Kunstwerke im öffentlichen Raum

Der Anlass

Die Corona-Zeit hat sicher für den ein oder anderen zusätzlichen Spaziergang durch unseren Stadtteil Freiburg-Betzenhausen gesorgt. Dabei haben Sie vielleicht auch Dinge entdeckt, die Ihnen vorher entgangen waren: versteckte Kunstwerke zum Beispiel. Anlass für uns, einige davon hier einfach mal vorzustellen (ggf. auch als Anregung für den nächsten Spaziergang…).

Seit Mitte 2021 werden ausgewählte Kunstwerke auch über eine kleine Serie in unserem Stadtteil-Magazin Bürgerblättle vorgestellt. Hier wie dort: noch ist die Zusammenstellung unvollständig (aber wir arbeiten dran…).

Ergänzend dazu: In Betzenhausen gibt es auch mehrere legale Plätze für Graffiti-Künstler. Grund für uns, auch diesem Thema einen eigenen Beitrag zu gönnen; siehe Graffiti in Betzenhausen.

Kunst am Bau

So einige Kunstwerke in Betzenhausen sind über die Initiative “Kunst am Bau” entstanden, in der namhafte Kunstschaffende im Auftrag des Staates ihre Werke erschaffen können. Und das seit inzwischen 70 Jahren: Mehr dazu unter www.kunstambau-freiburg.de

Im Seepark

Da der Seepark durch seine Vergangenheit als Landesgartenschau 1986 besonders viele “versteckte” Kunstwerte besitzt, wollen wir sie hier auch im Block vorstellen (auch diese Liste soll nur ein erster Eindruck sein, siehe aber auch unser Beitrag zum Seepark und Flückigersee). Eine Reihe der Plastiken wurde für den Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“ zur Landesgartenschau 1986 entworfen und nach der Ausstellung auch dort belassen. Dazu gehörten auch die großen Holzkunstwerke auf dem Betzenhauser Torplatz, die erst mit der Neugestaltung dort Ende 2020 entfernt wurden. Im damaligen Wettbewerb (beteiligt war auch Prof. Klaus Humpert als ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes) sollten vor allem plastische Qualitäten relevant sein; deshalb waren insbesondere auch junge und renomierte Architekten zur Teilname eingeladen (z.B. Krier, Ungers, Hilmer/Sattler und Heinz Mohl).


Forsthaus Seepark, Architekt Heinz Mohl (Karlsruhe, 1986)

Hierbei handelt es sich um eine spektakuläre, öffentlich zugängliche Konstruktion aus Douglasien-Holz am Ufer des Flückiger Sees. Das sog. Forsthaus ist entstanden zur Landesgartenschau 1986 und trägt gelegentlich auch den Titel ,,Der liegende Turm” (36 Meter lang): es wurde explizit geplant “ohne besondere Nutzung”.

Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den See, die gegenüberliegende Anhöhe mit dem Seeparkturm und den Stadtteil Mooswald dahinter.


Seeparkturm auf dem Rebberg, Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler (München, 1986),

Der Holz-Turm mit markantem Schnecken-Design ist etwa 18 Meter hoch und bietet eine schöne Aussicht über den gesamten Park, bzw. auf die Silhouette von Freiburg mit Panorama von Schwarzwald und Kaiserstuhl/Vogesen (je nach Wetter natürlich). Mehr Hintergründe auch auf Wikipedia.

Im Jahr 2003 wurde der Holzturm leider Opfer von Brandstiftung und musste komplett abgerissen werden. Doch innerhalb eines Jahres wurde der Turm unter Leitung des Architekten Richard Kramer nahezu orginalgetreu wieder gebaut. Das war eine beachtliche Leistung, denn leider hatte die frühere Baufirma ihre Pläne kurz vor dem Brand entsorgt. Also musste der Architekt den Turm im Grunde Stück für Stück neu konstruieren: frühere Fotos halfen dabei, aber z.B. auch der Zimmerer, die schon bei der ersten Ausführung beteiligt waren.

