanden erste Ideen für eine Auffrischung der Sundgauallee bzw. einem Rückbau der breiten Fahrbahn zugunsten von Rad-/Fußwegen entsprechend dem wirklichen Bedarf (und vor allem auch mit der Ziel einer verbesserten Aufenthaltsqualität). Ein neues Einkaufszentrum (Brielmann-Gelände) in unmittelbarer Nähe gab zusätzlichen Anschub für diese Ideen. Daraus wurde das ZAK = ZentrenAktivierungsKonzept. Erste Umbaumaßnahmen erfolgten ab 2012 auf dem Platz am Bischofskreuz und danach an der Haltestelle Betzenhauser Torplatz.

Eine Episode: das “Esso Motor Hotel”

Die Sundgauallee also neue zentrale Verbindung von Freiburg in den Westen (und damit z.B. auch zur Autobahn) lockte Mitte der 1960 Jahre auch Esso an diese Strasse. Die Tankstelle gibt es noch heute, anfangs war sie aber auf beiden Seiten der Strasse zu finden (heute sind dort StuSie-Gebäude). Und anfangs wurde im Gebäude neben der heutigen Tankstelle zusätzlich ein „Esso Motor Hotel“ betrieben, von denen es insgesamt nur drei Deutschland gab. Für etwa 10 Jahre auch ein beliebtes Restaurant im Stadtteil. Ausführliche Infos zum Konzept sind in Wikipedia zu finden.

Zumindest einmal (im Jahre 1970) waren dort prominente Fußballer zu Gast: die Bundesliga-Mannschaft des SF Schalke 04. Anlass war ein Spiel gegen die Kicker von Eintracht Freiburg: natürlich ein Großereignis für die Eintracht. Einige Namen der Schalke-Spieler dürften heute noch bekannt sein: Rolf Rüssmann, Torwart Norbert Nigbur, oder die Kremers-Zwillinge. Trainiert wurde Schalke damals von Trainer-Legende Rudi Gutendorf. Ein Ergebnis hatte das Spiel auch: 2:5 für Schalke; die Eintracht hat sich also durchaus wacker gehalten.

Das betroffene Gebäude an der Tankstelle kennen wir heute als Ärztehaus und Verwaltungsgebäude.

Dietenbachstrasse und Paduaallee (Westrandstrasse)

Die Dietenbachstrasse war früher wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung. In den 1960-er Jahren wurde klar, dass mit wachsendem Verkehr eine West-Umgehung erforderlich wird (heute die Verbindung zwischen Gundelfingen und St. Georgen).  Das Projekt “Westrandstraße” wurde geboren und man begann mit Bau der Mooswaldallee.

Foto: Stadt Freiburg

Für den heutigen Teil der Paduaallee wurde anfangs eine abenteuerliche Lösung vorgeschlagen (und sogar vom Gemeinderat 1971 mit knapper Mehrheit gebilligt): demnach sollte die Paduaallee auf einer Art Damm verlaufen mit fast 8 Metern Höhe, dessen Ausläufer dann über die Dreisam führt. Der Anschluss an Betzenhausen/Lehen und die Sundgauallee wäre Autobahn-ähnlich gewesen mit Strassenführung bis fast vor die St. Thomas Kirche. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative mit Bürgern beteiligter Stadtteile (gegründet vom Ortsverein Betzenhausen). Aus dieser Initiative entstand der Gegenvorschlag mit einer tiefergelegten Paduaallee wie wir sie heute kennen, der letztendlich (mit Umweg über die Landesregierung in Stuttgart) auch vom Freiburger Gemeinderat genehmigt wurde. Ähnliche Varianten waren vorher aus Kostengründen verworfen worden. So konnte der Damm als große “Mauer” zwischen Betzenhausen und Lehen von aktiven Bürgern vermieden werden!

Doch der Bau der Gesamtverbindung brauchte seine Zeit: zwischenzeitlicher Verkehr musste über vorhandenen Strassen geleitet werden. Sehr zum Leidwesen vor allem der Anwohner in der Hofacker- und Dietenbachstraße: an deren Ende ging es über die (zunächst) einspurige Dreisambrücke nach Weingarten. Lange Staus waren die Folge: im Jahr 1970 wurden auf der Dietenbachstraße an einem Tag 4.700 Fahrzeuge (incl. LKW) gezählt; 10 Jahre später waren es unglaubliche 12.300 Fahrzeuge (an einem Tag!). Mit Fertigstellung der Weststrasse dann endlich Endspannung: 1982 dann die Sperrung der Dietenbachstraße für den Durchgangsverkehr (ein wichtiges Anliegen für den damaligen Bürgerverein).

Die heutige vierspurige Brücke zur Überquerung der Dreisam als Teil der Paduaallee wurde 1988 fertiggestellt.

Bleibt noch ein Blick in die Abschussdokumentation der Stadt Freiburg zur Westrandstraße im Jahre 1998 mit Hinweis auf die städteplanerische Bedeutung der Westrandstraße: „Die Stadtplanung hat bei der Bewertung dieses größten kommunalen Straßenbauvorhabens der letzten Jahrzehnte nicht nur die verkehrspolitische Funktion im Auge, sondern achtet auch die gesamtstädtische und städtebauliche Bedeutung. Dabei spielen die Nähe zu den angrenzenden Stadtteilen ebenso eine Rolle wie die Einbettung in die Landschaft oder die Sichtbeziehungen, die sich auf dem Weg von Süden nach Norden öffnen.“ Im Jahre 2017 kamen Pläne auf, angrenzende Waldgebiete im Stadtteil Mooswald als Bauflächen ins Auge zu fassen, siehe Bericht im Bürgerblättle 244 (Juni 2017).

 

Der Kultur- und Geschichtskreis

Vorstellung des Vereins im Bürgerblättle 257 (Aug. 2019): Der Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde


Heute möchte ich den Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde vorstellen. Vielen Geschichtsinteressierten unseres Stadtteils ist er schon lange bekannt. Aber für andere könnten diese Zeilen ein Anreiz sein, sich mehr für uns zu interessieren.

Vor mehr als 20 Jahren – genau gesagt im Jahre 1998 – entstand der Kultur und –GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde als Ausgründung des Bürgervereins. Was war damals geschehen?

Dr. Franz Flamm, der bekannte Erforscher unserer Lokalgeschichte, wollte damals sein umfangreiches Archiv dem Bürgerverein anvertrauen. Um seine Arbeit weiterzuführen und auszuweiten und darüber hinaus eigene Akzente zu setzen, gründeten Dr. Thomas Hammerich und Nicolai Bischler den KuGe (Kurzform für den Kultur- und GeschichtsKreis). Eine äußerst produktive Phase seiner Kerngruppe von etwa 4-6 Personen nahm damit ihren Anfang. Die Gesamt-Mitgliederzahl wuchs bis auf ungefähr 40 Personen an. Und die folgenden Highlights wurden während 15 Jahren den Mitgliedern und anderen Interessierten geboten:

  • 1999-2000: der Feier-Zyklus zum 700-jährigen Frieden vom Bischofskreuz mit Verpflanzung des Bischofkreuz-Originals in die St. Albertkirche, Vorträgen, einem ökumenischen Gottesdienst und der Veröffentlichung einer Festschrift.
  • 2004: Ausstellung und Buch über die fast völlige Zerstörung Betzenhausens durch die Bombardierung im Jahre 1944.
  • 2008: Festakt, Ausstellung und Veröffentlichung eines Buches anlässlich der 100-jährigen Wiederkehr der Eingemeindung Betzenhausens zu Freiburg.
  • 2013: ein Festzyklus gemeinsam mit Lehen anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr des Bundschuh-Aufstandes

Daneben gab es viele Exkursionen: beispielsweise zur Burg Liechtenberg (Elsass), nach Villingen zur  Sonderausstellung 1000 Jahre Marktrecht, nach Schussenried zur Landesausstellung mit dem Schwerpunkt Säkularisierung und Reichsdeputationshauptschluß von 1803 oder nach Vörstetten ins Alemannenmuseum und nach Konstanz zur Konzilsausstellung. Natürlich hat der KuGe auch eine Anzahl Sonderführungen in Freiburg besucht. Darunter waren ein Stadtrundgang mit dem Thema Freiburg im Nationalsozialismus 2016 und der Besuch der dazugehörigen Ausstellung im Jahr 2017 um nur 2 besonders eindrucksvolle Führungen zu nennen.

