Aktuelle Infomationen zum Stadtteil Betzenhausen

OB vor Ort: Bürgergespräch mit Martin Horn

Als “OB vor Ort” war Martin Horn am Montag, 16. Dez. im Bürgerhaus am Seepark. Etwa 150 Bürger waren gekommen um an dieser Möglichkeit zum Gedankenaustausch teilzunehmen und ihre Fragen zu stellen. Und der OB hatte auch einige gute Nachrichten dabei:

  • Es war die schöne Überraschung des Abends: die Gaskugel steht ab sofort unter Denkmalschutz. Die vielen anwesenden Bürger von Betzenhausen hat es gefreut. Denn das ist eine wichtige Weichenstellung; ein Abriß steht also nicht mehr ins Haus. Alles weitere zur Gaskugel gibt es hier…
  • Freibad West: Es gab die erneute Zusicherung, dass der Neubau planmäßig kommen wird (Eröffnung zur Bade-Saison 2022 ist der Plan, siehe Hintergründe hier…). Aktuell ist kein Grund für Verzögerungen zu erkennen. Eine europaweite Ausschreibung ist z.Z. in Arbeit.
  • Baugebiet Obergrün: im letzten Entwurf waren 35 Reihenhäuser mit Tiefgarage vorgesehen; also weit mehr als in den anfänglichen Überlegungen. Das führte im zu Ende gehenden Jahr zu viel Verärgerung bei den bisherigen Anwohnern, z.B. wegen Verkehrsführung, Tiefgaragen-Ausfahrt, Müllabfuhr und auch Nähe zum Bauernhof für Stadtkinder. Jetzt aber eine durchaus positive Rückmeldung: die Kritik scheint angekommen zu sein; die Pläne werden überarbeitet und in unterschiedlichen Varianten dem Bauausschuss bzw. Gemeinderat neu zur Diskussion vorgelegt. OB Horn ließ erkennen, dass die kritisierte dichte Bebauung auf eine Initiative im früheren Bauausschuss zurück ging (also nicht aus der Verwaltung kam und auch dort kritisch gesehen werde).  Ausserdem würden aktuell die letzten Gutachten erstellt, die dann Basis sein sollen für die Bewertung und Anzahl möglicher Wohneinheiten. Weitere Hintergründe zu dem Projekt siehe hier…
  • Zugesicherte Perspektive für den Verein “Bauernhoftiere Stadtkinder”: Stadtverwaltung und Verein haben sich auf einen Pachtvertrag geeinigt. Aus Kerstin Geigenbauer vom Verein äusserte sich sehr positiv über die daraus entstehenden Perspektiven: und sie machte den OB direkt auf das nächste Ziel aufmerksam, den Status als naturnaher Park (hier gibt es weitere Infos zum Verein…)
  • Zentrenaktivierungskonzept / Umbau Betzenhauser Torplatz: viel Lob gab es von Bürgern für die bisherigen Umbauten, insbesondere bei der Haltestelle Betzenhauser Torplatz. OB Horn kündigte an, dass im nächsten Schritt der Betzenhauser Torplatz angegangen wird mit Start Baumaßnahmen im nächsten Herbst (Okt. 2020).
  • Kritik kam von mehreren Bürgern zu Radfahr-Situation insbesondere der Erreichbarkeit des Westens: es fehlt die durchgängige Wegeführung, und dann sind es auch noch “Buckelpisten”. OB Horn verwies auf die hohe Priorität des Radverkehrs und 70 Radprojekte, die aktuell in Bearbeitung sind.
  • Mehrfach wurde der OB auf die weitere Baumaßnahmen und Verdichtung im Stadtteil angesprochen und sprach in Folgen dessen von “Grenzen der Innenentwicklung“.

Zuvor hatte Herr der OB einen bewusst kleinen Kreis zum Akteursgespräch in das neue Stadtteiltreff eingeladen (Platz am Bischofskreuz). Ca. 25 Vertretern von Vereinen und Institutionen (Schulen, Kirchen, Jugendarbeit, Polizei…) waren beteiligt: mit Lob, manchmal auch Tadel und Wünschen.

In Stichworten und zufälliger Reihenfolge einige Themen, die oben nicht noch nicht aufgeführt sind: Sporthallen-Belegung, Mülleimer im Stadtteil, Streetworker, Schulhofgestaltung GHS, Sicherheit Seepark u.a. / Einbrüche, möglicher Umbau/Erweiterungsbau St. Albert als Pflegeeinrichtung, Säule am Torplatz, Gedeckelte Mieten, Erschwerter Einstieg in StaBa für Menschen mit Rollstuhl, Auswirkungen der Kappung Sundgauallee im Stühlinger, StuSie Begrünung / Solar, Öffentliche Toiletten im Seepark, Alkoholverkauf nach 22:00 Uhr, Mietkosten bei Umzug in kleinere Wohnungen, Lärm Zubringer, Forst-Pavilion / Forsthaus am Seepark (Verwahrlosung, Nutzung),…

Der Bürgerverein bedankt sich ganz herzlich bei allen Teilnehmern für den offenen Gedankenaustausch.


Hier ergänzend der Bericht im Freiburger Amtsblatt, Ausgabe 759 vom 17. Januar 2020.

Der Runde Tisch “Umwelt”

Als ein Ergebnis der Stadtteilkonferenz im November 2019 ist in Betzenhausen ein Runder Tisch “Umwelt” entstanden; nächstes Treffen ist am Mi. 12.02.2020 von 18:30 – 20:30 Uhr im Stadtteiltreff
Bei diesem Runden Tisch treffen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie verschiedene Institutionen des Stadtteils um sich für mehr Artenvielfalt und ein höheres Umweltbewusstsein in Betzenhausen-Bischofslinde einzusetzen. Schritte, die ins Auge gefasst werden:
  • Information der Öffentlichkeit, z.B. über Bürgerblättle (Tipp des Monats), Musterbalkon im Stadtteilschaufenster usw.
  • Praktische Umwelt-Projekte: Nistkästen, Blumenstreifen,…
  • Erstellung Überblick über bestehende Angebote und Akteure (im Themenfeld) im Stadtteil
  • u.a.
Interessierte im Stadtteil sind herzlich eingeladen, sich einzubringen und z.B. an regelmäßigen Treffen teilzunehmen.

Das nächste Treffen des Runden Tisch “Umwelt”: Mi. 12.02.2020 von 18:30 – 20:30 Uhr, Stadtteiltreff Betzenhausen-Bischofslinde am Bischofskreuz 4.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Über eine Rückmeldung an stadtteiltreff-bb@caritas-freiburg.de würden wir uns jedoch freuen.

