Kunstwerke im öffentlichen Raum

Der Anlass

Die Corona-Zeit hat sicher für den ein oder anderen zusätzlichen Spaziergang durch unseren Stadtteil Freiburg-Betzenhausen gesorgt. Dabei haben Sie vielleicht auch Dinge entdeckt, die Ihnen vorher entgangen waren: versteckte Kunstwerke zum Beispiel. Anlass für uns, einige davon hier einfach mal vorzustellen (ggf. auch als Anregung für den nächsten Spaziergang…).

Aber bitte beachten: noch ist die Aufstellung hier unvollständig.

Im Seepark

Da der Seepark durch seine Vergangenheit als Landesgartenschau im Jahr 1986 besonders viele “versteckte” Kunstwerte besitzt, wollen wir sie hier auch im Block vorstellen (auch diese Liste soll nur ein erster Eindruck sein …). Eine Reihe der Plastiken wurde für den Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“ zur Landesgartenschau 1986 entworfen und nach der Ausstellung auch dort gelassen. Dazu gehörten auch die großen Holzkunstwerke auf dem Betzenhauser Torplatz, die erst mit der Neugestaltung dort Ende 2020 entfernt wurden.


Forsthaus Seepark, Architekt Heinz Mohl (Karlsruhe, 1986)

Hierbei handelt es sich um eine spektakuläre, öffentlich zugängliche Konstruktion aus Douglasien-Holz am Ufer des Flückiger Sees. Es ist entstanden zur Landesgartenschau 1986 und trägt gelegentlich auch den Titel ,,Der liegende Turm” (36 Meter lang). Das Forsthaus wurde explizit geplant “ohne besondere Nutzung”.

Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den See, die gegenüberliegende Anhöhe mit dem Seeparkturm und den Stadtteil Mooswald dahinter.


Seeparkturm auf dem Rebberg, Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler (München, 1986),

Der Holz-Turm mit markantem Schnecken-Design ist etwa 18 Meter hoch und bietet eine schöne Aussicht über den gesamten Park, bzw. auf die Silhouette von Freiburg mit Panorama von Schwarzwald und Kaiserstuhl/Vogesen (je nach Wetter natürlich).

Im Jahr 2003 wurde der Holzturm leider Opfer von Brandstiftung und musste komplett abgerissen werden. Doch innerhalb eines Jahres wurde der Turm unter Leitung des Architekten Richard Kramer nahezu orginalgetreu wieder gebaut. Das wurde eine beachtliche Leistung, denn ungünstigerweise hatte die frühere Baufirma ihre Pläne erst kurz vor dem Brand entsorgt. Also musste der Architekt den Turm im Grunde Stück für Stück neu konstruieren: frühere Fotos halfen dabei, aber z.B. auch Zimmerer der ersten Version.

Seit 2015 ist Suwon in Südkorea eine Partnerstadt von Freiburg. In Anlehnung den Seeparkturm hat man dort im Gwanggyo Lake Park ein ähnliches Bauwerk errichtet: allerdings um einiges größer, so dass ein Museum und Umweltbildungszentrum integriert werden konnten (siehe Bericht der BZ dazu).


Tempelchen entworfen von Rob Krier (Luxemburg, 1986)

Gefertigt aus Beton, aber Rundbögen, Kuppel und Säulen hinterlassen fast schon einen romanisch, historischen Eindruck. Also ein wenig Renaissance-Zeit im Seepark. Über dem Gewölbe im unteren Bereich befindet sich ein Kuppelraum; eine Rundtreppe führt außen dort hinauf.

Das Tempelchen bietet einen schönen Blick auf den See bzw. das Ufer zur Seebühne.


Boden-Sonnenuhr im Seepark, eine Konstruktion von Heinz Schumacher (1986)

Als Zeiger dient der Mensch, dessen Schatten auf die Markierungen für Stunden trifft: um die Zeit anzuzeigen, muss man sich auf den Punkt der Kalenderskala stellen, der dem aktuellen Datum entspricht.

Wer das Schild in der Nähe der Boden-Sonnenuhr aufmerksam liest und den Anweisungen folgt, kann zusätzlich sogar die Stelle von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ermitteln.


Lichtturm, Platz vor dem Bürgerhaus (Regioplatz), Oswald Matthias Ungers (Köln, 1986).

Auf einem vierstufigen Unterbau ragt ein kantiger Turm mit rostbraunem Klinker für 17 Meter in die Höhe.

Auf der West-Seite ist einen Inschrift von Lina Ritter zu finden:

Worum trennt uns e Rhi? Ass mir zeige chenne, Wie me Brucke bäut“.


Seeparksäule, Nähe Bürgerhaus am sog. “Platz des Handwerks”, Dieter Schindler (1986).

Die knapp 5 Meter hohe Säule zeigt von unten nach oben die unterschiedlichen Schritte in der Arbeit eines Bildhauers: vom grob-kantigen Stein bis zur fein geschliffenen Oberfläche. Ursprünglich lief Wasser von der Platte oben entlang den verschiedenen Stufen des Schaffens.