Dieser kurze Abriss lässt erahnen, mit wie viel Freude und Herzblut der „harte“ Kern des Kultur- und GeschichtsKreises in den letzten 2 Jahrzehnten nicht nur die Lokalgeschichte vielen Menschen zugänglich machte.

Wer mehr über uns wissen möchte, hier unsere Homepage: www.kuge-freiburg.de  

Brigitte Hammerich

Geschichte zum Bezirk Bischofslinde

Vorgeschichte

Der Bezirk Bischofslinde lag schon früher auf den Gemarkungsgrenzen des Dorfes Betzenhausen.

Auf diesem Gelände fand 1299 ein bemerkenswertes Gefecht statt, beim der kriegerische Bischof von Straßburg (Konrad von Lichtenberg) in einer Schlacht um Freiburg durch einen Freiburger Metzger names Hauri verletzt wurde und später daran verstarb. Die beteiligten Soldaten stellten darauf den Kampf ein, so dass mit dem Tod des Bischofs auch die Schlacht um Freiburg damit beendet war. Zum Gedenken an dieses besondere Ereignis wurde ein Steinkreuz aufgestellt (das Bischofskreuz), neben dem über Jahrhunderte eine Linde wuchs (folglich Bischofslinde genannt). Der Kultur und Geschichtskreis Betzenhausen hat die Hintergründe in einer beeindruckenden Dokumentation aufgearbeitet.

Nebenbei: um das Bischofskreuz vom Verfall zu bewahren, wurde es 1999 durch eine Kopie ersetzt (das Orginal steht heute in der St. Albert-Kirche). Für mehr Hintergründe zu dieser Initiative vom Kultur- und Geschichtskreis siehe damaligen Bericht Rettung Bischofskreuz (pdf) im Bürgerblättle 148 und zugehörige Gechichtliche Hintergründe (pdf) zum Bischofskreuz im Bürgerblättle 149.

An die Bürger von Freiburg, die ihre Stadt damal so tapfer verteidigt hatten, wurde offensichtlich weniger gedacht oder zumindest nicht direkt. Indirekt wurde das Bischofskreuz auch zum Zeichen wachsender Eigenständigkeit städtischer Gemeinschaften (z.B. über die Zünfte) als Gegenpol zu den Adligen jener Zeit.  Mit der gewonnen Schlacht gab es erst mal Ruhe: allerdings mussten die zugehörigen Felder der Betzenhausener Felder im weiteren Verlauf der Geschichte noch häufiger als Aufmarschgebiet herhalten

Andererseits war der “Schotterboden” auch nicht besonders fruchtbar: so wurden mit zunehmender Bautätigkeit in Freiburg Sand- und Kiesgruben in diesem Gebiet angelegt. Aus dem letzten und größten Baggerloch ist dann der Flückiger See entstanden.

Schön ist auch die Geschichte des Brunnens neben dem Bischofskreuz: Hintergrund ist ein Laufbrunnen an der Lehenerstraße, derin in geschichtlichen Zeiten Haltepunkt von Markfrauen aus Lehen und Betzenhausen war, die sich ja üblicherweise zu Fuss auf den Weg nach Freiburg machten (bei mehr Interesse an den Hintergründen hier ein Bericht (pdf) dazu im Bürgerblättle 147 von 1998).

Entstehungsgeschichte Bezirk Bischofslinde

Bereits im Bebauungsplan von 1956 wurde das Gebiet des heutigen Bezirks Bischofslinde erstmals als Erweiterungsfläche für Wochnungsbau erwähnt. Ab 1963 erstellte die Städtische Wohnungsbaugesellschaft im Zehnsteinweg eine Wohnsiedlung für über 300 Familien, das größte soziale Wohnbauprojekt in Freiburg nach dem Krieg. Es sollte auch Heimat werden für Flüchtlinge, Rückkehrer und auch Obdachlose. Gleichzeitig sollte ein neues Zentrum für Behörden im Westen entstehen.

Damit wurde auch der Grundstein gelegt für den Bezirk Bischofslinde: Namengeber sollte eine historische Bischofslinde sein, die über Jahrhunderte neben dem Bischofskreuz stand und in den 1940-er Jahren einem Sturm mit Blitz-Einschlag zum Opfer gefallen war. Symbolisch für den Aufbruch pflanzte OB Dr. Keidel am 29. Mai 1963 am selben Ort eine neue Linde, die heute wieder eine stattlich Größe aufweist. Der Name dieses Stadtbezirks ist also gleichzeitig Geschichte.

Bei den Planungen zum Bezirk Bischofslinde wurde vier Siedlungsbereiche identifiziert:

  • Das Runzmattenviertel, in dem auch Gewerbe vorgesehen war
  • Das Seeparkviertel mit den Schwerpunkten Studentensiedlung (StuSie, ab 1965) und Idinger Hof (gebaut 1976)
  • Das Behördenzentrum mit zentralen Objekten wie Polizeidirektion und Regierungspräsidium,
  • Das “Kernland”von Bischofslinde mit dem Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, sowie Anne-Frank-Schulen und Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen.

Das Seeparkviertel

Der Bau der Studenten-Siedlung (StuSie) begann und bestand aus 3 Wohnhäuser unterschiedlicher Höhe mit gemeinsamen Hofraum. Im Juni 1966 wurde dieser erste Teil der StuSie feierlich eröffnet: dabei waren u.a. Ministerpräsident K.G. Kiesinger und Magnifizenz Prof. Helmut Baitsch. Einige der weiteren Hochhäuser wurden mit Unterstützung der Max-Kade-Stiftung erstellt. Nach Ende der ersten großen Bauphase bestand die StuSie aus ca. 20 Häusern mit etwas 1.500 Plätzen und wurde so zum größten Studentendorf in Freiburg.

Der Idinger Hof mit seinem eher ungewöhnlichen Klinker wurde 1976 errichtet und ist ein zweiter makanter Punkt im Seeparkviertel.

Zentrales Element des Seeparkviertels ist natürlich der Seepark selbst. der erst zur Landesgartenschau 1986 die heute Gestalt erhielt (nebenbei eine der erfolgreichsten Landesgartenschauen in Deutschland bisher). Der Seepark enhält eine Reihe markanter Bauwerke als Überbleibsel der Ausstellung; z.B. das Forsthaus,  der Aussichtsturm, das aus Sandstein gebaute Wassertürmchen sowie der Bacchus. Am Rande des Seeparks befindet sich das Hallenbad West, Freiburgs größtes Schwimmbad. Noch früher (ab 1968) gab es dort auch ein Freibad, das hoffendlichin 2022 wieder eröffnet wird.

Das Behördenzentrum

Erster Behördenbau war 1966 das Flurbereiningungsamt, es folgten u. a. das Landespolizeipräsidium (1973/74), die Oberpostdirektion (1975), das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (2000) und das Regierungspräsidium (2001-2004).

Sieht man von der Wohnbebauung an der Bissierstrasse ab, dann bildet die ab 1962 geplante Berliner-Allee die Trennlinie zwischen dem Behördenzentrum und dem Wohnquartier Bischofslinde.

Das “Kernland”von Bischofslinde

ist geprägt durch den Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, der Anne-Frank-Schulen und den beiden Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen. Dieser Bereich entstand zeitgleich mit dem Bau der Studentensiedlung auf der gegenüberliegenden Seite der Sundgauallee; maßgeblich beteiligt am Wohnungsbau waren die Genossenschaften „Wohnstättenbau“ und „Familienheim“.

