Geschichtliches zum Stadtteil Betzenhausen

Die große Kastanie auf dem Friedhof

Bericht aus Bürgerblättle 187 (Dez. 2007)

Die große Kastanie auf dem Friedhof musste gefällt werden.

Am 24. Oktober musste die mächtige Kastanie auf dem Friedhof gefällt worden. Sie war vor etwa 150 Jahren gepflanzt worden und hatte sich zu einem imposanten Baum entwickelt. Leider brachen jedoch in den letzten Jahren große Äste ab, und eine Untersuchung ergab, dass der Baum wegen Fäulnis nicht mehr standfest war.

So zeigen Thomaskirche und Friedhof jetzt ein ungewohnt kahles Gesicht. Im Dezember soll nun an der selben Stelle ein junger Kastanienbaum gepflanzt werden. Hoffentlich wird auch er sich wieder über die Jahre hin so prachtvoll entwickeln.

Im nachfolgenden Heft dann der Hinweis: Neue Kastanie auf dem Betzenhauser Friedhof gesetzt.

Am 09. Januar 2008 hat das Garten- und Tiefbauamt eine neue Kastanie auf dem Betzenhauser Friedhof gesetzt. Hoffen wir, dass Sie bald zu so einem stattlichen Baum wie Ihre Vorgängerin, die im Spätjahr 2007 wegen Altersschwäche gefällt werden musste.


Heute man am Eingang zur Thomaskirche sehen, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Die neu gepflanzte Kastanie hat sich prächtig entwickelt.

 

 

 

 

Glocke St. Thomaskirche

Bericht in Bürgerblättle 167 (Dez. 2003): “In der St. Thomaskirche hängt eine Glocke von 1785”


Dieses Glocken-“Stiefkind” hat als einzige beide Weltkriege überlebt.

Für Kunstkenner ist die Thomaskirche im Zentrum von Alt-Betzenhausen schon immer ein besonderes Schatzkästlein. Sie birgt nicht nur einen sehenswerten Hochaltar sondern auch wertvolle alte Statuen und Bilder. Ursprünglich eine erstmals 1447 offiziell erwähnte Ortskapelle, wurde sie zwischen 1699 und 1.703 stark vergrößert und völlig neu ausgebaut. Eine eigene Geschichte haben aber auch die Glocken dieser schmucken Filialkirche der Pfarrei Heilige Familie.

Eine alte Glocke von 1785 in der Thomaskirche in Alt-Betzenhausen hat als einzige beide Weltkriege “überlebt”.

Erstmals hören wir 1762 von der “Umgießung einer alten, in dem Glockenturm von Betzenhausen hängenden Glocke” durch den Lörracher Glockengießer Andreas Roost. Doch schon 1785 wurde durch Sebastian Bayer aus Freiburg eine neue , recht stattliche und ringsum mit viel Schmuck versehene Glocke gegossen. Sie hängt, obwohl zeitweilig nur aufbewahrt, seit 1981 wieder im Turm der Thomaskirche. 1890, so berichtet der bekannte Barockkenner Hermann Brommer in seinem Kirchenführer, wurden durch Johann Koch in Freiburg drei neue Glocken gegossen, diese mussten aber schon 1917 für Kriegszwecke wieder abgegeben werden. Erhalten blieb als einzige die größere alte Glocke. Mit einem großen Volksfest mit Umzug wurden am 12. Juni 1927 zwei in den Tönen “as” und “es” bei Glockengießer Franz Schilling und Söhne in Apolda in Thüringen gegossene neue Glocken geweiht. Sie sollten mit der Glocke in “c” von 1785 künftig die Bevölkerung von Betzenhausen zur Kirche rufen. Doch 1941 traf die beiden neueren Glocken das Schicksal ihrer Vorgängerinnen. Sie mussten abgeliefert werden und wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen.