Damit es im Stadtteil piepst und zwitschert – Spendenaufruf für den Vogelschutz

Das bundesweite Artensterben und der Vogelrückgang beschäftigten im vergangenen Jahr auch den Bürgerverein-Betzenhausen Bischofslinde. Mit dem neu gegründeten „Runden Tisch Umwelt“ wollen wir tätig werden und durch das Anbringen von Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse an Bäumen auf öffentlichen Grünflächen die hiesigen Populationen fördern. Davon profitieren zum Beispiel Haussperling und Kohlmeise, aber auch Hausrotschwanz, Kleiber, Zwergfledermaus und viele mehr!

Zudem möchte der Bürgerverein in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk Freiburg und hiesigen Vogelexperten den Turmfalken im StuSie-Gelände fördern. Hierfür sollen zwei Nistkästen für den eleganten Mäusejäger an den Hochhäusern angebracht werden. Ein Kasten wird freundlicherweise von Matthias Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz zur Verfügung gestellt. Dies Kosten für den zweiten Kasten wird der Bürgerverein übernehmen.

Aber weitere Nistkästen für Singvögel und Fledermäuse brauchen Ihre Unterstützung. Wir bitten um Spenden auf das Konto des Bürgervereins.

Wir möchten uns im Namen der Vögel und auch der Bürger schon im Voraus bedanken, denn: Artenvielfalt bereichert unser aller Lebensqualität!

Kerstin Geigenbauer (Runder Tisch Natur)

50 Jahre St. Albert Kirche

Im Normalfall kümmert sich der AK Bauen und Wohnen eher um laufende Projekte. Zum besondere Jubiläum der St. Albert Kirche wollen wir aber doch auch mal zurückschauen.

Hand aufs Herz: Welche Bilder, welche Begriffe fallen Ihnen ein, wenn Sie an den Kirchenbau der 1960er und 1970er Jahre denken? Wenig schmeichelhafte? Höchste Zeit, das zu ändern!“. So beginnt ein Prospekttext zur Wander-Ausstellung “Zwölf Kirchenbauten”, die im Januar 2020 in der St. Albert Kirche zu sehen ist.

Die Ausstellung entstand mit den Projektpartnern der evangelischen und katholischen Landeskirchen, unterstützt von der Wüstenrot-Stiftung. Von Juli 2019 bis Juni 2020 tourt sie quer durchs Land und wird nacheinander in allen zwölf Kirchen gezeigt. So wird auch St. Albert zu einem „begehbaren Kunstwerk“. Die anderen elf Bauten können die Besucher/innen in der Kirche auf vier Tischen in Form von 3D-Drucken, virtuellen 360°-Panoramen und historischem Bildmaterial entdecken.

ZWÖLF – Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg:
Ausstellung in der Kirche St. Albert, 04. – 30. Januar 2020, tägl. 9:00 – 17:00 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

Alle zwölf Kirchen zeugen von einer theologischen und architekturgeschichtlichen Umbruchszeit, aber auch von Fortentwicklung: Liturgische Neuordnungen, ein ästhetischer Wandel und ingenieurtechnische Leistungen führten zu virtuosen Raumschöpfungen aus raffinierten Formen und geschickt eingesetzten Materialien. Ein eher selten umgesetzter Lösungsvorschlag war der Zentralbau. Bei St. Albert hat ihn Erwin Heine als sternförmiges, kronenartiges Faltwerk über einem kreisrunden Raum auf quadratischer Basis verwirklicht – die Quadratur des Kreises. St. Albert ist eine Neuinterpretation gotischer Strukturen, konstruktiv und materialtechnisch ganz auf der Höhe der Zeit, denn man arbeitete mit vorproduzierten und auf der Baustelle montierten Beton-Fertigteilen.

Etwa 1.000 Kirchenbauten wurden zwischen 1960 und 1980 in Baden-Württemberg errichtet. Rund 150 Kirchen sind – wie St. Albert – inzwischen denkmalgeschützt.

Stichwort zu Planung/Bau der Kirche St. Albert:

  • 1967 Grundsteinlegung, 1969 Weihe, 1970/71 Kindergarten und Gemeinderäume.
  • Architekt: Erwin Heine; Bauleiter: Rudolf Feßler; Baustatische Berechnungen: Ingenieurbüro G. Holfelder.
  • Beteiligte Künstler: Kurt Frank (Entwurf Betonglasfenster); H. G. Schmidt (Ausführung Betonglasfenster); Bruno Knittel (Tabernakel, Ambo, Altarleuchter); Kemter (Taufbrunnendeckel, Apostelleuchter).

Weitere Informationen: www.zwoelf-kirchen.de und www.se-freiburg-nordwest.de


Hintergrund: der Text gehört zu einer Beitrags-Serie über Markante Gebäude in Freiburg-Betzenhausen.

 

Gedanken zu Zigarettenkippen

Beitrag aus Bürgerblättle 258 (Okt. 2019)


Während unseres Urlaubs wurde ich auf die Möglichkeit einer einfachen Entsorgung/Sammlung dieser lästigen und hochgiftigen Abfallprodukte unserer rauchenden Mitmenschen in einem Naturschutzgebiet hingewiesen.

Das hat mich veranlasst, über diese SONDERMÜLLBELASTUNG nachzulesen. Was ich da erfahren musste, hat mich sehr erschreckt. Als ehemalige Raucherin bin ich mir bewusst, welche Wirkung diese Glimmstängel auf die Gesundheit haben können. Vor fast 40 Jahren hat mich dieser gesundheitliche Aspekt dazu bewogen damit aufzuhören. Dass man als Raucher nicht nur sich selbst, sondern die Mitmenschen durch Passivrauchen schädigt ist mir bekannt.

Doch die toxischen Wirkungen der Zigarettenkippen auf das Grundwasser waren mir in diesem Ausmaß nicht geläufig. Täglich kann man sie x-fach an jeder Ecke und vor allem an den Haltestellen sehen. Achtlos weggeworfen und oft auch direkt in die Abflüsse, oder unsere geliebten Bächle, in denen die Kinder so gerne spielen. Damit werden die giftigen Substanzen noch schneller ausgewaschen. Jeder Regen spült die auf der Straße liegenden Kippen aus und so gelangen die Gifte in unseren Wasserkreislauf. Zigarettenfilter bauen sich sehr langsam über viele Jahre ab. Das bedeutet, dass über die Jahre viele toxische Stoffe an die Umwelt abgegeben werden.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich etwa 5,6 Billionen Zigaretten geraucht. Davon sollen 4,5 Billionen nicht im Aschenbecher oder in der Mülltonne landen. Ein 680.000 Tonnen großer Müllberg würde lt. WHO-Schätzung daraus entstehen. Dabei wäre es ein für alle vertretbarer Kompromiss, wenn die rauchenden Mitmenschen Ihre Zigarettenstummel in tragbaren Behältern (Taschenaschenbecher/kleine Schachtel) umweltgerecht zuhause entsorgen würden.

