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Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen

Ein Beitrag aus Bürgerblättle 161 (Juni 2002).


Während sich heute der vom Stockmattenweg her schlängelnde Mühlebach oft nur als trauriges Rinnsal darbietet, war er Jahrhunderte lang eine wichtige Lebensader und Antriebskraft für mehrere Betriebe Betzenhausens, aber auch Lehens.

In einer Urkunde des Heiliggeistspitals von 1354 lesen wir von einer „Matte oberhalb betzenhusa an beiden Seiten des Wassers, genannt das Gerüt“.

In einem „Revers“, einer schriftlichen Erklärung von 1663, wird über die Einräumung eines Erblehens für eine zu erbauende Mahlmühle am Mühlehach in Betzenhausen berichtet. Sie muss zumeist sehr viel Wasser gebraucht haben, denn wir lesen von einem Streit um 1790 zwischen dem Mühlenbesitzer und den Wiesen wässernden Mattenknechten. Nur zu oft wurde dadurch der Betrieb der Mühle lahm gelegt.

Schon 1775 gab es außerdem einen Wasserstreit zwischen dem Müller und dem „Öhler“, beide in Betzenhausen. Also musste es zu dieser Zeit schon zusätzlich eine vom Mühlebach getriebene Ölmühle gegeben haben. Der Müller und Vogt Michael Zäringer will nach einem Eintrag von 1801 zusätzlich zu der von ihm betriebenen Mühle und einer Hanfreibe eine „Seegemühle“ errichten. Ein von dem Magistrat der Stadt gewandtes Gesuch wurde zunächst abgelehnt, dann aber, der großen Entfernung der nächsten Sägemühle wegen, mit einem Schreiben vom 03. März 1801 doch genehmigt. Damit wurde der Mühlbetrieb auf lange Zeit hin zum größten wirtschaftlichen Unternehmen in Betzenhausen.

Interessant ist auch eine Beschreibung dieses Gewerbeunternehmens in einer Prozessakte der Stadtverwaltung. Danach liegt „am Betzenhausener – Lehener Mühle- und Bewässerungskanal ein Anwesen bestehend aus Wohnhaus mit Kunst -und Sägemühle, einer Hausraite, mit einer Wassergerechtigkeit von ungefähr 45 Pferdekräften und einem 45 ar großen Hausplatz – Sägeplatz- Hofraite und Garten sowie 1 Ha Mattenfeld, alles ein zusammenhängendes Ganzes bildend“. Es ist, so schreibt Dr. Franz Flamm das „Mösle“, das einst im Volksmund auch Sägematte hieß.

„Beim Mühlebach“, so schreibt Friedrich Seyfrieds 1913 in seiner Heimatkunde „Freiburg und Umgebung“ vernehmen“ wir ein Geklapper einer Mühle und gegenüber schneidet geschäftig ein Sägewerk die Stämme zu Brettern und Balken“.

In der genannten Prozessakte lesen wir auch von einem Fischereistreit. Die Stadt, welche von alters her die grundherrliche Fischereigerechtigkeit und das Recht der Verpachtung beanspruchte, lag im Streit mit dem Mühlebesitzer, der den fischreichen Mühlebach auf dem zu seinem Grundstück gehörenden 110 m langen Bachlauf selbst befischte. Es gab vor allem Forellen. Der Mühlebesitzer verlor den Prozess. Aber an das Fischwasser erinnert uns noch der alte Fischweiher im Gewann Hintermatten – Zinklern und die Fischermattenstraße längs der Gaskugel.

Die amtlichen Fertigungsprotokolle von 1675 haben den Wortlaut „Vischermatten an Glotterers selig erben ze bezenhusen und en das Vischeräckerle.“ Ein weiteres Dokument von 1776 spricht vom „im Grien, der Fräule von Bayer ihr Fischermättle“.

Wir sehen: die leider nicht mehr lange bestehende Mühle hatte große Bedeutung und beschäftige nicht nur Menschen als Arbeitskräfte, sondern auch städtische Beamte bei Streitigkeiten. Wir sollten die lange Tradition und die große Bedeutung der drei Mühlenarten nicht vergessen!

Harald Albiker (Quelle: Skripte von Dr. Franz Flamm)


Kurze Zeit später wurde die oben genannte Mühle wirklich abgerissen (siehe Beitrag hier im gleichen Bürgerblättle).

50 Jahre Wiedergründung Bürgerverein

Nachfolgend ein Beitrag aus Bürgerblättle 161 (Juni 2002) mit einem Rückblick, 50 Jahre nach Wiedergründung des Bürgervereins.


Bürgerverein erinnert an Wiedergründung vor 50 Jahren

Otto Ritt suchte schon 1950 aktive Mitstreiter für einen neuen Ortsverein

Zwar durfte der einstige Lokal- , Orts- und spätere Bürgerverein schon vor zwei Jahren sein 90- jähriges Bestehen feiern, doch 1936 war der letzte Vorsitzende Otto Ritt gezwungen, den Ortsverein aufzulösen, zu gegensätzlich waren die politischen Meinungen unter den Mitgliedern zu Beginn des Dritten Reiches geworden. Umso mehr darf sich der Bürgerverein in diesem Jahr freuen, das 50- jährige Jubiläum der Wiedergründung begehen zu können.

Noch einmal war es Otto Ritt gewesen, der schon 1950 zu einer ersten Zusammenkunft in den „Hirschen“ in Lehen eingeladen hatte. Beide Wirtschaften in Betzenhausen, die „Krone“ und der „Bären“, waren mit ihren Sälen durch die Bombennacht im November 1944 zerstört worden. Engagierte Mitstreiter hatte Otto Ritt in den Bürgern Storz, Unmüßig, Rößler und Mußler gefunden. Die wichtigste Aufgabe des neu gebildeten Ausschusses war, Unterlagen für eine Neugründung des Ortsvereins zu beschaffen.

Im April 1952 war es soweit: ein kommissarischer Vorstand mit Otto Ritt an der Spitze hatte sich konstituiert und berief eine Mitgliederversammlung mit  Gründungscharakter in den „Schützen“ in Lehen ein. Die stattliche Zahl von 45 Anwesenden zeigte das große Interesse an einer Wiederbelebung des Ortsvereins. Karl Unmüßig wurde zum ersten und Artur Vonderstraß zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Otto Ritt hatte nicht kandidiert, ihm war es wichtig gewesen, den Anstoß für die Neugründung zu geben. Hermann Gremmelspacher wurde Schriftführer, Oskar Fraider Beisitzer für landwirtschaftliche Fragen, während Martha Schandelmeier die „Frauenschaft“ vertrat. Alle anwesenden Personen traten für 1 DM Jahresbeitrag dem neugegründeten Bürgerverein, wie man ihn jetzt nannte, bei.

Eine der wichtigsten Neuaufgaben war zunächst, eine Gefallenen-Gedenkstätte auf dem Friedhof zu planen und errichten zu lassen. Doch erst 1959 konnte sie in Anwesenheit von Oberbürgermeister Brandel eingeweiht werden. „Wo Bürgersinn ich endig ist, darf der OB nicht fehlen“, meinte Brandel in seiner Ansprache. Zu einem gewaltigen Streitpunkt wurde die Führung der Autobahntrasse, die ja an der Stelle der heutigen Paduaallee gebaut werden sollte. Da formierte sich im Freiburger Westen großer Widerstand. Gemeinsam mit Freiburg-West, Lehen und dem Verständnis der umliegenden Gemeinden gelang es, Stadt, Land und Bund zur heutigen Trassenführung zu bewegen. Mit einem Jahr Verspätung, gemeinsam mit der Einweihung der Friedhofgedenkstätte, feierte der Bürgerverein die 50-jährige Eingemeindung von Betzenhausen nach Freiburg.(1908). Georg Stutz hatte dazu eine sehr schöne Festschrift verfasst.

Karl Unmüßig führte den Bürgerverein bis 1967. Er wurde zu einem großen Fürsprecher der Betzenhausener Belange gegenüber der Stadt. Auf ihn folgte bis 1975 Stadtrat Walter Kiefer. In seine Amtszeit fielen vor allem der Bebauungsplan Betzenhauseni Bischofslinde und die Planung der Berliner Allee. Auch die Linie 1 wurde in ihren Anfängen in dieser Zeit geplant. 1975 übernahm Willy Kapp den Bürgerverein. Schon zuvor hatte er federführend bei der 1000- Jahrfeier von Betzenhausen (1973) und dem damit verbundenen ersten Bürgerhock auf dem Thomasplatz mitgewirkt. Die Landesgartenschau mit den großen Stadtteiltagen fiel in seinen Amtszeit, ebenso die Sperrung der überlasteten Dietenbachstraße für den Durchgangsver-kehr, der Ausbau der einstigen Pleuger- Blumenhalle zum eigenen Vereinsheim, die Gründung des Musikvereins und die Einweihung der Linie 1 der Straßenbahn im Jahre 1983.

Seit 1987 ist Rolf Abendschein Vorsitzender des Bürgervereins. Zu herausragenden Jubiläen wurden 1988 das 25-jährige Bestehen des Stadtteils Bischofslinde, 1998 die 90- Jahrfeier zur Eingemeindung Betzenhausens und zwei Jahre danach das Fest „90 Jahre Bürgerverein“. Das offizielle Gedenken an „50 Jahre seit der Wiedergründung“ beging der Bürgerverein in seiner Jahreshauptversammlung. Dort wurden auch die noch lebenden Wiedergründungsmitglieder geehrt.

Harald Albiker


Zur Gesamtgeschichte des Lokal-/Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde siehe Beitrag hier.

Die alte Mühle von Betzenhausen

In Ausgabe 161 des Bürgerblättle (Juni 2002) war der Abriß der alten Mühle in der Dietenbachstr. ein Thema: die alte Mühle war gleichzeitig auch Titelbild. Hier Auszüge aus dem Text:

Die Mühle in Betzenhausen wird demnächst abgerissen. Sie hatte zusammen mit der Öl- und Sägemühle eine lange Tradition

Noch steht die alte Getreidemühle am Ortsausgang in der Dietenbachstraße in Alt- Betzenhausen. Zusammen mit ihren Anbauten stellt sie ein ansehnliches Areal dar. Die Idylle trügt indessen: bald soll dieses alte Bauwerk unwiederbringlich abgerissen werden. Die Mühle wurde seit längerem nicht mehr betrieben, die Mahlwerke sind ausgebaut, eine Erhaltung des nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wäre zu teuer.