Am Boden ist die Säule umgeben von Mosaiken zur Darstellung unterschiedlicher Gewerke des Handwerks.


Promenade auf der Wiese neben dem Bürgerhaus (Bernd Hennig, 1986)

Rotbraun gestrichene Eisenplastik, deren einzelne Elemente symbolisch für Teile des Parks stehen sollen.

Die Plastik wurde entworfen für den Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“ zur Landesgartenschau.


Bronzeplastik am Ostufer des Flückigersees, Elsa Gerhard

Eine Bronzeplastik, die auch von Gary Moore sein könnte.


Erwachsener Adam, Bronzefigur im Rosengarten am Seepark, Wilhelm Gerstel (München, 1932/34)

Dargestellt wird Adam kurz nach der Schöpfung: noch etwas verschlafen wirft er erste Blicke in die Welt und tastet sich hinein.

Die ursprüngliche Figur aus 1932/34 wurde von Wilhelm Gerstel in Gibs gestaltet. Sie durfte aber in der nationalsozialistischen Zeit in München nicht ausgestellt werden.

Die heutige Bronzefigur wurde zur LGS 1986 im Rosengarten aufgestellt.


Fliesen-Sonnenuhr (Landesgartenschau, 1986)

Wenn man am Ufer vor dem Westbad schlendert, sieht man diese wunderschöne Sonnenuhr: ein Geschenk von Freiburgs Partnerstadt Besançon, dem Zentrum der französischen Uhren-Industrie. Eine solche Uhr nennt man wohl fachgerecht „Analemmatische Bodensonnenuhr“ (siehe Wikipedia).

Um die Uhr zu nutzen, muss man sich selbst in die Mitte stellen und der Schatten liefert die Uhrzeit (6:00 bis 18:00 Uhr). Historische Gebäude aus Besançon bilden die Markierungen der Stunden. Der Innenbereich der Uhr (Zifferblatt) zeigt einen Stadtplan von Besançon aus dem 18.Jahrhundert: dort wird die Altstadt von einer Schleife des Doubs umflossen, darüber ragt die Zitadelle.

Hintergrund: Die Partnerschaft zwischen Freiburg und Besançon besteht seit 1959. Und beide Städte haben auch eine große historische Gemeinsamkeit, denn Vauban, der Militärarchitekt Ludwig XIV, hatte beide Städte Ende des 17. Jahrhunderts zu Festungen ausgebaut. Die Festungsanlagen in Besançon sind auch heute noch erhalten und auch wirklich eine Reise wert (seit 2008 gehören sie zum UNESCO‐Weltkulturerbe).

Eine sehr schöne Dokumentation (PDF) zur Uhr mit vielen Detail-Bildern hat Renate Funk erstellt für www.helios-sonnenuhren.de.


Bacchus am Fuß des Weinbergs im Seepark (Kurt Lehmann, Staufen, 1970 )

Bacchus symbolisiert den Gott des Weines und stand zunächst auf dem Freiburger Schlossberg (Kanonenplatz).

Bacchus wurde erst für die LGS 1986 in den Seepark umgesiedelt. Die gleiche Figur ist auch in Staufen am Fuße des Burgbergs zu finden am Eingang zur Stadt,

 


Andere Fundstellen im Stadtteil

Wir beginnen in der Bissierstraße, kurz vor der Güterbahn-Brücke, wo seit Ende der 1980er Jahre das „Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg“ zuhause ist, speziell die Abteilung für Lebensmittelkontrolle. Haben Sie sich schon mal gefragt, ob die gefärbten Ostereier im Supermarkt wirklich ungefährlich sind oder ob der Spargel auch wirklich aus heimischem Anbau stammt? Auf solchen Fragen der Lebensmittelqualität sucht man in diesem Institut die Antworten. Und draußen vor der Tür findet man zwei beeindruckende Installationen: „Schmetterling“ und „Lotusbrunnen“.

Vier Stelen im Lotusbrunnen, Chemische Landesuntersuchungsanstalt, Bissierstraße, Wolfgang Glöckler (1988)

Mit dem Lotosbrunnen sollte ein Gegenstück zum naturwissenschaftlich orientierten Denken am Institut entstehen: freistehenden Stelen/Säulen, die einfach nur da sind und nach oben zeigen. Die Säulen au Betonguß  sind mit Platten aus Karlsruher Majolika verkleidet: bemalt mit blauen Linien, die an Schlingpflanzen erinnern.

Wasser ist hier ohnehin ein wichtiges Element: Im kantigen Becken wachsen u.a. Seerosen, deren Lotos-Blüte im buddhistischem Umfeld ja eine besondere Bedeutung hat. Wolfgang Glöckler hatte zahlreiche Reisen nach Asien (speziell Indien) unternommen und setzte Mythen und Vorstellungen aus diesem Kulturkreis gern künstlerisch um. Nebenbei bildet das Wasser-Becken auch eine thematische Verbindung zum nahegelegenen Runzbach.