Die vierspurige Sundgauallee wurde mit Hochhäusern eingefasst, wobei die Höhe der Häuser jeweils in Richtung Dreisam und Flückigersee abnimmt. Letztendlich ergab sich daraus auch ein Mix aus unterschiedlichen Baustile: Geschoßwohnungsbau der Genossenschaften, Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und auch Einzelwohnhäuser. Abseits der Sundgauallee sind die Wohnbereiche über Sackgassen oder Schlaufenstrassen erschlossen, so dass hinter den Hochhäusern eher ruhige Wohngebiete entstanden.

Besondere Architektur

Zahlreiche Gebäude in Betzenhausen-Bischofslinde sind über Architektenwettbewerbe entstanden und mit Auszeichnungen versehen als typische Vertreter  einer gehobenen Nachkriegsarchitektur. Beispiele dazu: der 1976 errichtete Idingerhof, eine Wohnanlage mit über 200 Wohneinheiten in fünf- bis siebengeschossigen Häusern, deren besonderes Kennzeichen eine Klinkerfassade ist (war für Freiburger Verhältnisse eher ungewöhnlich ist). Und doch zeigt sich nur wenige hundert Meter entfernt an der Ecke Berliner Allee / Sundgauallee die ehemaligen OPD (Oberpostdirektion) ebenfalls als imposanter Klinkerbau. Desweiteren zur nennen ist das Bürgerhaus im Seepark, die Wohnanlage Gruberhof (“Wiehre des Westens”) und auch die Wohngruppe Tränkematten (realisiert von den ersten Baugruppen in Freiburg). Diese Gebäude sind Fixpunkte und nicht nur prägend für den Stadtteil.

Nicht vergessen wollen wir die den kühne Kirchenrundbau der Kirchengemeinde St. Albert (1968/69): gebaut in Form einer überdimensionalen Krone aus Betonfertigteilen und Buntglasfenstern. Zum 50 jähringen Jubilärum (2019) wurde die Kirche ausgezeichnet als eine von zwölf Kirchenbauten der Nachkriegszeit ausgezeichnet und steht seither unter Denkmalschutz.

Auch das noch…

Verkehrsanbindung: Zur Nachkriegsarchitektur gehört wie selbstverständlich auch das Auto als prägendes Element im Städtebau: Ergebnis dieses Denkens ist die Sundgauallee, anfangs auch als „Boulevard des Westens“ beschrieben. Sie war geplant als Verbindungsschnellstrasse zwischen Westumfahrung (Paduaallee) und Friedrichring. Daran erinnert auch die heutige ESSO-Tankstelle, die anfangs ursprünglich auf beiden Seiten der Sundgauallee existierte (heute ist das gegenüberliegende Gelände ein Teil der Studentensiedlung). Seit 1983 fährt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee die Straßenbahnlinie 1, die wohl meistgenutzte Verbindung in Freiburg. Darüber hinaus ist der Behördenbereich durch die Linien in Richtung Weingarten/Rieselfeld bestens an die Innenstadt angebunden.

Jubiläum: ein erstes richtiges Jubiläum gab es dann 25 Jahre nach der Grundsteinlegung (also im Jahre 1988): Anlaß für den damaligen Bürgerverein zu einem ersten Rückblick. Von der zugehörigen Festschrift mit vielen Informationen zum Werden des Bezirks Bischofslinde gibt es nur noch wenige Exemplare; deshalb haben wir die wichtigsten Teile eingescannt zum Nachlesen (“25 Jahre Bischofslinde“).

Sonstige Infos: viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der letzte Bezirksatlas-Betzenhausen-Bischofslinde (pdf) aus dem Jahr 2018.

 

 

 

 

 

Geschichte der Störche in Betzenhausen

Der Bürgerverein arbeitet ehrenamtlich, um das Nest der Weißstörche auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Alt-Betzenhausen instandzuhalten und dort eine Kamera/WebCam zu betreiben (seit 2011): es ist übrigens eine von ganz wenigen WebCams in Freiburg.

Auch im Bürgerblättle berichten wir regelmäßig über die Entwicklung der Störche in Betzenhausen (z.B. Ausgabe 233, Aug./Sept. 2015 und 262 Aug./Sept. 2020).


Zunächst etwas zum Hintergrund

Der Weißstorch (Adebar) stand lange Zeit auf der Liste bedrohter Tierarten. Mitte der 70er Jahre gab es in Baden-Württemberg nur noch 15 Weißstorch-Paare und davon keines mehr in unserer Region: der Bestand war seit Beginn der 50er Jahre kontinuierlich zurück gegangen. Im Jahr 2002 wurden dann aber schon wieder rund 200 Brutpaare gezählt, was etwa dem Stand der 50er Jahre entsprach. Heute sind es im ganzen Land über 600 Brutpaare, davon allein ca. 130 im Breisgau.

In den letzten 10 Jahren (von 2010 auf 2020) hat sich die Zahl der Brutpaare sogar nochmal verdoppelt (siehe Statistik hier). Zu dieser schönen Entwicklung hat auch das Nest auf dem Turm der St. Thomas Kirche seinen kleinen Beitrag geleistet (siehe unsere Impressionen und Geschichten aus den letzten Jahren).

Das Storchennest in Betzenhausen

Der Storchenhorst auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Betzenhausen hat eine lange Tradition, beherbergt aber nicht jedes Jahr ein Storchenpaar. Bereits 1827 wurde eine Storchenbrut im Rahmen der badischen Landesvermessung dokumentiert. Das Nest war 1870, in den Jahren 1911-1913 und weiterhin bis 1951 besetzt. Nach mehrjährigem Ausbleiben gab es noch 1955 und dann 1963 eine letzte Brut. Danach brach die Storchenpopulation deutschlandweit zusammen: Ursache waren wohl die weitreichenden Veränderungen der Landschaft und der damit verbundene Verlust an Lebensraum (z.B. durch Flurbereinigungen und die Entwässerung von Feuchtgebieten).

1980 wurde dann wieder ein Storch im Bürgerblättle protokolliert. Um Störche weiterhin anzulocken, wurde im Jahr danach ein neuer Nistkorb eingerichtet. Initiator war der Deutschen Bund für Vogelschutz, ein Vorläufer vom heutigen Naturschutzbund Deutschland (Nabu).  Das Nest hatte man bei einem Korb-Flechter aus Schleswig-Holstein anfertigen lassen; die Feuerwehr sorgte für den Transport nach oben. Sogar die lokale Presse berichtete über dieses Ereignis.

Aber das reichte nicht aus: vorerst blieb das Nest unbewohnt, genauso wie andere Nester in der Umgebung. Also versuchte man es Ende der 80er Jahre mit Auswilderung einige Jungtiere in unserer Region: beteiligt an dieser Initiative war u.a. der Tierfilmer Hagen Späth, der später auch Mitbegründer des Vereins “SOS Weißstorch” wurde. In den Folgejahren (ab 1992) dann der Erfolg: es fanden fast durchgängig Störche ihr Zuhause in Betzenhausen und fast immer hat auch Nachwuchs überlebt (z.T. mit fünf flüggen Jungvögeln). Damit war die Wiederansiedlung gelungen: im Mai 2009 erhielt die Kirche St. Thomas dafür die Nabu-Plakette “Lebensraum Kirchturm” (entgegen genommen vom Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie).

Weissstorch Breisgau e.V.

Weiteren Informationen, speziell über die allgemeine Entwicklung der Weißstörche im Breisgau, ist beim Verein “SOS Weißstorch” zu finden, der sich nach den genannten Erfolgen umbenannte in Weissstorch Breisgau e.V.: der Verein sorgt u.a. für die Beringung der Jungstörche und betreibt in Reute eine Pflegestation, in der auch schon Jungstörche aus Betzenhausen versorgt wurden (z.B. im Jahr 2019 nach einem voreiligen Flugversuch).