Der jetzige Besitzer möchte hier zwei große zusammenhängende Wohnblocks erstellen, da die Mühle sich finanziell nicht tragen kann. Sie sei, so meint der Eigentümer, ohnehin seit 1970 nicht mehr in Betrieb. Der Abriss ist bereits, wie vom Bauordnungsamt verlautet, im Kenntnisgabeverfahren abgewikkelt worden. Für die Neubebauung liegen, wie vom BOA zu erfahren war, eine Reihe von Befreiungsanträgen vor.

Der Bürgerverein hat das Bauordnungsamt gebeten, darauf zu achten, dass der Neubau dem noch bestehenden alten Ortsbild angepasst wird und diesem Anliegen zuwiderlaufende Befreiungsanträge nicht genehmigt werden sollten. Wenn der Abriss dieses alten Industriedenkmals, eines der letzten Zeugen von Alt- Betzenhausen, nicht verhindert werden könne, so sollte sich ein Neubau harmonisch dem Ortsbild anpassen.

Im gleichen Bürgerblättle 161 (Juni 2002) erschien ein Beitrag zu historischen Bedeutung des Mühlbachs für Betzenhausen: „Der Mühlbach, einst Lebensader für Betzenhausen“ (siehe hier).


Ergänzungen zur Mühle

Noch 1941 gab es drei Wasser-Räder in Betzenhausen/Lehen: eines zur Herstellung von Polsterwatte, eines für Machinen der Bürstenherstellung und die oben erwähnte Mahlmühle der Familie K. Messerschmidt. Die Mühle war seit 1970 nicht mehr in Betrieb. In den 1990er Jahren wurde die sie zeitweise noch genutzt als kleiner Verkaufsraum für Produkte rund ums Mehl.

Die Mühle könnte mit dem Mühlbach von heute auch nicht mehr betrieben werden, denn der ist nur noch ein Rinnsal im Vergleich zu früher. Wie lange sie existiert hat, ist nicht gesichert. Ein Zeitraum lässt sich aber abschätzen: in einer schriftlichen Erklärung von 1663 ist von einem Erblehen für eine zu erbauende Mahlmühle am Mühlbach die Rede.

Für eine Mühle brauchte man viel Wasser. Wenn es andere auch benötigen, kommt es auch mal zu Konflikten: so ist im Jahr 1790 ein Streit erwähnt zwischen einem Mühlenbesitzer und den Mattenknechten, die für das Wässern der Wiesen verantwortlich waren. Vorher – im Jahr 1775 – gab es schon einen Streit ums Wasser zwischen dem Müller und einem Öhler, der ebenfalls in Betzenhausen arbeitete: also muss es zu der Zeit auch schon eine Ölmühle gegeben haben.

Streit konnte es auch um die Fische geben, die im Mühlbach reichlich zu finden waren (vor allem Forellen). Eigentlich beanspruchte die Stadt Freiburg von alters her die Hoheit über die Fischereirechte und damit auch die Verpachtung. Erwähnt wird aber z.B. in einer Prozessakte, dass der Mühlebesitzer es damit nicht so genau nahm und den fischreichen Mühlbach auf Länge seines Grundstücks selbst befischte.

Laut Unterlagen aus dem Jahr 1801 beantragte der Müller zusätzlich eine Genehmigung, um eine „Seegemühle“ zu errichten: so kam es auch, denn die nächste Sägemühle war doch recht weit entfernt. Im Jahr 1913 – also über 100 Jahre später – schreibt Friedrich Seyfrieds in seinem Buch „Freiburg und Umgebung“: Beim Mühlebach vernehmen wir ein Geklapper einer Mühle und gegenüber schneidet geschäftig ein Sägewerk die Stämme zu Brettern und Balken.

Schlossmühle Umkirch

Man kann zusammenfassen: der Mühlbach war lange Zeit für Betzenhausen ein bedeutender Wirtschaftsfaktur.

Wie die Mühle funktioniert haben könnte, lässt heute noch an anderen Mühlen nachvollziehen, die es ja auch im näheren Umfeld auch noch gibt. Als besonderer Tipp sei hier die Mühle von Umkirch genannt (nicht nur weil sie leicht zu erreichen ist): Dort hat ein Förderverein die alte Substanz gerettet. An besonderen Terminen oder Festen ist sie auch von innen zu besichtigen und dabei werden ggf. sogar die verschiedenen, noch lauffähigen Mahlwerke gestartet. Ansonsten wird dort zu Demonstrations-Zwecken Strom erzeugt, wenn das Mühlrad sich dreht. Alles Weitere auf www.muehle-umkirch.de; zusätzlich hier der Hinweis auf einen schönen Beitrag in der Badischen Zeitung zur Schlossmühle (April 2022, ggf. mit eingeschränktem Zugriff).

In der Gemarkung von Umkirch liegt mit der Dachswanger Mühle sogar noch einen weitere Mühle mit historischen Hintergrund.

Ein zweiter Tipp ist ein Ausflug in unserer Partnergemeinde Teningen, Ortsteil Heimbach mit der Mühle am Schloss Heimbach; siehe  Sehenswürdigkeiten von Teningen.

Hochaltar St. Thomaskirche

Bericht im Bürgerblättle 160 vom März 2002: der Barockaltar war gleichzeitig Titelbild.

Die Thomaskirche in Betzenhausen besitzt mit dem seit 1978 im Chor aufgestellten Hochaltar eine besondere Kostbarkeit barocker Baukunst.

Der mit ziemlicher Sicherheit aus den Jahren 1722/23 stammende Scagliola-Hochaltar aus der Abtei­kirche in Schuttern lagerte lange Zeit unbeachtet in der als ein Fabriklager genutzten Pfarrkirche von Illingen bei Rastatt. Offensichtlich hatten auch Fachleute diesen Altar nicht näher gekannt, er konnte daher von der Pfarrei Heili­ge Familie günstig für die Thomaskirche erworben werden.

Wegen Bauarbeiten in Schuttern hatte man den Altar 1847 dem Stukkateur Erhard Oesterle aus Iffezheim zum Abbruchpreis von 50 Gulden überlassen! Illingen gelangte 1850 in den Besitz des Altars. Er schmückte die Pfarrkir­che bis zu der schon erwähnten Umwandlung der Kirche in ein Fabriklager.

Die im zweiten Weltkrieg stark angeschlagene Thomaskir­che wurde auf Betreiben der Geistlichen Konrad Fuchs, Emil Dannenmayer und Harald Schweizer zwischen 1949 und 1978 mit großem finanziellem Aufwand innen und außen gründlich renoviert. Großen Anteil daran hatte der heimische Restaurator Michael Bauernfeind.

Mit der Fer­tigstellung des neu erworbenen Altars erhielt die kleine Kirche neben ihren vielen anderen Kostbarkeiten einen künstlerischen Glanzpunkt. Vor allem der Scagliola Tech­nik im unteren Teil verdankt der Altar seinen Seltenheits­wert und macht ihn zu einer sakralen Kostbarkeit in Süd­baden. Diese Scagliolabilder ließen in den Stuckmarmor-Schichten kunstvoll verarbeitete Zierflächen entstehen, die an Holzintarsien erinnern.

Gewiss lohnt sich ein Gang in die 1767/68 gebaute Thomaskirche in Betzenhausen. Man sollte dann etwas länger beim Anblick des Hochaltars ver­weilen und eventuell auch eine vom großen Barockkenner Hermann Brommer, Merdingen, verfasste Schrift über die Kirchen Hl. Familie und St. Thomas erwerben.

Harald Albiker


Zur weiteren Info hier ein Link auf www.sueddeutscher-barock.ch mit Vorstellung des Klosters. Beeindruckend auch dort (wie in Wikipedia) die spannende Beschreibung, wie der Altar nach Betzenhausen kam.

Das Bischofskreuz und seine Geschichte

Der Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde liegt auf auf historischem Grund. Etwa da wo sich heute die Sundgauallee und die Berliner Allee kreuzen, dürfte früher ein freies Feld gewesen sein, auf dem es im Jahr 1299 zu einem bedeutsamen Kampf kam.

Schlacht und Friede vom Bischofskreuz

Hintergrund waren Streitigkeiten zwischen dem in Freiburg residierenden Grafen Egeno II. und den Freiburger Bürgern: Die Verschwendungssucht des Grafen und die Verletzung verbriefter Bürgerrechte führte zum offenen Bruch und die Freiburger Bürger beschossen von Unterlinden aus die untere Burg auf dem Schlossberg. Also wollte sich der Graf an den rebellischen Bürgern rächen. Er holte seinen kampferprobten Schwager, Konrad von Lichtenberg, zur Hilfe, der Bischof von Straßburg war. Mit einer beachtlichen Streitmacht, unterstützt durch elsässische Reichsstädte, kam Konrad von Lichtenberg und belagerte im Jahr 1299 die Stadt. Die Freiburger Bürger, die schon damals in den erstarkenden Zünften sich wehrhaft organisiert hatten, machten einen bewaffneten Ausfall in Richtung des Dorfes Betzenhausen.

Am 29. Juli trafen also die bewaffneten Freiburger Bürger auf das Heer des Bischofs, bestehend aus Straßburger Bürgern und Truppen anderer elsässischer Reichsstädte. Alten elsässischen Quellen zufolge sollen zunächst einige Freiburger Bürger gefallen sein. Aber es gelang einem Freiburger Metzger mit Namen Hauri, den Bischof, der die Kampfhandlungen selbst leitete, vom Pferde zu stechen und damit den Kampf für die Freiburger Bürger zu entscheiden. Der sterbende Bischof wurde in seine Straßburger Residenz gebracht, wo er am 1. August 1299 verstarb. Damit war der Kampf zugunsten der Freiburger Bürger entschieden. Diese hatten damit zugleich ihre erste große Bewährungsprobe bestanden. Erst 1293 war den Zünften durch eine neue Stadtverfassung die Verteidigung der Stadt übertragen worden.

Friedensvertrag Januar 1300

Die Freiburger Bürger mußten nach ihrem unerwarteten Sieg die Rache des Grafen Egeno befürchten, zumal dieser über gute Beziehungen zum deutschen König Albrecht und Herzog Friedrich von Lothringen verfügte. Auch von Seiten elsässischer Bürger hatte Freiburg einen Überfall zu fürchten. Ein erster Vergeltungsschlag war in der Verhängung der Reichsacht und dem Entzug der königlichen Rechte und Freiheiten für die Stadt Freiburg zu sehen. Doch allen Erwartungen entgegen entschied sich Graf Egeno zu einem Frieden mit der Bürgerschaft.