Seit 2015 ist Suwon in Südkorea eine Partnerstadt von Freiburg. In Anlehnung an den Seeparkturm hat man dort im Gwanggyo Lake Park ein ähnliches Bauwerk errichtet: allerdings um einiges größer, so dass ein Museum und Umweltbildungszentrum integriert werden konnten (siehe Bericht der BZ dazu).


Pavillon (Tempelchen) entworfen von Prof. Robert Krier (“Rob Krier”, Luxemburg, 1986, www.robkrier.de)

Kuppel, Säulen und Rundbögen hinterlassen einen historischen und fast romantischen Eindruck: Also ein wenig Belvedere im Seepark (Rob Krier nannte es wohl “garden pavilion”). Über dem Gewölbe im unteren Bereich befindet sich ein Kuppelraum; eine Rundtreppe führt außen dort hinauf.

Das Tempelchen ist sicher eines der beliebtesten Objekte im Seepark, vor allem auch als Foto-Motiv: von hier aus bietet sich ein schöner Blick auf den See bzw. das Ufer zur Seebühne. Vor einigen Jahren war es ziemlich vermalt, verkritzelt und zugemüllt: deshalb initiierte der Bürgerverein 2014 eine Aktion zur Säuberung und Entfernung der Malereien.

Star-Architekt und Stadtplaner Rob Krier wurde 1938 in Luxemburg geboren, er war über 20 Jahre als Dozent an der TU Wien tätig und gilt als scharfer Kritiker “moderner” Architektur. Rob Krier betreute städtebauliche Projekte in ganz Europa, aber vor allem in den Niederlanden. Seit 1997 ist er Ehrenmitglied im Bund Deutscher Architekten (siehe Wikipedia-Eintrag). Schwerpunkt seiner Arbeit war die städtebauliche Wiederherstellung urbaner Strukturen, wobei er nach Anknüpfungen an historische Vorbilder suchte (mit einer Vielzahl an Publikationen dazu).

Nebenbei ist Rob Krier auch als  Bildhauer tätig und realisiert vor allem  Skulpturen für öffentlichen Raum, die in ganz Europa zu finden sind. Seine Verbindung zu historischen Hintergründen spiegelt sich ja auch im Tempelchen wieder. Insofern steht dieses kleine Bauwerk auch beispielhaft für seine Vorstellung von einer Verbindung aus alt und neu: dieser Grundgedanke hätte wohl auch so manch anderer Gestaltungs-Idee in der Architektur der letzten Jahre gut getan.


Boden-Sonnenuhr in der Nähe des Bürgerhauses, eine Konstruktion von Prof. Heinz Schumacher (Freiburg, 1986)

Als Zeiger dient der Mensch, dessen Schatten auf die Markierungen für Stunden trifft: um die Zeit anzuzeigen, muss man sich auf den Punkt der Kalenderskala stellen, der dem aktuellen Datum entspricht. Wer das Schild in der Nähe der Boden-Sonnenuhr aufmerksam liest und den Anweisungen folgt, kann zusätzlich sogar die Stelle von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ermitteln.

Die Sonnenuhr im Seepark wurde entworfen von Prof. Heinz Schumacher (1909 – 1998), der in den Jahren von 1949 bis 1974 die Meisterschule für Steinbildhauer und Steinmetze in Freiburg leitete. Den Sonnenuhren galt immer sein besonderes Interesse: Er verfasste mehrere Fachbucher und Anleitungen zu deren Konstruktion. Den Arbeitskreis Sonnenuhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) leitete Schumacher von 1976 bis 1985 als Vorsitzender.

Wer sich für weitere Sonnenuhren interessiert, für den ist der Ort Bernau im Schwarzwald eine gute Adresse: Dort gibt es eine Vielzahl mit unterschiedlichen Ausführungen und sie werden auch explizit von der Stadt beworben. Schon im Jahr 1985 hatte Prof. Heinz Schumacher eine Broschüre herausgegeben, in der fünfzehn Bernauer Sonnenuhren aufgelistet waren (hier eine verkürzte Doku(pdf) ).