Bis zum 17. Dezember 1961 war die alte Glocke “Alleinherrscherin” im Turm. Doch fortan, so hatte es der Stiftungsrat Monate zuvor beschlossen, sollten drei neue Glocken das Geläut verschönern. Damit begann für die alte Glocke ein trauriges Schicksal. Domkapellmeister Franz Stemmer hatte der Glocke eine “völlig verzeichnete Innenharmonie und einen denkbar schlechten Klang” bescheinigt. Sie sollte aber der Kirche erhalten bleiben, jedoch nie in das Gesamtgeläut mit den drei neuen Bronzeglocken von F. Schilling aus Heidelberg eingefügt werden. Der damalige Pfarrer Konrad Fuchs hatte zu einem großen Weihefest eingeladen und in seinem ersten Pfarrbrief die Weihehandlung mit Waschung, Salbung und Beräucherung die Taufe der Glocken ausführlich geschildert. Seit einigen Jahren ist die älteste Glocke wieder Teil des Gesamtgeläuts und niemanden ist eine wesentliche Disharmonie aufgefallen. Eine neue Holzverankerung hat da vielleicht Wunder gewirkt. Nach wie vor ist diese alte Glocke mit ihrem Schmuckreichtum nicht nur die älteste sondern auch die schönste!

Harald Albiker


Für Renovierungsarbeiten wurde im Jahr 2015 auch eine Bestandsaufnahme zu den Glocken gemacht. Hier Stichworte aus dem Bericht:

Die Filialkirche verfügt über ein vierstimmiges Geläut. Drei Glocken stammen von der Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg, aus dem Jahr 1961. Die Glocke 2 ist eine historische Glocke, die von Sebastian Bayer in Freiburg im Jahr 1785 gegossen wurde. In der Melodielinie erklingt das ausgefüllte “Te Deum”-Motiv.

In den Uhrenschlag sind (mit Ausnahme der historischen Glocke) die 3 Schilling-Glocken integriert. Die Glocke 1 übernimmt den Stundenschlag, die Glocken 3 und 4 übernehmen den Viertelstundenschlag.


Siehe auch weitere Infos zur St. Thomaskirche

Gaskugel als Wahrzeichen in Betzenhausen

Bericht aus Bürgerblättle 166 (Okt. 2003): die Gaskugel war gleichzeitig Titelbild


Die Gaskugel – einst ein vieldiskutiertes Projekt – heute ein weithin sichtbares Wahrzeichen in Setzenhausen

Ob auf dem Zubringer – Mitte von der Autobahn kommend oder vom Schlossberg auf die Weststadt blickend, stets ist die gut 35 Meter hohe Gaskugel in Betzenhausen zwischen Dreisam und Mühlbach im Blickfeld: Ein gigantischer Baukörper, der durch seine geschmackvolle Art der Bemalung zugleich ein weithin sichtbarer Anzeiger der Himmelsrichtungen geworden ist.

Die Anfänge in den frühen Sechzigerjahren verliefen indessen nicht ganz reibungslos. Da gab es (wie heute bei allen etwas umstrittenen Bauprojekten) ein Tauziehen um ein geeignetes Gelände. Nachdem die damals noch selbstständige Gemeinde Lehen einen von der Stadtverwaltung vorgesehenen Standort auf ihrer Gemarkung abgelehnt hatte, entschied sich der Stadtrat einstimmig für das Gelände zwischen Dreisam und Mühlbach, obwohl dieses von der Stadt zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden war. Der Beschluss wurde aufgehoben! Angst machte sich jetzt, wir sind im Jahre 1963, im Freiburger Westen, ganz besonders in Betzenhausen breit.