Falls Sie sich für die Flugrouten der Störche interessieren: eine Störche aus dem Breisgau tragen inzwischen kleine Sender. Über die App “Animal Tracker” lässt sich erkennen, wohin deren Reise in den Süden geht. Einen Sender haben insbesondere die Störche erhalten, die ini der Aufzuchtstation in Reute betreut werden mussten: so möchte man u.a. erkennen, ob sie andere Routen wählen als die frei fliegenden Störche.


Aktuelles 2020

Über die Betreuung der Störche in Zeiten eines Coronavirus berichtete die Badische Zeitung am 17. April 2020 (evtl. nur eingeschränkter Online-Zugriff). Lange Zeit war unklar, in wie weit in diesem Jahr beringt werden kann: in Betzenhausen hat es aber dann doch geklappt. Allerdings nicht bei allen Nestern im Breisgau, denn der Zeitraum ist recht kurz, in dem das möglich ist (nur im Alter von 4 bis 6 Wochen).

Bei dieser Gelegenkeit auch ein Blick auf weitere Nester im Bereich von Freiburg (laut Infos der Stadt 2020). In Freiburg gibt es insgesamt 26 Nester. Davon allein 15 auf dem Mundenhof, alle besetzt mit Brutpaaren und 33 Jungstörchen als Nachwuchs. Riegel hat 12 Nester, in Reute liegen 14 Nester auf zwei Ortsteile verteilt.

Zur Geschichte des Bürgerblättle

Das Stadtteil-Magazin des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde.

Mitglieder des Bürgervereins (bzw. des vorherigen Ortsvereins) konnten in früheren Zeiten nur durch Rundschreiben vom Vorstand informiert werden. Um diese Situation zu verbesseren, entstanden in den 1950-ger Jahren die Lokalnachrichten von Freiburg-West, denen sich auch der Ortsverein Betzenhausen anschloss. Unter dem Namen “Lokalnachrichten  aus Freiburg-West und Betzenhausen” wurden regelmäßig Themen aus Betzenhausen angesprochen.

Viele Ausgaben der Lokalnachrichten sind im Archiv der Bürgervereins zu finden. Sie geben heute einen spannenden Einblick in die Themen, die in ersten Jahren nach Neugründung des Bürgervereins im Stadtteil relevant waren.

Der Start 1976

Im Jahr 1975 begannen Überlegungen, ob ein eigenes Blatt nicht besser den wachsenden Erfordernissen gerecht wird. Die Umsetzung dieser Idee in die Tat ging dann recht schnell: zum Neujahrsempfang Januar 1976 durfte der damalige Vorsitzende Willy Kapp das erste Exemplar des “Bürgerblättle” für Betzenhausen-Bischofslinde vorstellen (siehe Abbildung). Zitat aus seinem Einleitungstext:

Ziel und Zweck eines solchen Blattes soll es sein, die beiden Ortsteile enger miteinander zu verbinden, daß sie mit der Zeit zusammenwachsen mögen und so die Zusammenhörigkeit vertieft wird. Da das Gebiet Betzenhausen-Bischofslinde heute ca. 2400 Wohnungen umfaßt, wäre es nach Ansicht des Bürgervereins an der Zeit, unseren Mitbürgern mit zeitnahen Beiträgen aus dem Ortsgeschehen und aus den Vereinen und kirchlichen Institutionen, die in unserem Gebiet ansässig sind, zu informieren.
Die Herausgabe des Bürgerblättle ist nur mit Unterstützung der Betriebe und Firmen möglich, die durch ihre Inserate die Kosten finanzieren. Wir bitten Sie daher, liebe Mitbürger, diesen Geschäften Ihre Aufmerksamkeit zu schenken und sie bei Ihren Einkäufen zu berücksichtigen.

Zur vierten Ausgabe gab es dann schon ein kleines ‘Resümee’ von Bernhard Wolk, der anfangs die Redaktion übernommen hatte:

Die ersten drei Ausgaben fanden vielfach freundliche Zustimmung, wofür gedankt wird. Es gibt, wenn auch wenige, kritische Äußerungen, vor allem dreierlei:
(1) Das “Bürgerblättle” enthalte zu viele Annoncen.
(2) Das “Bürgerblättle” enthalte zu wenig Berichte aus dem Stadtteil Bischofslinde.
(3) Auf ein gelegentliches süffiziantes Lächeln über den Titel “Bürgerblättle” braucht wohl nicht näher eingegangen zu werden.

Vor allem der letzte Punkt hat uns wohl die ganzen Jahres begleitet.

Das Bürgerblättle erschien in den ersten Jahren monatlich und hatte meistens 8 Seiten. Im Jahr 2020 haben wir dann in einer Serie mal 40 Jahre zurück geschaut, und die wichtigsten Themen des Jahres 1980 in Stichworten zusammengefasst (denn PDF gab es zu der Zeit ja wirklich noch nicht).

Kontinuierliche Entwicklung

Nach den ersten sechs Jahren dann eine kritische Phase und Pause: “Aus verschiedenen Gründen ist das Bürgerblättle seit Januar 1982 nicht mehr erschienen, was vielfach als Mangel empfunden wurde.” schrieb Willy Kapp im September 1983 aus Anlass des Wiedererscheinens. “Dem Bürgerblättle wünscht der Vorstand viel Erfolg”. Diese guten Wünsche haben geholfen, wie wir heute wissen.

Bis 1985 führte Bernhard Wolk die Redaktion weiter, gefolgt von Elisabeth Schumann, die diese anspruchsvolle Aufgabe auch wieder ehrenamtlich übernahm (wie auch alle Nachfolgenden). In den 1990-Jahren wurde das Bürgerblättle umfangreicher: ab 1994 erstmals mit Ausgaben für 2 Monate wie heute. Dann ein längerer Versuch mit einer Ausgabe im Quartal (1996 bis 2006).

Ab 1995 folgte Nico Bischler in der Redaktion: das Bürgerblättle war noch “schwarz/weiss“ und das Layout wurde geklebt.  Aber Rolf Abendschein als damaliger Vorsitzender gab „grünes Licht“ für eine Erneuerung und zeitgemäße Gestaltung. Gleichzeitig wurde der Computer zum zentralen Werkzeug der Redaktion. Ab 2009 war das Bürgerblättle dann komplett farbig.

In letzten beiden Jahrzehnten haben verschiedene  engagierte Bürger redaktionell verantwortlich für das Bürgerblättle gearbeitet, z.B. Matthias Wölke, Roland Kreutner, Harald Albiker, Dr. Thomas Hammerich und viele Jahre später auch wieder Nico Bischler. Auf der Seite des Layouts z.B. Christian Albiker, Nico Schulze und Cathrin Caspari. Sie alle haben das Bürgerblättle geprägt und weiterentwickelt. Heute vertritt Werner Hertleif seitens Bürgerverein die Redaktion, Markus Hanser ist verantwortlich für das Layout.

Sonderausgaben

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen, die ja nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthalten. Interessierte Leser wenden sich bitte an den Bürgerverein bzw.  Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde (teilweise auch als PDF verfügbar). Beispiele für diese Sonderausgaben:

Heutige Ausgaben

Das Bürgerblättle hat heute durchschnittlich 32 Seiten und eine Auflage von 5.700 mit durchgängig farbiger Gestaltung. Es erscheint alle zwei Monate. Im Sommer 2018 erschien die 250-te Ausgabe (wobei die Ausgaben der ersten Jahre bei der Nummerierung vermutlich übersehen wurden).

Herausgeber des Bürgerblättle ist bis heute der Bürgerverein: von dessen Arbeit zu berichten ist nach wie vor ein zentrales Anliegen. Das Bürgerblättle bietet aber darüber hinaus auch anderen Vereinen, Institutionen und Kirchen im Stadtteil, die Möglichkeit ihre Anliegen zu beschreiben und z.B. auch über Termine und Veranstaltungen zu informieren. Trotz Internet scheint diese Form der Kommunikation immer noch wichtig zu sein.

Redaktionelle Aufgaben und die Betreuung der Anzeige-Kunden sowie Werbegestaltung sind heute in getrennten Händen (Werbe-Kunden wenden sich bitte an die Agentur Klaus Faist).