Alt trifft Neu: Ende 2020 wurde direkt neben der Sonnenuhr eine kleine Säule als “geodätischer Referenzpunkt” aufgestellt: die genaue Positionsangabe dort erlaubt es, die Genauigkeit des eigenen Navis oder Smartphones zu überprüfen (GPS-Referenzpunkt).


Lichtturm, Platz vor dem Bürgerhaus (Regioplatz), Oswald Mathias Ungers (Köln, 1986).

Auf einem vierstufigen Unterbau ragt ein kantiger Turm mit rostbraunem Klinker für 17 Meter in die Höhe. Der Unterbau mit 4 Stufen ist ein beliebter Sitzplatz mit Blick auf das Geschehen rund um das Bürgerhaus. Am oberen Ende schliesst der Turm ab mit quadratischen Öffnungen, die das Licht aus allen Himmelsrichtungen durchlassen: daher wohl der Name des Bauwerks.

Auf der West-Seite in Richtung Japanischer Garten ist eine Inschrift von Lina Ritter zu finden:

Worum trennt uns e Rhi? Ass mir zeige chenne, Wie me Brucke bäut“.

Der Architekt Oswald Mathias Ungers (1926 – 2007) sah sich Entwurfs- und Gestaltungsprinzipien verpflichtet, die er aus der Vergangenheit ableitete, weiterentwickelte und in seinen Bauten jenseits aller Moden und Schulen als in seiner Sicht zeitgemäßen Ausdruck allgemeiner menschlicher Ordnungen zu verwirklichen suchte (so sagt es Wikipedia) und weiteres zum Architekten…).


Seeparksäule, Nähe Bürgerhaus am sog. “Platz des Handwerks”, Dieter Schindler (1986).

Die knapp 5 Meter hohe Marmor-Säule zeigt von unten nach oben die unterschiedlichen Schritte in der Arbeit eines Bildhauers: vom grob-kantigen Stein bis zur fein geschliffenen Oberfläche. Ursprünglich lief Wasser von der oberen Abschlussplatte hinab entlang den verschiedenen Stufen des Schaffens. Wer mag, darf die “Metamorphose des Steins” von umgebenden Bänken auf sich wirken lassen.

Am Boden ist die Säule umgeben von Mosaiken zur Darstellung unterschiedlicher Gewerke des Handwerks.


Promenade auf der Wiese neben dem Bürgerhaus, Bernd Hennig (1986)

Rotbraun gestrichene Eisenplastik, deren einzelne Elemente symbolisch für Teile des Parks stehen sollen. Die Plastik wurde entworfen für den Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“ zur Landesgartenschau.

Bernd Hennig (geb. 1952 in Heilbronn) ist als freier Bildhauer und Objektkünstler tätig und erstellte vor allem in den ersten Jahren seines Schaffens gern große Skulpturen aus Stahl. Er hat seit 1994 eine Professur im Fachbereich Design an der Fachhochschule Anhalt in Dessau-Roßlau (alles weitere  siehe Wikipedia).


Die Ente, Bronze-Plastik am Ostufer des Flückigersees, Elsa Gerhard (Datum der Aufstellung noch unbekannt)

Wer nicht gleich drauf kommt: die Ente hat ihren Kopf nach hinten gedreht um sich mit dem Schnabel einen Flügel zu putzen . Eine weiche, geschwungene Bronze-Plastik, die eigentlich auch von Henry Moore oder Maritta Winter sein könnte.

Die Künstlerin Elsa Gerhard stammt aus Hamburg, hat später aber lange in Freiburg gelebt: dort starb sie auch in den frühen 1990er Jahren. Sie ist mit mehreren Skulpturen im Stadtbild vertreten: ganz in der Nähe des Seeparks, im Aussenbereich des Wentzinger Gymnasiums, ist beispielsweise eine kleine Eule aufgestellt (siehe Hügel an der Ecke Falkenbergstr. / Elsässerstr.). Im Innenhof des Technischen Rathauses findet man einen Schwan von ihr.