Der Bürgerverein versuchte durch Eingaben, den Bau “dieses gasgefüllten Segenspenders”, der “wie ein apokalyptisches Ungetüm drohend auf Betzenhausen zukäme” (so berichteten 1963 die “Lokalnachrichten Freiburg West”), zu verhindern. “Doch”, so ein Zeitzeuge, “was sollte man dagegen tun?” In einer Frühjahrsausgabe 1963 “Ein Osterei für Betzenhausen” geißelte der Bürgerverein nochmals das städti-sche Vorhaben mit scharfen Worten und kündigte an diese Planung in den zuständigen Gremien, bis hin zum Bundes-gesundheitsamt, zu verhindern. Man muss die Kritik aus der damaligen Zeit heraus verstehen. Die Kriegsjahre lagen nicht so lange zurück, der “Kalte Krieg” mit gegenseitigen Bedrohungen war allgegenwärtig. Musste nicht mit Eskalationen gerechnet werden, vielleicht gar mit einer Bombe auf ein so exponiertes Gebäude? – All diese Befürchtungen haben sich bis heute glücklicherweise nicht bestätigt. Die Gaskugel wurde 1964 fertiggestellt.

Sie dient seit der 1972 erfolgten Umstellung auf Erdgas mit ihrem geometrischen Fassungsvermögen von 20 000 Kubikmetern bei einem Betriebsdruck von 7 bar (ein Auto fährt mit 2 bar Reifendruck) als Speicher für 140 000 Kubikmeter Gas. Ursprünglich war die Kugel mit Stadtgas gefüllt, das aggressive Bestandteile von Cyan enthielt. Für das weniger Korrosionsneigung zeigende Erdgas gelten andere Sicherheitsvorschriften. Mit 7 bis 7,2 bar, so versicherten “FEW” und heute “Badenova”, wird das Druckpotenzial der Betzenhausener Kugel nicht völlig ausgenutzt. Eine 1996 erfolgte gründliche Revision ergab außerdem, dass die Gaskugel sich noch immer in einem hervorragenden Zustand befand. Dennoch wurde damals peinlichst genau geprüft und in leerem Zustand ein durch “einschlägige technische Regeln definierter Sicherheits- Check” durchgeführt. Insbesondere die Schweißnähte in der 34 Meter durchmessenden Stahlkugel wurden auf Haarrisse im Mantel untersucht. Stets wurde deutlich, die Gaskugel befindet sich in einem erstklassigen Zustand.

Die Erdgasmenge in der Kugel ist nicht, wie oft angenommen, als Wintervorrat gedacht. Sie hat vor allem die Aufgabe, den sehr schwankenden Gasabsatz zwischen Tag und Nacht auszugleichen. Der nachts aus Leitungen im Rheintal aufgefüllte Vorrat dient dazu, für einen gleichmäßigen Bezug aus dem überregionalen Versorgungsnetz zu sorgen. Die Badenova kann durch den ausgeglichenen Bezug (ohne Höhen in Spitzenzeiten) jährlich etwa 2 Millionen Euro sparen! Das Erdgas kommt über Hochdruckleitungen (ca. 67 bar!) über das Rheintal nach Freiburg. In Betzenhausen wird das Gas auf 16 bar “entspannt”. Bei den Häusern kommt das Gas mit einem Niederdruck von 35 Millibar an. Die inzwischen 39 Jahre alte Gaskugel in Betzenhausen hat beim Betriebsgelände der Badenova in der Tullastraße noch eine kleine Schwester mit 15 000 Kubikmeter Volumen.

Harald Albiker


Nachtrag 2020: inzwischen hat die Gaskugel ausgedient und der Bürgerverein engagiert sich für den Erhalt; siehe: www.betzenhausen-bischofslinde.de/gaskugel/

 

 

Wetterhexen und Ammonshörner

Bericht in Ausgabe 164 des Bürgerblättle (März 2003)


Hohe Zeit der Wetterhexen und Ammonshörner. Jahrelange Kooperation der beiden Zünfte aus Betzenhausen und Lehen.