Am 30. Januar 1300 kommt es zu einem Sühnevertrag. Dieser bedeutende Friedens- und Versöhnungsvertrag zwischen Graf Egeno, seinem Sohn Konrad und den Freiburger Bürgern „es süln alle die vride han“, wurde durch ein großes Dokument mit vielen Siegeln beschlossen. Auch König Albrecht hatte sich diesem Frieden angeschlossen und die Reichsacht wieder aufgehoben.

Der Friede am Bischofskreuz reiht sich so auch zu einem Teil in die gesamte deutsche Geschichte ein, viel mehr aber wird er zu einem Markstein in der Entwicklung des städtischen Gemeinwesens. In seiner Freiburger Stadtgeschichte von 1857/58 sagt Heinrich Schreiber: „Das Bischofskreuz bei Betzenhausen bezeichnet nicht nur die Stelle, an welcher einer der angesehendsten Bischöfe seiner Zeit in offener Feldschlacht gefallen ist, sondern damit zugleich das Aufblühen des städtischen Gemeinwesens, welches hier seine ersten gefährlichen Proben bestand, aus der es sich zu mehr Tüchtigkeit und Selbständigkeit erhob.“

Das Sühnekreuz / Bischofskreuz

Zum Gedenken an dieses besondere Ereignis wurde ein Steinkreuz aufgestellt, das als Sühnekreuz dienen sollte (zur allgemeinen Bedeutung siehe Wikipedia). Das Kreuz wurde vermutlich schon bald nach der Schlacht aufgestellt, denn bereits im Jahr 1311 wird schon von „dem steinernden krüz“ im dortigen Gebiet gesprochen. Es wäre damit auch eines der ältesten Sühnekreuze in Süddeutschland. Im Laufe der Zeit wurde es mehr und mehr zum „Bischofskreuz“.

Bischofskreuz und Bischofslinde um 1920

Vermutlich schon einige Jahrzehnte später wurde an dieser zusätzlich eine Kapelle errichtet (nachgewiesen schon im 17-ten Jahrhundet), denn es entstand die Legende, dass dort ein Heiliger begraben sei, der Kindsnöte und Kinderkrankheiten heilen könnte. So vermischte sich Wahrheit und Legende und die Kapelle und Kreuz wurden für lange Zeit das Ziel von Wallfahrten aus dem Elsass. Sogar der Name des Gewannes wurde „Bei der Kapelle“. Bilder der Kapelle kennt man aus Zeichnungen von Josef Geißlinger, die er 1789 anfertigte: allerdings wurde sie schon einige Jahre später im Zuge der Säkularisierung abgebrochen. In diesen Wirrungen ging auch ein Arm des Kreuzes verloren.

Im Bereich der Arme findet man einen Inschrift in latainischen Buchstaben. Übersetzt ergibt sich:“Für Konrad von Lichtenberg, Bischof von Straßburg, an diesem Ort zu Tode verwundet“. Die Inschrift weist also auf die besondere Person des Bischofs hin. Das Grab von Bischof Konrad von Lichtenberg finden man in der Johanneskapelle des Straßburger Münsters.

Den gefallenen Freiburger Bürgern wurde kein Gedenkstein errichtet. An sie erinnert jedoch eine Messepfründe auf dem einstigen Margarethen-Altar der Freiburger Münsterkirche, die „burgerpfruonde der erslagenen lüte an dem strite“.

Das Bischofskreuz besteht aus rotem Sandstein und hat selbst hat nur eine Höhe von ca. 140 cm; es war früher direkt im Boden befestigt. Erst 1874 wurde ein Sockel errichtet mit gut einem Meter Höhe. Die schützende Nische, wie wir sie heute kennen, wirkt fast wieder wie eine kleine Kapelle und wurde im Jahr 1903 errichtet (siehe Inschrift auf der Rückseite der Nische): Anlass war ein Deutscher Metzgerkongress hier in Freiburg. Vielleicht doch noch ein Versuch, die Entwicklungen nach der damaligen Schlacht und ihre politische Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Freiburg zu würdigen.

Zusätzlich wuchs nebem dem Bischofskreuz über Jahrhunderte eine stattliche Linde, folglich die Bischofslinde genannt. Sie war in den 1940-er Jahren einem Sturm bzw. Blitzschlag zum Opfer gefallen. In Erinnerung daran pflanzte Oberbürgermeister Dr. Keidel am 29. Mai 1963 eine neue Linde als Zeichen für den neuen Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde.

Um das Bischofskreuz vom Verfall zu bewahren, wurde es 1999 durch eine Kopie ersetzt (das Orginal steht heute in der St. Albert-Kirche); siehe den damaligen Bericht zur Rettung Bischofskreuz (pdf) im Bürgerblättle 148 (eine Initiative vom Kultur- und Geschichtskreis).


Der Beitrag basiert auf verschiedenen Quellen, u.a. auf einen Text von Harald Albiker im Sonderheft zum Jubiläum „25 Jahre Bischofslinde„.

Im Herbst 1999 hat der Kultur und Geschichtskreis Betzenhausen auf 700 Jahre „Frieden am Bischofskreuz“ zurückgeschaut. Dabei ist u.a. eine beeindruckende Festschrift entstanden, von denen noch einzelne Exemplare zur Einsicht im Archiv des Bürgervereins vorhanden sind. Zeitgleich wurden auch im Bürgerblättle 149 die zugehörigen Gechichtlichen Hintergründe (pdf) zum Bischofskreuz ausführlich beschrieben.

Vorher hatte der Kultur- und Geschichtskreis schon mit Prof. Flamm hat die Hintergründe zur Schlacht und zum Frieden in einer beeindruckenden Dokumentation (pdf) aufgearbeitet (auf der Homepage der KuGe verfügbar).

Wer mag, kann bei www.future-history.de einen Blick auf die historische Bischofslinde an der Lehenerstraße werfen im Vergleich zur gleichen Position an der Sundgauallee heute.

Leider gab es nicht nur die Schlacht, an die das Bischofskreuz erinnerte; sondern auch viele weitere Kriegerische Zeiten für Betzenhausen.

90 Jahre Zugehörigkeit zur Stadt Freiburg (Sonderheft 1998)

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen des Bürgerblättle, die je nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthielten; siehe dazu auch unseren Online-Beitrag zur Geschichte des Bürgerblättle mit Hinweis auf diese Sonderhefte.

An dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Sonderseiten „Sonderheft „90-jährigen Zugehörigkeit Betzenhausen zur Stadt Freiburg“ einer Bürgerblättle-Ausgabe im Jahre 1998. Inhalt:

  • Titelblatt mit der Gemarkung von Betzenhausen im Jahr 1820.
  • Grusswort OB Rolf Böhme
  • Grusswort Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde, Rolf Abendschein.
  • Betzenhausen-uraltes Dorf
  • Gewann von Betzenhausen
  • Die Eingemeindung wurde am Silvestertag des Jahres 1907 zu einem glänzenden Dorffest.
  • Oberbürgermeister Winterer zeigte Weitblick

Hier geht es zum gesamten Text (PDF).

Interessierte Leser wenden sich auch bitte gern an den Bürgerverein bzw. den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde.


Harald Albiker hat in diesem Heft die Geschichte von Alt-Betzenhausen ausführlich niedergeschrieben. Deshalb nachfolgend sein Beitrag in ausführlicher Version.

Die Eingemeindung wurde am Silvestertag des Jahres 1907  zu einem glänzenden Dorffest

Besonders schön geschmückte Häuser, flatternde Fahnen, viele frohe und gut gekleidete Menschen, dies war das Ambiente  für einen festlichen Tag des Jahresschlusses, der zugleich mit dem mitternächtlichen Glockenschlag die Eingemeindung der bisher kleinen freien Landgemeinde Betzenhausen innerhalb des Großherzogtums Baden in die Stadt Freiburg bringen sollte. Noch im Mittelalter, genau am 25. Mai 1381 war Betzenhausen durch Franz Geben- Sigstein für den geringen Preis von 18 Mark oder Pfund Silber  an die Stadt Freiburg verkauft worden. Es blieb bis 1805 , dem Jahr großer Gebietsumwandlungen, bei der Stadt.-

Betzenhausen wünschte die Eingemeindung

Es war den Bürgern von Betzenhausen offenbar nicht schwer gefallen, sich mit einem Eingemeindungsgedanken vertraut zu machen, im Gegenteil, man ging den Verhandlungen mit dem Freiburger Stadtrat über die Bedingungen einer Eingliederung mit viel Elan und großem Vertrauen entgegen. Es war damals sehr schlecht um die Finanzen der kleinen Landgemeinde bestellt. Man benötigte dringend eine Wasserleitung, da die eigenen Schöpf- und Ziehbrunnen durch die Absenkung des Grundwasserspiegels fast versiegt waren. Man befürchtete seit langem, daß man etwaigen Bränden fast wehrlos ausgeliefert wäre. Auch die Einwohnerzahl war im Steigen, man wollte daher unbedingt ein eigenes Schulhaus, ebenso wünschten sich die Bürgersfamilien eine Ortsbeleuchtung. Dies alles waren wichtige Gründe für die Gemeindeversammlung am 26. September 19o7, eine möglichst rasche Eingemeindung zu beantragen. Die Bedeutung dieser Versammlung zeigte sich schon an der , vergleicht man heutige Zusammenkünfte, überwältigenden Beteiligung: von 43 stimmberechtigten Bürgern waren 41 gekommen und nur ein Bürger stimmte gegen die Eingemeindung. Beim städtischen Nachbarn lagen die Verhältnisse ganz anders. Dort hielt man beim Bürgerausschuß die Eingemeindung für verfrüht. Man glaubte, daß Betzenhausen nur Vorteile hätte, die Stadt hingegen Nachteile. Allzugern erinnerte man sich an die hohen Kosten bei der Eingemeindung Zähringens.