Erwachsener Adam, Bronzefigur im Rosengarten am Seepark, Wilhelm Gerstel (München, 1932/34)

Dargestellt wird Adam kurz nach der Schöpfung: noch etwas verschlafen wirft er erste Blicke in die Welt und tastet sich hinein.

Die ursprüngliche Figur aus den Jahren 1932/34 hatte Wilhelm Gerstel in Gibs gestaltet. Sie galt in der nationalsozialistischen Zeit als „entartet“ und durfte z.B. bei einer Ausstellung in München über Berliner Kunst nicht gezeigt werden. Die heutige Bronzefigur wurde zur Landesgartenschau 1986 im Rosengarten aufgestellt.

Der Bildhauer Wilhelm Gerstel (1879-1963) arbeite viele Jahre in Berlin; im Jahr 1948 (nach seinem offiziellen Ruhestand) zog es ihn nach Freiburg; hier war er noch für viele Jahre Leiter der Bildhauerklasse an der Freiburger Kunstakademie. 1955 erhielt Gerstel das Bundesverdienstkreuz als Anerkennung für seine Arbeiten (siehe auch Beitrag zu Wilhelm Gerstel bei Wikipedia) .

In Freiburgs Altstadt an der Treppe zwischen Greifeneggring und Insel steht eine weitere Figur von Wilhelm Gerstel: der „Aufwärtsstebende“.


Fliesen-Sonnenuhr (Landesgartenschau, 1986)

Wenn man am Ufer vor dem Westbad schlendert, sieht man diese wunderschöne Sonnenuhr: ein Geschenk von Freiburgs Partnerstadt Besançon, dem Zentrum der französischen Uhren-Industrie. Eine solche Uhr nennt man fachgerecht „Analemmatische Bodensonnenuhr“ (siehe Wikipedia).

Um die Uhr zu nutzen, muss man sich selbst auf das aktuelle Sternzeichen in die Mitte stellen und der Schatten liefert die Uhrzeit (6:00 bis 18:00 Uhr). Historische Gebäude aus Besançon bilden die Markierungen der Stunden. Der Innenbereich der Uhr (Zifferblatt) zeigt einen Stadtplan von Besançon aus dem 18.Jahrhundert: dort wird die Altstadt von einer Schleife des Doubs umflossen, darüber ragt die Zitadelle.

Diese schönen und wertvollen Uhr haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet, siehe Die französische Fliesensonnenuhr im Seepark.


Bacchus am Fuß des Weinbergs im Seepark (Kurt Lehmann, Staufen, 1970 )

Bacchus symbolisiert den Gott des Weines. Die Bronze-Figur stand zunächst auf dem Freiburger Schlossberg (Kanonenplatz) und wurde erst zur Landesgartenschau 1986 in den Seepark umgesiedelt.

Die gleiche Figur ist auch in Staufen am Fuße des Schlossbergs zu finden am Eingang zur Stadt (dort seit 1996).

Kurt Lehmann (1905 – 2000) war ein deutscher Bildhauer. Geboren in Koblenz lebte und arbeitete er viele Jahre in Kassel und Hannover: dort sind auch diverse Werke von ihm aufgestellt. Lehmann hatte u.a. eine Professur an der Technischen Hochschule Hannover. Mit der Pensionierung ging er nach Staufen (1970 bis 1998), wo ebenfalls mehrere Werke von ihm im Stadtbild zu finden sind (siehe auch Wikipedia).


Der Bleistift (1986); Nähe Bürgerhaus

An dieser Stelle hatte zur LGS 1986 die Architektenkammer ihren Infomationsstand. Und sie wählte einen Bleistift (oder Buntstift) als Erkennungsmerkmal: Gedacht wohl auch als Symbol für Kreativität in der Architektur. Erfreulich, dass der Bleistift geblieben ist und auch schön, dass er vor kurzem einen neuen Anstich erhalten hat.

