Der Idinger Hof

Architektur und Leben

Der Idinger Hof ist Ergebnis eines Architekturwettbewerbs im Jahr 1971. Sieger wurde die Freiburger Architektengruppe F 70 mit dem heutigen Gebäudekomplex. Der Bauverein realisierte das Projekt: Spatenstich war am 1. April 1973 und gut drei Jahre später war der Idinger Hof fertiggestellt.

Eine Besonderheit dieser fünf- bis siebengeschossigen Anlage mit über 200 Wohnungen ist sicher die Klinker-Aussenfassade, eine für Freiburger Verhältnisse eher ungewöhnliche Ausstattung. Und doch zeigt sich nur wenige hundert Meter entfernt an der Ecke Berliner Allee / Sundgauallee die ehemaligen OPD (Oberpostdirektion) ebenfalls als imposanter Klinkerbau. Ein weiteres Highlight am Idinger Hof ist der park-ähnlichen Innenhof. Inzwischen wird im Keller ein modernes Blockheizkraftwerk betrieben.

Im Innenhof steht seit 1976 ein Brunnen von Hans-Peter Wernet, einem Künstler aus Betzenhausen (er schuf auch den Bischofsbrunnen auf dem Platz am Bischofkreuz).

Im Arbeitskreis Idinger Hof gestalten ehrenamtlich engagierte Mieter*innen seit den 1990er-Jahren das nachbarschaftliche Miteinander. Sie sind Ansprechpartner für viele Themen des Zusammenlebens und organisieren z.B. Kinder- und Nachbarschaftsfeste im Innenhof (auch im Bürgerblättle haben wir regelmäßig berichtet). Während der Sommermonate ist auch regelmäßig das Spielmobil im Park zu Gast.


Etwas zur Geschichte

Seit 1908 ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg: bereits gut 10 Jahre später, nach Ende des  ersten Weltkriegs (ab 1919) wurden erste Häuser in dem Bereich gebaut, in dem heute der Idinger Hof steht. Schon damals war es eine verkehrsgünstige Lage, denn die Lehener Strasse diente als zentrale Verbindung zwischen Betzenhausen und Freiburg. Anfangs waren es Einfamilienhäuser, später kamen Reihenhäuser mit Garten und Kleintierstall hinzu: aus heutiger Sicht möchte man fast von einer Vorstadt-Idylle sprechen. Bauher war anfangs eine Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft, die später mit dem Bauverein Breisgau fusionierte, Freiburgs ältester Wohnungsbaugesellschaft.

In dieser Zeit entstand auch die Idingerstraße: der Namen ist angelehnt an das Gewann Idinger, das aber eigentlich etwas nördlicher liegt. Auch die spätere folgende Flurstraße erinnert noch an die frühere landwirtschaftliche Nutzung. Durch die Güterbahn in der Nähe zog es einige Eisenbahner in die Häuser (z.B. Schaffner und Maschinisten).

Die Gebäude waren in erster Linie aufgrund der Wohnungsnot entstanden, die dem ersten Weltkrieg folgte. Von Seiten der Stadt Freiburg war das wohl auch nicht so vorgesehen bzw. geplant: konsequenterweise gab es z.B. auch noch keine Kanalisation (sondern nur Trockenklosetts). “Aus der Not entstanden” war wohl auch ein Grund, warum die Siedlung in den 1930er-Jahren kaum größer wurde.

Die Bombennacht von 1944 zerstörte große Teile von Betzenhausen und auch die meisten Gebäude im Bereich der Lehener Straße mit Flur- und Idingerstraße. Nur wenige Häuser waren noch bewohnbar, einige wurde provisorisch wieder hergerichtet. Wegen hoher Sanierungskosten und noch immer fehlendem Kanalisationsanschluss war aber ansonsten erst mal Stillstand: eine Neuplanung schien sinnvoller. Im Jahr 1969 hatte man auch für die letzten Familien eine Ersatzwohnung gefunden und es kam zum Abriß der Rest-Häuser.

Ein Architekturwettbewerb im Jahr 1971 sollte in die Zukunft weisen und führte zum Gebäudekomplex wie oben beschrieben.