Die alte Mühle von Betzenhausen

In Ausgabe 161 des Bürgerblättle (Juni 2002) war der Abriß der alten Mühle in der Dietenbachstr. ein Thema (die alte Mühle war gleichzeitig auch Titelbild). Hier Auszüge aus dem Text:

Die Mühle in Betzenhausen wird demnächst abgerissen. Sie hatte zusammen mit der Öl- und Sägemühle eine lange Tradition

Noch steht die alte Getreidemühle am Ortsausgang in der Dietenbachstraße in Alt- Betzenhausen. Zusammen mit ihren Anbauten stellt sie ein ansehnliches Areal dar. Die Idylle trügt indessen: bald soll dieses alte Bauwerk unwiederbringlich abgerissen werden. Die Mühle wurde seit längerem nicht mehr betrieben, die Mahlwerke sind ausgebaut, eine Erhaltung des nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wäre zu teuer.

Der jetzige Besitzer möchte hier zwei große zusammenhängende Wohnblocks erstellen, da die Mühle sich finanziell nicht tragen kann. Sie sei, so meint der Eigentümer, ohnehin seit 1970 nicht mehr in Betrieb. Der Abriss ist bereits, wie vom Bauordnungsamt verlautet, im Kenntnisgabeverfahren abgewikkelt worden. Für die Neubebauung liegen, wie vom BOA zu erfahren war, eine Reihe von Befreiungsanträgen vor.

Der Bürgerverein hat das Bauordnungsamt gebeten, darauf zu achten, dass der Neubau dem noch bestehenden alten Ortsbild angepasst wird und diesem Anliegen zuwiderlaufende Befreiungsanträge nicht genehmigt werden sollten. Wenn der Abriss dieses alten Industriedenkmals, eines der letzten Zeugen von Alt- Betzenhausen, nicht verhindert werden könne, so sollte sich ein Neubau harmonisch dem Ortsbild anpassen.


Im gleichen Bürgerblättle 161 (Juni 2002) erschien ein Beitrag zu historischen Bedeutung des Mühlbach für Betzenhausen: “Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen” (siehe hier).

Ergänzungen zur Mühle

Noch 1941 gab es drei Wasser-Räder in Betzenhausen/Lehen: eines zur Herstellung von Posterwatte, eines für Machinen der Bürstenherstellung und die oben erwähnte Mühle der Familie K.Messerschmidt. Die Mühle ist seit 1970 nicht mehr in Betrieb. Sie könnte mit dem Mühlbach von heute auch nicht mehr betrieben werden: der ist nur noch ein Rinnsal im Vergleich zur früheren Variante.

Wie lange die Mühle existiert hat, ist nicht gesichert. Ein Zeitraum zur Tradition lässt sich aber abschätzen: in einer schriftlichen Erklärung von 1663 ist von einem Erblehen für eine zu erbauende Mahlmühle am Mühlbach die Rede. Dafür brauchte man viel Wasser. Wenn es andere auch benötigen, kommt es auch mal zu Konflikten: so ist im Jahr 1790 ein Streit erwähnt zwischen einem Mühlenbesitzer und den Mattenknechten, die für das Wässern der Wiesen verantwortlich waren. Vorher – im Jahr 1775 – gab es schon einen Streit ums Wasser zwischen dem Müller und einem Öhler, der ebenfalls in Betzenhausen arbeitete: also muss es zu der Zeit auch schon eine Ölmühle gegeben haben.

Streit konnte es auch um die Fische geben, die im Mühlbach reichlich zu finden waren (vor allem Forellen). Eigentlich beanspruchte die Stadt Freiburg von alters die Hoheit über die Fischereirechte und damit auch die Verpachtung. Erwähnt wird aber in einer Prozessakte, dass der Mühlebesitzer es damit nicht so genau nahm und den fischreichen Mühlbach auf Länge seines Grundstücks selbst befischte.

Laut Unterlagen aus dem Jahr 1801 beantragte der Müller zusätzlich eine Genehmigung, um eine “Seegemühle” zu errichten: so kam es, denn die nächste Sägemühle war doch recht weit entfernt. Im Jahr 1913 – also über 100 Jahre später – schreibt Friedrich Seyfrieds in seinem Buch “Freiburg und Umgebung”: Beim Mühlebach vernehmen wir ein Geklapper einer Mühle und gegenüber schneidet geschäftig ein Sägewerk die Stämme zu Brettern und Balken.

Man kann zusammenfassen: der Mühlbach war lange Zeit für Betzenhausen ein bedeutender Wirtschaftsfaktur.