Fraglich allerdings, ob das mit der Kreativität in der Architektur seit damals (1986) wirklich gelungen ist, erwecken doch heutige Alltags-Projekte häufig den Eindruck von Zweck-Bauten mit wenig Ideen (oder gar banalem Plattenbau-Design). So wurde und wird Hunderwasser von der Allgemeinheit bewundert für seine Kreativität, für sein Bauen mit menschlichem und künstlerischem Charakter (und ist sogar ein guter Grund, nach Wien zu fahren…). Aber er bleibt nun wirklich eine Ausnahme.


Andere Fundstellen im Stadtteil

Wir beginnen in der Bissierstraße, kurz vor der Güterbahn-Brücke, wo seit Ende der 1980er Jahre das „Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg“ zuhause ist, speziell die Abteilung für Lebensmittelkontrolle. Haben Sie sich schon mal gefragt, ob die gefärbten Ostereier im Supermarkt wirklich ungefährlich sind oder ob der Spargel auch wirklich aus heimischem Anbau stammt? Auf solchen Fragen der Lebensmittelqualität sucht man in diesem Institut die Antworten. Und draußen vor der Tür findet man zwei beeindruckende Installationen: „Schmetterling“ und „Lotusbrunnen“.

Vier Stelen im Lotusbrunnen, Chemische Landesuntersuchungsanstalt, Bissierstraße, Wolfgang Glöckler (1988)

Mit dem Lotosbrunnen sollte ein Gegenstück zum naturwissenschaftlich orientierten Denken am Institut entstehen: freistehenden Stelen/Säulen, die einfach nur da sind und nach oben zeigen. Die Säulen au Betonguß  sind mit Platten aus Karlsruher Majolika verkleidet: bemalt mit blauen Linien, die an Schlingpflanzen erinnern.

Wasser ist hier ohnehin ein wichtiges Element: Im kantigen Becken wachsen u.a. Seerosen, deren Lotos-Blüte im buddhistischem Umfeld ja eine besondere Bedeutung hat. Wolfgang Glöckler hatte zahlreiche Reisen nach Asien (speziell Indien) unternommen und setzte Mythen und Vorstellungen aus diesem Kulturkreis gern künstlerisch um. Nebenbei bildet das Wasser-Becken auch eine thematische Verbindung zum nahegelegenen Runzbach.

Schmetterling, Chemische Landesuntersuchungsanstalt, Bissierstraße, Jürg Franz Häusler (1988)

Die Skulptur entstand 1988 im Rahmen eines Wettbewerbs “Kultur am Bau”. Der Künstler sah sein Werk als Versuch einer Synthese von Natur und Technik. Die Skulptur sollte auch im Kontrast zur Architektur der Landesuntersuchungsanstalt stehen.

Erstellt mit viel Eisen und Beton ist es ein gewichtiges (tonnenschweres) Kunstwerk geworden, das trotzdem leicht wirkt (also wie ein Schmetterling).


Drei Schirme, Aluminium-Skulpturengruppe im Innenhof des Regierungspräsidiums, Bissierstr. 7, Stephan Hasslinger (Merzhausen, 2003)

Wer den Innenhof des Regierungspräsidiums  betritt, steht unmittelbar vor den metallisch glitzernden Schirmen des Bildhauers Stephan Hasslinger aus Merzhausen. Ein kleines Ballett scheinen die goldenen und hellblauen “Drei Schirme” dort im viereckigen Teich des Innenhofs aufzuführen; fast scheinen sie dort zu schwimmen oder sich einfach treiben lassen. Und mit immer neuen Spiegelbildern, je nach Stand des Betrachters und der Sonne (1. Preis im Wettbewerb “Kunst am Bau” 2003).

Dass es Schirme geworden sind in dem damaligen Wettbewerb trägt durchaus auch einen Hintergedanken: hat doch das Regierungspräsidium auch in gewissem Sinne eine Schirmherrschaft als Aufgabe. Ergänzend dazu ist der von allen vier Seiten “abgeschirmte” Innenhof mit angrenzender Kantine ein richtiges Refugium mit Zügen einer Gartenlandschaft, in dem sich Mitarbeitende und Besucher gern aufhalten.