Unser Titelbild im Bürgerblättle zeigt die Masken der beiden noch recht jungen Narrenzünfte aus Betzenhausen und Lehen. Die Wetterhexen, 1988 gegründet und ursprünglich im Gasthaus “Zur Armbrust” im Freiburger Osten beheimatet, entstanden aus der Initiative von acht Gründungsmitgliedern. Die ersten Zunftvögte waren Manfred Hirth und Karl-Heinz Schillinger. Auf Vorschlag von Guido Hilberer wählte man den passende Namen Wetterhexen. Das “Häs” wurde gemeinsam gefunden und Schnitzer Rieder aus Kenzingen als Maskenschnitzer gewonnen. Die Farben Rot, Ocker und Schwarz stehen für die Sonne, den Blitz und die Gewitterwolken. Am 3. September 1988 konnte das erste Häs bei einem Sommerfest vorgestellt werden. Die eingängigen Verse “Hagel, Blitz und Donnerschlag, d’Wetterhexi am liebschde mag” wurden als Hexenruf rasch bekannt.

Am Schmutzige Dunnschdig 1989 konnte die erste Fasnet-ausgrabung stattfinden. Man beteiligte sich auch an der Freiburger “Stroßefasnet”, dem Rosenmontagsumzug und beerdigte die Fasnet am FasnettZischdig unter lautem Geheule und Schluchzen. Sehr eindrucksvoll gestaltet sich bei der Fasnetausgrabung stets der Hexentanz zur Nachtzeit unter unheimlicher Beleuchtung. Heimisch in Betzenhausen wurden die Wetterhexen durch die Wahl der Eintrachtgaststätte als Zunftlokal. Unmittelbar daneben findet auch die jeweilige Fasnetausgrabung und Beerdigung statt. Beim Umzug zur Fasnetausgrabung und dem Narrenbaumstellen jeweils am “Schmutzige Dunnschdig” ist stets eine größere Abordnung der Lehener Ammonshörner dabei. In den letzten Jahren wirkten immer einige Musiker der Guggemusik der Ammonshömer mit.

Die Ammonhörner aus Lehen durften 1999, gerade mal 1 Jahre alt, das Protektorat der 99iger Fasnet ausrichten. Dies war ein schöner Achtungserfolg, da für das Protektorat meist Zünfte mit einer höheren Jubiläumszahl ausgewählt werden. Mit einigem Stolz hatten sich damals Zunftvogt Arno Disch und Zeremonienmeister Matthias Gerber über das frühzeitige Protektorat gefreut. Das große Fest hatte allerdings auch sehr viel Arbeit bedeutet. Dazu gehörten Ehrengaben, eine schön gestaltete Festschrift und natürlich die Ausrichtung der Großveranstaltung in der Bundschuhhalle. Große Verdienste hatte sich damals (und bis heute) das älteste Gründungsmitglied Bärbel Gloderer erworben.

In diesem Jahr (2002) ist der Fasnetfreitag wieder der erste Höhepunkt. Nachmittags ab 14 Uhr laden die Ammonshömer zum großen Kinderball mit Kostümprämierung ein. Anschließend wird der Nanenbaum auf dem Bundschuhplatz aufgestellt. Natürlich sind hier sehr aktiv auch die benachbarten Wetterhexen aus Betzenhausen mit dabei und zeigen ihren großen Hexentanz. Dieser Abend hat sieh in Lehen zu einem gut besuchten Narrentreffen für Zünfte aus der weiteren Umgebung mit der Lehener Bevölkerung entwickelt. Natürlich gibt’s auch für die erwachsenen Narren noch einen großen Kostümball in der Bundschuhhalle.

Harald Albiker


Stand 2020 sind die Wetterhexen regelmäßig mit ihrem Hexentanz auf dem Betzenhauser Torplatz zu finden: und auch immer noch mit Unterstützung der Ammonhörner aus Lehen (das Bürgerblättle berichtet fast jedes mal darüber und ein passenden Fassnet-Thema war auch noch mehrmals Titelbild).