Helfen Sie mit auf diese Weise für sauberes Grundwasser und einen sauberen Stadtteil zu sorgen. DANKE!

Beate Diezemann

Die Dreisam


Vorab…

Die Dreisam bei Betzenhausen

Die Dreisam begrenzt den Stadtteil in Richtung Südwesten auf einer Länge von ca. 1.5 km; also in Richtung des Stadtteils Weingarten bzw. dem Dietenbachgelände. Folglich ist auch die Geschichte von Betzenhausen eng mit dem Fluss vor unserer Tür verbunden: darauf wollen wir hier besonders eingehen.

Wir gehen an der Dreisam spazieren oder fahren mit dem Rad dort entlang und finden es eigentlich ganz normal, dass dieser Fluss so gerade verläuft. Und dabei hat dieses Aussehen nichts mit dem ursprünglichen Fluss zu tun, der bis vor knapp 200 Jahren vor den Toren von Betzenhausen seine Wege suchte.

Das heutige Bett der Dreisam hat durchgängig ein sog. “Doppeltrapezprofil”, das auf Planungen von Ingenieur Tulla beruht, der auch für große Teile der Rhein-Begradigung verantwortlich war (siehe Foto der Dreisam rechts, erstellt von der Brücke in der Nähe der Gaskugel).

Grundsätzlich sind viele Hintergründe zum Fluss schon auf Wikipedia ausführlich beschrieben. Und am Ende von unserem Beitrag ist dann auch noch eine Buchempfehlung zu finden.


Zum Namen

Info-Schild bei Stegen

Zunächst einmal der Name: “Dreisam” ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf das keltische Wort “Tragisima” zurückzuführen mit der Bedeutung “Die sehr schnelle”. Denn oberhalb von Zarten, wo der Zusammenfluss von Rotbach  und dem Wagensteigbach den Beginn der Dreisam markiert, gab es vor gut 2000 Jahren schon eine keltische Siedlung.

Aber es gibt auch andere Ideen zur Bedeutung, z.B. der Umstand, dass die Dreisam ja aus mehreren Schwarzwaldbächen entsteht und damit hätte auch die Zahl “drei” eine sinnvolle Begründung.

Siehe auch Info-Schild der Wandergruppe Stegen am Zusammenfluss bei Zarten.

Die Dreisam ist bereits im Jahre 864 urkundlich erwähnt (lange Zeit geführt als “Treysam”).

Bei der Gelegenheit noch ein schöner Zufall: auf thailändisch heißt “sam” auch “drei”. Also ergibt sich “Dreidrei”.


Vom Anfang und Ende (Fluss-Verlauf)

Hier beginnt die Reise

Der Ursprung der Dreisam liegt zwischen Kirchzarten und Stegen als Zusammenfluss von Wagensteigbach und Rotbach, der aus dem Höllental kommt. Zählt man gleich noch den Ibenbach dazu, hat man drei Zuflüsse und damit eine plausible Begründung für den Namen wie oben schon erwähnt.

Am Ende mündet die Dreisam bei Riegel in die Elz: seit der Begradigung ist das etwa eine Länge von knapp 30 km; vorher war es durch den geschlungenen Verlauf ein paar km mehr. Zwischen beiden Punkten hat die Dreisam ein Gefälle von knapp 200 m.

Ab Riegel geht es für Elz und Dreisam noch 15 km gemeinsam weiter durch den Leopoldkanal in Richtung Rhein (zumindest bei Hochwasser).

Die Dreisam “füttert” auf Höhe des Schwarzwald-Stadions (bis vor wenigen Jahren war es das “Dreisam-Stadion”) über einen Abzweig die Freiburger Bächle (am sogenannten „Sandfang“): ein Teil dieses Wassers kommt als Mühlbach auf Betzenhausener Gebiet, bevor es bei Lehen zurück geht in die Dreisam. Ein anderer Teil (der Nordarm) macht einen weiteren Weg in Richtung Gundelfingen, mündet dort in den Schobbach und später bei Nimburg (also in unserer Partnergemeinde Teningen) in die Glotter. Kurz vor Riegel schafft es dieser Teil des Freiburger “Bächlewassers” dann auch wieder zurück in die Dreisam.

Am Ende treffen sich drei Flüsse in Riegel

 


Die historische Dreisam

Dass es ein Fluss-System aus vom Schwarzwald/Feldberg in Richtung Rhein gibt, dürfte seit etwa 2 Millionen Jahren so sein. In dieser langen Zeit mit Eiszeiten und Warmperioden war dieses Fluss-System an den Ablagerungen beteiligt, die heute das oberrheinische Gebiet mit seinen Kies-Schichten kennzeichnet. Nebenbei: dieses oberrheinische Kiesvorkommen ist vermutlich das größte in ganz Europa. Der neuzeitliche Abbau von Kies hat für Betzenhausen u.a. den Flückigersee hervorgebracht.

Die Alte Dreisam

Seit Ende der letzten Eiszeit (ca. 12.000 v.Chr., auch die Zeit erster menschlicher Siedlungen) brachte das Fluss-System inkl. Dreisam keine Geröllmassen mehr mit für weitere Ablagerungen, sondern begann sich selbst ein Flussbett zu schaffen (auf immer neuen Wegen). Variantenreich war die Suche der Dreisam vor allem im unteren Flussbereich, also in den Regionen westlich und nördlich des heutigen Freiburg. Östlich hatte sich die Dreisam schon sehr früh eine tiefe Rinne geschaffen und die auch behalten, bis des Menschen Kreativität das änderte.

Bei der Gelegenheit: auf Höhe Freiburg floss die Dreisam früher näher an der Innenstadt vorbei, als wir das heute kennen. Und damit war sie etwas im Weg, als Freiburg ab 1680 vom französischen Baumeister Vauban zu einer Festung ausgebaut werden sollte.  Also hat man ab Schwabentorbrücke die Dreisam etwas nach aussen verlegt (vermutlich bis zu 150 Meter) und das alte Flussbett aufgeschüttet.

Betzenhausen wird erstmals 772 urkundlich erwähnt: über den Verlauf der Dreisam bei Betzenhausen bis zur großen Begradigung scheint aber nur wenig Konkretes dokumentiert. Sicher ist aber, dass sie hier aus einem Geflecht mehrerer Flussarme bestand, vermutlich mit einer Breite von bis zu 2 km, deren Verlauf sich immer wieder änderte. Sicher ist auch, dass ein Teil der Betzhausener Gemarkung bei kräftigen Regenfällen zum Überschwemmungsgebiet wurde: auf die feuchten Wiesen deuten heute noch Gebietsbezeichnungen mit Endung “-matten” (z.B. Stockmatten, Tränkematten).