Wir hatten die Skulpturen auch als Titelbild unseres Stadtteil-Magazins im März 2005.


Brunnen im Wohnblock „Idinger Hof“, Hans-Peter Wernet (Freiburg, 1976)

Im Innenhof steht seit 1976 ein Brunnen von Hans-Peter Wernet, einem Künstler aus Betzenhausen (er schuf auch den Bischofsbrunnen auf dem Platz am Bischofskreuz). Ganz rund ist das Wasserbecken des Brunnens und steht so im Kontrast zum umgebenden Wohnblock mit seinem kantigen, achteckigen Grundriß. Aber auch beim Brunnen findet sich die Zahl Acht wieder: so viele Wasserbögen hat er und sie zeigen auf jeweils eine Seite des umgebenden Gebäudes. Das Wasser des Becken wird immer wieder hoch gepumt (also kein Trinkwasser) und aber spätestens an heißen Sommertagen ist es der ideale Treffpunkt für Bewohner, um im geschützten Innenhof “die Füße baumeln” zu lassen. Siehe auch Beitrag zum Idinger Hof.


Bischofsbrunnen, Platz am Bischofskreuz, Hans-Peter Wernet (Freiburg, 1980)

Von Bildhauer Hans-Peter Wernet stammt der Sandsteinbrunnen, der auf dem Platz am Bischofskreuz steht. Markant für den Brunnen ist die Säule mit vier Wasserspeiern. An der Spitze zu erkennen ist eine Bischofsmütze umgeben von vier Pferdeköpfen: eine Erinnerung an die legendäre Schlacht zur Verteidigung Freiburg von 1299, die hier in der Nähe stattgefunden haben muss. (siehe Historisches zu Bischofslinde).

Der Brunnen ist dreistufig aufgebaut: unten das achteckige Wasserbecken, wobei sich die achten Ecken auch im Querschnitt der Mittelsäule wiederfinden. Die mittlere Ebene hat vier Wasser-speienden Köpfe: sie sollen an Krieger erinnern, die von damaligen Geschehen der Schlacht berichten (mit dem sprudelden Wasser als “Redefluß”). Die Spitze bildet eine Bischofsmütze.

Zur Aufstellung des Brunnens schrieb die Badische Zeitung am 1. März 1980: EIN SANIISTEINBBUNNEN wurde jetzt im Stadtteil Bischofslinde aufgestellt. Auf Anregung von Stadtplanungschef Humpert finanzierte die Genmeinnützige Wohnstättenbau diesen Brunnen, der vom Freiburger Bildhauer Hans Peter Wernet geschaffen wurde. Der Brunnen besteht aus Trog und einer Säule mit vier Wasserspeiern einem Kapitel mnit vier Pferdeköpfen, in deren Mitte eine Bischofsmütze zu erkennen ist. Die Bischofsmütze weist auf ein historisches Erreignis hin, bei dem ein Bischof an dieser Stelle in einer Schlacht getötet wurde.


Spaziergang mit Hund (oder auch “Frau mit Hund”), an der Sporthalle der Anne-Frank-Schule, Aiga Müller (Berlin, 1971)

Die drei bunten Figuren wurden schon 1971 mit Fertigstellung der Anne-Frank-Schule aufgestellt und sind entstanden über einem Wettbewerb „Kunst am Bau”: im Jahr 2021 durften Sie also wie die Schule ihren 50-ten Geburtstag feiern (siehe Bericht im Bürgerblättle 268, Aug. 2021). Über viele Jahre standen die Figuren etwas versteckt zwischen Bäumen vor dem Rektorenzimmer; erst mit Start der Erweiterungsarbeiten 2019 wurden sie versetzt und stehen nun auf der kleinen Wiese vor der Turnhalle. Da dort direkt ein Rad- und Fußweg vorbei führt, sind sie jetzt auch auffälliger. Grad noch schaut man auf den Weg und plötzlich entdeckt man im Augenwickel: da steht doch jemand…

Im gleichen Wettbewerb „Kunst am Bau” erstellte Aiga Müller auch ein Fries (Bild) mit Zoomotiven an der Einfahrt zur Tiefgarage der Anne-Frank-Schule, die aber leider in den Bauarbeiten zum neuen Erweiterungsbau untergegangen sind.