Das Wappen des Beyerschlössle

50 Jahre Sportbund Sonnland

Bericht im Bürgerblättle 162 (Oktober 2002) zu 50 Jahre Sportbund Sonnland:


Die Sport-, Freizeit und Campinganlage ist heute ein Kleinod in Betzenhausen

Mittelpunkt des Vereinslebens beim Sportbund Sonnland ist der in vielen Jahren geschaffene und stets verschönerte Freizeit – und Sportpark. Der 1952 auf Betzenhauser Gelände nahe der Gaskugel im Gewann Fischermatten gegründete Verein mit 1100 Mitgliedern ist aus der traditionellen Freikörperkultur (FKK) – Bewegung entstanden. Neben Freiburg und der Umgebung kommen auch viele Mitglieder aus Frankreich und der Schweiz. Sonnland gehört von Beginn an dem Deutschen Verband für Freikörperkultur e.V. (DFK) – einem Verband für Familien- Breitensport und Naturismus im Deutschen Sportbund an.

Die Zugehörigkeit des Sportbunds Sonnland zu den Fachverbänden Badischer Turnerbund, Tischtennis- und Volleyballverband zeigt die große sportliche Bandbreite. Auf dem rund 4 ha großen Freizeit- und Sportpark mit einem von Mai bis Oktober beheizten 25-Meter- Schwimmbecken befinden sich elf weitere verschiedenartige Sportfelder sowie eine sechs Platten umfassende Tischtennisanlage. Das sportliche Angebot ist groß und vielseitig. Amateure und Profis, Senioren und Jugendliche, Mitglieder und Gäste treiben intensiv Breiten- und Leistungssport….


Der gesamte Beitrag aus Bürgerblättle 162 (Oktober 2002) ist hier als PDF hinterlegt.

Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen

Ein Beitrag aus Bürgerblättle 161 (Juni 2002).


Während sich heute der vom Stockmattenweg her schlängelnde Mühlebach oft nur als trauriges Rinnsal darbietet, war er Jahrhunderte lang eine wichtige Lebensader und Antriebskraft für mehrere Betriebe Betzenhausens, aber auch Lehens.

In einer Urkunde des Heiliggeistspitals von 1354 lesen wir von einer “Matte oberhalb betzenhusa an beiden Seiten des Wassers, genannt das Gerüt”.

In einem “Revers”, einer schriftlichen Erklärung von 1663, wird über die Einräumung eines Erblehens für eine zu erbauende Mahlmühle am Mühlehach in Betzenhausen berichtet. Sie muss zumeist sehr viel Wasser gebraucht haben, denn wir lesen von einem Streit um 1790 zwischen dem Mühlenbesitzer und den Wiesen wässernden Mattenknechten. Nur zu oft wurde dadurch der Betrieb der Mühle lahm gelegt.

Schon 1775 gab es außerdem einen Wasserstreit zwischen dem Müller und dem “Öhler”, beide in Betzenhausen. Also musste es zu dieser Zeit schon zusätzlich eine vom Mühlebach getriebene Ölmühle gegeben haben. Der Müller und Vogt Michael Zäringer will nach einem Eintrag von 1801 zusätzlich zu der von ihm betriebenen Mühle und einer Hanfreibe eine “Seegemühle” errichten. Ein von dem Magistrat der Stadt gewandtes Gesuch wurde zunächst abgelehnt, dann aber, der großen Entfernung der nächsten Sägemühle wegen, mit einem Schreiben vom 03. März 1801 doch genehmigt. Damit wurde der Mühlbetrieb auf lange Zeit hin zum größten wirtschaftlichen Unternehmen in Betzenhausen.

Interessant ist auch eine Beschreibung dieses Gewerbeunternehmens in einer Prozessakte der Stadtverwaltung. Danach liegt “am Betzenhausener – Lehener Mühle- und Bewässerungskanal ein Anwesen bestehend aus Wohnhaus mit Kunst -und Sägemühle, einer Hausraite, mit einer Wassergerechtigkeit von ungefähr 45 Pferdekräften und einem 45 ar großen Hausplatz – Sägeplatz- Hofraite und Garten sowie 1 Ha Mattenfeld, alles ein zusammenhängendes Ganzes bildend”. Es ist, so schreibt Dr. Franz Flamm das “Mösle”, das einst im Volksmund auch Sägematte hieß.