Seit etwa 10 Jahren steht neben der gedruckten Ausgabe des Bürgerblättle auch eine PDF Version zur Verfügung. In unserem Online-Archiv sind diese Ausgaben abrufbar.

Die jeweils aktuelle Ausgabe kann man auch direkt online lesen.

 

Geschichtliches zum Lokal/Bürgerverein

Seit über 100 Jahren ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg, die Eingemeindung erfolgte am 1.1.1908.

Der Lokalverein

Der Lokalverein als Vorläufer des Bürgerverein wurde schon zwei Jahre nach der Eingemeindung gegründet. „Zur Wahrung und Förderung örtlicher Interessen des Vorortes Betzenhausen unter Ausschluss von Politik und Religion“ (aus der ersten Satzung vom 10.4.1910).

Im Stadtarchiv Freiburg befindet sich die offizielle Mitteilung der Gründung als Lokalverein:

Lokalverein des Vorortes Betzenhausen, Freiburg i.Br.-Betzenhausen, 20. April 1910
Hochverehrter Stadtrat Freiburg i. Br.
Ganz ergebenst teilen wir mit, daß am 10. April ein Lokalverein Betzenhausen zur Förderung der Interessen des Vorortes gegründet wurde. Vorläufig zählt der Verein 30 Mitarbeiter. Erster Vorstand des Vereins ist Her Ludwig Kiesel, Mühlenbesitzer. Nach Drucklegung der Statuten werden wir uns gestatten, ein Exemplar zur gütigen Kenntnisnahme einzusenden.
Ganz ergebenst
Lokalverein Freiburg i.Br.-Betzenhausen, Der I. Vorstand: L. Kiesel, Der Schriftführer: J.R. Müller

Erste Themen waren elektrisches Licht, ein Schülerbad im Schulhaus und auch damals schon die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, inkl. Straßenbahn. Der elektrischen Strom kam 1917. Eine erste Buslinie durch Betzenhausen kam 1921, die auch viel genutzt wurde. Auf die Strassenbahn mussten man dann doch etwas länger warten, wie wir heute wissen. Im Jahr 1931 kam schliesslich eine Gasleistung: ebenfalls ein Anliegen, für das sich der Lokalverein eingesetzt hatte.

Im Jahr 1933, dem 25-ten Jahr nach der Eingemeindung, dann eine erste Jubiläumsfeier. Eine entsprechende Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Lokalverein gab es dann nicht mehr. Die politischen Verhältnisse ließen eine unabhängige Arbeit nicht mehr zu: stattdessen löste sich der Lokalverein 1936 auf.

Neugründung Orts-/Bürgerverein

Erst 1952 kam es zur Neugründung als Ortsverein; die Gründungsversammlung war im „Bierhäusle“ in Lehen (siehe Rückblick 50 Jahre später im Bürgerblättle 161). Die Errichtung der Genkstätte auf dem Betzenhausener Friedhof zur Erinnerung an die Gefallenen war eines der ersten grossen Themen (eingeweiht 1959). Der Bau der Autobahn nach Basel war ein anderes wichtiges Thema: damals gab es Planungen, welche die Trasse noch viel dichter an Freiburg sahen (etwa bei der heutigen Paduaallee). Glücklicherweise drängte der Ortsverein zusammen mit anderen Bürgervereinens im Freibuger Westen auf eine Lösung hinter dem Lehener Bergle, wie sie heute ist. Und die 50 Jahre Zugehörigkeit zu Freiburg konnte dann auch wieder gefeiert werden.

Seit 1965 steht in Betzenhausen Gaskugel als Gas-Reservespeicher der Badenova für Freiburg und die Region. Heute sicher das Erkennungszeichen für Betzenhausen: der damalige Bürgerverein war wenig begeistert und protestierte (Landschaftsschutzgebiet). Im Jahr 2019 war dann Betriebsende und heute steht die Gaskugel unter Denkmalschutz.

Ansonsten waren Verkehrsprojekte auch immer wieder Thema ab den 1960-ger Jahren; zentral z.B. der Ausbau von Padua- und Sundgauallee. Zu erwähnen sind insbesondere die anfängliche Pläner der Stadt, die Paduaallee als Teil der sog. Westrandstrasse auf einem Wall mit bis zu 8 Metern Höhe laufen zu lassen. Glücklicherweise konnten die Bürgervereine im Westen dort rechtzeitig mit Gegenvorschlägen eingreifen und diese “Mauer” verhindern. Bis Anfang der 1980 Jahre war die Dietenbachstrasse eine Durchgangsstrasse mit sehr grossen Verkehrsaufkommen: dass sie gesperrt wurde, lag am Baufortschritt bei der Paduaallee, aber sicher auch an den Bemühungen des Bürgervereins. 1983 kam endlich auch die Staßenbahn nach Betzenhausen.

Ausgangspunkt für ein erster großes gemeinsames Fest für den Doppelstadtteil Betzenhausen-Bischofslinde war die 1000-Jahrfeier von Alt-Betzenhausen im Jahr 1973. In den Folgejahren organisierte der Bürgerverein zusammen mit anderen Vereinen jährlich einen Hock, der zeitwiese über ein komplettes Wochenende ging: bis 2001 wurde auf dem Platz vor der St. Thomaskirche gefeiert (dem ältesten Bauwerk von Betzenhausen); bis zum Ende 2012 dann auf dem Betzenhauser Torplatz (siehe Bericht vom letzten Bürgerhock).

Im Januar 1976 erschien das erste Bürgerblättle: vorher hatte der Bürgerverein seine Beiträge in den Lokalnachrichten Freiburg-West veröffentlicht. Es wurde eine Erfolgsgeschichte, denn im Sommer 2018 erschien die 250-te Ausgabe des Stadtteil-Magazins.

Im Januar 1987  lud der Bürgerverein zum ersten Neujahrsempfang, damals noch im Vereinsheim in den Tränkematten (Ricarda-Huch-Str.). Heute ist dies eine gut gepflegte Tradition im Bürgerhaus am Seepark.

Wichtiges Thema in den 1970/80-ger Jahren waren die Entwicklungen am Flückigersee bzw. dem heutigen Seepark, der mit der Landesgartenschau 1986 entstand (und dem ersten Seenachtsfest). Damals wurde auch das heutige Bürgerhaus gebaut: erstmal verbunden mit vielen Diskussionen zur Nutzung.

Die jüngste Vergangenheit

Der Bürgerverein (mit Dr. Thomas Hammerich als Vorsitzendem) kämpfte viele Jahre um ein Jugendzentrum in Betzenhausen-Bischofslinde, das wir heute als Chummy kennen.

Seit 2006 läst der Bürgerverein jedes Jahr zwei große Weihnachtsbäume am Betzenhauser Torplatz und auf dem Platz am Bischofskreuz aufstellen und beleuchten. Seit vielen Jahren kümmert sich der Bürgerverein um das Nest der Betzenhausener Weißstörche auf dem Turm der St. Thomas Kirche, im Frühjahr und Sommer zeigt eine Storchenkamera/WebCam das dortige Leben (die WebCam ist seit 2011 installiert).

Ebenfalls seit 2006 ist der Bürgerverein mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten als Ergänzung zum Bürgerblättle: hier ist natürlich höhere Aktualität möglich als bei einem Magazin, dass “nur” alle zwei Monate erscheint. Die Homepage soll aber auch ein Platz sein für “Dinge, die es wert sind, längerfristig in der Öffentlichkeit gehalten zu werden” (so haben wir es gleich bei der ersten Vorstellung 2006 beschrieben). Folglich sind auch viele Beiträge aus vergangenen Bürgerblättle über die Volltext-Suche auf unsere Homepage zu finden.

Ab den 2010-Jahren (mit Nico Bischler als Vorsitzendem) begann die Umsetzung eines Zentrenaktivierungskonzeptes (ZAK) mit Neugestaltung des Platzes am Bischofskreuz und der Oberen Sundgauallee mit Staßenbahnhaltestelle Betzenhauser Torplatz.