Auch die Windrose auf der Gaskugel von Betzenhausen stammt von Aiga Müller und ist Ergebnis eines Wettbewerbs aus den frühen 1980er Jahren: immer wieder eine gute Gelegenheit um die Himmelsrichtungen mit dem eigenen Eindruck abzugleichen (ist da wirklich Norden…). Vielleicht ist es ja der größte “Kompass” der Welt.

Aiga Müller (1944 – 2011) galt als vielseitige Malerin und Künstlerin: insbesondere setzte sie ihre Figuren und Bilder häufig aus Scherben zusammen. Bekannt sind ihre Arbeiten mit Porzellan-Resten und Scherben, die sie in Berliner Trümmerbergen des Zweiten Weltkrieg sammelte. Die Künstlerin lebte und arbeitete zeitweise in London. Im Jahr 1971, in dem die drei Figuren an der Anne-Frank-Schule aufgestellt wurden, war sie Meisterschülerin in der Außenstelle der Karlsruher Akademie in Freiburg.


Gerhard Hauptmann Schule: Graffiti an der Aussenwand der Schule.

Es ist ein wunderschöner, farbenfreudiger Abschluss für die Sammlung hier. Das etwa 30 Meter breite Bild entstand im August 2019 über ein gemeinsames Projekt von Kindern der Schulkindbetreuung zusammen dem Künstler Fabian Bielefeld.  Die Kinder hatten Ideen und Motive eingebracht, Fabian Bielefeld hat sie an der Wand umgesetzt. Der Graffiti-Künstler lebte und studierte einige Jahre in Freiburg, er ist heute bekannt für die Gestaltung großflächiger Graffitiaufträge im Auftrag von Unternehmen aber auch in Schulprojekten; alles Weitere auf www.graffitigestaltung.com.

Das Werk kann man nicht über ein einziges Foto erfassen, dafür ist die Mauer zu lang. Also haben wir mehrere Fotos erstellt und nachträglich aneinander gereiht. Das funktionierte nicht ganz ohne kleine Brüche, aber vielleicht gerade passend als Anregung, einfach selbst mal an der Schule vorbeizuschauen (Hofackerstrasse 75).


Überhaupt gibt es eine Vielzahl an legaler Graffiti in Betzenhausen, z.B. an den Wänden der Unterführungen zur Sundgauallee. Grund genug für uns, diesem Thema einen eigenen Beitrag zu gönnen. Siehe Graffiti in Betzenhausen.


Kunst-Atelier in der StuSie

Im öffentlichen Raum steht auch das einzige Kunst-Atelier in unserem Stadtteil: Zu finden in einem der neuen StuSie-Gebäude (Haus 74), wenige Meter von der Sundgauallee entfernt, gegenüber der Tankstelle. In der Semester-Zeit gibt es dort am Donnerstag Abend Workshops ab 18:00 Uhr: Natürlich sind auch Besucherinnen und Besucher aus unserem Stadtteil gern gesehen, eine aktive Teilnahme ist allerdings nur für Studierende möglich.

Das Atelier ist eine Idee von Hartmann Litschel, Künstler hier in Betzenhausen: er will dort einen Raum schaffen, um Studentinnen und Studenten die Kunst näher zu bringen (insbesondere die Kunst, sich über das Malen auszudrücken).

Siehe unseren ausführlichen Beitrag zu 10 Jahre “Kunstatelier 50” in der StuSie .

Bei der Gelegenheit auch noch einen passenden Hinweis auf unseren regelmäßig aktualisierten Beitrag über Ausstellungen im Stadtteil.