Oberbürgermeister Winterer zeigte Weitblick

Oberbürgermeister Dr. Winterer

Doch in dieser Diskussion zeigte sich der Weitblick von Oberbürgermeister Dr. Winterer. Er hatte schon frühzeitig die Bedeutung des Freiburger Westens für die Stadtentwicklung erkannt. Hierzu gehörten gewiß auch die 28o Hektar Land, die Betzenhausen mit seiner Gemarkung einbrachte. Die weitere Entwicklung bis in unsere Tage hat gezeigt, daß dem Westen eine immer größere Bedeutung zukommt und das einstige Ost- West- Gefälle nahezu abgebaut ist. Überzeugend war die Mehrheit beim Freiburger Bürgerausschuß dennoch nicht. Mit 59 Ja- und 38 Neinstimmen blieb doch eine erhebliche Minderheit gegen einen Anschluß von Betzenhausen an die Stadt.- Schon am 18. September 1907 hatte es eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der noch freien Landgemeinde gegeben. Die dort ausgehandelten Punkte waren dann Gegenstand der Abstimmungen in der Gemeindeversammlung Betzenhausen und dem städtischen Bürgerausschuß auf Antrag des Stadtrates gewesen.

Wichtige Vereinbarungen zur Eingemeindung

  1. Der Zeitpunkt der Eingemeindung ist der 1. Januar 1908. Zur Verwirklichung ist aber die Zustimmung der großherzoglichen Regierung und des Landtages noch innerhalb des Jahres 1907 notwendig.
  2. Der bestehende Bürgernutzen wird den im Genuß befindlichen Bürgern nach den bisherigen Grundsätzen belassen. Diesen sollen aber nicht nur Bürger erhalten, die bis zum 1.1.1908 gerade 25 Jahre alt werden sondern auch diejenigen, welche nach den Regeln des Bürgernutzens die Bedingungen innerhalb der nächsten 10 Jahre erfüllen. Also auch 14- und 15-jährige Betzenhausener können noch im Laufe von 10 Jahren nach der Eingemeindung in den Genuß des Bürgernutzens kommen.
  3. Betzenhausen erhält innerhalb Jahresfrist  nach der Eingemeindung den Anschluß an die allgemeine Wasserleitung und wird mit der notwendigen Anzahl von Hydranten versorgt.
  4. Die Stadt verpflichtet sich weiterhin, auf einem noch zu bestimmenden Platz (1909 an der Hofackerstraße fertiggestellt!) ein Volksschulhaus für eine genügende Anzahl von Klassen (die Bevölkerung betrug rund 600 Seelen) zu erstellen.
  5. Die Stadt verspricht, die bestehenden Gemeindeämter beizubehalten und ihre Inhaber wie Bürgermeister, Ratschreiber, Gemeinderechner, Polizeidiener, Farrenwärter und Ziegenbockhalter, Feldhüter und Hebamme  soweit wie möglich in ihrem bisherigen Dienst und mit den entsprechenden Bezügen weiterzubeschäftigen.
  6. Zur Bequemlichkeit der Betzenhausener Bürger sollen bewährte Zweigstellen städtischer Ämter beibehalten werden.
  7. Ortspolizeiliche Bestimmungen der Stadt dürfen nur unter Berücksichtigung des landwirtschaftlichen Charakters von Betzenhausen eingeführt werden. Besonders bei den bestehenden Schlachtverhältnissen sollen vorerst keine Änderungen vorgenommen werden, gleiches gilt für das Beerdigungswesen. Natürlich, so wird betont, dürfen die Betzenhausener Bürger städtische Gemeindeanstalten der Altstadt nach Belieben nutzen.
  8. Auch die Zahl der Stadträte wird nach dem Gesetz zur entsprechenden Wahl geregelt.
  9. Vom Tag der Eingemeindung an gelten für Betzenhausen die gleichen Umlagen wie für die Stadt.

Das Abstimmungsprotokoll der Gemeinde Betzenhausen sieht noch vor, daß die Stadt Sorge tragen soll, für die Erweiterung der elektrischen Bahn nach Betzenhausen nachdrücklich einzutreten.


Das Ja-Votum des Badischen Landtags

Der Schlußpunkt um die offizielle Eingemeindung wurde am 16. und 20. Dezember 1907 durch die namentliche Abstimmung in beiden Kammern des Badischen Landtags durchgesetzt.

Es gab allerdings mehrere Redebeiträge besonders von Freiburger Abgeordneten. Vom Zentrum war dies der Abgeordnete Gießler, der besonders die Grundstückswerte erläuterte. Besonders der Abgeordnete Kopf  mußte eine gewaltige Kehrtwendung machen. Im Bürgerausschuß hatte er noch mit Nein zur Eingemeindung Betzenhausens gestimmt. Durch die Annahme beider Partner, Stadt und Gemeinde, mußte er jetzt im Landtag aus staatlichem Interesse seine Zustimmung geben. Oberbürgermeister Dr. Winterer dankte der Großherzoglichen Regierung nach der Behandlung in der Ersten Kammer im Namen beider Gemeinden für die rasche Erledigung der Sache. Immerhin waren sämtliche Verhandlungen innerhalb von vier Monaten einvernehmlich abgeklärt und  in vier Gremien abgestimmt worden.- Der Stadt muß zugebilligt werden, daß sie alle fest zugesagten Verhandlungspunkte wie den Anschluß an die Wasserleitung, die Aufstellung von Hydranten und den Bau einer Volksschule fristgerecht erfüllt hat.

Als Vertreter  des Vororts Betzenhausen in den städtischen Kollegien wurden Gemeinderat und Mühlenbesitzer Kiesel als Stadtrat  und die Gemeinderäte Weber und Zähringer  als Stadtverordnete aufgenommen. Bezirksvorsteher des extra gebildeten Armenbezirks Vorort Betzenhausen wurde Altbürgermeister Fraider, der auch die Geschäfte des Gemeindebürovorstehers übernahm, dazu gehörten etwa polizeiliche An- und Abmeldungen, die Gemeindekrankenkasse und Ortskrankenkasse mit ihren Zu- und Abgängen. Umlagen, Beiträge und Gebühren sowie die Erhebung von Verbrauchssteuern führte der bisherige Gemeinderechner Zähringer weiter. Adolf Trescher behielt die Feldhüterstelle. Der bisherige Ratschreiber Josef Scherer zog ins Grundbuchamt der Stadt ein.-

Schon bei der ersten Stadtratssitzung nach der Eingemeindung gab es eine erfreuliche Überraschung: den Betzenhausener Vertretern wurden 15 Erdöllampen überreicht, die im Vorort angebracht werden sollten. Die Betzenhausener Familien freuten sich, daß es alsbald auch nachts in ihrem kleinen Ort hell geworden war.


Der neugründete Ortsverein zeigt sich kämpferisch

Erste Buslinie ab 1926

Insgeheim hatten die Bürger des Vororts noch viele Wünsche, doch für deren Erfüllung  mußte in der Zukunft sehr hart gekämpft werden. Zur eigenen Stärkung gründete man am 10. April 1910 den Lokalverein Betzenhausen, sein erster Vorsitzender wurde Stadtrat Kiesel. Der eigentliche Geschäftsführer und Schriftführer des Vereins war aber Hauptlehrer Müller. Er war anscheinend sehr schreibgewandt, hatte eine äußerst „spitze Feder“ und war  keineswegs bescheiden in den Wünschen. Einer baldigen Verkehrsanbindung an die Stadt galt das Hauptaugenmerk des Lokalvereins.

Erst 1926 gab es eine eigene Buslinie nach Betzenhausen. Der anfänglich erhobene Sonderzuschlag von 10 Pfennig wurde nach harten Verhandlungen zwischen Stadt und Lokalverein aufgehoben. Bereits 1931 folgte der Anschluß an die Gasfernversorgung.

Im Dezember 1983 schließlich wurde die Stadtbahn bis zur Paduaallee fertiggestellt. Der Bürgerverein feierte dies mit seinen Mitgliedern in Frack, Stresemann und Zylinder, da der Wunsch an eine Verkehrsanbindung bis ins Eingemeindungsjahr zurückreichte. Ein Transparent verkündete „Schon 1908 versprochen, heut’ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn führt nach Westen, ist das nicht wunderbar!“ Die ausgiebige Feier mit den Stadtoberen fand in der Lehener Bundschuhhalle statt.


Festlicher Empfang für die städtischen Gäste

Kehren wir zum Tag vor der Eingemeindung ins festlich geschmückte Dörflein Betzenhausen zurück. Punkt 4 Uhr dröhnten Böllerschüsse als Zeichen des Beginns der Festlichkeiten durch die Ortschaft. In Wagen trafen die Gäste aus der Stadt ein, sofort von den Klängen der Blasmusik empfangen. Allen voran schritt Oberbürgermeister Dr. Winterer, ihm folgten Bürgermeister Riedel, der Abgeordnete Fehrenbach, sowie mehrere Stadträte und Stadtverordnete. Die ersten herzlichen Grußworte entbot Bürgermeister Fraider aus Betzenhausen. Er hob zugleich die hohe Bedeutung des Tages hervor und brachte ein „Hoch“ auf Freiburg und seinen Oberbürgermeister aus. Ehrenjungfrauen traten aus dem Kreis der Umstehenden, Fräulein Agathe Waldvogel empfing das Stadtoberhaupt mit einem von Hauptlehrer Müller verfaßten  recht sinnigen Gedicht. Hier sei nur eine von 10 Strophen erwähnt.

Ein voll Jahrhundert ging zur Ruh’
Da endlich schallts uns trostvoll zu:
Komm Dörflein, fremdgewordnes Kind’
In Mutterarme treu und lind.

Die Tränkestrasse in den 1930-ger Jahren (Stadtarchiv Freiburg)

Das Gedicht geht hier auf die frühere Zugehörigkeit Betzenhausens zur Stadt Freiburg  ein. Auch die Schulkinder, wieder unter der Leitung von Hauptlehrer Müller, sangen ein Lied. In der „Krone“ wurde danach das Festbankett eröffnet. Hier beteiligten sich die Musikkapelle Lehen- Betzenhausen mit Dirigent Kitterer sowie der Männergesangverein  Lehen- Betzenhausen ( Dirigent war der vielzitierte Hauptlehrer Müller, offenbar ein „Tausendsassa“ jener Zeit) . Dr. Winterer wies in seiner Ansprache daraufhin, daß Betzenhausen urkundlich schon 150 Jahre früher als die Stadt Freiburg erwähnt sei. Die ganze Stadt, so meinte der Oberbürgermeister, sei von dem einen Gefühl beherrscht, daß aus der Eingemeindung für beide Teile nur Glück und Segen entspringen möge.

