Die französische Fliesensonnenuhr im Seepark von Freiburg-Betzenhausen

Aktuelles (Sept. 2022): Leider ist die Sonnenuhr inzwischen in einem so schlechten Zustand, dass man im Garten und Tiefbauamt (GuT) keine Möglichkeit mehr sieht zur Instandsetzung.  Viele Kacheln sind gebrochen oder auch gar nicht mehr vorhanden: Das Bild unten ist schon einiges älter und steht damit für bessere Zeiten.

Natürlich haben wir gehofft, dass gelegentlich eine Instandsetzung möglich wird: schließlich haben wir ja z.B. eine Steinmetz-Schule hier in Freiburg. Eine schöne Geste an unsere Partnerschaft Besançon wäre es ja vielleicht auch gewesen. Offensichtlich ist der schlechte Zustand der Uhr auch schon länger bei der Stadt bekannt. Es ist geplant, die Reste in nächster Zeit zu entfernen. Ein Baum soll stattdessen gepflanzt werden.

Der Aufbau der Sonnenuhr im Jahr 1986 war offensichtlich auch nur temporär gedacht und ist wohl auch deshalb nur mit wenig Fundament unterlegt. Am Ende können wir uns also darüber freuen, dass sie überhaupt so lange gehalten hat.

Zwischenzeitlich hat auch die Badische Zeitung über die Sonnenuhr berichtet; siehe BZ-Beitrag hier (ggf. mit eingeschränktem Zugriff).


Hintergründe zur Fliesensonnenuhr im Seepark

Wer im Seepark von Freiburg-Betzenhausen am Ufer vor dem Westbad schlendert, sieht eine Fliesensonnenuhr, die früher mal sehr schön war: ein Geschenk von Freiburgs Partnerstadt Besançon, dem Zentrum der französischen Uhren-Industrie. Eine solche Uhr nennt man fachgerecht „Analemmatische Bodensonnenuhr (siehe Wikipedia). Historische Gebäude aus Besançon bilden die Markierungen der Stunden. Der Innenbereich der Uhr (Zifferblatt) zeigt einen Stadtplan von Besançon aus dem 18. Jahrhundert: dort wird die Altstadt von einer Schleife des Doubs umflossen, darüber ragt die Zitadelle.

Freiburg und Besançon haben u.a. eine große historische Gemeinsamkeit, denn Vauban, der Militärarchitekt Ludwig XIV, hatte beide Städte Ende des 17. Jahrhunderts zu Festungen ausgebaut. Die Festungsanlagen in Besançon sind auch heute noch erhalten und auch wirklich eine Reise wert (seit 2008 gehören sie zum UNESCO‐Weltkulturerbe).

Leider ist dieses Geschenk aus Besançon heute in einem sehr schlechten Zustand (die Bilder hier im Beitrag sind schon etwas älter). Eine Instandsetzung durch die Stadt Freiburg wäre absolut wünschenswert und vor allem wäre es ja auch eine schöne Geste in dieser Partnerschaft (siehe auch unserem Beitrag zu Markt der Partnerstädte).


Vorstellung in “Sonnenuhren, die Geschichte(n) erzählen”

Nachfolgend einige Passagen aus dem Buch “Sonnenuhren, die Geschichte(n) erzählen” von Renate Frank, die wir hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin verwenden dürfen (siehe auch Hinweise zur Autorin weiter unten):

Seit 1959 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Besançon im französischen Département Doubs und Freiburg im Breisgau (48°0‘, 7°51‘). Beiden Städten ist gemeinsam, daß sie Ende des 17. Jahrhunderts von Vauban, dem Militärarchitekten Ludwigs XIV., zu Festungen ausgebaut wurden. Anläßlich der Landesgartenschau 1986 schenkten die französischen Partner Freiburg eine kostbare Fliesensonnenuhr, sie ist im Seeparkgelände im Westen der Stadt zu bewundern.

Es ist eine analemmatische Bodensonnenuhr, bei der ein Mensch als beweglicher Zeiger fungiert. Stellt man sich je nach Jahreszeit auf das entsprechende Tierkreiszeichen der Skala, so weist der Körperschatten die Zeit.

Die Stundenpunkte auf der Ellipse reichen von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends, das entspricht der möglichen Dauer des Sonneneinfalls. Ansichten historischer Gebäude bilden die Stundenmarkierungen, die entsprechenden Ziffern sind im Stadtplan als Standorte dieser Monumente angegeben.

Das Zifferblatt der Uhr zeigt einen stilisierten Stadtplan von Besançon aus dem 18. Jahrhundert. Die Altstadt wird von einer Schleife des Doubs umflossen und von der Zitadelle überragt.

Im Laufe der Jahre sind die Farben auf den Fliesen verblasst und durch ein paar Risse in den Keramikplatten wachsen Grasbüschel. Aber immer noch erinnert die Anlage im Freiburger Seepark an die Hauptstadt der Franche – Comté am Rande des Jura. Die Sonnenuhr ist eine Anregung, das sehenswerte Besançon aufzusuchen, das eine Universität und ein reiches kulturelles Angebot aufzuweisen hat.

Daneben ist Besançon Zentrum der französischen Uhrenindustrie. Während der Französischen Revolution wurde durch Einwanderer aus dem Schweizer Jura die Uhrenindustrie in der Stadt begründet. In der Tradition dieser Industrie haben sich hier zahlreiche Firmen aus den Bereichen Mikropräzisionstechnik angesiedelt.

