Die Geschichte von (Alt-)Betzenhausen

Seit über 100 Jahren ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg, die Eingemeindung erfolgte am 1.1.1908.

Vor der Eingemeindung 1908.

Über Jahrhunderte war Betzenhausen bäuerlich geprägt (im Grunde bis zum Zeiten Weltkrieg). Alles fing sehr klein an; deshalb hier ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte des Stadtteils, denn Betzenhausen zählt zu den ältesten Umlandsiedlungen von Freiburg:

  • 972 gilt als das Jahr einer ersten Erwähnung von „Bezenhusa“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Einsiedeln durch Otto I. Dort blieb die Bauerngemeinde auch ca. 250 Jahre. Die gleiche Urkunde nennt übrigens auch unsere heutige Partnergemeinde Tenigen als „Deninga“: eine durchaus bemerkenswerte Gemeinsamkeit.
  • 1299 wird der Bischof von Straßburg – Konrad II von Lichtenberg – von rebellischen Bürgern Freiburgs vor den Toren der Stadt verletzt (am Bischofskreuz) und stirbt nach Rückkehr in Straßburg.
  • Im Jahr 1381 kauft Freiburg die Gemeinde Betzenhausen für “18 Mark oder Pfund Silber”; gut 400 Jahre hält dieses Untertanenverhältnis. Zu jener Zeit war das Dorf noch immer sehr klein: so verzeichnet ein Bericht von 1525 ganze 11 Häuser, im Jahr 1683 wurden dann aber schon 27 Häuser erwähnt.
  • 1806 wird Betzenhausen eine selbständige Landgemeinde im Großherzogtum Baden. Die Einwohner waren daraufhin erstmals freie Bürger, mit Gemeinderat und eigenem Bürgermeister.
  • Die Begradigung der Dreisam in den 1820-er Jahren änderte die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in weiten Bereichen, in denen es vorher regelmäßig Überschwemmungen gegeben hatte. Das Gebiet wurde trockener, das Grundwasser senkte sich ab, so dass teilweise sogar Brunnen versiegten. Also ging der Beitritt zur Stadt Freiburg auf eine Initiative von Betzenhausen zurück. Oberbürgermeister Winterer erkannte die Perspektiven und unterstützte die Anfrage: ein großer Teil des Stadträte war skeptisch, denn Betzenhausen hatte einige Wüsche und die erschienen teuer zu werden.

Zum Zeitpunkt der Eingemeindung 1908 war Betzenhausen ein Dorf mit knapp 100 Häusern und ca. 600 Einwohnern mit einer Fläche von rund 280 Hektar. Das Dorf-Zentrum lag an der Kreuzung Dietenbachstrasse / Lehener Strasse (der heutigen Sundgauallee). Entlang des Mühlbachs gab es ein kleines “Gewerbezentrum” mit verschiedenen Handwerkern; insbesondere auch drei Mühlen, denn der Bach führte damals noch weit mehr Wasser als heute.

Einen Grundriß des Dorfes zum Zeitpunkt der Eingemeindung zeigte das Titelbild des Bürgerblättle 189 (April 2008, also erschienen im Jahr des 100-jährigen Jubiläums).

1908 waren es vor allem wirtschaftliche Gründe, die Betzenhausen zu Freiburg führten: das Dorf erhielt Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung, neue Straßen und eine Volksschule, die heutige Gerhard Hauptmann Schule (ab Ende der 1920-er Jahre auch genutzt als Volksbad; hier eine ausführliche Beschreibung zu Geschichte der Schule). Die Stadt Freiburg sah in der Eingemeindung eine Chance zur Ausdehnung nach Westen, denn Betzenhausen bot große unbebaute Flächen, auf denen in den 1960-Jahren z.B. der Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde entstand (das Thema der Ausdehnung in Richtung Westen ist ja noch heute aktuell). Trotzdem brauchte OB Winterer einiges an Überzeugungskraft: zum Schluss stimmte man im Stadtrat mit 59 zu 38 dafür (in Betzenhausen war es klarer: 40:1).

Die Eingemeindung am 1.1.1908 wurde ein großes Fest, wie es Betzenhausen wohl noch nicht erlebt hatte. Bei Interesse: im Stadtarchiv Freiburg ist noch der damalige Bericht der Freiburger Zeitung über die Feier zu finden.


Entwicklung nach der Eingemeindung.

Im Jahre 1910 gründet sich der Ortsverein, aus dem später der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde wurde (Geschichtliches dazu siehe hier) .

Die beiden Weltkriege hinterließen Leid und große Zerstörung auch in Betzenhausen: im zweiten Weltkrieg war es insbesondere eine Bombennacht im November 1944.

Ab 1963 wird der Bezirk Bischofslinde gebaut mit dem Platz am Bischofskreuz als Zentrum und einer neuen Bischofslinde als Gründungssymbol. Etwa zeitgleich beginnt das  große, soziale Wohnbauprojekt „Zehnsteinweg“.

1965 Einweihung „StuSie“, der größten Studentensiedlung in Freiburg.

1986 Landesgartenschau als Grundlage für den heutigen Seepark.

2012 Das ZentrenAktivierungsKonzept (ZAK) soll die Attraktivität des Stadtteils verbessern; es beginnt die Umsetzung von Baumaßnahmen auf dem Platz am Bischofskreuz und die Neugestaltung Sundgauallee auf Höhe Betzenhauser Torplatz.


Für geschichtlich Interessierte

Hier ein Hinweis auf den „Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.“, der sich seit 1998 um Themen in der Geschichte von Betzenhausen-Bischofslinde kümmert: siehe www.kuge-freiburg.de.

Viele Details zur Geschichte von Betzenhausen enthält die Festschrift “100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908-2008” (herausgegeben vom KuGe), sowie die Sonderzeiten zum Bürgerblättle anlässlich der “90-jährigen Zugehörigkeit Betzenhausen zur Stadt Freiburg (pdf)“ im Jahr 1998.

Zusätzlich: zwischen Nov. 1976 und Aug. 1978 wurde viel über Ereignisse in der Geschichte von Betzenhausen zusammengetragen und in einer langen Beitragsserie im Bürgerblättle veröffentlicht (mit insgesamt 19 Fortsetzungen). Auch wenn diese Ausgaben selbst schon “lange her” sind: die Erkenntnisse zur Vorgeschichte von Betzenhausen bleiben ja bestehen.

Viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der letzte Bezirksatlas-Alt-Betzenhausen (pdf) aus dem Jahr 2018.