Mit Dankbarkeit müsse man auch des Großherzogs Friedrichs des Ersten , jenes großen und edlen Verstorbenen gedenken, der soviel für das Wohl des badischen Landes , auch für Betzenhausen, getan habe. Seiner Mitwirkung sei es zu verdanken, daß manche Schwierigkeiten und Hindernisse bei der Eingemeindung ausgeräumt werden konnten. Aller Wunsch sei es, so fuhr Winterer fort, daß man von seinem Nachfolger Friedrich dem Zweiten, der sich so stark für Freiburg interessiere, manche Proben gleicher Gesinnung erhalten möge. Des Redners Hoch und Neujahrswunsch galt dem allerverehrten Landesvater und der geliebten Landesmutter! Es gab an diesem Silvesterabend noch viele Reden, etwa durch den Stadtverordneten Rau oder den Freiburger Abgeordneten und Präsidenten der Badischen Kammer Fehrenbach, welcher der „Mutter Freiburg gratulierte, die Tochter Betzenhausen“ wiedergefunden zu haben. Pfarrverweser Barreiß hoffte, daß die „gemeinsame, tätige und fromme Einwohnerschaft  Betzenhausens der Stadt Freiburg zur Zierde gereiche.“ Der gesamte Gemeinderat von Betzenhausen, damals aus den Herren Kiesel, Gloderer, Schwaier, Brucker, Fraider und Zähringer bestehend, hatte seine helle Freude an der allerseits begeistert aufgenommenen Eingemeindungsfeier.

Harald Albiker (Text und Fotos)

Festschrift zum Jubiläum “25 Jahre Bischofslinde” (1988)

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen des Bürgerblättle, die je nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthielten; siehe dazu auch unseren Online-Beitrag zur Geschichte des Bürgerblättle mit Hinweis auf diese Sonderhefte.

Als einen Höhepunkt des Jahres 1988 durfte der Bürgerverein das Fest zum 25- jährigen Jubiläum der Bischofslinde ausrichten. Es war ein schönes Zusammenwirken zwischen Bürgerverein und Schule, Vereinen, Matthäusgemeinde und St. Albert. Die OPD stellte ihr Kasino für den Festakt zur Verfügung.

An dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Festschrift zu “25 Jahre Bischofslinde” im Jahre 1988 (es ist lang her, aber doch eine einmalige Zusammenfassung von Hintergründen).  Inhalt:

  • Titelblatt Zeichnung St. Albert Kirche
  • Grusswort OB Rolf Böhme
  • Grusswort Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde, Rolf Abendschein.
  • Bischofslinde in der Westentwicklung Freiburgs
  • Bischofslinde – Planung und Baugeschichte
  • Bischofslinde – Stadtteil auf historischem Grund
  • Wohnstättenbau als Partner
  • Der erste Spatenstich ist getan (Rückblick auf den 19.Mai.1963)

Hier geht es zum gesamten Text (PDF).

Interessierte Leser wenden sich auch bitte gern an den Bürgerverein bzw. den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde.

Geschichte Betzenhausen: Wirtschaft

Hintergrund: in einer langen Beitragsserie wurde von Nov. 1976 bis Aug. 1978 über die Geschichte von Betzenhausen im Bürgerblättle berichtet (siehe Übersicht).


1. Landwirtschaft

Nach dem Gemarkungsplan von 1820 hatte Betzenhausen etwa 145 ha Wiesen, 105 ha Ackerland und 10 ha Gartenland. Ackerbau und Viehzucht standen also in der Landwirtschaft an erster Stelle. Im 19. Jahrhundert kam noch die Bienenzucht und etwas Weinbau hinzu. Der Viehbestand belief sich auf 8 Pferde, 128 Kühe, 14 Ochsen, 2 Zuchtstiere, 30 Schweine, 12 Schafe und 6 Ziegen. Durch den großen Anteil an Wiesengelände war die Viehzucht wohl der wichtigste landwirtschaftliche Zweig des Dorfes. Deshalb ist es auch verständlich, daß im Jahre 1514, als den Bauern von den Ratsherren der Stadt Freiburg der Weidgang entzogen wurde, sie alles tun wollten, um das Weidrecht für ihre Tiere wieder zu erhalten. lm Jahre 1527 wird der von der Stadt ebenfalls den Gemeinden Hochdorf, Lehen, Zähringen, Gundelfingen und Vörstetten genehmigte Weidgang nur noch den Betzenhausern gestattet. Später, im Jahre 1588, darf auch Lehen wieder auf den von der Stadt bestimmten Flächen seine Tiere weiden lassen. Dafür sollen sie den Freiburgern entweder Mist oder von jedem Hauptvieh 6 Pfennig geben.

Der Mist scheint den Freiburger Stadtvätern sehr wichtig gewesen zu sein, denn die Betzenhauser hatten sich im Jahre 1587 verpflichten müssen, als Weidzins den Verordneten der Stadt auf 4 Rinder je 1 Karren Mist für ihre Reben zu liefern. Damit scheint es nicht geklappt zu haben, denn den Dorfbewohnern wird am 18.12.1587 die Weide aufgekündet, bis ein Vergleich wegen des Mistes erfolgt ist.

Am 26.9. 1588 beantragen sie die Aufnahme ihrer 36 Schweine in das ,,Moos“. Es wird nicht gestattet, da dieser Platz in diesem Jahr nur für dle Bürger der Stadt da sei. Aber in den anderen Waldungen der Stadt seien sie so zu halten wie die Zünftigen. Auch am 4.11.1602 schlägt die Stadt den Betzenhausern ab, ihre Schweine in die ,,Hochwäidt“ zu treiben, da ein schlechtes ,,äckerritt“ vorhanden sei.

Solche Verbote reizen natürlich zum übertreten, wie es im Oktober 1613 der damalige Verwalter der beiden Dörfer, Wolfgang Denzlinger, der Stadt anzeigt. Die Stadt ordnet daraufhin die Bestrafung der Übeltäter an.

lm Jahre 1620 beschließen die Verordneten der Stadt, daß die Betzenhauser und Lehener gemeinsam ihre Tiere auf die Weide treiben sollen. Der Betzenhauser Vogt, Blatterer, bittet um Abänderung die Verordnung. 1629 bitten die Bauern um die sogenannte ,,Ankenreut Weide“ für ihre Schweine. lnsgesamt sind uns 63 Weidreversionen aus den Jahren 1597 bis 1730 erhalten, die Betzenhausen an die Stadt für den ihr gegen einen gebührenden Zins gestatteten Weidgang gerichtet hat.

2. Forstwirtschaft

Da die Gemeinde keinen eigenen Wald besaß, war sie in bezug auf Holz ganz von der Stadt Freiburg abhängig. Weit mehr Schwierigkeiten als mit dem Weidrecht ergaben sich zumindest im 19. Jahrhundert mit dem Dorf, dem vom altersher eine bestimmte Menge Holz bewilligt worden war. Der Freiburger Archivar, Fr. Egg, schrieb am 26.5.1839 einen 10 Seiten langen Brief an den Magistrat der Stadt, dem er 50 Seiten Auszüge aus den Freiburger Ratsprotokollen und den Waldamtsbüchern beifügte, um die „unstatthaften“ Ansprüche der „unverfrorenen“ Gemeinde zu widerlegen.

Es hatte damit begonnen, daß die Stadt aus ihren Wäldern das Holz an die umliegenden Gemeinden und auch Privatpersonen verkaufte. Dieser Verkauf mußte aber jedesmal von den Ratsherren genehmigt werden. In verschiedenen Ratsprotokollen von 1543 bis 1549 wird die Anordnung oft wiederholt und auch in das „Holzbüchlein“ der Stadt eingeschrieben. Am 11.6.1571 erschien also der Vogt von Betzenhausen vor dem Rat und bittet um Holz für einen Steg, und am 1. 12.beantragen Tengius Zimmermann, Hans Koch und Mathias Herb im Namen der Gemeinde einen Schlag Holz hinter der Lehener Kirche.

Den Holzherren wird daraufhin befohlen, ihnen einen anderen Platz anzuweisen. Der nächste uns erhaltene Bewilligungsantrag erfolgt im Frühjahr und Herbst im Jahre 1575. Im Herbst wird er mit der Begründung abgeschlagen, daß die Betzenhauser es in eine Gerechtigkeit bringen, das heißt es als ihr Recht betrachten, wollen. Falls sie aber den Ratsherren wie ehemals Holz machen, so sollen sie den Abschlag erhalten. Die Stadtväter machten sich also schon damals Sorgen, daß den Betzenhausern daraus ein Recht erwachsen könne. Am 19.10.1576, am 18.12.1577, am 22.12.1578 und am 23.12.1580 wird ihnen jedoch das begehrte Holz zugestanden.

Am 13.11.1581 fordern die Heimburger der Gemeinde einen Schachen Holz und einen Sägebaum für jeden Bewohner. Es wird ihnen aber nur etwas „Unschädliches“ bewilligt, damit sie es in keine Gerechtigkeit bringen können. Zwei Jahre später dürfen sie einen Allmendplatz im Kleinen Eschholz ausruten. Ab 1586 bekommen die beiden Dörfer Lehen und Betzenhausen Wellholz und Scheite genehmigt, da ja nun auch Lehen zur Stadt Freiburg gehört. 1594 gibt es für die Lehener bereits die erste Strafe von 3 Pfund Roggen, weil sie ohne Erlaubnis Holz im Wald geholt hatten. Im Jahre 1598 wird den Betzenhausern das Holz nur genehmigt, wenn sie die Gräben im Mooswald machen.

In den folgenden Jahren kommen sie öfter mit der Bezahlung in Verzug. Ein Klafter Holz kostet im Jahre 1601 8 Schilling; der Klafter ist 7 Fuß hoch und 7 Fuß breit. 1603 bis 1610 wird das Holzgesuch ohne besondere Auflagen genehmigt, lediglich 1605 wird hinzugefügt, falls die Betzenhauser jeder mehr als ein Klafter nehmen sollten, kriegen sie gar nichts.

Die Bewohner mußten also immer in Sorge sein, ob der Rat ihnen auch beim nächstenmal das Holz wieder genehmigen würde. Kein Wunder also, daß die Bauern immer versuchten, so viel als möglich zu schlagen.