“Beim Mühlebach”, so schreibt Friedrich Seyfrieds 1913 in seiner Heimatkunde “Freiburg und Umgebung” vernehmen” wir ein Geklapper einer Mühle und gegenüber schneidet geschäftig ein Sägewerk die Stämme zu Brettern und Balken”.

In der genannten Prozessakte lesen wir auch von einem Fischereistreit. Die Stadt, welche von alters her die grundherrliche Fischereigerechtigkeit und das Recht der Verpachtung beanspruchte, lag im Streit mit dem Mühlebesitzer, der den fischreichen Mühlebach auf dem zu seinem Grundstück gehörenden 110 m langen Bachlauf selbst befischte. Es gab vor allem Forellen. Der Mühlebesitzer verlor den Prozess. Aber an das Fischwasser erinnert uns noch der alte Fischweiher im Gewann Hintermatten – Zinklern und die Fischermattenstraße längs der Gaskugel.

Die amtlichen Fertigungsprotokolle von 1675 haben den Wortlaut “Vischermatten an Glotterers selig erben ze bezenhusen und en das Vischeräckerle.” Ein weiteres Dokument von 1776 spricht vom “im Grien, der Fräule von Bayer ihr Fischermättle”.

Wir sehen: die leider nicht mehr lange bestehende Mühle hatte große Bedeutung und beschäftige nicht nur Menschen als Arbeitskräfte, sondern auch städtische Beamte bei Streitigkeiten. Wir sollten die lange Tradition und die große Bedeutung der drei Mühlenarten nicht vergessen!

Harald Albiker (Quelle: Skripte von Dr. Franz Flamm)


Kurze Zeit später wurde die oben genannte Mühle wirklich abgerissen (siehe Beitrag hier aus dem gleichen Bürgerblättle).

50 Jahre Wiedergründung Bürgerverein

Nachfolgend ein Beitrag aus Bürgerblättle 161 (Juni 2002) mit einem Rückblick, 50 Jahre nach Wiedergründung des Bürgervereins.


Bürgerverein erinnert an Wiedergründung vor 50 Jahren

Otto Ritt suchte schon 1950 aktive Mitstreiter für einen neuen Ortsverein

Zwar durfte der einstige Lokal- , Orts- und spätere Bürgerverein schon vor zwei Jahren sein 90- jähriges Bestehen feiern, doch 1936 war der letzte Vorsitzende Otto Ritt gezwungen, den Ortsverein aufzulösen, zu gegensätzlich waren die politischen Meinungen unter den Mitgliedern zu Beginn des Dritten Reiches geworden. Umso mehr darf sich der Bürgerverein in diesem Jahr freuen, das 50- jährige Jubiläum der Wiedergründung begehen zu können.

Noch einmal war es Otto Ritt gewesen, der schon 1950 zu einer ersten Zusammenkunft in den “Hirschen” in Lehen eingeladen hatte. Beide Wirtschaften in Betzenhausen, die “Krone” und der “Bären”, waren mit ihren Sälen durch die Bombennacht im November 1944 zerstört worden. Engagierte Mitstreiter hatte Otto Ritt in den Bürgern Storz, Unmüßig, Rößler und Mußler gefunden. Die wichtigste Aufgabe des neu gebildeten Ausschusses war, Unterlagen für eine Neugründung des Ortsvereins zu beschaffen.

Im April 1952 war es soweit: ein kommissarischer Vorstand mit Otto Ritt an der Spitze hatte sich konstituiert und berief eine Mitgliederversammlung mit  Gründungscharakter in den “Schützen” in Lehen ein. Die stattliche Zahl von 45 Anwesenden zeigte das große Interesse an einer Wiederbelebung des Ortsvereins. Karl Unmüßig wurde zum ersten und Artur Vonderstraß zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Otto Ritt hatte nicht kandidiert, ihm war es wichtig gewesen, den Anstoß für die Neugründung zu geben. Hermann Gremmelspacher wurde Schriftführer, Oskar Fraider Beisitzer für landwirtschaftliche Fragen, während Martha Schandelmeier die “Frauenschaft” vertrat. Alle anwesenden Personen traten für 1 DM Jahresbeitrag dem neugegründeten Bürgerverein, wie man ihn jetzt nannte, bei.