Die Stadt ist Geburtsort des Schriftstellers Victor Hugo (1802 – 1885) und der Brüder Lumière, der Erfinder des Kinos (August 1862 – 1954, Louis Jean 1864 – 1948). Die Festungsanlagen von Besançon gehören seit 2008 zum UNESCOWeltkulturerbe.

Nachfolgend die historische Gebäude auf den Stundenmarkierugen und deren Bedeutung:


6:00 Maison de Vigneron

7:00 Galerie du St Esprit, 16. J., ehemaliges Hôpital

8:00 Quai Vauban aus dem 16. Jh.

9:00 Église Ste Madeleine 18. Jh.

10:00 Préfecture (18. Jh.)

11:00 Hôpital St Jacques aus dem 17. Jh., beherbergt heute eine alte Apotheke

12:00 Palais de Justice (Renaissance)

13:00 Èglise St Pierre 18. Jh.

14:00 Das Palais Granvelle ließ Nicolas Perrenot de Granvelle, Minister Karls V., zwischen 1534 und 1542 erbauen. Es besitzt eine prächtige Renaissancefassade und einen schönen Arkadenhof. Seit 2002 ist in dem Palais das Musée du Temps untergebracht, das der Zeitmessung gewidmet ist.

15:00 Théâtre

16:00 Porte Noire et Cathédrale St Jean Die Kathedrale geht aufs 12./13. Jh. zurück, der Ostchor wurde in der Barockzeit wieder aufgebaut. Die Porte Noire stammt aus der gallo – römischen Epoche der Stadt, wurde als Triumphbogen im 2. Jh. errichtet und Marc Aurel gewidmet

17´:00 Die Porte Rivotte ist Teil der Stadtbefestigung und trägt das Wappen Ludwigs XIV.

18:00 Die Citadelle, die Vauban zwischen 1674 und 1711 errichten ließ


Hintergründe zum Buch

Fachkreis Sonnenuhren 2011, Jahrestagung

Renate Frank ist seit 1996 Mitglied im Fachkreis Sonnenuhren innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie. Im Jahr 2011 organisierte sie eine dreitägige Jahrestagung des Fachkreises in Freiburg, die zum Teil im Seepark stattfand.

Das Buch “Sonnenuhren, die Geschichte(n) erzählen” von Renate Frank ist erhältlich im Buchhandel (Mai 2020, 160 Seiten, Gmeiner Verlag, 18,- Euro ). Aus der Beschreibung dort:

“Sonnenuhren haben die Aufgabe, Schatten sichtbar und für Zeitangaben nutzbar zu machen. Bestanden sie anfangs nur aus Schattenwerfer und Zifferblatt, wurden sie später mit Sinnsprüchen und Darstellungen ausgeschmückt. Während zu Konstruktion und Funktion der Uhren zahlreiche Literatur existiert, fanden deren Aussehen und Aussagen kaum Beachtung. Im vorliegenden Band erzählen Malereien, Wappen, Symbole, Namen oder Orte Geschichte und Geschichten. Ein ungewohnter, neuer Blick auf Sonnenuhren!

Renate Frank wurde in Schlesien geboren und fand in Freiburg i.Br. eine zweite Heimat. Nach Abitur, Heirat und Familienzeit hat sie als Gästeführerin für die Stadt Freiburg sowie für FREIBURGKULTOUR gearbeitet. Als Mitglied im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. gab sie Stadtführungen, Münsterführungen, Fahrten und kunsthistorische Führungen. Die Angebote in den Sprachen Deutsch und Englisch brachten ihr Kontakte zu Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Reisen und Kunstgeschichtsvorlesungen haben ihren Blick für ungewöhnliche und interessante Dinge geschärft – Sonnenuhren gehören dazu!”


Weitere Infos

Viele weitere Dokumente zum Thema Sonnenuhren gibt es bei www.helios-sonnenuhren.de (auch dort ein Auszug aus dem Buch “Sonnenuhren, die Geschichte(n) erzählen”).

Der Fachkreis Sonnenuhren innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) sei hier noch einmal erwähnt. Vorsitzender des Fachkreises war über viele Jahre (1976 bis 1985) Prof. Heinz Schumacher, der viele Jahre auch die Meisterschule für Steinmetze und Steinbildhauer in Freiburg leitete: von ihm stammt auch die Boden-Sonnenuhr in der Nähe des Bürgerhauses im Seepark (siehe unser Beitrag Kunstwerke im öffentlichen Raum).

Wer sich für weitere Sonnenuhren interessiert, für den ist Bernau im Schwarzwald eine gute Adresse: Dort gibt es eine Vielzahl an Uhren mit unterschiedlichen Ausführungen und sie werden auch explizit von der Stadt Bernau beworben. Eine Beschreibung der Bernauer Sonnenuhren ist auch im Buch von Renate Frank zu finden. Schon im Jahr 1985 hatte Prof. Heinz Schumacher eine Broschüre herausgegeben, in der fünfzehn Bernauer Sonnenuhren aufgelistet waren (hier eine verkürzte Doku(pdf) ).

Bei der Gelegenheit auch noch ein Hinweis auf unseren Beitrag Kunstwerke im öffentlichen Raum mit einer Reihe von anderen Dingen, die im Seepark zu finden sind.

Zum Abschluss noch die Zusammenstellung von Freiburgs Partnerstädten und aktuellen Veranstaltungen in dem Zusammenhang. Speziell für die Städtepartnerschaft mit Besançon möchten wir auch noch auf die Arbeit der “Deutsch-Französischen Gesellschaft Freiburg im Breisgau e.V.” hinweisen: www.dfg-freiburg.de .