Von 1613 bis 1624 sind 8 Holzgesuche an den Rat der Stadt ergangen, und die Gemeinde wird jeweils an die Holzherren verwiesen. lm Jahre 1628 erhält jeder Betzenhauser 1 Klafter Holz für 12 Balzen aus dem Mooswald. 1629 und 1631 beantragen sie nochmals Brennholz, und dann erscheint erst wieder im Jahre 1686 das nächste Holzgesuch. Aus den Büchern des Waldamtes kann man aber ersehen, daß in der Zwischenzeit an einzelne Dorfbewohner durchaus Holz verteilt wurde, welches sie zum Teil auch in der Stadt verkauften. Das Ganze hing sicher mit dem damals in weiten Teilen von Deutschland herrschenden furchtbaren Krieg zusammen, der auch Betzenhausen nicht verschonte. lm Jahre 1632 waren die Schweden in Freiburg einmarschiert, und die Betzenhauser waren aus ihrem Dorf geflüchtet oder verjagt worden. Der Wald war durch das Militär verwüstet und die straffe Ordnung der Holzvergabe durch den Krieg unterbrochen worden. Es ist nun nicht mehr die Gemeinde, die das Holz beantragt, sondern meist sind es einzelne Personen. Von 1646 bis 1670 erscheinen einige Betzenhauser im Waldamtsbuch; demnach müssen sie in den 40er Jahren wieder in ihr Dorf zurückgekehrt sein. Von hier an wird der Holzpreis auch nicht mehr in Pfund und Schilling, sondern in Gulden und in Batzen angegeben.

lm Jahre 1672 scheinen die Holzvorräte der Betzenhauser total aufgebraucht zu sein oder ein kalter Winter den Holzverbrauch so gesteigert zu haben, so daß eine größere Anzahl von Betzenhauser im Waldamtbuch erscheint. Sogar der berühmtberüchtigte Baron von Falkenstein aus dem Höllental bezieht im Jahre 1675 vom Waldamt 6 Klafter Eichenholz, um seine Raubritterburg zu heizen. 1686 erscheint zum erstenmal wieder die Gemeinde und beantragt 40 Klafter Holz. Auch in dieser Zeit stiegen schon die Preise. Während 1694 noch 3 Batzen zu bezahlen waren, waren es 1695 schon 4 Batzen.

Ab 1719 kann man sogar sehr günstig für 1 Gulden Floßholz beziehen. Im Jahre 1729 sahen die Preise folgendermaßen aus:

Brennholz im Ahornen Grund: 1 Gulden; schadhaftes Buchenholz: 3 Batzen, 5 Gulden, 54 Kreuzer; Eichenholz: 13 Batzen, 3 Kreuzer; Holz bei der Karthauser Säge im Grün: 1 Gulden.

Bis 1743 sind in jedem Jahr einige Betzenhauser beim Holzkauf vertreten. Durch kleine Dienstleistungen mußten sie aber auch immer darauf bedacht sein, sich die Gunst des Stadtrates in dieser Beziehung zu erhalten, wie uns folgendes Schreiben des Betzenhauser Vogts Martin Ambs vom 21 . Dezember 1786 zeigt: ,,lm Namen der Gemeinde bitte ich um 46 Klafter Holz, und zwar das, welches letztes Jahre übrig geblieben ist. Die Bürger in der Stadt haben dieses geringe Holz doch nicht gern, und um eines bürgerlichen Preis nehmen wir es gerne ab. Dafür wollen wir beim Abführen des Buchenholzes helfen, da sich die Fuhrleute aus Freiburg und Herdern wegen des schlechten Weges und des geringen Fuhrlohnes ohnehin ständig beschweren.“

Daraufhin schrieb das Waldamt am 28. Dezember an den Magistrat, daß die angebotene Hilfe höchst notwendig sei, und man den Betzenhausern das Holz bewilligen möge. Es sei sonst auch möglich, daß sie ,,unerlaubte Wege aus Holzmangel“ ergreifen würden.“

lm Jahre 1789 überließ man ihnen verdorbene Eichen, die weggehackt werden sollten; den Hacker- und Fuhrlohn mußten sie dabei wie immer selbst übernehmen.

Am 22. April 1823 begann nun der Rechtsstreit um das Brennholz, das Freiburg seinen ehemaligen Untertanen verweigerte. Nach Aussage eines Betzenhausers vor Gericht am 20.August 1833 hatte sich die Holzabgabe immer so abgespielt: Der Magistrat hatte der Gemeinde in dem Moosforst um den billigen bürgerlichen Preis einen bestimmten Walddistrikt an stehendem oder liegendem Holz zugewiesen, welchen die Gemeinde dann abgeholzt oder das schon gefällte Holz für sich aufgemacht hatte. Dieser Walddistrikt hatte das jährliche Bedürfnis der Betzenhauser an Holz erfüllt. Falls einmal nicht, so wurde auf weiteren Antrag der Rest bewilligt.

Der Vogt Wißler und fünf andere Gemeindemitglieder schrieben einen Brief an das Stadtamt Freiburg. ln einer Entgegnung am l0. Oktobel 1823 streitet der Stadtrat ein Recht der Betzenhauser in dieser Sache vollkommen ab und weist auf die Kaufverträge mit Malterer und Sigstein hin, in denen von Holz- und Weiderechten nicht die Rede sei. Sie nimmt die Klage auch nicht besonders ernst, sondern fühlt sich noch ganz als herrschaftsausübende Stadt den erst seit wenigen Jahren von ihr unabhängigen Betzenhausern gegenüber. Sie erinnert sie lediglich daran, daß es ihnen gestattet wurde, die Frohnden in Höhe von 148 fl 50 kr in Holzabfuhren abzulösen.

Wahrscheinlich hatte sie ihr Soll noch nicht erfüllt. Daraufhin verlangen die Betzenhauser Einsicht in die alten Kaufurkunden und kommen zu der Ansicht, daß sie durch das immer noch entrichtete Gefällgeld wie alle anderen städtischen Bürger Anspruch auf Holz und auf Weide haben.

Die Antwort Freiburgs auf diesen Brief fällt nun schon etwas deutlicher aus: Die Betzenhauser seien wohl mit Blindheit geschlagen und sie sollten den Schleier der Vergangenheit nicht lüften, der über der Schande ihrer Voreltern liege. (Wahrscheinlich wird hier auf den Bundschuh angespielt.) Am 5. November 1824 wünschte das Directorium des Dreysam-Kreises eine Übereinkunft zwischen Betzenhausen und Freiburg wegen des Holzbezuges. Ein Rechtsanwalt stellt am 12. August 1825 eine Klageschrift der Betzenhauser auf, da eine gütliche Einlgung nicht möglich war.

Bei den nun folgenden Verhandlungen vor Gericht wird mehr auf Zeugenaussagen als auf Urkunden zurückgegriffen, und Pfarrer Dürr in Lehen hat einige Eidbelehrungszeugnisse auszustellen, so zum Beispiel bei Joseph Drescher am 20. Dezember 1825, Bürger und Leibgedinger von Betzenhausen, und Jakob Koch, Bürger und Dorfwächter von Betzenhausen. Die Zeugen werden über Grenzsteine, Weidgang und Holzbezug verhört, und am 10. Dezember 1828 wird das Urteil gesprochen: Freiburg muß Betzenhausen nach bisher beachtetem Maßstab das Brennholz gegen einen bürgerlichen Preis verabfolgen. Am 9. August 1830 schreibt der Vogt Wißler an das Stadtamt, daß der Magistrat für 63 Bürger 800 Wellen und 12 Klafter Kompetenzholz für den Pfarrer und die Schule angewiesen habe.Das sei für so viele Bürger zu wenig. Die Stadt versucht offensichtlich auf diese Weise, das Urteil zu umgehen.

Der Prozeß beginnt von neuem. Die Betzenhauser fordern je Einwohner 11/2 Klafler Holz pro Jahr. Als am 10. Dezember 1830 die Klage eingereicht wird, haben sie es auf 3 Klafter und 300 Wellen erhöht. Für die Armen von Betzenhausen genehmigte am 30. September 1833 ,,Seine königliche Hoheit“, daß sie Holz im Domänenwald sammeln dürfen. Langsam mahlen die Mühlen der Gerechtigkeit. Erst am 4. Februar 1831 erhalten die Betzenhauser einen Zwischenbescheid, sie sollen beweisen, daß sie so viel Holz benötigen. Dieser Beweis muß nicht sehr überzeugend gewesen sein, jedenfalls verhelfen die am 8. Oktober 1835, 19. Oktober 1839 und 26. November 1840 getroffenen richterlichen Entscheidungen den Betzenhausern nicht zu ihrem geforderten Recht. Am 18. Dezember 1840 ergeht wieder ein Urteil, das die Freiburger verpflichtet, jedem Bürger von Betzenhausen Brennholz um einen bürgerlichen (das heißt den verminderten) Preis, den die
Bürger der Stadt bezahlen, zukommen zu lassen. Die Lage ist noch immer die gleiche wie 1825, und die Betzenhauser müssen Qualität, Quantität und Preis des Brennholzes mit einer gesonderten Liquidationsklage festsetzen lassen.

Am 14. Juli 1845 wird wieder ein Urteil verkündet: Freiburg muß Betzenhausen aus dem städtischen Mooswald gegen Bezahlung des bürgerlichen Preises 109 Klafter Brennholz in beliebiger Sorte zukommen lassen. Im Jahre 1854 gibt es einen Vergleich zwischen den beiden Kontrahenten, inwelchem die Nachlieferung des Holzes von 150 Klafter in zehn Jahresraten festgesetzt wird. 31 Jahre dauerte der zähe Kampf der Betzenhauser an.

3. Wasserwirtschaft

Die Nähe des Ortes zur Dreisam brachte auch bestimmte Aufgaben mit sich. 1820 wurde der Gemarkungsteil der Dreisam und der Wassergräben einschließlich Straßen und Wege mit 16 ha angegeben. Die Bewässerung der Matten scheint ein ewiges Streitobjekt gewesen zu sein. Schon im Jahre 1462 hören wir von einem Bewässerungsstreit zwischen St. Klara, Kloster Adelhausen und Heiliggeistspital. Am 19.1.1575 bittet die Gemeinde um die Abstellung eines Baches, der ihre Äcker mit Eis überziehe.