Schmetterling, Chemische Landesuntersuchungsanstalt, Bissierstraße, Jürg Franz Häusler (1988)

Die Skulptur entstand 1988 im Rahmen eines Wettbewerbs “Kultur am Bau”. Der Künstler sah sein Werk als Versuch einer Synthese von Natur und Technik. Die Skulptur sollte auch im Kontrast zur Architektur der Landesuntersuchungsanstalt stehen.

Erstellt mit viel Eisen und Beton ist es ein gewichtiges (tonnenschweres) Kunstwerk geworden, das trotzdem leicht wirkt (also wie ein Schmetterling).


Drei Schirme, Aluminium-Skulpturengruppe im Innenhof des Regierungspräsidiums, Bissierstr. 7, Stephan Hasslinger (Merzhausen, 2003)

Wer den Innenhof des Regierungspräsidiums  betritt, steht unmittelbar vor den metallisch glitzernden Schirmen des Bildhauers Stephan Hasslinger aus Merzhausen. Eine kleines Ballett scheinen die goldenen und hellblauen “Drei Schirme” dort im viereckigen Teich des Innenhofs aufzuführen; fast scheinen sie dort zu schwimmen oder sich einfach treiben lassen. Und mit immer neuen Spiegelbildern, je nach Stand des Betrachters und der Sonne (1. Preis im Wettbewerb “Kunst am Bau” 2003).

Ohnehin ist der von allen vier Seiten “abgeschirmte” Innenhof mit angrenzender Kantine ein richtiges Refugium mit Zügen einer Gartenlandschaft, in dem sich Mitarbeitende und Besucher gern aufhalten.

Wir hatten die Skulpturen auch als Titelbild unseres Stadtteil-Magazins im März 2005.


Brunnen im Wohnblock „Idinger Hof“

Im Innenhof steht seit 1976 ein Brunnen von Hans-Peter Wernet, einem Künstler aus Betzenhausen (er schuf auch den Bischofsbrunnen auf dem Platz am Bischofskreuz). Ganz rund ist das Wasserbecken des Brunnens und steht so im Kontrast zum umgebenden Wohnblock mit seinem kantigen, achteckigen Grundriß. Aber auch beim Brunnen findet sich die Zahl Acht wieder: so viele Wasserbögen hat er und sie zeigen auf jeweils eine Seite des umgebenden Gebäudes. Das Wasser des Becken wird immer wieder hoch gepumt (also kein Trinkwasser) und aber spätestens an heißen Sommertagen ist es der ideale Treffpunkt für Bewohner, um im geschützten Innenhof “die Füße baumeln” zu lassen. Siehe auch Beitrag zum Idinger Hof.


Bischofsbrunnen, Platz am Bischofskreuz, Hans-Peter Wernet (Freiburg, 1980)

Von Bildhauer Hans-Peter Wernet stammt der Sandsteinbrunnen, der auf dem Platz am Bischofskreuz steht. Die BZ berichtete am 2. März 1980 über die Aufstellung des Brunnens. Markant für den Brunnen ist die Säule mit vier Wasserspeiern. An der Spitze zu erkennen ist eine Bischofsmütze umgeben von vier Pferdeköpfen: eine Erinnerung an die legendäre Schlacht zur Verteidigung Freiburg von 1299, die hier in der Nähe stattgefunden haben muss. (siehe Historisches zu Bischofslinde).

Der Brunnen ist dreistufig aufgebaut: unten das achteckige Wasserbecken, wobei sich die achten Ecken auch im Querschnitt der Mittelsäule wiederfinden. Die mittlere Ebene hat vier Wasser-speienden Köpfe: sie sollen an Krieger erinnern, die von damaligen Geschehen der Schlacht berichten (mit dem sprudelden Wasser als “Redefluß”). Die Spitze bildet eine Bischofsmütze.


Spaziergang mit Hund (oder auch “Frau mit Hund”), an der Sporthalle der Anne-Frank-Schule, Aiga Müller-Stadler (Berlin, 1971)

Die bunten Figuren wurden schon 1971 mit Fertigstellung der Anne-Frank-Schule aufgestellt (entstanden aus einem Wettbewerb „Kunst am Bau”). Über viele Jahre standen die Figuren allerdings etwas versteckt zwischen Bäumen vor dem Rektorenzimmer; erst mit Start der aktuellen Erweiterungsarbeiten wurden sie versetzt und stehen nun auf der kleinen Wiese vor der Turnhalle. Da dort direkt ein Rad- und Fußweg vorbei führt, sind sie jetzt auch viel auffälliger. Grad noch schaut man auf den Weg und plötzlich entdeckt man im Augenwickel: da steht doch jemand…

Aiga Müller-Stadler (gestorben 2011) war im Jahr 1971 Meisterschülerin in der Außenstelle der Karlsruher Akademie in Freiburg. Sie erstellte im gleichen Wettbewerb auch ein Fries (Bild) mit Zoomotiven an der Einfahrt zur Tiefgarage der Anne-Frank-Schule (die ist aber leider in den Bauarbeiten zum neuen Erweiterungsbau untergegangen).