Die Nähe zur Dreisam und ihren Überschwemmungen brachte also einiges an Arbeit mit sich, aber auch Gefahren, Krankheiten und gelegentlich auch nachbarschaftlichen Streit (siehe unseren Beitrag zur Geschichte der Wasserwirtschaft in Betzenhausen). Die Unberechbarkeit der Dreisam war letztendlich auch ein wichtiger Grund für die Begradigung nach den Plänen von Tulla.

Einen kleinen Eindruck davon, wie es früher aussah, erhält man vielleicht noch, wenn man der Alten Dreisam vor Riegel folgt (siehe Foto).


Begradigung

Zurück zur Beschreibung der Kelten als “Der schnelle Fluss”: sie waren damit der Zeit wohl voraus, denn so richtig schnell fliessen dürfte das Wasser wohl erst seit der Begradigung zwischen 1817 bis 1842, die nach Plänen von Johann Gottfried Tulla erfolgte, der ja auch dem Oberrhein ein neues Bett verschaffte. Die Umsetzung hat Tulla bei der Dreisam aber nicht mehr selbst geleitet.

Ziel der Begradigung war u.a. der Schutz vor Hochwasser und die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen. Das Ergebnis sehen wir ja noch heute am Rande von Betzenhausen. Das mit der Begradigung geschaffene “Doppeltrapezprofil” war damals sehr beliebt, denn es konnte für kontinuierlich hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers sorgen und gleichzeitig Platz für große Wassermengen bieten, um Überflutungen zu vermeiden.

Mit der Regulierung in den 1840er-Jahren auf Höhe Betzenhausen änderte sich vieles bei der Bewirtschaftung der dortigen Ländereien. Über die Jahre senkte sich der Grundwasserspiegel immer mehr; sogar mit der Folge, dass es zu Wassermangel in den Bächen und Brunnen von Betzenhausen kam. So wurde der Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung auch ein wichtiges Anliegen im Eingemeindungsvertrag mit Freiburg von 1908.

Trotz Begradigung: es gab auch weiterhin Wassermassen, denen der Fluss nicht gewachsen war. So forderte ein historisch belegtes Hochwasser im Jahr 1896 viele Tote und zerstörte mehrere Brücken bei Freiburg (z.B. die Schwabentorbrücke). Selbst in neuerer Zeit gab es noch Radfahrer, die bei Hochwasser tödlich verunglückten (z.B. 2010 und 2013).  Ein YouTube-Video zeigt die wirklich schnelle und reissende Dreisam bei einem Hochwasser am 22. Dez. 1991. Dagegen hatte der Wasserstand im Sommer der letzte Jahre Tiefstände, die kritisch sind für den Fischbestand (siehe Foto weiter hinten).

Heute sind immerhin 800 m der Dreisam bei Ebnet wieder renaturiert.


Wirtschaftliche Bedeutung

Info-Schild auf Höhe March

Die Dreisam hatte in früheren Jahrhunderten eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Die negativen Auswirkungen von Überflutungen der Wiesen sind schon erwähnt (letztendlich ja ein Grund für die Kanalisierung). Aber der Nutzen zum Bewässern von Wiesen und Ländereien sollte auch nicht übersehen werden; wobei diese Nutzung nach der Regulierung sogar noch intensiviert werden konnte (auf dem Weg nach Riegel sieht man z.B. noch Stellfallen zur Zu-/Ableitung von Wasser).

Eine Vielzahl von Mühlen wurde über das Dreisam-Wasser betrieben: schon deshalb gibt es in Betzenhausen und rund um Freiburg diverse Nebenflüsse mit dem Namen “Mühlbach”. In Betzenhausen sind Mahl- und Ölmühlen dokumentiert (mindestens drei) und sie waren von grßer wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort: die letzte Mühle wurde bis 1970 betrieben und erst 2002 abgerissen (siehe Beitrag zur alten Mühle in Betzenhausen und zum Mühlbach). Natürlich gab es nicht nur Mühlen als Nutzung, sondern z.B. auch Edelsteinschleifereien oder die Gerber (in der Gerberau). Auseinandersetzungen um den richtigen Umgang mit dem Dreisam-Wasser bestimmte folglich lange das Leben in Freiburg.

Weitere Nutzungsformen, die wir erwähnen wollen: der Baumbestand im Schwarzwald war Grundlage für Freiburgs Sägewerke, die vermutlich sogar zu den ältesten im deutschsprachigen Raum gehörten; konsequenterweise sorgten Flößer für den Transport auf der Dreisam. Ganz modern wurde es ab Mitte der 1880er-Jahre, als man begann, elektrischen Strom über das Dreisam-Wasser zu erzeugen (anfangs vor allem zum Betrieb von Glühlampen, die Thomas Edison 1881 vorgestellt hatte). Vielleicht war das ja der Anfang von Green-City.

Von grosser Bedeutung war über Jahrhunderte auch der Fischbestand: heute kaum noch vorstellbar, dass in der Dreisam Lachse gesehen und auch gefangen wurden; wie auch in der Elz (dort ist der letzte Lachs sogar dokumentiert auf das Jahr 1958). Natürlich ging es nicht nur um den  Lachs, sondern eher um Forellen, Aal u.a.:  Fisch war Grundnahrungsmittel und eine Fischereiordnung ist schon aus dem 14-ten Jahrhundert bekannt. Die Stadt Freiburg beanspruchte die Hoheit über die Fischereirechte für die Dreisam, aber auch z.B. für den Mühlbach in Betzenhausen: nicht zufällig gibt es z.B. in Freiburg die “Fischerau”. Versteht sich von selbst, dass die breite, gewerbliche Nutzung des fliessenden Wassers durch Mühlen etc. nicht immer leicht zu vereinbaren war mit dem Ziel, die Fischbestände zu erhalten. Folglich gab es schon recht früh passende Regelungen, damit alle Beteiligten darauf achteten, dass die Fische ihren Weg nehmen konnten (auch Dreisam aufwärts). Dahin gehen ja auch heute wieder die Bemühungen, z.B. über neue Fischtreppen.

Dieser Reichtum an Fisch war in den 1950-ger Jahren sogar noch im Mühlbach in Betzenhausen zu erleben (siehe Rückblick im Bürgerblättle von 1998, PDF ).


Fischbestand heute

Trockenheit bei March im Sommer 2020

Heute haben noch etwa 20 kleine Fischarten ihre Heimat in der Dreisam und sie haben es nicht immer leicht: insbesondere aufgrund der trockenen Sommermonate in den letzten Jahren, als zeitweise die Dreisam flussabwärts vor Riegel ausgetrocknet war. In solchen Fällen braucht der Fischbestand sehr lange, um sich zu erholen.