Und auch gefeiert wurde immer wieder, z.B. bei den jährlichen Neujahrsempfängen, aber vor allem auch das Jubiläum zum 100-ten Jahr der Zugehörigkeit zu Freiburg.

Amtszeit der bisherigen Vorsitzenden

Ab 1910  Ludwig Kiesel, Mühlenbesitzer
Ab 1919  Josef Raimund Müller, Hauptlehrer und Schulleiter
Ab 1929  Herr Kunzelmann, Bahninspektor
Ab 1933  Otto Ritt, Bäckermeister

1936 Auflösung des Lokalvereins
1952 Wiedergründung mit Otto Ritt

Ab 1952  Karl Unmüßig, Zimmermeister, Unternehmer
Ab 1967  Walter Kiefer, Stadtrat und ÖTV- Vorsitzender
Ab 1975  Willy Kapp, Installateurmeister
Ab 1987  Rolf Abendschein, Architekt, Projektleiter
Ab 2005 Dr. Thomas Hammerich, Hals-,Nasen-Ohrenarzt
Ab 2011 Nicolai Bischler
Ab 2018 Rolf Baiker
Ab 2019 Beate Diezemann


Viele weitere Details zur Geschichte des Bürgervereins sind in einem Sonderheft zu finden, das zum 100 jährigen Bestehen veröffentlich wurde (siehe Zusammenfassung hier).

Studentensiedlung (StuSie)

Die Studentensiedlung am Seepark (StuSie) ist das größte Studentenwohnheim in Freiburg und bietet Platz für rund 1.500 Studierenden. In den 21 Häusern gibt es Apartments, kleine Wohngemeinschaften mit 2 bis 6 Studierenden und Stockwerksgemeinschaften mit bis zu 12 Studierenden (jeweils mit gemeinschaftlich genutze Küche und sanitären Einrichtungen).

Für Familien mit Wohnberechtigungsschein stehen einige 2- und 3-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung.

Geschichte

Die StuSie wurde Mitte der 1960er Jahre nach Plänen der Stuttgarter Architekten Wolf Irion, Reiner Graf und Wolf Maier errichtet und sollte Platz für ca. 1300 Studierende bieten.

Einweihung war im Juli 1966: mit dabei war auch Kurt Georg Kiesinger, der damaligen Ministerpräsident des Landes. Er wurde Ende des gleichen Jahres zum Bundeskanzler gewählt.

Man beachte: die StuSie wurde schon 20 Jahre vor der Landesgartenschau 1986 gebaut. Einen Seepark, wie wir ihn heute kennen, gab es also noch nicht: der Flückigersee war in diesen Jahren noch ein Baggersee und das Gelände um den See noch weitgehend unbebaut; lediglich das Aussenbecken des Westbads entstand schon 1968.

Viele der Gebäude aus den 1960-er Jahren wurden im Laufe der Jahre saniert: häufig wurde dabei auch große Wohneinheiten in kleinere aufgeteilt. Einzelne Gebäude kamen hinzu, so dass Stand 2018 ca. 1.600 Studierende hier Platz finden.

Erweiterung 2018-2023

Die aktuelle Erweiterung der StuSie für ca. 850 weitere Bewohner ist der größte Umbau seit Einweihung vor ca. 50 Jahren. Hier ein ausführlicher Bericht dazu.

Studentensiedlung am Seepark (StuSie) im Freiburger Westen ist bereits heute – mit rund 1.500 Studierenden und 21 Häusern – Freiburgs größte Wohnanlage für Studierende. Bei diesem Bauprojekt liegt der Fokus auf nachhaltigem Bauen: bemerkenswert ist, dass zwar knapp 60% mehr an Wohnraum geschaffen werden, jedoch nur 20% der Fläche zusätzlich bebaut wird. Möglich ist das natürlcih nur, indem man in die Höhe geht: alle neuen Gebäude werden anstelle von bestehenden Gebäuden oder auf bisherigen Parkplätzen errichtet (keine Neubauten auf bisherigen Grünflächen).

Freizeitgestaltung

Die StuSie-Bar ist legendär, daneben gibt es viele Tutorate, Freizeitangebote und Sportmöglichkeiten. Alle Zimmer haben Internet-Zugang. oder die Universität in ca. zehn Minuten erreichbar.

Es gibt viele Freizeitmöglichkeiten auf dem Gelände, z.B. T.I.K Club auch einen Beachvolleyballplatz und einen Basketballplatz, welcher gleichzeitig auch als Fußballplatz fungiert.

Im T.I.K Club (= Tanz im Glück) gibt es Partys auf mehreren Floors, auf denen unterschiedliche Musik gespielt wird. Im Keller kann man sich auch Räume mit Klavier mieten, falls man musikalisch unterwegs ist. Zum Programm siehe www.tik-club.de

Studentische Belange werden von der StuSie e.V. vertreten, siehe www.studentensiedlung.de.

Einmal im Somme gibt es auf dem Gelände eine gr0ße StuSie Party, zu der auch Mitbürger/innern aus Betzenhausen immer herzlich eingeladen sind (siehe Hinweis z.B. im Bürgerblättle).

“Sammel-Unterkünfte” zu Semesterbeginn

Eine Wohnung in Freiburg zu finden ist seit Jahren schwierig. Das gilt insbesondere für Studienanfänger im Herbst, die neu nach Freiburg kommen und vorher keine Unterkunft organisieren konnten. Damit die Betreffenden wenigsten “ein Dach über dem Kopf haben”, bietet die StuSie mehrere Räume als Sammelstellen (Zimmer mit Mehrfachbetten) für geringe Übernachtungsgebühr. Nach einigen Wochen entspannt sich fast immer die Situation.

 

 

Interviews als Rückblick auf die Landesgartenschau 1986

Im Jahr 2016 (also 30 Jahre nach der Ausstellung) ist es der Redaktion des Bürgerblättle gelungen, Herrn Dr. Rolf Böhme als damaligem Oberbürgermeister, Herrn Bernhard Utz, seinerzeit Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer und Herrn Bernd Dallmann als damaligem Direktor der LGS, zu einem Kurzinterview für einen Rückblick zu gewinnen.

Beitrag aus Bürgerblättle 238, Juni 2016 und 239, Aug. 2016


Alt-Oberbürgermeister, Dr. Rolf Böhme (Mai 2016)

Was war Ihnen damals in Ihrer Funktion als OB wichtig?

Die LGS war ein Schritt zur Stadtentwicklung im Freiburger Westen. Das Gelände war bis dahin eine Kiesgrube. Die LGS sollte diese Fläche zu einer attraktiven Garten- und Parklandschaft umgestalten. Diese Absicht passte in die damalige Stadtpolitik zum Abbau des sog. Ost-West-Gefälles. Die gewollte Aufwertung des Freiburger Westens ist mit der LGS und dem heutigen Seepark gelungen. Gleichzeitig sollte auch das gebaute Blumenhaus später ein Bürgerhaus im Seepark für die benachbarte Bürgerschaft werden. Heute spricht niemand mehr von einem Ost-West-Gefälle und der Seepark ist eine Bereicherung für die ganze Stadt.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Eröffnung der LGS war wunderschön, aber eigentlich war der Höhepunkt die ganze Reihe von laufenden Ereignissen wie Musik- Sport und Bürgerfesten, Blumenschaus und Besuchen von hochrangigen Gästen wie vom Ministerpräsident Späth oder Treffen mit unseren Partnerstädten und ihren Bürgermeistern. Die Veranstaltungen waren von der LGS mit den beteiligten Ämtern und benachbarten Bürgervereinen Betzenhausen-Bischofslinde und Mooswald bestens organisiert. Die Heiterkeit und gute Stimmung waren durchgehend. Auch im Rückblick bleibt die LGS eine gute Zeit und ein Prestigegewinn für die Stadt.

Was hat Sie damals beeindruckt ?

