Landesgartenschau 1986

Vorgeschichte

Seit den frühen 1920-er Jahren förderte man im heutigen Seepark schon Sand und Kies.  Anfangs wurde allerdings nicht am heutigen Standort gearbeitet, sondern weiter südöstlich: etwa dort, wo heute der Rosengarten liegt bzw. die benachbarten Strassen. Durch diese erste Phase der Förderung war schon ein See entstanden: dort wurden nach dem zweiten Weltkrieg viele Trümmerteile der Freiburger Innenstadt abgeladen.

Flückigersee 1983

Nach dem Krieg wurde aber auch die Förderung von Kies und Sand wieder aufgenommen, und zwar an der heute bekannten Stelle. Betreiber war jetzt die Firma Flückiger, die damit auch Namensgeber wurde (siehe Bild). Aber Ende der 1970-er Jahren hatte die Besiedlung des Gebietes bereits so zugenommen (Bischofslinde, StuSie), dass ein weiterer Kiesabbau kaum noch sinnvoll erschien. So entstanden Ideen, das Gelände (eigentlich eine Industriebrache) in einen Park für die westlichen Stadtteile zu verwandeln.

Die Stadt lobte im Jahr 1983 einen Architektenwettbewerb aus: es war die Grundlage der Landesgartenschau 1986 und Basis für das Freizeitgelände der heutigen Form. Gewonnen hatten die Gartenarchitekten Harbauer zusammen mit der Werkgruppe Lahr. Bei diesem Projekt wurde die Form des Sees teilweise sogar verändert und insbesondere auch das vorher steile Ufer abgeflacht.


So war die Landesgartenschau Freiburg 1986

Über zwei Millionen Besucher, 178 Tage dauernde Ausstellung, ein neues Parkgelände, deren Gestaltung weit über die Grenzen Freiburgs hinaus Beachtung erhielt und als städteplanerische Grundlage für die weitere grüne Entwicklung im Freiburger Westen gilt. Es war die Basis für den heutigen Seepark rund um den Flückigersee, sicher der meistbesuchte Park Freiburgs.

Am 18. April 1986 eröffnete der damalige Ministerpräsident und Schirmherr Lothar Späth die Ausstellung in Freiburg und sie dauerte bis zum 12. Oktober.  Sie zählt bis heute zu den erfolgreichsten Landesgartenschauen in Baden-Württemberg. Siehe Bilder mit Impressionen am Ende dieses Beitrags und im Archiv der Badischen Zeitung.

In den Wochen vor der Eröffnung war das Wetter schlecht, alles Wachstum war im Rückstand und man wartete sehnlichst auf Sonnenschein und Wärme. Dann – keine zwei Wochen später – ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe – und alles schien zu erstarren! Doch das ganz alltägliche Leben auf der Landesgartenschau ging weiter; trotz all der niederschmetternden Berichte aus und über Tschernobyl, strömten die Menschen.

Es war eines der ersten Ausstellungen, bei der das Thema Ökologie zentrale Bedeutung hatte in der Gestaltung und bei Veranstaltungen. Daraus entstand auch die Idee zur Ökostation, wie wir sie heute kennen.

Auch Kunst spielt eine wichtige Rolle: zeitlich begrenzte Beiträge waren nur während der Gartenschau zu sehen. Anderes blieb: z.B. das Bürgerhaus und Seetribüne, Seeparkturm, Forsthaus, Tempelchen, Pontonbrücke…

Es gab auch Besuch von Delegationen aus Freiburgs Partnerstädten (z.B. Padua und Matsuyama). In die Partnerstadt Besançon hatten sich Vertreter von Bürgervereinen aus dem Westen selbst zu einer dreitätigen Radtour (Start am Blumenhaus) aufgemacht, um dort für die Landesgartenschau zu werben. Und gefeiert wurde natürlich auch, z.B. zum Jubiläum “40 Jahre SWF” am 5. Juli.

Ein zusätzliche Anekdote: auf den See schwamm zur Landesgartenschau auch eine Art Arche in Form eines Rheinkahns mit rot-weißen Wellblechhaus. Ein Beitrag von Prof. Klaus Humpert, dem ehemaligen Leiter des Stadtplanungsamtes). Die Arche versank während eines Sturms kurz nach Ende der Gartenschau. Sie ist liegt noch heute in den Tiefen des Sees und wird auch gern von Tauchern besucht.

Abschliessend noch ein paar Fakten: 35.000 m² Gesamtfläche, davon 9.800 m² Wasseroberfläche. Gepflanzt wurden 3.200 Bäume und über 500.000 Blumen.