Nachdem die Lehener ebenfalls Freiburger Untertanen geworden waren, wurde 1587 eine Wuhrordnung mit Haslach, Lehen und Betzenhausen aufgestellt. Trotzdem kam es im Jahre 1601 zu einem Streit zwischen Betzenhausen und Lehen einerseits und Wendlingen, Uffhausen und dem Dachswanger Muller andererseits, da sie alle das Wasser aus dem der Stadt gehörigen Dietenbach entnahmen.

Die immer wieder entstehenden Überschwemmungen (in der Nacht vom 20. auf den 21. 1.1793 war die Dreisam so stark angeschwollen, daß sie die Brücke weggerissen hatte) machten eine Kanalisation erforderlich, die 1789 bis 1804 in nachbarschaftlicher Fronhilfe mit der Gemeinde Lehen ausgeführt wurde. Die Kosten übernahm die Landeskasse. Nach 1830 wurde ein Betzenhauser Lehener-Gewerbs- und Bewässerungskanal hergestellt, der 1843-45 eine neue Schleusenanlage erhielt.

Falls man damals die Brücke nicht allein und zu Fuß passierte, mußte ein Brücken- und Wegegeld entrichtet werden, und zwar für

  • 1 Mastochsen 2 Kreuzer,
  • 1 Kuh 1 Kreuzer
  • 1 Schlitten 2 Kreuzer
  • 1 Dtzd. Schaufeln 2 Kreuzer
  • 1 Paar alte Enten 1 Kreuzer, 1 Paar junge Enten 2 Kreuzer
  • 1 Wildschwein 6 Kreuzer
  • 1 Hase 2 Kreuzer

Die Wiederherstellung der 1793 zerstörten Brücke scheint nicht besonders geglückt zu sein, denn am 15.6.1823 schreibt der Bannwalter Veit an den Magistrat, daß die Brücke in einem üblen Zustand wäre, so daß ihre sofortige Sperrung unumgänglich sei. Er schreibt: ,,lch fand die Brücke in einem so üblen Zustand, indem der eine Dohlenbaum zweimal und der andere einmal entzwei gebrochen und die anderen zwei dem Brechen nahe sind, daß dem Vogt in Gegenwart der Gerichtsmänner aufgetragen wurde, diesen Abend noch ein Schreiben an den Vogt in St. Georgen zu schicken, weil die ganze Brücke sich schon abwärts gesenkt habe und Menschen sich fürchten müssen, darüber zu gehen.“ Die Anwesenden sagten, daß dieses Jahr sehr viele und starke Bauholzfuhren aus dem Münstertal darüber gefahren seien. Der Ortsvorstand suche aber dringend an, daß in der Eile nur so viel weggerissen werden sollte, daß sie das Heu von ihren Matten, die alle über der Dreisam liegen, holen können, weil die ganze Brückenfertigstellung sich noch lange hinziehen könne. Es solle mit Balken versucht werden.

Angesichts der zu erwartenden hohen Kosten, entscheidet sich der Freiburger Magistrat in Zukunft auf die Einnahmen aus dem Brückenzoll zu verzichten, um damit der Zahlungspflicht zu entgehen. Aber am 20.9.1823 schaltet sich das Stadtamt ein, damit sich die Freiburger nicht so billig aus der Affäre ziehen können. Die Kosten belaufen sich immerhin auf 1488 tl 24 kr. (Ein Grundriß der Brücke, die eine Weite von 50 Fuß hat, ist erhalten.)

Es beginnt nun ein Hin und Her um die Bezahlung der anfallenden Kosten. Freiburg ist der Meinung, daß die Brücke nicht nötig ist, da sie nur der Bequemlichkeit einiger Betzenhauser Mattenbesitzer diene und diese auch die Lehener Brücke benützen könnten. Am 26.6.1831 schaltet sich noch einmal die Großherzogliche Wasser- und Straßenbau-lnspection ein. Der Flußlauf der Dreisam soll bei Gelegenheit auch gleich korrigiert werden. Am 21 .2. 1832 ist die Brücke trotz aller Hindernisse fertiggestellt; Zimmermeister Benedikt Weber aus Betzenhausen hat die Holzarbeiten daran ausgeführt.

Die drei Weiher, die der Stadt Freiburg gehörten und früher häufig bei den Badenden Fieber verursachten, wurden zugeschüttet und bestehen im Jahre 1848 nicht mehr. Die Fischerei war im Jahre 1858 für 18 Gulden verpachtet.

Geschichte Betzenhausen: Der Bundschuh in Lehen

Hintergrund: in einer langen Beitragsserie wurde von Nov. 1976 bis Aug. 1978 über die Geschichte von Betzenhausen im Bürgerblättle berichtet (Kapitel „V Kriege und Unruhen“, siehe Übersicht).


Vielleicht ging es den Betzenhauser Bauern nie mehr so schlecht wie zu Beginn des 16. Jahrhunderts, vielleicht fehlte aber auch ein Mann wie Joß Fritz. Die Beteiligung der Betzenhauser am Lehener Bundschuh ist der einzige Versuch geblieben, in einem größeren Rahmen politisch aktiv zu werden. Zwar sind uns nur drei Betzenhauser namentlich als Bundschuh-Mitglieder bekannt, aber im Falle eines geglückten Aufstandes hätte sich diese Zahl sicher stark vergrößert.

Wie aus den uns erhaltenen Protokollen der Verhöre der Bundschuhler zu ersehen ist, hatten die Bauern in den letzten Jahren in besonderem Maße unter dem Adel der Landschaft zu leiden. Die Abgaben des einfachen Mannes wurden unbarmherzig erhöht, da die Adligen oft selbst verarmt waren. Die Rechte der Bauern an Wald und Wiese wurden eingeschränkt. Da sie auch auf gerichtlichem Wege kein Recht erhielten und von den geistlichen Höfen als auch von den Rottweiler Richtern mehr hingehalten als verteidigt wurden, war der Nährboden für die ldeen eines Joß Fritz vorhanden.

Etwa im Jahre 1510 tauchte er im Nachbarort der Betzenhauser, in Lehen, auf. Geboren war er um 1470 in Untergrombach als Bauernsohn. Mit wachem Geist hatte er alle Ungerechtigkeiten, die damals die Bauern in seiner Umgebung erleiden mußten, erfaßt und sicher auch von der Schlettstadter Bauernbewegung Kenntnis gehabt. Das letzte Wort des damaligen Anführers vor seiner Hinrichtung ,,der buntschuh miest ein furgang haben, es stunt kurz oder lang“ wurde zum Leitwort seines Lebens. Bundschuh und Joß Fritz gehören seit 1502 untrennbar zusammen. Nachdem die geplante Erhebung in Untergrombach verraten worden war, mußte er fliehen, und erst 11 Jahre später war der Plan für eine erneute Bundschuhbewegung reif geworden. Nachdem Fritz seit 1510 bei Balthasar Blumeneck in Lehen Bannwart war, begann er im Frühjahr 1513 bei Kilian Meiger mit seiner Werbung. Der Kreis der Mitverschworenen vergrößerte sich bald.

Aber auch der Lehener Bundschuh wurde wie die beiden vorherigen Zusammenschlüsse vorzeitig entdeckt, und die ca. 42 namentlich bekannten Bundschuhler und 150 Sympathisanten mußten fliehen, wurden verurteilt und hofften, daß niemand von ihrem Wissen um den Bundschuh erfahren würde.

Zu den namentlich bekannten Bundschuhmitgliedern gehörten drei Betzenhauser Bauern. Da waren die Mitglieder der Familie Stüblin oder Stüdlin, die in Lehen und Betzenhausen wohnten. Aus Betzenhausen war es ein Cyriacus oder wie man damals gewöhnlich sagte, Cyliax Stüblin, der für tauglich befunden wurde, eine der Führerstellen bei der militärischen Ordnung des Bundes zu bekleiden.

Der zweite Betzenhauser war Konrad Brun, der von seinem Schwager Hans Freuder von Lehen für die Bundschuhsache gewonnen wurde. Zumindest war er es, der den Konrad Brun auf der Betzenhauser Kirchweihe, die damals in die Pfingsttage gefallen sein muß, um Geld für die Bundschuhfahne gebeten hatte. Aber selbst auf diesem Fest, wo es meist nicht sehr sparsam herging, hatte der Betzenhauser kaum Geld bei sich. Hans Freuder mußte ihn zu Hause noch einmal besuchen, um den erbetenen Drittel-Gulden zu erhalten. Er war einer der „arm verdorben purslewt“, wie der Freiburger Magistrat die Bundschuhmitglieder bezeichnete. Aber nicht alle Bundschuhmitglieder waren arm, wie die Mitgliedschaft des Lehener Pfarrers und des alten Lehener Vogtes Enderlin zeigen.

Vom dritten Betzenhauser Bauern, Hans Giger, erfahren wir noch weniger. Er wurde mit Giliax Stüblin auf der Hartmatte bei Lehen zum Weibel gewählt und muß demnach bei allen anderen Teilnehmern ein großes Maß an Vertrauen besessen haben.

Nach den Gerichtsprotokollen hatte es sich wahrscheinlich folgendermaßen abgespielt: Ungefähr 8 Tage vor Michaelis gingen die drei Betzenhauser nach Lehen zur Hartmatte, um dort mit den anderen alles Nötige zu besprechen, damit in den nächsten Wochen das Zeichen zum Aufstand gegeben werden konnte. Kilian Meiger nahm allen den Schwur ab, „das sie bieinander bliben und dheiner von dem andern wichen sol“. Die Forderungen, für die sie kämpfen wollten, waren:

  1. Abschaffung der fremden Gerichte
  2. Einschränkung der Zinsen
  3. angemessene Festsetzung der Frondienste
  4. völlige Freigabe von Wald und Jagd
  5. gerechte Verteilung des priesterlichen Einkommens und des klösterlichen Besitzes

Aber wieder beendete Verrat vorzeitig das Unternehmen. Einige wurden gefangengenommen und Mitte November war auch Konrad Brun im Gefängnis. Er versuchte zwar, sein Wissen um die Bundschuhsache als harmlos hinzustellen, aber der in Basel festgenommene Jakob Hauser nennt seinen Namen bei den Teilnehmern der Versammlung auf der Hartmatte. Das genügte offenbar den Freiburger Richtern, und nach einem nochmaligen Verhör wird er am selben Tag oder kurz danach hingerichtet. Wie er den Tod erlitten hat, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich wird er, wie fast alle Verurteilten, gevierteilt worden sein. Am 15.12.1513 richtet die Stadt ein Schreiben an den Komtur des Johanniterordens zu Heitersheim mit der Bitte, der Witwe des Konrad Brund „und ire kleine unerzogene kint, deren sie funfe hat“ den Todfall (Abgabe beim Tod eines Untertanen an den Herrn) zu erlassen.