Eine der wichtigsten Neuaufgaben war zunächst, eine Gefallenen-Gedenkstätte auf dem Friedhof zu planen und errichten zu lassen. Doch erst 1959 konnte sie in Anwesenheit von Oberbürgermeister Brandel eingeweiht werden. “Wo Bürgersinn ich endig ist, darf der OB nicht fehlen”, meinte Brandel in seiner Ansprache. Zu einem gewaltigen Streitpunkt wurde die Führung der Autobahntrasse, die ja an der Stelle der heutigen Paduaallee gebaut werden sollte. Da formierte sich im Freiburger Westen großer Widerstand. Gemeinsam mit Freiburg-West, Lehen und dem Verständnis der umliegenden Gemeinden gelang es, Stadt, Land und Bund zur heutigen Trassenführung zu bewegen. Mit einem Jahr Verspätung, gemeinsam mit der Einweihung der Friedhofgedenkstätte, feierte der Bürgerverein die 50-jährige Eingemeindung von Betzenhausen nach Freiburg.(1908). Georg Stutz hatte dazu eine sehr schöne Festschrift verfasst.

Karl Unmüßig führte den Bürgerverein bis 1967. Er wurde zu einem großen Fürsprecher der Betzenhausener Belange gegenüber der Stadt. Auf ihn folgte bis 1975 Stadtrat Walter Kiefer. In seine Amtszeit fielen vor allem der Bebauungsplan Betzenhauseni Bischofslinde und die Planung der Berliner Allee. Auch die Linie 1 wurde in ihren Anfängen in dieser Zeit geplant. 1975 übernahm Willy Kapp den Bürgerverein. Schon zuvor hatte er federführend bei der 1000- Jahrfeier von Betzenhausen (1973) und dem damit verbundenen ersten Bürgerhock auf dem Thomasplatz mitgewirkt. Die Landesgartenschau mit den großen Stadtteiltagen fiel in seinen Amtszeit, ebenso die Sperrung der überlasteten Dietenbachstraße für den Durchgangsver-kehr, der Ausbau der einstigen Pleuger- Blumenhalle zum eigenen Vereinsheim, die Gründung des Musikvereins und die Einweihung der Linie 1 der Straßenbahn im Jahre 1983.

Seit 1987 ist Rolf Abendschein Vorsitzender des Bürgervereins. Zu herausragenden Jubiläen wurden 1988 das 25-jährige Bestehen des Stadtteils Bischofslinde, 1998 die 90- Jahrfeier zur Eingemeindung Betzenhausens und zwei Jahre danach das Fest “90 Jahre Bürgerverein”. Das offizielle Gedenken an “50 Jahre seit der Wiedergründung” beging der Bürgerverein in seiner Jahreshauptversammlung. Dort wurden auch die noch lebenden Wiedergründungsmitglieder geehrt.

Harald Albiker


Zur Gesamtgeschichte des Lokal-/Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde siehe Beitrag hier.

Die alte Mühle von Betzenhausen

In Ausgabe 161 des Bürgerblättle (Juni 2002) war der Abriß der alten Mühle in der Dietenbachstr. ein Thema (die alte Mühle war gleichzeitig auch Titelbild). Hier Auszüge aus dem Text:

Die Mühle in Betzenhausen wird demnächst abgerisse. Sie hatte zusammen mit der Öl- und Sägemühle eine lange Tradition

Noch steht die alte Getreidemühle am Ortsausgang in der Dietenbachstraße in Alt- Betzenhausen. Zusammen mit ihren Anbauten stellt sie ein ansehnliches Areal dar. Die Idylle trügt indessen: bald soll dieses alte Bauwerk unwiederbringlich abgerissen werden. Die Mühle wurde seit längerem nicht mehr betrieben, die Mahlwerke sind ausgebaut, eine Erhaltung des nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wäre zu teuer.