Stadtteiltag Betzenhausen

Am 8. Juni 1986 präsentierte sich der Stadtteil Betzenhausen bei einem sog. Stadtteiltag. In der Blumenhalle hatte der Bürgerverein zusammen mit Dr. Franz Flamm eine Dokumentation mit Exponaten zur Geschichte von Betzenhausen zusammengestellt. Alles auch beschrieben in einer Sonderausgabe des Bürgerblättle (hier Auszüge). Diverse Vereine und Schulen waren mit Aufführungen vertreten: Fanfarenumzug. Konzerte, Modenschau, Theateraufführungen, Horex-Motorsport, Fußball-Turnier u.a. Künstler aus Betzenhausen zeigten ihre Werke in einer eigenen Ausstellung. Es war auch eines der ersten Konzerte des gerade erst gegründeten “Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V.” (siehe heutige “Orchestergemeinschaft Seepark”).

Im September gab es zusätzlich noch einen gemeinsamen Tag aller Stadtteile aus dem Westen.

Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“

Im damaligen Wettbewerb (beteiligt war auch Prof. Klaus Humpert als ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes) sollten vor allem plastische Qualitäten relevant sein; deshalb waren insbesondere auch junge und renomierte Architekten zur Teilname eingeladen. Viele der so entstandenen Plastiken blieben auch nach der Ausstellung erhalten und sind heute noch im Seepark zu finden (siehe unser Beitrag Kunstwerke im öffentlichen Raum).

Bürgerhaus am Seepark

Das heutige Bürgerhaus am Seepark war bei der Landesgartenschau 1986 zum großen Teil eine Blumenhalle. Zusätzlich wurde es genutzt als Landespavillon, d.h. es war die zentrale Infostelle “Treffpunkt Baden-Württemberg”. Hier gab es auch diverse Veranstaltungen. Im heutigen Foyer befand sich ein Springbrunnen. Schon der Entwurf zum Wettbewerb für die Landesgartenschau war die Grundform des späteren Bürgerhauses enthalten.

Holz-Installationen auf dem Torplatz

Für viele Jahre waren sie ein Erkennungsmerkmal für Betzenhausen: die grossen Holz-Skulpturen/Installationen auf dem Betzenhauser Torplatz. Die Holz-Skulpturen wurden entworfen von Architekt Hans-Dieter Schaal aus Attenweiler und eigentlich sollte es nur eine temporäre Installation für den Zeitraum der Ausstellung sein. Der Torplatz diente 1986 als zentraler Eingangsbereich zur Landesgartenschau. Doch wie vieles Tempoäres: erst Ende 2020 wurden Holz-Skulpturen bei der Neugestaltung des Platzes entfernt.

Die Ökostation am Seepark

Die Ökostation im Bau Winter 1985/86

War es schon eine “ökologische Utopie” auf der Landesgartenschau, die sich in diesem Gebäude widerspiegelte? Denn eine Woche nach Eröffnung der Ausstellung kam es in Tschernobyl zur Kernschmelze: der Supergau mit verstrahlten Menschen und verstrahlter Natur. Dabei hatte gerade diese Landesgartenschau erstmals mit dem Thema Ökologie punkten wollen und eine der Hauptattraktionen war das uriges Holzhaus, das sich Ökostation nannte. Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung.

Die Ökostation zählte auf der Landesgartenschau zu den größten Attraktionen und wurde während der Dauer der Ausstellung von über 1 Mio. Gästen besucht.

Dort lief ein buntes Veranstaltungsprogramm um ökologisches Leben erfahrbar zu machen: Ökolandbau, gesunde Ernährung, Energiesparen uvm. Es gab einen ökologischen Waschtag und sogar Brotbacken war ein Thema (wie heute noch regelmäßig): wobei damals die Brötchen wohl teilweise etwas zu hart daherkamen. Aber es waren all die Themen, die auch das Angebot der Ökostation in den Jahrzehnten danach prägen sollten.


Rückblick auf die Landesgartenschau 1986

Im Jahr 2016 (also 30 Jahre nach der Ausstellung) ist es der Redaktion des Bürgerblättle gelungen, Dr. Rolf Böhme als damaligem Oberbürgermeister, Bernhard Utz, seinerzeit Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer, sowie Bernd Dallmann als damaligem Direktor der LGS, zu einem Kurzinterview für einen Rückblick zu gewinnen (hier der zugehörige Beitrag).

Andere Fundstellen:

  • “Vor dreißig Jahren wurde die Landesgartenschau in Freiburg eröffnet” (Badische Zeitung im April 2016, ggf. nur eingeschänkter Zugriff)
  • “Fotos: So war die Landesgartenschau in Freiburg 1986” (Badische Zeitung im April 2016, ggf. nur eingeschänkter Zugriff)
  • “Heute vor 30 Jahren Landesgartenschau in Freiburg eröffnet” (Stadt Freiburg, 18. April 2016).

Impressionen von der Landesgartenschau 1986

Die nachfolgenden Bilder stammen aus der privaten Sammlung eines damaligen Besuchers (DIAs, nachträglich digitalisiert).