Mit der Trockenheit und großen Hitze kommt eine hohe Wassertemperatur als weiteree Stress-Test für die Tiere hinzu. Und auch der Mensch, der die Dreisam an sonnigen Tagen gern auch zum Freibad macht. Dass es im Tulla-regulierten Bereich der Dreisam wenig Bäume gibt, die im Sommer für Abkühlung sorgen könnten, hat auch seinen Grund:  die Wurzeln könnten die Stabilität der seitlichen Dämme gefährden. Als kleine Hilfen wurden bei March schon Wurzelstöcke von Harthölzern im Fluss verankert: in der Hoffnung, dass diese Strömungsbremsen dienen und dabei Rückzugsräume mit Schatten bieten (siehe auch Bericht Bad. Zeitung im Aug. 2020).

Um die Fische und Renaturierungsmaßnahmen kümmert sich seit 2001 die “IG Dreisam e.V.”, einem Zusammenschluss mehrerer Anglervereine im Dreisam-Gebiet. Ziel der Interessengemeinschaft ist es, die Qualität der Dreisam sowohl als Biotop für Tier- und Pflanzenwelt wiederherzustellen, als auch den Erholungswert für den Menschen zu erhalten bzw. zu verbessen (siehe www.ig-dreisam.de ).


Achtsamkeit an der Dreisam

Man muss sich erinnern: die Regulierung war ja vor allem für den Schutz vor Hochwasser gedacht, doch die gab es nach der Regulierung auch immer noch. Heute gibt es an der Dreisam vielbefahrene Radwege, die bei Hochwasser rechtzeitig gesperrt werden.

Der Freizeitwert der Dreisam ist unbestritten: im Corona-Sommer 2020 war es an vielen Tagen der schönste Ersatz für einen Freibad-Besuch. Doch dieses Freizeit-Verhalten hat leider auch sein negativen Seiten; zu sehen insbesondere am vielen Unrat, der immer wieder liegen bleibt. Bedauerlich, dass es bei der Müllerzeugung keine Besserungserscheinungen zu geben scheint.

Um so erfreulicher, dass sich immer wieder Initiativen finden, die aufräumen und den Müllen einsammeln, z.B. “Freiburg putzt sich raus” oder auch die Initiative DreisamCleanUp. Herzlichen Dank an dieser Stelle!


Wer jetzt sogar noch mehr lesen mag…

(1) Empfehlen möchten wir zunächst das Buch von von Jörg Lange “Die Dreisam -Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft”. Erschienen 2007 im Lavori-Verlag und immer noch hochaktuell! Dort zu finden sind z.B. viele historische Aufnahmen, insbesondere auch Erläuterungen zur Begradigung nach den Entwürfen von Tulla ab 1817.

(2) Vom immerwährenden Unglück der Dreisam – eine kultur-historische Analyse (Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau, c/o Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschafte); siehe PDF hier.

(3) Unsere Dreisam – Zukunft Dreisam: Bürgerbeteiligungsprojekt im Gebiet der Gemeinde March

 


Achtsamkeit im Japanischer Garten

In den vergangenen Wochen wurde der Bürgerverein von verschiedenen Seiten wegen den unhaltbaren Zuständen im japanischen Garten angeschrieben. Kinder sollen auf den Steinen und Bäumen herumklettern und die Wasserläufe als Planschbecken benutzen. Auch würde rücksichtslos Abfall weggeworfen. Sogar mit Mountainbikes sollen Jugendliche auf den Steinen herumgefahren sein. Wir meinen, dass dieser kleine kostbare Garten von unserer Partnerstadt Matsuyama besseres verdient hat. Er sollte der Ruhe und Stille dienen. Der Seepark ist sicher groß genug, damit dort alle Kletter- und Bewegungshungrigen auf ihr Kosten kommen können. Auch gibt es zwei Spielplätze, auf denen nach Herzenslust getobt werden kann.

Diese Situation hat uns veranlasst, sowohl die Stadtverwaltung (Garten- und Tiefbauamt = GuT), wie auch den Polizeiposten West zu dem Thema anzuschreiben. Von Seiten der Polizei bekamen wir postwendend die Information, dass die Polizeistreifen zukünftig öfters auch in den japanischen Garten hineingehen würden, um nach Recht und Ordnung zu sehen. Von Seiten des GuT kam die Rückmeldung, dass der Japanische Garten täglich und am Wochenende durch die ASF gereinigt wird. Die Regelverstöße wurden leider auch während der Besichtigung durch das GuT und trotz der vorhandenen Verbotsschilder beobachtet. Das GuT hat den Gemeindevollzugsdienst ebenfalls gebeten, den Japanischen Garten bei den Kontrollgängen im Seepark verstärkt zu kontrollieren.

Der Japanische Garten wird vom GuT in Ehren gehalten und mit der aufwändigsten Pflege aller Parkanlagen in Freiburg bedacht. Es wäre schön, wenn auch alle Besucher und Besucherinnen dieses schöne Geschenk unserer Partnerstadt Matsuyama in Ehren halten würden.

Beate Diezemann

Wie sich die Dinge wiederholen: auch zum 25 Jubiläum wurde Vandalismus schon beklagt. Siehe damaligen Bericht in der Badischen Zeitung (ggf. mit Einschränkung beim Zugriff).


Bei der Gelegenheit auch noch ein paar Hintergründe zu diesem besonderen Garten:

Der Japanische Garten im Seepark wurde vom japanischen Gartenarchitekten Yoshinori Tokumoto aus Matsuyama geplant. Es ist ein Partnerschaftsgeschenk von Matsuyama  an die Freiburger Bevölkerung. Neben Yoshinori Tokumoto arbeiteten ab Herbst 1989 drei japanische Gärtner zusammen mit 10  Freiburger Gärtnern, die bei der Gelegenheit auch die spezielle Pflege des Gartens erlernten (z.B. Schneiden, Schienen und Binden der Gehölze). Der Garten hat eine Größe von 3.500 m² und wurde am  05. Mai 1990 feierlich eröffnet (im Jahr 2020 haben wir also wieder einen runden “Geburtstag”, siehe Bericht “30 Jahre Japanischer Garten“).

Es ist typisch für einen  japanischen Garten, dass Szenen einer Landschaft zusammengefasst werden auf kleiner Fläche: in Freiburg ist es ein Wasserlauf, der sich von der Quelle in den Bergen über einen Wasserfall und Fluss im Meer endet (hier Flückingersee). Ein Japanische Garten lebt von den Formen der Steine, der Pflanzen und den Wasserstrukturen. Dazu gehört aber auch Ruhe und Beschaulichkeit als wesentliches Element.

