Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen

Ein Beitrag aus Bürgerblättle 161 (Juni 2002).


Während sich heute der vom Stockmattenweg her schlängelnde Mühlebach oft nur als trauriges Rinnsal darbietet, war er Jahrhunderte lang eine wichtige Lebensader und Antriebskraft für mehrere Betriebe Betzenhausens, aber auch Lehens.

In einer Urkunde des Heiliggeistspitals von 1354 lesen wir von einer “Matte oberhalb betzenhusa an beiden Seiten des Wassers, genannt das Gerüt”.

In einem “Revers”, einer schriftlichen Erklärung von 1663, wird über die Einräumung eines Erblehens für eine zu erbauende Mahlmühle am Mühlehach in Betzenhausen berichtet. Sie muss zumeist sehr viel Wasser gebraucht haben, denn wir lesen von einem Streit um 1790 zwischen dem Mühlenbesitzer und den Wiesen wässernden Mattenknechten. Nur zu oft wurde dadurch der Betrieb der Mühle lahm gelegt.

Schon 1775 gab es außerdem einen Wasserstreit zwischen dem Müller und dem “Öhler”, beide in Betzenhausen. Also musste es zu dieser Zeit schon zusätzlich eine vom Mühlebach getriebene Ölmühle gegeben haben. Der Müller und Vogt Michael Zäringer will nach einem Eintrag von 1801 zusätzlich zu der von ihm betriebenen Mühle und einer Hanfreibe eine “Seegemühle” errichten. Ein von dem Magistrat der Stadt gewandtes Gesuch wurde zunächst abgelehnt, dann aber, der großen Entfernung der nächsten Sägemühle wegen, mit einem Schreiben vom 03. März 1801 doch genehmigt. Damit wurde der Mühlbetrieb auf lange Zeit hin zum größten wirtschaftlichen Unternehmen in Betzenhausen.

Interessant ist auch eine Beschreibung dieses Gewerbeunternehmens in einer Prozessakte der Stadtverwaltung. Danach liegt “am Betzenhausener – Lehener Mühle- und Bewässerungskanal ein Anwesen bestehend aus Wohnhaus mit Kunst -und Sägemühle, einer Hausraite, mit einer Wassergerechtigkeit von ungefähr 45 Pferdekräften und einem 45 ar großen Hausplatz – Sägeplatz- Hofraite und Garten sowie 1 Ha Mattenfeld, alles ein zusammenhängendes Ganzes bildend”. Es ist, so schreibt Dr. Franz Flamm das “Mösle”, das einst im Volksmund auch Sägematte hieß.

“Beim Mühlebach”, so schreibt Friedrich Seyfrieds 1913 in seiner Heimatkunde “Freiburg und Umgebung” vernehmen” wir ein Geklapper einer Mühle und gegenüber schneidet geschäftig ein Sägewerk die Stämme zu Brettern und Balken”.

In der genannten Prozessakte lesen wir auch von einem Fischereistreit. Die Stadt, welche von alters her die grundherrliche Fischereigerechtigkeit und das Recht der Verpachtung beanspruchte, lag im Streit mit dem Mühlebesitzer, der den fischreichen Mühlebach auf dem zu seinem Grundstück gehörenden 110 m langen Bachlauf selbst befischte. Es gab vor allem Forellen. Der Mühlebesitzer verlor den Prozess. Aber an das Fischwasser erinnert uns noch der alte Fischweiher im Gewann Hintermatten – Zinklern und die Fischermattenstraße längs der Gaskugel.

Die amtlichen Fertigungsprotokolle von 1675 haben den Wortlaut “Vischermatten an Glotterers selig erben ze bezenhusen und en das Vischeräckerle.” Ein weiteres Dokument von 1776 spricht vom “im Grien, der Fräule von Bayer ihr Fischermättle”.

Wir sehen: die leider nicht mehr lange bestehende Mühle hatte große Bedeutung und beschäftige nicht nur Menschen als Arbeitskräfte, sondern auch städtische Beamte bei Streitigkeiten. Wir sollten die lange Tradition und die große Bedeutung der drei Mühlenarten nicht vergessen!

Harald Albiker (Quelle: Skripte von Dr. Franz Flamm)


Kurze Zeit später wurde die oben genannte Mühle wirklich abgerissen (siehe Beitrag hier aus dem gleichen Bürgerblättle).