Der Mühlbach

Der heutige Mühlbach hat nicht mehr viel zu tun mit dem ursprünglichen Gewässer, das über lange Zeit das Leben in Betzenhausen geprägt hat. Der frühere Mühlbach (Mühlebach) war ein Wasserkanal mit genug Energie um mehrere Wasserräder als Basis für kleinere Fabriken. Die letzte Mühle an der Dietenbachstraße (siehe Bild) wurde sogar erst 2002 abgerissen (siehe Bericht im Bürgerblättle 161). Nebenbei versorgte dieser Bach auch noch die umliegenden Wiesen mit Wasser.

Auch die alte Mühlbach wurde über die Dreisam gespeist (also schon damals ein Runzbach). Der heutige Bach bei der Anne-Frank-Schule entspricht etwa noch dem ursprüglichen Lauf (auf der Höhe war auch Abzweigung aus Dreisam): allerdings mehrere Meter breit und folglich mit weit mehr Wasser, denn nur so konnten auch die Wasserräder betrieben werden.

Irgendwann war die Zeit der Wasserränder vorbei; und auch die Bewässerung der Wiesen nicht mehr erforderlich. In den 1960-er Jahre dann der Bau des Zubringers-Mitte; dem der Mühlbach in die Quere kam und auch die dort neu verlegte Gasleitung. Der bisherige Zulauf wurde geschlossen; es verblieb nur noch das Restwasser aus der Escholz-/Metzgergrün-Runz. Zeitweise war sogar die komplette Trockenlegung diskutiert worden.

So kommt also heute das Wasser zu uns: Ausleitung aus Dreisam auf Höhe Sandfang; über Gewerbekanal bis zum Martinstor. Von dort geht es überwiegend unterirdisch weiter entlang Metzgerau bis zur Faulerstrasse.  Dann Unterquerung der Bahnlinie: ab Kanalstrasse geht es dann teilweise oberirgisch weiter entlang Ferdinand-Weiß-Strasse, vorbei am (techn.) Rathaus, durch die Schrebergärten an der Bissierstrasse, um dann die Berliner Allee zu unterqueren.

Die Restmenge an Wasser füttert dann ab Anne-Frank-Schule unseren “Mühlbach”. Nebenbei: im Gebiet hinter der Anne-Frank-Schule wurde Ende der 1980-Jahre mit der neuen Bachführung auch ein Feuchtbiotop angelegt. Für dieses “Schulbiotop” hat dankenswerterweise und mit viel Engagement die Anne-Frank-Schule schon 1998 eine Bachpatenschaft übernommen (siehe Bericht zur Übergabe der Urkunde im Bürgerblättle 148). Über die Pflege durch Eltern und Kinder der Schule haben wir z.B. im Bürgerblättle 183 (April 2007) berichtet.

Danach geht es für den Mühlbach vorbei an Sonnland und den SFE Sportplätzen weiter in Richtung Lehen (mit Unterquerung Paduaallee); in Lehen geht es schliesslich wieder zurück in die Dreisam an der Strasse “Im Hirschgarten”.

Leider hat dieser Rest Mühlbach kaum eine Chance zu aktivem Flussleben; zumal er häufig ausgetrocknet ist ( z.B. in trockenen Sommermonaten oder auch begründet durch Wartungsarbeiten am Gewerbekanal). Unrat tut ein Übriges. Im Bürgerblättle haben wir auf den Zustand den Mühlbachs schon häufig zum Thema gehabt (z.B. schon im Bürgerblätte 146 von 1998 mit dem Bericht “Warum gibt es im Mühlbach keine Forellen mehr ).

Der Bürgerverein Betzenhausen und Ortsverein Lehen setzen sich ein für eine Renaturierung des Mühlbachs, z.B. im Zuge von Ausgleichsmaßnamen für aktuelle Bauvorhaben.


Stand 03.2020

2018 und 2019 waren sehr trockene Jahre und der Mühlbach praktisch das ganze Jahr über ausgetrocknet. Dies liegt zum einen am Wassermangel in diesen Jahren (Klimawandel), zum anderen wurde auch die EU Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt: nach dieser Richtlinie muss die Dreisam nun bei trockener Witterung einen höheren Restwasserspiegel behalten, um die dortigen Fischbestände zu schonen. Der Mühlbach bekommt sein Wasser als “Restgewässer” vom Gewerbekanal, der am Sandfangwehr in Littenweiler abzweigt. Wenn bei Trockenheit für den Gewerbekanal die Wassermenge reduziert wird, kommt weniger in Betzenhausen-Bischofslinde an. Das wenige Wasser versickert zudem unterwegs. Eine technische Möglichkeit, um Wasser bis nach Lehen zu behalten, wäre das Einbauen von Lehmmatten, schon auf Höhe des Stühlingers. Dies ist jedoch eine aufwenige und teure Methode. Sie könnte vielleicht als Ausgleichsmaßnahme für die Baugebiete Kleinescholz und Metzgergrün fungieren. Der AK Natur hat der Stadtverwaltung entsprechende Vorschläge gemacht.