Die “Deutsch-Japanischen Gesellschaft Freiburg Matsuyama e. V.” feiert jährlich im Mai ihr Frühlingsfest “Kodomonohi” am Garten bzw. im Bürgerhaus. Vorführungen, Ausstellungen und Workshops bieten dabei Gelegenheit, Einblick in die japanische Kultur zu nehmen. Für mehr Infos siehe: www.djg-freiburg.de

Ausstellung “Blickpunkt Mooswald”

Die Fotoausstellung “Blickpunkt Mooswald” ist vom 29. August bis zum 26. September in der Sparkasse Mooswald zu sehen (Elsässer Straße 54).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist eine eindrucksvolle Sammlung an Fotos, die Helmut Schiemann zusammengestellt, um die Vielfalt und Schönheit des Mooswalds zu zeigen.

Geschichte der Gaskugel

Die Gaskugel gehört zum Stadtbild von Freiburg; es ist ein Wahrzeichen von Betzenhausen bzw. des gesamten Freiburger Westens. Zitat Joachim Röderer (BZ): „Wenn man nach Urlaubsreisen und langer Rückfahrt heimkehrt, ist man gefühlt erst dann wirklich wieder zurück in Freiburg, wenn man die Gaskugel passiert hat.“

Bauphase

Foto: Hugo Beyer, ©Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Außenstelle Südbaden

Anfang der 1960-er Jahre sah die Stadt Freiburg, dass der Übergang zum Gas als Energie-Träger ein gewisses Speichervolumen vorort erfordert. Das Gas selbst kam ja durch überregionale Druckleitungen vom Rheintal nach Freiburg: insofern schien das heutige Gelände an der Dreisam ideal für den Zwischenspeicher. Allerdings war das Gebiet eigentlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen: also gab es kurzfristig Anpassung im Gemeinderat.  Schon aus diesem Grunde fühlten sich die Betzenhausener überrumpelt von den Planungen der Stadt. Auch der damalige Ortsverein Betzenhausen als Vorgänger des Bürgervereins war wenig begeistert.

Vor allem gab es auch Ängste, welche Gefahren von diesem “Ungetüm” ausgehen könnten: in Zeiten des kalten Krieges waren es vor allem die Auswirkungen eines Bombenangriffs, die man fürchtete. Folglich galt es als “Zumutung, dass die Bewohner von Betzenhausen den Gasgeruch einatmen oder in einem Katastrophenfall elendiglich zugrunden gehen müssen”.

Aber am Ende wurde doch gebaut. Zum Bild rechts: “Die untere Kugelkalotte ist gesetzt, der erste Großring schon fast fertig. Mit der damals üblichen Auslegervorrichtung und im Zusammenwirken mit einem Hochkran werden die zuvor am Boden zusammengeschweißten Doppelblechsegmente hochgezogen und zum Schweißen angepasst. Auf der Innenseite befinden sich an jedem Teil zwei der Rundung entsprechende Haltestangen, die das Einpassen erleichtern.” (Text: R. Funk, Jan. 2021)

Im Oktober 1964 dann die Einweihung durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel: er taufte das Bauwerk auf den Namen “Gaskugel Freiburg”.

Technische Merkmale: die Kugel hat eine Spannweite von 32 Metern, die Aussenwand ist 3 cm dick. Das Bauwerk ist insgesamt 35 Meter hoch und kann 20.000 m3 Gas aufnehmen. Direkt neben der Gaskugel ist ein Übergabestation, welche u.a. den Gasdruck so absenkt, wie es für Lieferung an Endverbraucher (z.B. Haus-Gasheizung) erforderlich ist.

Weitere Hintergründe und Bilder, insbesondere auch zum Bau, beschreibt Nico Bischler in der Festschrift zu „100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908 – 2008“ (siehe www.kuge-freiburg.de/gaskugel-betzenhausen)

Betrieb über 54 Jahre

Die Gaskugel heute

Sowohl der Gasspeicher (die sichtbare Kugel) als auch die Gasdruckregelanlage fielen unter den Anwendungsbereich der Störfallverordnung, regelmäßigen Prüfungen durch technische Sachverständige waren also vorgeschrieben (in diesem Fall TÜV Süd). Für Details siehe zugehörige Sicherheitshinweise von bnNETZE für die Anwohner (dort aufgeführt sind auch viele techn. Hintergründe).

Aber die Kugel (bzw. das enthaltene Gas) wurde in dieser Zeit von den Anwohner sicher nicht als ständige Gefahr betrachtet. Eine ersten Rückblick auf die Gaskugel als Wahrzeichen in Betzenhausen hatten wir schon im Bürgerblättle 166 (Okt. 2003): da hatte die Gaskugel ihr 40 jähriges Bestehen. Es konnte dort sogar gefeiert werden, zuletzt im Okt. 2017 bei einem Familiennachmittag mit Infos zur Anlage und Führungen. Wer Lust hatte, durfte per Hubsteiger sogar von oben einen Blick auf die fast 40 Meter hohe Kugel werfen (siehe Bericht “Gaskugel zum Anfassen” im Bürgerblättle 246 mit historischen Bildern zum Bau).

Betriebsende Juli 2019

Im Juli 2019 das Betriebsende: die Bedeutung als Reservespeicher für Freiburg war im Laufe der Jahre immer weiter zurück gegangen, da Erdgasnetze heute überregional miteinander verbunden sind und darüber auch Spitzen abgefangen werden. Die Menge an Gas in der Kugel wäre im Bedarfsfall in weniger Stunden aufgebraucht worden (stattdessen nutzt man heute Gasreserven in grossen, unterirdischen Lagern). Letztendlich war ein wirtschaftlicher Betrieb laut Badenova Tochter bnNETZE nicht mehr gegeben.

Gas ist also zukünftig dort nicht mehr gespeichert. Die Gasdruck-Regel- und Messanlage im Gebäude neben der Kugel bleibt aber erhalten und wird in diesem Zuge erneuert (ab 2020).

Laut Perspektivplan liegt die Gaskugel in einer Entwicklungsfläche J, die nur für Sport, Gärtnern und Naherholung vorgesehen ist. Im Umfeld gibt es Schrebergärten und die letzten Streuobstwiesen von Betzenhausen.

Seit Dezember 2019 steht die Gaskugel als Industrie-Wahrzeichen unter Denkmalschutz.

Die Zukunft der Gaskugel

Im Jan. 2021 mit einer besonderen Mütze

Gleich nach Betriebsende hat sich in Betzenhausen eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der Gaskugel einsetzt (beteiligt sind u.a. der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., der Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.). Innerhalb kürzester Zeit fanden sich viele Unterstützer für die Initiative; siehe www.gaskugel-freiburg.de.