Der jetzige Besitzer möchte hier zwei große zusammenhängende Wohnblocks erstellen, da die Mühle sich finanziell nicht tragen kann. Sie sei, so meint der Eigentümer, ohnehin seit 1970 nicht mehr in Betrieb. Der Abriss ist bereits, wie vom Bauordnungsamt verlautet, im Kenntnisgabeverfahren abgewikkelt worden. Für die Neubebauung liegen, wie vom BOA zu erfahren war, eine Reihe von Befreiungsanträgen vor.

Der Bürgerverein hat das Bauordnungsamt gebeten, darauf zu achten, dass der Neubau dem noch bestehenden alten Ortsbild angepasst wird und diesem Anliegen zuwiderlaufende Befreiungsanträge nicht genehmigt werden sollten. Wenn der Abriss dieses alten Industriedenkmals, eines der letzten Zeugen von Alt- Betzenhausen, nicht verhindert werden könne, so sollte sich ein Neubau harmonisch dem Ortsbild anpassen.


Im gleichen Bürgerblättle 161 (Juni 2002) erschien ein Beitrag zu historischen Bedeutung des Mühlbach für Betzenhausen: “Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen” (siehe hier).

Hochaltar St. Thomaskirche

Bericht im Bürgerblättle 160 vom März 2002: der Barockaltar war gleichzeitig Titelbild.

Die Thomaskirche in Betzenhausen besitzt mit dem seit 1978 im Chor aufgestellten Hochaltar eine besondere Kostbarkeit barocker Baukunst.

Der mit ziemlicher Sicherheit aus den Jahren 1722/23 stammende Scagliola-Hochaltar aus der Abtei­kirche in Schuttern lagerte lange Zeit unbeachtet in der als ein Fabriklager genutzten Pfarrkirche von Illingen bei Rastatt. Offensichtlich hatten auch Fachleute diesen Altar nicht näher gekannt, er konnte daher von der Pfarrei Heili­ge Familie günstig für die Thomaskirche erworben werden.

Wegen Bauarbeiten in Schuttern hatte man den Altar 1847 dem Stukkateur Erhard Oesterle aus Iffezheim zum Abbruchpreis von 50 Gulden überlassen! Illingen gelangte 1850 in den Besitz des Altars. Er schmückte die Pfarrkir­che bis zu der schon erwähnten Umwandlung der Kirche in ein Fabriklager.

Die im zweiten Weltkrieg stark angeschlagene Thomaskir­che wurde auf Betreiben der Geistlichen Konrad Fuchs, Emil Dannenmayer und Harald Schweizer zwischen 1949 und 1978 mit großem finanziellem Aufwand innen und außen gründlich renoviert. Großen Anteil daran hatte der heimische Restaurator Michael Bauernfeind.

Mit der Fer­tigstellung des neu erworbenen Altars erhielt die kleine Kirche neben ihren vielen anderen Kostbarkeiten einen künstlerischen Glanzpunkt. Vor allem der Scagliola Tech­nik im unteren Teil verdankt der Altar seinen Seltenheits­wert und macht ihn zu einer sakralen Kostbarkeit in Süd­baden. Diese Scagliolabilder ließen in den Stuckmarmor-Schichten kunstvoll verarbeitete Zierflächen entstehen, die an Holzintarsien erinnern.

Gewiss lohnt sich ein Gang in die 1767/68 gebaute Thomaskirche in Betzenhausen. Man sollte dann etwas länger beim Anblick des Hochaltars ver­weilen und eventuell auch eine vom großen Barockkenner Hermann Brommer, Merdingen, verfasste Schrift über die Kirchen Hl. Familie und St. Thomas erwerben.

Harald Albiker


Zur weiteren Info hier ein Link auf www.sueddeutscher-barock.ch mit Vorstellung des Klosters. Beeindruckend auch dort (wie in Wikipedia) die spannende Beschreibung, wie der Altar nach Betzenhausen kam.