Hans Giger und Cyliax Stüblin sind entflohen. Über eine spätere Verurteilung oder weitere Beteiligung am Bundschuh fehlt jeder schriftliche Hinweis.

Am 7.12.1513 beschloß der Freiburger Rat, daß die Lehener und Betzenhauser, da bei ihnen der ,,mortlich handel“ begonnen habe und sie die Stadt nicht gewarnt hatten, kein Gewehr länger als eine halbe Elle in die Stadt bringen durften. lm kommenden Mai solle ihnen auch der Weidgang untersagt werden. Daraufhin erbittet der Vogt von Betzenhausen samt der Gemeinde um das Wohlwollen des Rates und die Wiedereinsetzung des Weidrechtes. Am 8. Mai wird es ihnen und den Lehenern wieder gestattet. Daraufhin verpflichtet sich die gesamte Betzenhauser Gemeinde mit Vogt und Richter, ,,diß jars zu geben einen schilling pfenig und ein hun“ und jeden Handel treulich und nachbarlich zu melden.

Kein besonders erfreuliches Ergebnis für die Sache der Bauern, auf das sicher nicht nur Konrad Brun, Cyliax Stüblin und Hans Giger ihre Hoffnungen gesetzt hatten.


Im Jahr 2013 (also 500 Jahre nach dem Aufstand) wurden die damaligen Entwicklungen in einer Ausstellung gewürdig: Siehe unseren Bericht 500 Jahre Bundschuh-Aufstand aus Bürgerblättle 219 (April 2013). Unterlagen zur Ausstellung sind auch heute noch beim Kultur&Geschichtskreis verfügbar.

Ergänzend noch ein Hinweis auf die Beitrags-Serie “Als wär’s gestern gewesen” in der Badischen Zeitung zum 500-Jahre-Jubiläum des Bundschuh-Bauernaufstands um Rädelsführer Jos Fritz (2013). In dieser Serie berichtete die BZ im Stile von heute über Gegenbenheiten mit geschichtlichem Hintergrund: Als Beispiel hier der Beitrag Eine große Razzia in Freiburgs Umland, Untertitel “Pläne für einen Bauernaufstand in Betzenhausen und Lehen aufgedeckt” (ggf. mit eingeschränktem Zugriff).

Geschichte Betzenhausen: Kriegerische Zeiten

Hintergrund: in einer langen Beitragsserie wurde von Nov. 1976 bis Aug. 1978 über die Geschichte von Betzenhausen im Bürgerblättle berichtet (hier Kapitel „V Kriege und Unruhen“, siehe Übersicht). Wir haben den Beitrag u.a. ergänzt um Teile aus dem Rückblick von Dr. Franz Flamm zum Jubiläum 1000 Jahre Betzenhausen.


Wie auch so manche benachbarte Gemeinden musste Betzenhausen auch schwere Kriegsnöte durchstehen. Kein Wunder, es lag ja im westlichen Vorfeld der über Jahrhunderte immer wieder umkämpften Stadt Freiburg. Schon 1299 spielte sich auf Betzenhausens Gemarkung ein kriegerisches Ereignis ab, das erstmals den Namen des kleinen und stillen Dorfes Betzenhausen weithin bekannt machte: Das Bischofskreuz erinnert daran.

Das Bischofskreuz könnte sicher auch für viele andere weniger berühmte Soldaten stehen, die im Laufe der Jahrhunderte auf Betzenhausens Gemarkung kämpften und ihr Leben ließen. Das Gebiet im westlichen Vorfeld der Stadt wurde mehrfach Aufmarsch- und Durchzugsgebiet von Truppen, die im Kampf mit der Stadt Freiburg waren.

Der Kampf gegen Konrad von Lichtenberg (1299)

Die Freiburger Bürger waren über die Willkürherrschaft des Freiburger Grafen Egon Il. erbittert und so beschossen sie von Unterlinden aus die untere Burg auf dem Schlossberg. Also wollte sich der Graf an den rebellischen Bürgern rächen. Er holte seinen Schwager, Konrad von Lichtenberg zu Hilfe, der Bischof von Straßburg war. Mit einer beachtlichen Streitmacht, unterstützt durch elsässische Reichsstädte, kam Konrad von Lichtenberg und belagerte im Jahr 1299 die Stadt. Die Freiburger Bürger, die schon damals in den erstarkenden Zünften sich wehrhaft organisiert hatten, machten einen bewaffneten Ausfall in Richtung des Dorfes Betzenhausen.

So kam es am 29. Juli zum blutigen Treffen und die Bürger hatten schwere Verluste in diesem ungleichen Kampf zu verkraften. Aber es gelang einem Freiburger Bürger, den Bischof, der die Kampfhandlungen selbst leitete, vom Pferde zu stechen und damit den Kampf für die Freiburger Bürger zu entscheiden. Der sterbende Bischof wurde in seine Straßburger Residenz gebracht, wo er am 1. August 1299 verstarb.

Der Stolz der Freiburger Bürger war mächtig und die Erinnerung an den Sieg ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Als freilich über 300 Jahre später die Bauern von Lehen und Betzenhausen ebenfalls – wie einst die Bürger von Freiburg – gewaltsam aufbegehren wollten gegen ihre Herrschaft, wurde dies als Verbrechen hart bestraft. Noch gab es keine gleichen Rechte für alle Menschen und noch über Jahrhunderte stand die Freiheit der Stadtbürger und die Unfreiheit der Bauern im krassen Gegensatz. Was die Bauern damals erkämpfen wollten und was für sie „Nichts, denn die Gerechtigkeit Gottes“ erschien, führte nicht zum Sieg.

An dem Ort, wo Konrad von Lichtenberg fiel, wurde ein Kreuz aus Sandstein errichtet. Der Bischof ist in der Johanniskapelle des Straßburger Münsters begraben. Das kunstvolle Grabdenkmal weist auf die großen Verdienste des Bischofs hin: Wie unverständlich mag uns das heute vorkommen. Der Kriegsmann war zugleich der Stifter der unvergänglichen Kunstschätze des Colmarer Dominikanerinnen-Klosters Unterlinde, das durch Mathias Grünewald und Martin Schongauer berühmt wurde. Und er war Initiator der weltberühmten monumentalen Westfassade des Straßburger Münsters, zu deren Planung er Erwin von Steinbach berief.

In späterer Zeit wurde an der Stelle mit dem Sandsteinkreuz eine Kapelle errichtet. Es entstand nämlich die Legende, dass dort ein Heiliger begraben sei, der Kindsnöte und Kinderkrankheiten heilen könnte. So vermischte sich Wahrheit und Legende. Lange Zeit war die Kapelle Ziel vieler Wallfahrten aus dem Elsass. Der Name des Gewannes hieß lange Zeit „Bei der Kapelle“. Siehe auch unsere ausführlicher Beitrag Das Bischofskreuz und seine Geschichte.

Kriegsdienst für Freiburg

Betzenhauser Männer selbst wurden natürlich auch zum Kriegsdienst gerufen. Am 24.11.1492 mußte Freiburg 150 gerüstete Knechte stellen für den Kampf gegen den Pfalzgrafen. 1567 waren ebenfalls zwei Männer im Krieg. Am 4.7.1600 wurden schließlich alle männlichen Gemeindemitglieder in Freiburg gemustert.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648)

Der Dreißigjährige Krieg überrollte das kleine Dorf förmlich. Als im Jahre 1632 die Schweden in Freiburg einmarschierten, wurden auch die Betzenhausener zur Landwehr der „Freiburger Fahnen“ eingezogen (aufgestellt am 12.9.1632). Sie sollte die Belagerung Freiburgs durch die Schweden rächen. lhre Waffen hatten die Betzenhausener selbst zu besorgen.

Viele Einwohner verließen ihr Dorf. In den 1640er Jahren kehrten sie wieder zurück, doch gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Freiburger Landschaft wiederum zum Kampffeld. So mussten sie wohl die große Reiterschlacht den August-Tagen des Jahres 1644 miterleben.

Spanischen Erbfolgekrieg (1701 und 1714)

Im Spanischen Erbfolgekrieg waren die Matten und Äcker der Betzenhauser Bauern Aufmarschgelänge (26 Bataillone) der großen und blutigen Reiterschlacht am Lorettoberg. Die Reiterstraße, die Mercystraße und die Von-Weerth-Straße sowie die Lorettokapelle erinnen an dieses Geschehen; für die 200 in der Lehener Vorstadt gefallenen Soldaten steht im Augustinermuseum ein Grabmal.

Weitere Kämpfe (1745, 1796)

Auch anno 1745 und wiederum 1796 im Kampf um die Stadt wurde die Gemarkung Betzenhausen kriegerisches Vorfeld. Auf Betzenhausens Gemarkung gab es ein befestigtes Heerlager und Verwundetenlager.

Die Stadt Freiburg war selbst von den schweren Kriegsnöten und Kriegsfolgelasten geplagt, dazu kamen die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Sie hatte für zwei Jahrhunderte ihre eigenen Probleme und so konnte Betzenhausen von den Stadtherren wenig erhoffen. Wir können nur erahnen, welche Ängste und Nöte die Dorfbewohner erdulden mussten, insbesondere auch durch die Requirierungslasten und durch die Verwüstung der Felder in diesen kriegerischen Zeiten!

Fliegerangriff auf Freiburg (1944)

Noch einmal hat Betzenhausen in der jüngeren Geschichte hart den Krieg verspürt: Am 27. November 1944 beim großen Luftangriffe/Fliegerangriff auf Freiburg wurde Betzenhausen schwer heimgesucht. Vierundzwanzig Menschen fielen den Bomben zum Opfer, vieles vom alten Dorfkern wurde vernichtet, darunter auch die Gasthäuser „Zur Krone“, „Zum Bären“ und „Schützen“, sowie das Ecke Lehener- und Dietenbachstraße gelegene alte „Bayerschlößchen“.

Das Denkmal auf dem Friedhof um die alte Dorfkirche ehrt die Toten und Vermißten der beiden Weltkriege und auch die Fliegeropfer von Betzenhausen.