Ziel: „Wir wollen die Gaskugel als Industriedenkmal erhalten, sie aber nicht einfach leer stehen lassen, sondern neu nutzen“, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins, Beate Diezemann. Die drei Institutionen haben einen Arbeitskreis gegründet und ein „sanftes“ Nutzungskonzept entwickelt, wie sie erläutert. Es sieht vor, dass die Gaskugel als solche erhalten bleibt, ebenso der Park mit dem alten Baumbestand. „Wir wünschen uns hier einen lebendigen Treffpunkt für alle Freiburger/innen, mit einem Gartencafé, das an die Kugel angedockt werden könnte.“

Ein solcher Treffpunkt fehlt bislang im Freiburger Westen, obwohl die Gaskugel inmitten des beliebten Naherholungsgebietes an der Dreisam und gegenüber dem Dietenbachsee liegt. Hier führen gleich drei überregionale Radwege vorbei. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich ein niedrigschwelliges und familienfreundliches Gartencafé, das zur Dreisam hin ausgerichtet ist und v. a. Spaziergänger/innen und Fahrradfahrer/innen anlocken soll. Schließlich befindet sich die Gaskugel an der Schnittstelle von vier Stadtteilen und ist von diesen fußläufig zu erreichen: Sie steht im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde, grenzt im Norden an Lehen, im Westen an Rieselfeld bzw. den neuen Stadtteil Dietenbach und im Süden an Weingarten.

„Die Kugel ist in ihrer einmaligen Lage, mit ihrer markanten Form, ihrer Größe und ihrer Geschichte für ein Ausflugsziel geradezu prädestiniert“, resümiert die Kunsthistorikerin Dr. Heike Piehler, die das Konzept verfasst hat. „Aber es wäre bedauerlich, ein solch grandioses Kugel-Bauwerk nicht auch von innen erleben zu können. Wir würden sie gern zugänglich machen, zumindest für kleinere Besuchergruppen und zu Zeiten, in denen es klimatisch möglich ist.“ Gedacht ist an ein möglichst pures Raumerlebnis, mit Licht- und Toninszenierungen und verschiedenen kleineren Veranstaltungsformaten, die dem besonderen Raum Rechnung tragen können. Denn in der Kugel eröffnet sich eine spektakuläre Klangwelt mit einer einzigartigen Akustik – ganz ohne technische Ausstattung.

Über den aktuellen Stand zu diesem Projekt berichten wir hier.

 

Treffpunkt Familienbildung

Die Initiative ist regelmäßig mit Berichten und Terminen im Bürgerblättle vertreten (z.B. Ausgabe 257, Aug. 2019).


Treffpunkt Familienbildung: Kinder und Familien im Stadtteil

Die Initiative „Treffpunkt Familienbildung“ in Betzenhausen-Bischofslinde wurde im Sommer 2017 vom Förderverein der Matthäusgemeinde (Diakonieverein) gestartet. Kooperationspartner sind die Kindertagesstätten im Stadtteil, das Evangelische Jugendwerk und das Jugendzentrum Chummy (beide Sundgauallee 31) sowie das Diakonische Werk, die Psychologische Beratungsstelle und die Erwachsenenbildung (EEB) der Evangelischen Kirche in Freiburg.

„Treffpunkt Familienbildung“ will Eltern von Anfang an bei der Erziehung und im Familienleben stärken / unterstützen / begleiten / beraten. Einige Stichworte und Beispiele zu Themen:

Elternkurs / PEKiP®-Kurs (Prager-Eltern-Kind-Programm): Diese Kurse sind für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr gedacht. Ziel der Kurse ist es, Eltern und Babys im Prozess des Zueinanderfindens zu unterstützen.

Kochen mit Kindern: „An die Töpfe, fertig, los!“ : Kochen mit Kindern macht Spaß. Mit kindgerechten Rezepten werden auch die Kleinsten großartige Köche. Bei unserem Workshop wird von Eltern und Kindern gemeinsam ein leckeres Essen aus frischen Zutaten zubereitet. Besonders wichtig: Die Zutaten kommen aus der Region und sind typisch für die Jahreszeit. Wir essen gemeinsam.

Mit-Mach-Garten „MiMa“ mit Café: Ein Urban-Gardening-Projekt auf dem Matthäusgelände. Kooperation der evangelischen Matthäusgemeinde mit dem Kinder- und Jugendzentrum Chummy und dem Matthäus-Kindergarten. Alle sind willkommen! Wir treffen uns zweimal im Monat, donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Leitung: Benjamin Beck (Natur- und Erlebnispädagoge).

FuN – Familie und Nachbarschaft: eine gemeinsame Familienzeit für 8–10 Familien. Alle Familienmitglieder sind herzlich willkommen!

Starke Eltern – Starke Kinder: Mehr Freude und weniger Stress im Alltag.

Darüber hinaus gibt es Vater-Kind-Events wie Bogenschiessen und Ralleys, Vorträge, Workshops u.v.m.

Das Jahresprogramm ist im Internet zu finden unter www.familienbildung-freiburg.de (oder Bestellung über Telefon 27 66 42).

Veranstaltungsort ist das Gemeindezentrum Matthäus (Sundgauallee 31).

 

Der Kultur- und Geschichtskreis

Vorstellung des Vereins im Bürgerblättle 257 (Aug. 2019): Der Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde


Heute möchte ich den Kultur- und GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde vorstellen. Vielen Geschichtsinteressierten unseres Stadtteils ist er schon lange bekannt. Aber für andere könnten diese Zeilen ein Anreiz sein, sich mehr für uns zu interessieren.

Vor mehr als 20 Jahren – genau gesagt im Jahre 1998 – entstand der Kultur und –GeschichtsKreis Betzenhausen-Bischofslinde als Ausgründung des Bürgervereins. Was war damals geschehen?

Dr. Franz Flamm, der bekannte Erforscher unserer Lokalgeschichte, wollte damals sein umfangreiches Archiv dem Bürgerverein anvertrauen. Um seine Arbeit weiterzuführen und auszuweiten und darüber hinaus eigene Akzente zu setzen, gründeten Dr. Thomas Hammerich und Nicolai Bischler den KuGe (Kurzform für den Kultur- und GeschichtsKreis). Eine äußerst produktive Phase seiner Kerngruppe von etwa 4-6 Personen nahm damit ihren Anfang. Die Gesamt-Mitgliederzahl wuchs bis auf ungefähr 40 Personen an. Und die folgenden Highlights wurden während 15 Jahren den Mitgliedern und anderen Interessierten geboten:

  • 1999-2000: der Feier-Zyklus zum 700-jährigen Frieden vom Bischofskreuz mit Verpflanzung des Bischofkreuz-Originals in die St. Albertkirche, Vorträgen, einem ökumenischen Gottesdienst und der Veröffentlichung einer Festschrift.
  • 2004: Ausstellung und Buch über die fast völlige Zerstörung Betzenhausens durch die Bombardierung im Jahre 1944.
  • 2008: Festakt, Ausstellung und Veröffentlichung eines Buches anlässlich der 100-jährigen Wiederkehr der Eingemeindung Betzenhausens zu Freiburg.
  • 2013: ein Festzyklus gemeinsam mit Lehen anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr des Bundschuh-Aufstandes