Die Akzeptanz und Besucherzahlen von der Bürgerschaft und vielen Gästen der LGS. Der Zuspruch, ja oft Begeisterung war immer wieder beeindruckend. Auch von unseren Gästen. So statteten alle Partnerstädte von Freiburg der LGS einen Besuch ab, ebenso die Zähringerstädte und Nachbarstädte vom Oberrhein. Eine Vertretung von Basel kam sogar mit dem Fahrrad. Und die Partnerstädte prägten die LGS auch mit, am deutlichsten die Japaner aus Matsuayma durch ihr Geschenk des Baus des Japanischen Gartens, der bis heute ein Juwel ist im Seepark.

Woran lag es, dass diese LGS – trotz des damaligen Supergaus Tschernobyl – ein nachhaltiger Erfolg wurde?

Die Zusammenarbeit aller Beteiligten war hervorragend. Die verantwortliche LGS arbeitete mit dem Bürgermeisteramt und den Gruppen vor Ort Hand in Hand, vor allem mit den Bürgervereinen. Jedes Wochenende wurden neue Events angeboten, auch das spätere Seenachtsfest im Seepark nahm damals seinen Anfang. Aber die Gestaltung des Seeparks selbst durch das Garten- und Planungsamt war ebenfalls optimal. Man schaue nur einmal noch heute vom Bürgerhaus Seepark in Richtung See und Achse Stadtmitte zum Münster und auf den Seiten die vielfachen kleinen Bauten am See, dann übergehend in eine Wohnbebauung – das Ganze war ein ganz großer Wurf!

Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Die LGS war vom Publikumsbesuch ein Volltreffer und hat die Lebensqualität der anliegenden Stadtteile mit dem heutigen Seepark wesentlich verbessert, zum Nutzen der dortigen Bürgerschaft, aber auch der
ganzen Stadt. Was bleibt nach 30 Jahren? Damals hieß es : Go West. Das gilt heute noch.


Interview mit Herrn Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (2016).

Herr Dallman, Sie waren damals Direktor der LGS, was waren Ihre Aufgaben vor –  und während  der dieser Zeit?

Meine Aufgaben begannen schon etwa anderthalb Jahre vor Beginn der LGS. Ich war mit meinen Mitarbeitern zuständig  für die Werbung, die Vermarktung, für das Marketing und besonders für die Organisation der zukünftigen Veranstaltungen. So habe ich z. B. viele Vereine in Stadt und Land, vom Bürgerverein, über Kleintierzuchtverein bis hin zum Briefmarkenverein besucht und dort über die künftige Gartenschau informiert und für den Besuch geworben. So haben wir dann in den 156 Tagen der LGS –  oftmals bis zu 20 verschiedene Veranstaltungen am Tag –  insgesamt waren es 3500 –durchführen können. Das waren Vorführungen, Modenschauen,  Musikveranstaltungen, die Hallenblumenschauen oder Ikebanavorführungen.

Was war in dieser Zeit der LGS für Sie besonders wichtig?

Die LGS  hatte ja eine „Funktion“ und eine „Aufgabe“:wiezeigen wir neue Natur, wie bekommen wir die Leute problemlos zu uns, wie zeigen wir den Besuchern aus „dem Ländle“, aus Frankreich oder der Schweiz den Weg zu uns, welchen Anreiz für eine Reise zur LGS geben wir ihnen?. So haben wir z, B.  Vereinen die uns besuchten, jeweils  zwei Personen freien Eintritt gewährt. Wir hatten auch ein ausgeklügeltes Busparkplatzsystem erarbeitet, die Mundpropaganda funktionierte.

Was waren für Sie – Herr Dallmann –  die HIghlights in dieser Zeit?

Wir hatten einen verhaltenen Vorverkauf an Dauereintrittskarten, nach Pfingsten zog dann der Verkauf von Dauerkarten an, es gab einen starken „Stimmungsumschwung“ bei den Besuchern, begünstigt auch durch das Wetter. Da war für mich dann ein Höhepunkt ein „Bad in der Menge“. Wenn ich mal so richtig gestresst war, habe ich mich an ein Kassenhäuschen gestellt und die „Menge“ der Leute an mir vorbeiziehen lassen: das war ein Highligh für mich. Es war auch  beeindruckend, dass  es nach dem schlimmen Unglück von Tschernobyl  kaum einen spürbaren Besucherrückgang gab. Wir haben mit intensiven Arbeiten die Leute überzeugen können, dass ein der Besuch der Anlagen ungefährlich ist. So haben wir u.a. alle Rasenflächen kurz gemäht und das Mähgut vernichtet, wir haben die Sandflächen ausgetauscht und die Wege z. T. erneuert. Die  Leute haben unsere Bemühungen mit ihrem Besuch belohnt.

Woran – glauben Sie –  lag es, dass diese LGS so einen nachhaltigen Erfolg hatte?

A und O war wohl die Auswahl, die Lage, die Urbarmachung des Kieswerkes mit dem schönen Hintergrund des Schwarzwaldes, und das Konzept des Geländes. Die Absicht der Planer und Gestalter war, eine Gartenanlage zu schaffen, die gut erreichbar war, freie Zugänglichkeiten bot und während der Schau in einem Rundgang alle Gestaltungsobjekte erreichbar machte. Die Besucher wollen nicht längere „Zwischenwege“ machen, um von einem „Projekt“ zum Anderen gehen zu müssen. Auch war der natürlich belassene See mit den verschiedenen Aus – und Einblicken und den hinzugefügten, reizvollen kleinen Bauten  und dem Pontonsteg ein besonderer Mittelpunkt.  Der Freiburger Westen brauchte solch einen Park und die Menschen nutzen ihn nun zu jeder Jahreszeit.

Welche Bilanz ziehen Sie heute – dreißig Jahre nach der Gartenschau?

Es ist ein wunderschönes Naherholungsgebiet geworden, es kein gibt keinen schöneren Park in Freiburg.

Herr Dallmann, es war sehr schön, mit Ihnen diese Erinnerungen noch einmal „nachgeholt“ zu haben, danke für das Gespräch.


Interview mit Herrn Bernhard Utz (2016)

Herr Utz, Sie waren zur Zeit der LGS  der Technische Direktor der Gartenschau, was waren da Ihre Aufgaben vor und während der LGS?

Für mich war es wichtig den Plan der Gartenarchitekten umzusetzen, das bisherige Kieswerkgelände  sowohl für die LGS, als auch für die Zukunft zu gestalten. Ich war  verantwortlich für die Durchführung  guter Arbeiten der verschiedenen Firmen um das „Brachland“ zum grünen und blühen zu bringen.

Besondere Aufmerksamkeit  musste ich für das  Kunstkonzept mit den verschiedensten Bauten, z.B. dem Tempelchen, dem Forsthaus, dem Eingangsbereich an der SGA, dem Turm oder der „Arche“  aufbringen.

Was war in diesen Monaten für Sie besonders wichtig?

In der Zeit der LGS geschah die große Katastrohe in Tschernobyl und es war meine Aufgabe, die Qualität der Anlagen genauestens zu prüfen, zu erhalten und den Besuchern unsere „Ersatz“- Arbeiten verständlich zu machen. Die Pflege der Blumenrabatten, besonders der Rosenbeete und der Einjahrespflanzungen, sowie der Stauden, lag mir sehr am Herzen. Von großer Bedeutung war auch die Vielseitigkeit der verschiedenen Hallenschauen.

Was waren für Sie persönliche Highlights, bzw. Höhepunkte?

Das waren u.a. die Begegnungen mit international anerkannten Künstlern und Architekten  z.B. der des „Tempelchen“, des „Forsthauses“ mit der Verwendung von heimischen Douglasienholz  oder auch dem Gestalter der „Stehle“. Auch die Anlage des „Mammutbaumwäldchens“, und die Anlage  der „Fähre“ über den See  waren besondere Höhepunkte.

Woran – glauben Sie – lag es, dass diese LGS solch einen großen und nachhaltigen Erfolg hatte?