Daneben gab es viele Exkursionen: beispielsweise zur Burg Liechtenberg (Elsass), nach Villingen zur  Sonderausstellung 1000 Jahre Marktrecht, nach Schussenried zur Landesausstellung mit dem Schwerpunkt Säkularisierung und Reichsdeputationshauptschluß von 1803 oder nach Vörstetten ins Alemannenmuseum und nach Konstanz zur Konzilsausstellung. Natürlich hat der KuGe auch eine Anzahl Sonderführungen in Freiburg besucht. Darunter waren ein Stadtrundgang mit dem Thema Freiburg im Nationalsozialismus 2016 und der Besuch der dazugehörigen Ausstellung im Jahr 2017 um nur 2 besonders eindrucksvolle Führungen zu nennen.

Dieser kurze Abriss lässt erahnen, mit wie viel Freude und Herzblut der „harte“ Kern des Kultur- und GeschichtsKreises in den letzten 2 Jahrzehnten nicht nur die Lokalgeschichte vielen Menschen zugänglich machte.

Wer mehr über uns wissen möchte, hier unsere Homepage: www.kuge-freiburg.de  

Brigitte Hammerich


Ergänzend dazu ein Beitrag aus Bürgerblättle 145 (Juni 1998) zur Übergabe der Sammlung von Franz Flamm an den KuGe

Franz Flamm übergibt sein Werk an den Kultur- und Geschichtskreis: Festlicher Akt aufgeschichtsträchtigem Boden

Zu einem ersten Höhepunkt für den wenige Monate bestehenden “Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen- Bischofslinde” wurde der kleine Festakt anläßlich der Übergabe des gesamten Forschungswerkes von Franz Flamm an Thomas Hammerich, den Vorsitzenden des Vereins in dem nach Albert dem Großen benannten Saal des Gemeindezentrums St. Albert in Bischofslinde. Auch dieser Gelehrte des Mittelalters stand im Mittelpunkt des Werkes von Franz Flamm. Die schlichte Feier, an der viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, auch aus Alt- Betzenhausen, teilnahmen, wurde durch das Jugendorchester St. Albert unter der Leitung von Gabriele Kling musikalisch umrahmt.

Thomas Hammerich erinnerte in seinen Grußworten, sie galten ganz besonders dem inzwischen weit über 90 Jahre alten Ehrengast Franz Flamm, an den geschichtsträchtigen Boden im Raum Betzenhausen und dem in den sechziger Jahren rund um das alte Bischofskreuz entstandenen neuen Stadtteil Bischofslinde. Mit der wesentlichste Grund für die Entstehung des Kultur- und Geschichtskreises, so meinte Thomas Hammerich, sei die Würdigung, Bewahrung und Drucklegung des gesamten Werkes von Franz Flamm für die Zukunft, ebenso aber auch die Weiterführung sowie die Aufnahme gegenwärtigen Geschehens für die Nachwelt. Neben den Werken über die Sozialarbeit in ganz Deutschland in Anlehnung an die aktive Zeit von Franz Flamm als Leiter des Sozial- und Jugendamtes seien, so meinte Hammerich, stellvertretend die Veröffentlichungen aus neuerer Zeit wie der Kunstführer von St. Albert, das Werk über Albert den Großen, den Frieden vom Bischofskreuz oder die zahlreichen noch nicht zusammengefaßten Manuskripte über die Geschichte von Betzenhausen in enger Verbindung zur Stadt Freiburg genannt.

Der neugebildete Kreis sei für alle Interessierten offen, er lade zur Mitarbeit ein.

Franz Flamm, ein stets Suchender

Seit mehr als 20 Jahren widmet sich Franz Flamm mit wissenschaftlicher Genauigkeit dem Freiburger Westen, ganz besonders aber der Geschichte von Betzenhausen, stets aber im Kontext mit den Verflechtungen zur Stadt Freiburg.

Ausgehend von der Schenkungsurkunde Otto II. im Jahre 972, wonach Bezenhusa an das Kloster Einsiedeln kam, schilderte Franz Flamm beim Festakt seinen Hörern anhand markanter Urkunden und Bilder einige tiefgreifende historische Ereignisse, die für Betzenhausen, seine Bewohner, Fluren und Gewässer von großer Bedeutung waren. Er konnte dabei in erstaunlicher Frische stets aus dem Füllhorn seines reichen Wissens schöpfen. Er erwähnte auch die Menschlichkeitsklausel in dieser Schenkungsurkunde, die später nie mehr übernommen wurde und für das Wohl der Menschen doch so wichtig gewesen wäre. Mit Land und Leuten kaufte Freiburg 1381 das Dorf Bezenhusa, die Bewohner gingen in die Leibeigenschaft über. Der Kontaverplan von 1683 zeigte neben der gesamten Gemarkung auch das damalige Betzenhausen und Lehen mit dem Mittelweg, der damals wichtigsten Verbindung zur Stadt. 145 Grenzsteine, so sagte Franz Flamm, seien in diesem Plan eingezeichnet. Sehr interessant wußte der Redner auch die Hirten- und Weideordnung von 1457 zu schildern, die der Stadt alle, dem “Bur” hingegen kaum Rechte einräumte. Eng verbunden war die Geschichte von Betzenhausen und Lehen, so sagte Franz Flamm, zur Zeit des Bauernaufstands im Bundschuh mit den harten Folgen für die Aufständischen. Auch in den darauffolgenden Jahrhunderten sei es zu großen Schlachten auf der Betzenhausener Gemarkung gekommen, Tausende mußten ihr Leben lassen, Verwüstung und Not waren die Folgen.

Doch zu den von Franz Flamm an den Kultur- und Geschichtskreis übergebenen Werken gehören auch zwei Bände der Stadtgeschichte vom Bischofskreuz mit dem so bedeutungsvollen Frieden von Bischofslinden. Auch das hiesige Internierungslager ab 1945 wurde von Franz Flamm ebenso wie das spätere Flüchtlingsdurchgangslager genau erforscht und nachgezeichnet. Etwa 30 000 Heimatvertriebene sind durch dieses Lager gegangen. Heute, so meinte Franz Flamm abschließend, wohnen auf der einstigen Gemarkung von Betzenhausen rund 20 000 Menschen. Mit sehr herzlich gehaltenen Dankesworten nahm Thomas Hammerich das Gesamtwerk von Franz Flamm unter großem Beifall der Besucher in die Obhut des Kultur- und Geschichtskreises auf.

Bericht Harald Albiker