Es war unser Konzept, einen Park für den Westen der Stadt mit einer guten und schnellen Anbindung an die Innenstadt zu schaffen. Dann war es auch die gute „Mischung“ von Wasser – Grün für Alle – Sport , Spiel und Schule mit der angrenzenden, sich ausweitenden  Bebauung zu schaffen. Dazu kam die neue, gute Anbindung an den ÖNPV und nicht zuletzt der wunderbare Hintergrund des Schwarzwaldes.

Welche Bilanz ziehen Sie heute nach 30 Jahren?

Entstanden ist ein Zukunftsträchtiger Park  in der Nähe der Stadt, mit seiner Bekanntheit über die Ländergrenzen hinweg. Wie wahr ist  der Spruch auf der Tafel an der „Stehle“ von Lina Ritter:

Vielen Dank, Herr Utz, für dieses Gespräch. Vielleicht treffen wir uns mal bei einem zufälligen Rundgang in unserem schönen Park.

 

Bürgerhock Betzenhausen-Bischofslinde (1973 – 2011)

Eigentlich hatte der Bürgerhock Betzenhausen-Bischofslinde eine lange Tradition: Ausgangspunkt für ein erster großes gemeinsames Fest war die 1000-Jahrfeier von Alt-Betzenhausen im Jahr 1973. In den Folgejahren organisierte der Bürgerverein zusammen mit anderen Vereinen jährlich einen Hock, der immer über ein komplettes Wochenende ging: bis 2001 wurde auf dem Platz vor der St. Thomaskirche gefeiert, bis zum Ende 2012 dann auf dem Betzenhauser Torplatz.

Einen besonderen Bürgerhock gab es Jahr 1984, nachdem der Platz vor der St. Thomas Kirche mit der Linde im Zentrum neu gestaltet worden war (z.B. mit Kopfsteinpflaster). Der Platz bekam auch erst da seinen Namen “St. Thomas-Platz“ und er prägt – zusammen mit der Kirche und dem umgebenden Friedhof – seither den Dorfkern von Alt-Betzenhausen. Durch Fertigstellung der Westrandstrasse (Paduaallee) war damit endgültig die Dietenbachstr. vom Durchgangsverkehr befreit. Die Neueröffnung wurde mit einem besonderen Bürgerhock gefeiert unter Beteiligung des Bürgervereins und vieler anderer Vereine im Stadtteil (so der Bericht im Bürgerblättle Aug. 1984).


Um einen Eindruck zu gewinnen, im folgenden der Bericht über den letzen Hock 2012, wobei zu dem Zeitpunkt nicht klar war, dass es das – vorerst – letzte Fest in dieser Form war.

Bericht aus Bürgerblättle 215 Aug./Sept. 2012.


Das Wetter setzte dem Bürgerhock nach zwei tollen Tages ein vorzeitiges Ende.

Der Bürgerhock ist ein Stadtteilfest, das allen Besuchern richtig Spaß macht. Die Vereinsgemeinschaft der beiden Musikvereine Betzenhausen-Bischofslinde und Freiburg-Mooswald, von Sportbund Sonnland, Jugendzentrum Chummy, Liederkranz und dem Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde hatte sich zum Bürgerhock am Betzenhauser Torplatz einiges einfallen lassen.

Zum Fassanstich durch Baubürgermeister Martin Haag hatte der Bürgerverein den Teninger Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker eingeladen. In diesem Jahr wird die Partnerschaft unseres Stadtteils mit der Stadt Teningen offiziell besiegelt werden. Mit Freibier und einem Gläschen Sekt wurde der Bürgerhock eröffnet und die Partnerschaft konnte so schon einmal gemeinsam gefeiert werden.

Nach dem gekonnten Fassanstich verwöhnte der Eisenbahner-Musikverein mit bekannten und abwechslungsreichen Melodien die zahlreichen Hockbesucher. Am frühen  Samstagabend hatten die BächleSörfer die Besucher wieder schnell auf ihrer Seite. Jürgen Hack und Günther Gassenbauer sorgten für tolle Stimmung, und immer mehr Besucher schwangen das Tanzbein. Bis in den späten Abend herrschte auf dem vollbesetzten Festplatz eine ausgelassene Stimmung. Gegen 23 Uhr setzten dann Regen und Sturm dem Bürgerhock leider ein jähes Ende.

Die Vereinsgemeinschaft verwöhnte kulinarisch mit einem reichhaltigen Angebot an Speisen und Getränken. Im Weinstand gab es eine große Auswahl von Sekt und Weinen vom Weingut Schätzle, der in diesem Jahr seinen Weinstand erstmals beim Bürgerhock aufgestellt hatte. Es fanden sich so Gelegenheiten zur einem Plausch – ob am Bierstand oder am Weinstand.

Am Sonntag bot der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde schon zur Mittagszeit an der Kuchentheke ein reichhaltigen Angebot von selbstgemachten Kuchen und Torten an. Der Sonntag sollte ganz im Zeichen der Blasmusik stehen. Der Wettergott hatte mit dem Bürgerhock aber leider kein Einsehen und sorgte am Sonntag mit Dauerregen dafür, dass der dritte Bürgerhock-Tag komplett ins Wasser fiel. Das war für die Vereine, aber auch für die Hockbesucher recht schade. Der Bürgerhock war zumindestens zwei Tage lang ein Fest für die ganze Familie.

Die Vereinsgemeinschaft war mit dem verregneten Bürgerhock natürlich nicht zufrieden und dankt besonders der Metzgerei Goldschmidt für ihre vielfältige Unterstützung. Dank geht an die vielen Besucher aus nah und fern, aber auch an die Anwohner für ihr Verständnis, dass drei Tage Bürgerhock vor ihrer Haustüre stattgefunden haben. So endete der Bürgerhock in diesem Jahr mit dem vorzeitigen Abbau ab 18 Uhr.

Abschließend noch ein herzliches Dankeschön an immerhin über 100 Besucher, die sich am Sonntagmittag trotz Dauerregen nicht abhalten ließen, einige gemütliche Stunden im »Musikerzelt« zu verbringen.

„„Michael Kott

 

Sonderseiten: 100 Jahre Ortsverein Lokalverein Bürgerverein

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen des Bürgerblättle, die je nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthalten; siehe dazu auch unseren Online-Beitrag zur Geschichte des Bürgerblättle mit Hinweis auf diese Sonderhefte.

An dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Sonderseiten “100 Jahre Ortsverein Lokalverein Bürgerverein Betzenhausen Bischofslinde” einer Bürgerblättle-Ausgabe im Jahre 2010. Inhalt:

  • Das Titelblatt zeigt den Orginal-Brief über die Gründung des Lokalvereins von Hauptschullehrer Josef Raimund Müller am 22.04.1910 an die Stadt Freiburg.
  • Grusswort OB Dieter Salomon
  • Grusswort Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine, Vorsitzender Ernst Lavori
  • Hauptartikel “Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde feiert 100. Geburtstag” mit geschichtlichem Rückblick auf diesen Zeitraum.

Hier geht es zum gesamten Text der Sonderausgabe “100 Jahre Ortsverein Lokalverein Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde” (PDF).


Ergänzend dazu ein Verweis auf eine Sonderausgabe des Bürgerblättle, die vorher schon zum 90-jährigen Jubiläum des Bürgervereins erstellt worden war (mit weiteren Aspekten zur Geschichte). Inhalt:

  • Kleine Vorgeschichte
  • 10. April 1910 Gründung des Vereins
  • Der Lokalverein als Befehlsempfänger
  • Eine neue Vereinsepoche: Versammlung zur Wiedergründung 20.08.1052
  • In den Fünfzigerjahren: brisante Themen
  • Unsere Ehrenvorsitzenden haben das Wort
  • Wussten Sie schon, dass der Bürgerverein…
  • Ereignisse ab 1987
  • Das Bürgerblättle
  • Der Vorstand im Jubiläumsjahr 2000

Hier geht es zum gesamten Text 90 Jahre Ortsverein Lokalverein Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde” (PDF).


Interessierte Leser wenden sich auch bitte gern an den Bürgerverein bzw. den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde.