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Neujahrsempfang 2018

Wie im letzten Jahr begrüßte der Vorsitzende des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde, Nicolai Bischler, alle anwesenden Gäste gemeinsam. Eine kleine Ausnahme musste der dennoch machen: mit Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon, Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker und der Landtagsabgeordneten Gaby Rolland begrüßte er Gäste, die in diesen Tagen regelrecht einen „Neujahrsempfangsmarathon“ ablieferten. Die Themen, die Bischler ansprach waren vielseitig.

Der Betzenhauser-Torplatz war in der Tat das Schwerpunktthema im Jahr 2017. Hier war der Bürgerverein bei den Planungen und Gesprächen beteiligt. Aber Bischler sprach auch die Probleme aus Sicht des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde an: massive Probleme gibt es auf dem NKD-Platz und auf dem Platz am Bischofskreuz: Beide Plätze werden immer öfter als Parkmöglichkeit und Wendeplatte mißbraucht. „Und da muss man sich schon fragen, was nützen die schönsten Plätze, wenn sie zweckentfremdet und nicht richtig genutzt werden können?“, so Bischler. Hier wünscht sich der Bürgerverein deutlich mehr Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung, insbesondere vom GVD, denn sonst läuft das Zentren-Aktivierungs-Konzept an seinen Zielen vorbei.

Der versprochene barrierefreie Übergang an der Haltestelle des Betzenhausertor-Platzes entspricht absolut nicht unseren Vorstellungen. Die Stufen zum VAG-Gleiskörper hin bedeuten für viele Rolli-FahrerInnen ein großes Hindernis. Trotz aller bestehenden DIN-Normen sollten die Verantwortlichen diese Situation noch einmal genauestens überprüfen, um allen Menschen mit Handicap eine akzeptable Lösung bieten zu können, forderte Bischler, der auch auf die Unterschriftenaktion des Rings der Körperbehinderten hinwies.

Was die Sicherheit im Freiburger West betrifft, so konnte der Vorsitzende des Bürgervereins nur lobende Worte finden: zum einen für die gute Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Freiburg Mooswald aber auch dem Polizeiposten Weststadt. Die gemeinsamen runden Tische sind sehr effizient und auch weiterhin erfolgsversprechend. Der Stadtteil Landwasser hat sich dem Tisch bereits angeschlossen und auch das Stadtteil Lehen wird beim nächsten runden Tisch vertreten sein. Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde wird sich auch weiter für den Erhalt des Mooswaldes einsetzen.

Hier dankte Bischler dem Freiburger Oberbürgermeister für seinen Einsatz des Erhalts des Mooswaldes. Diesen Einsatz wünschte er sich auch für die Wiedereröffnung des Freibades West!

„Aus unserer Sicht aber absolut kein Thema ist der Rückbau der Sundgauallee im Stühlinger. Man kann über vieles nachdenken und diskutieren, aber nicht über das einfache verschwinden lassen der Sundgauallee“, so Bischler, wenn er das Jahr 2018 ins Visier nimmt. Im weiteren gab er einen Überblick über die Themen, die den Bürgerverein im Jahr 2018 beschäftigen werden: die Nachverdichtung der Studentensiedlung, die Zusammenarbeit mit dem Stadtteiltreff mit dem „Café und mehr“. Auch in der Partnerschaft mit Teningen möchte der Bürgerverein neue Wege gehen.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die VOKALISATOREN unter der Leitung von Katharina Roser. Nimburgs kleinster, aber bekanntester Männerchor beschäftigte sich in seinen Liedern musikalisch mit der unerschöpflichen Thematik der Beziehung zwischen Frau und Mann.

In seinem Grußwort ging Oberbürgermeister Dieter Salomon auf die verschiedenen Probleme im Stadtteil ein. „Ich bin sicher dass das Freibad im nächsten Jahr kommen wird“, so der OB. Zum Thema ZAK sicherte der OB seine Unterstützung zu, insbesondere bei der FRage der Beparkung der Plätze im Stadtteil.

Teningens Bürgermeister, Heinz-Rudolf Hagenacker, freute sich über die gute Zusammenarbeit im Rahmen der Stadt-Land-Partnerschaft und sagte zu, diese auch weiterhin zu unterstützen. Beste Wünsche für das Neue Jahr überbrachten Pfarrer Rüdiger Fett für die evangelische und katholische Kirche, Lehens Ortsvorsteher Bernhard Schätzle und Ernst Lavori vom Bürgerverein Freiburg Mooswald.

50 Jahre Ring der Körperbehinderten

Bericht aus Bürgerblättle 245 (Aug. 2017)


Jubiläumsjahr beim Ring der Körperbehinderten

Der Ring der Körperbehinderten mit Sitz im Stadtteil kann 2017 sein 50-jähriges Bestehen feiern. 1967 als Selbsthilfegruppe von Menschen mit einer Körperbehinderung gegründet ist der Ring heute eine Organisation mit rund 1000 Mitgliedern mit und ohne Behinderung.

Die Angebote des Ring der Körperbehinderten reichen vom Wohnen mit Assistenz, über Beratung und sozialpädagogische Begleitung bis zum Behindertensport und zahlreichen Gruppen- und Freizeitaktivitäten.

Die Ernst-Winter-Wohnanlage am Seepark mit 47 rollstuhlgerechten Mietwohnungen und 24h-Assistenzdienst kann in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Außerdem begeht das Rainer-Bernhard-Haus in Freiburg-Rieselfeld sein 5-jähriges Bestehen. Die Rollstuhl-Rugby-Mannschaft des Rings, die „Dragons Freiburg“ kann ihr 10-Jähriges feiern.

Diese Jubiläen feiert der Ring der Körperbehinderten das ganze Jahr über mit diversen Veranstaltungen (mehr auf ring-freiburg.de/jubiläum). Die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Betzenhausen-Bischofslinde möchten wir ganz besonders zum Jubiläumssommerfest 30-Jahre Ernst-Winter-Wohnanlage, am 22. Juli, 11-17 Uhr in und um den Meckelhof 1 einladen.

Musik, Zauberer, Ballonwettbewerb, Fotoausstellung, Hausführungen, Infos über neue Gruppenangebote und Spezialfahrräder sorgen für Abwechslung. Für das leibliche Wohl gibt es Getränke, Kaffee und Kuchen, Deftiges vom Grill. Feiern Sie mit uns.

Klemens Winter, Mitglied des Vorstands

Stadtteilbibliothek Mooswald

Seit Februar 1981 gibt es die Stadtteilbibliothek Mooswald, die leicht erreichbar in der benachbarten Wentzingerschulen zu finden ist (siehe auch Beitrag zu 40 Stadtbiblioth Mooswald) Davor gab es einen Bus als sog. “Fahrbibliothek” mit Haltestelle an der Gerhart-Hauptmann-Schule.

Im Stadtteil-Magazin Bürgerblättle berichten wir regelmäßig über Neuerungen in der Stadtteilbibliothek Mooswald. Hier eine allgemeine Vorstellung als Beitrag in Bürgerblättle 245 (Aug. 2017)


Auf der anderen Seite des Seeparks wartet ein Schatz auf Sie…. die Stadtteilbibliothek Mooswald !

Entdecken Sie 15 000 Bücher, DVDs, Literatur-CDs, Konsolenspiele, Musik-CDs Comics und Zeitschriften zum Ausleihen :

Für die Kleinen gibt es ein großes Angebot an Bilderbüchern, Vorlesegeschichten,Tiptoi-Sachgeschichten und Hörbüchern. In der gemütlichen Leseecke gehen wir auf Fantasiereise in die Welt von Mama Muh oder dem Grüffelo , versinken in Märchen oder treffen Piraten und Prinzessinnen.

Grundschüler können selbst lesen in unseren Erstlesebüchern, die nach Schwierigkeitsstufen sortiert sind. Spannende und lustige Kindergeschichten mit Klassikern wie Michel oder dem Sams gibt es ebenso wie preisgekrönte Autoren oder aktuelle Neuerscheinungen. Verregnete Ferien oder Hitzewelle – egal, Lesen geht immer und wer lieber hört, holt sich Literatur-CDs oder wer lieber bewegte Bilder schaut, nimmt DVDs aus einer großen Auswahl von Animationsfilmen wie den Minions oder spannenden Spielfilmen für Jugendliche und die ganze Familie. Zu den Lernhilfen für die Schule oder Elternratgebern passt auch noch ein Wii-Spiel zur Entspannung oder ein PS4 Spiel für die nächste Party. Jugendromane, Fantasy, Comics und japanische Mangas sprechen auch Teenies an. Wie wärs mit der neuen Bravo-CD oder den Hits von Ed Sheeran? Romane für Erwachsene, Krimis, Sachbücher, Ratgeber, Bestseller, Bastel- und Kochbücher sind ebenso vertreten wie die aktuelle Tageszeitung.

Sie kochen gern vegetarisch, wollen Ihre Englischkenntnisse verbessern oder suchen einen aktuellen Bericht von Stiftung Warentest? Über 30 Zeitschriften lassen kaum Wünsche offen.

An zwei Internetplätzen können Sie im Netz surfen und der clevertouch bietet Spielspaß für Kinder und Jugendliche.

Die Ausleihe ist für Kinder und Jugendliche kostenlos, Erwachsene bezahlen eine Jahresgebühr und können mit dem Bibliotheksausweis das gesamte Netz der Stadtbibliothek nutzen.

Sie finden die Stadtteilbibliothek Mooswald in den Wentzingerschulen gegenüber vom Basketballfeld. Schauen Sie vorbei, wir freuen uns auf Sie!

Öffnungszeiten:  di, mi, do, fr 10-13 Uhr  / di, mi, do 15-18 Uhr

Das Team der Stadtteilbibliothek Mooswald

Falkenbergerstr. 21, Tel.0761/201-2280, www.freiburg.de/stadtbibliothek

Abschied von Harald Albiker

Beitrag aus Bürgerblättle 241 / Dez. 2016


Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde trauert um sein Ehrenmitglied Harald Albiker (12.1934 – 11.2016).

Ich glaube, es gibt fast niemanden im Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde, der so nachhaltig das Geschehen und die Entwicklung des Stadtteils Betzenhausen-Bischofslinde mitgeprägt hat wie er!

1969 kam Harald Albiker an die Gerhart-Hauptmann-Schule, zunächst als Konrektor, später als Rektor der Schule, die er bis 1998 leitete. Die aufmerksamen Zeitungsleser der Lokalseiten kannten ihn natürlich unter seinem Kürzel „HA“. Es gab keine Ortschaftsratsitzung oder Mitgliederversammlung der Vereine im Stadtteil, die er nicht besuchte, um danach darüber zu berichten. Für den Sportverein, die heutige „Sportfreunde Eintracht“, war er jahrzehntelang für die Berichterstattung zuständig, sei es im vereinseigenen Mitteilungsblatt oder im Bürgerblättle des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde.

Sein Einsatz für den Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde:

Harald Albiker wurde gleich nach seinem Umzug aus Tunsel Mitglied im Bürgerverein und die damaligen Vorsitzenden erkannten schnell sein Potential. Sein erster Job, 1972, war natürlich, der des Pressereferenten, dann Beisitzer im Vorstand und von 1987 bis 2005 zweiter Vorsitzender des Bürgervereins.

In seine Amtszeit fielen die Vorbereitung und Durchführung der Landesgartenschau, der Bau des Bürgerhauses, Einsatz für einen besseren Lärmschutz, der Einsatz für ein Jugendzentrum im Stadtteil, und die redaktionelle Betreuung des Bürgerblättles. Erreicht wurden wesentliche Verbesserungen innerhalb des Stadtteils zum Beispiel der Bebauungsplan Alt-Betzenhausen und Eintrachtgelände, sowie Lösungen von Verkehrsproblemen.

Für Harald war es nicht in erster Linie wichtig, die Nummer 1 des Vereins zu sein. Ihm war wichtig, sich für das Wohl der Menschen im Stadtteil einzusetzen. Und das tat er auch. Meist sehr diplomatisch, er konnte aber auch deutliche Worte gegenüber Vertretern der Stadtverwaltung oder Gemeinderäten sprechen! Es konnte aber schon vorkommen, dass er, sollte es in einer Vorstandssitzung einmal durcheinander gehen, alle wieder zum Thema zurückführte – aber eben in seiner ganz eigenen, freundlichen und diplomatischen Art.

Ich selbst durfte viele Jahre mit ihm zusammenarbeiten und konnte in dieser Zeit viel von ihm lernen, so dass er auch ganz persönlich ein Vorbild für mich war. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand war er seinen Nachfolgern immer wieder eine große Hilfe – sein Archiv und sein Wissen um die Geschichte des Stadtteils, des Bürgervereins und der Menschen, waren legendär.

Es tut weh, einen so engagierten, liebenswerten Menschen zu verlieren und wir wünschen den Angehörigen in diesen Tagen viel Kraft und Trost. In großer Dankbarkeit werden wir ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

Für den Vorstand des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde
Nicolai Bischler

Wanderung zur Eröffnung der Kaiserstuhltage in Nimburg

Bericht im Bürgerblättle 240, Okt. 2016


Am Wochenende 16./17. Juli waren die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils Betzenhausen/Bischofslinde zu den Kaiserstuhltagen eingeladen, die ihre Partnergemeinde Teningen im Ortsteil Nimburg ausrichtete.

Die Wanderung wurde bereichert durch viele Geschichten, die sich im Teninger Allmend ereignet haben.  Herr Armbruster hat mir dankenswerter Weise seinen Bericht zu dieser Wanderung überlassen. Die Wanderung führte uns auf überwiegend schattigen Waldwegen nach Nimburg. Hier der Bericht von Herrn Kurt Armbruster:

D’Teninger Allmend: Ein Wald mit vielen Geheimnissen

Fast jeder kennt die Teninger Allmend, doch nur wenige wissen, was es dort an Geschichte und Natur zu entdecken gibt. Der Wunsch, das alles zu erfahren und sich dabei zu bewegen hat bei schönstem Sommerwetter eine stattliche Anzahl von Wanderern in die Teninger Allmend gelockt. Geführt von Kurt Armbruster, Kaiserstühler Gästeführer lernten sie den heimischen Wald näher kennen. Die Teninger Allmend ist das größte zusammenhängende Auenwaldgebiet zwischen Basel und Karlsruhe. Die Geschichte zur Allmend erklärte Armbruster den Teilnehmern beim Teninger Trimm-dich-Pfad.

Bis  1787  war er komplett im Besitz des Markgrafen von Baden, der damals Teile der Allmend den Gemeinden als Nutzwald überließ. Das Innere als „Filetstück“ blieb in seinem Besitz, bis er aufgrund politischer Veränderungen zum Staatswald wurde. 1400 Hektar – also in etwa 1600 Fußballfelder! – umfasst die Allmend-Fläche, doch sie schrumpft von Jahr zu Jahr. „An allen Seiten wird geknappert“, berichtet Kurt Armbruster. “In den vergangenen 100 Jahren gingen in der Allmend 200 Hektar Wald durch Neubaugebiete, Straßen, Gewerbe und Industrie verloren“, erklärte er weiter. Das letzte große derartige Projekt war die Erweiterung der Firma Graf an der Autobahn zwischen Teningen und Nimburg. Doch es ist inzwischen gelungen, abgeholzte Flächen vollständig durch Wiederaufforstung auszugleichen.

Was Flora und Fauna betrifft, so besitzt der Wald einen große Anteil an Baumarten wie Eichen, Erlen, Eschen und Buchen, bedrohte Arten wie Hirschkäfer oder Fledermaus sind im Teninger Allmendwald ebenso zu Hause. Beim ersten Stopp wurde auf die Trinkwasserversorgung  der Gemeinde eingegangen. Aus zwei Tiefbrunnen wird das  Wasser ausschließlich aus dem Muschelkalk, ab einer Tiefe von 80 bis 107 Metern entnommen. Die Wasserversorgung unserer Bürger ist mit einwandfreiem Trinkwasser gewährleistet.

Einige Wanderer wollten über das Seegrasrupfen mehr erfahren und Armbruster ging gerne darauf ein. Das „Seegrasrupfen“ war in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein traditioneller Nebenerwerb in Teningen. Aus der im Allmendwald wachsenden langblättrigen, zähen Grasart wurden u.a. Seile für Getreidegarben und für den häuslichen Gebrauch wurden Strohschuhe, in Kriegszeiten, so auch während des 2. Weltkrieges wurden Matratzen für Lazarette und Truppenunterkünfte hergestellt.

In den Jahren um 1850 sollen jährlich 3000 bis 4000 Zentner gesammelt, zu Zöpfen verarbeitet und verkauft worden sein. So durfte um 1900 nur unter Aufsicht eine Waldhüters (heute Förster) gesammelt, zudem nicht gesichelt sondern nur gerupft werden. Von großem Interesse war die Geschichte  um das Bäckermaidli (Bäckermädchen).

1758 war ein Bäckermaidli von Nimburg nach Emmendingen unterwegs um Backwaren auszuliefern. Der Weg führte durch die Allmend. Aber es gab Räuber in diesem Waldstück und schon Tage vorher hatte man zwei fremde Reiter gesehen. Das Maidli hatte den Erlös der Backwaren gut unter ihrem Hut versteckt. Auf dem Rückweg wurde sie überfallen und ausgeraubt. Am anderen Tag wurde die Bäckermaid gefunden. Der Kopf war abgeschlagen und der Hut fehlte. An der Stelle, wo man das Mädchen fand steht ein alter Gedenkstein. Die Mörder wurden nie gefasst und die beiden Reiter nie mehr gesehen- so der Volksglaube.

Weiter gings auf labyrintischen Wegen, bei dem der eine oder andere schon einmal den Überblick verlor. Gut nur, dass Wanderführer Armbruster sich hier bestens auskennt. Einige Wege waren unzugänglich und die Teilnehmer wurden in eine richtige Auenlandschaft versetzt. Die Allmend sah im 18. Jahrhundert so aus – sie war deshalb nur schwer zugänglich und wurde entwässert. Weil der Grundwasserspiegel sank, werden heute die ehemaligen Entwässerungskanäle als Bewässerung genutzt.

Im Namen des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde bedankten sich Helmut Schiemann und Beate Diezemann im Namen der Wandergruppe bei Kurt Armbruster für die gelungene Führung.

Helmut Schiemann

Bürgerblättle 239
August / September 2016
PDF (5.00 MB)

Jahreshauptversammlung 2016

Bericht aus Bürgerblättle 237, April 2016


Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung vom 17.3.2016 konnten zunächst eine Reihe von Mitgliedern für 25, 40 und 50 jährige Mitgliedschaft geehrt werden.

Für 25 Jahre Mitglied wurden geehrt die Herren Thomas Volkmer, Dr. Thomas Hammerich, Rolf Böttner, und Nicolai Bischler sowie Frau Leonie Thomä. Seit 40 Jahren sind Mitglied Herr Wilfried Klingelhöfer, Herr Harald Albiker und Frau Margot Busam. Für 50 Jahre Mitgliedschaft im Bürgerverein konnte der Vorsitzende die Herren Wolfgang Bischler, Edwin Kempter, Hans Blum und Rolf Abendschein ehren.

Für seine außerordentlichen Verdienste um die St. Thomas Kirche wurde Herrn Klaus Dages vom Vorsitzenden, Herrn Nicolai Bischler, eine Ehrenurkunde überreicht.

In seinem Rechenschaftsbericht ging Bischler zunächst auf die Schwerpunkte des Jahres 2015 ein. Das ZentrenAktivierungsKonzept (ZAK), die Bebauung der Tränkematten sowie der Erhalt des Obergrüns bildeten zusammen mit der Sanierung der St. Thomas Kirche und dem Kampf für die Wiedereröffnung des Freibades standen im Mittelpunkt.

Nicolai Bischler

Interviews als Rückblick auf die Landesgartenschau 1986

Über zwei Millionen Besucher, 178 Tage dauernde Ausstellung, ein neues Parkgelände, deren Gestaltung weit über die Grenzen Freiburgs hinaus Beachtung erhielt und als städteplanerische Grundlage für die weitere grüne Entwicklung im Freiburger Westen gilt. Am 18. April 1986 eröffnete der damalige Ministerpräsident und Schirmherr Lothar Späth die baden-württembergische Landesgartenschau in Freiburg. Es war die Basis für den heutigen Seepark rund um den Flückigersee, sicher der meistbesuchte Park Freiburgs.

30 Jahre nach der Ausstellung (also im Jahr 2016)  ist es der Redaktion des Bürgerblättle gelungen, Herrn Dr. Rolf Böhme als damaligem Oberbürgermeister, Herrn Bernhard Utz, seinerzeit Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer und Herrn Bernd Dallmann als damaligem Direktor der LGS, zu einem Kurzinterview für einen Rückblick zu gewinnen.

Beitrag aus Bürgerblättle Ausgabe 238 (Juni 2016) und 239 (Aug. 2016).


Alt-Oberbürgermeister, Dr. Rolf Böhme (Mai 2016)

Was war Ihnen damals in Ihrer Funktion als OB wichtig?

Die LGS war ein Schritt zur Stadtentwicklung im Freiburger Westen. Das Gelände war bis dahin eine Kiesgrube. Die LGS sollte diese Fläche zu einer attraktiven Garten- und Parklandschaft umgestalten. Diese Absicht passte in die damalige Stadtpolitik zum Abbau des sog. Ost-West-Gefälles. Die gewollte Aufwertung des Freiburger Westens ist mit der LGS und dem heutigen Seepark gelungen. Gleichzeitig sollte auch das gebaute Blumenhaus später ein Bürgerhaus im Seepark für die benachbarte Bürgerschaft werden. Heute spricht niemand mehr von einem Ost-West-Gefälle und der Seepark ist eine Bereicherung für die ganze Stadt.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Eröffnung der LGS war wunderschön, aber eigentlich war der Höhepunkt die ganze Reihe von laufenden Ereignissen wie Musik- Sport und Bürgerfesten, Blumenschaus und Besuchen von hochrangigen Gästen wie vom Ministerpräsident Späth oder Treffen mit unseren Partnerstädten und ihren Bürgermeistern. Die Veranstaltungen waren von der LGS mit den beteiligten Ämtern und benachbarten Bürgervereinen Betzenhausen-Bischofslinde und Mooswald bestens organisiert. Die Heiterkeit und gute Stimmung waren durchgehend. Auch im Rückblick bleibt die LGS eine gute Zeit und ein Prestigegewinn für die Stadt.

Was hat Sie damals beeindruckt ?

Die Akzeptanz und Besucherzahlen von der Bürgerschaft und vielen Gästen der LGS. Der Zuspruch, ja oft Begeisterung war immer wieder beeindruckend. Auch von unseren Gästen. So statteten alle Partnerstädte von Freiburg der LGS einen Besuch ab, ebenso die Zähringerstädte und Nachbarstädte vom Oberrhein. Eine Vertretung von Basel kam sogar mit dem Fahrrad. Und die Partnerstädte prägten die LGS auch mit, am deutlichsten die Japaner aus Matsuayma durch ihr Geschenk des Baus des Japanischen Gartens, der bis heute ein Juwel ist im Seepark.

Woran lag es, dass diese LGS – trotz des damaligen Supergaus Tschernobyl – ein nachhaltiger Erfolg wurde?

Die Zusammenarbeit aller Beteiligten war hervorragend. Die verantwortliche LGS arbeitete mit dem Bürgermeisteramt und den Gruppen vor Ort Hand in Hand, vor allem mit den Bürgervereinen. Jedes Wochenende wurden neue Events angeboten, auch das spätere Seenachtsfest im Seepark nahm damals seinen Anfang. Aber die Gestaltung des Seeparks selbst durch das Garten- und Planungsamt war ebenfalls optimal. Man schaue nur einmal noch heute vom Bürgerhaus Seepark in Richtung See und Achse Stadtmitte zum Münster und auf den Seiten die vielfachen kleinen Bauten am See, dann übergehend in eine Wohnbebauung – das Ganze war ein ganz großer Wurf!

Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Die LGS war vom Publikumsbesuch ein Volltreffer und hat die Lebensqualität der anliegenden Stadtteile mit dem heutigen Seepark wesentlich verbessert, zum Nutzen der dortigen Bürgerschaft, aber auch der
ganzen Stadt. Was bleibt nach 30 Jahren? Damals hieß es : Go West. Das gilt heute noch.


Interview mit Herrn Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (2016).

Herr Dallman, Sie waren damals Direktor der LGS, was waren Ihre Aufgaben vor –  und während  der dieser Zeit?

Meine Aufgaben begannen schon etwa anderthalb Jahre vor Beginn der LGS. Ich war mit meinen Mitarbeitern zuständig  für die Werbung, die Vermarktung, für das Marketing und besonders für die Organisation der zukünftigen Veranstaltungen. So habe ich z. B. viele Vereine in Stadt und Land, vom Bürgerverein, über Kleintierzuchtverein bis hin zum Briefmarkenverein besucht und dort über die künftige Gartenschau informiert und für den Besuch geworben. So haben wir dann in den 156 Tagen der LGS –  oftmals bis zu 20 verschiedene Veranstaltungen am Tag –  insgesamt waren es 3500 –durchführen können. Das waren Vorführungen, Modenschauen,  Musikveranstaltungen, die Hallenblumenschauen oder Ikebanavorführungen.

Was war in dieser Zeit der LGS für Sie besonders wichtig?

Die LGS  hatte ja eine „Funktion“ und eine „Aufgabe“:wiezeigen wir neue Natur, wie bekommen wir die Leute problemlos zu uns, wie zeigen wir den Besuchern aus „dem Ländle“, aus Frankreich oder der Schweiz den Weg zu uns, welchen Anreiz für eine Reise zur LGS geben wir ihnen?. So haben wir z, B.  Vereinen die uns besuchten, jeweils  zwei Personen freien Eintritt gewährt. Wir hatten auch ein ausgeklügeltes Busparkplatzsystem erarbeitet, die Mundpropaganda funktionierte.

Was waren für Sie – Herr Dallmann –  die HIghlights in dieser Zeit?

Wir hatten einen verhaltenen Vorverkauf an Dauereintrittskarten, nach Pfingsten zog dann der Verkauf von Dauerkarten an, es gab einen starken „Stimmungsumschwung“ bei den Besuchern, begünstigt auch durch das Wetter. Da war für mich dann ein Höhepunkt ein „Bad in der Menge“. Wenn ich mal so richtig gestresst war, habe ich mich an ein Kassenhäuschen gestellt und die „Menge“ der Leute an mir vorbeiziehen lassen: das war ein Highligh für mich. Es war auch  beeindruckend, dass  es nach dem schlimmen Unglück von Tschernobyl  kaum einen spürbaren Besucherrückgang gab. Wir haben mit intensiven Arbeiten die Leute überzeugen können, dass ein der Besuch der Anlagen ungefährlich ist. So haben wir u.a. alle Rasenflächen kurz gemäht und das Mähgut vernichtet, wir haben die Sandflächen ausgetauscht und die Wege z. T. erneuert. Die  Leute haben unsere Bemühungen mit ihrem Besuch belohnt.

Woran – glauben Sie –  lag es, dass diese LGS so einen nachhaltigen Erfolg hatte?

A und O war wohl die Auswahl, die Lage, die Urbarmachung des Kieswerkes mit dem schönen Hintergrund des Schwarzwaldes, und das Konzept des Geländes. Die Absicht der Planer und Gestalter war, eine Gartenanlage zu schaffen, die gut erreichbar war, freie Zugänglichkeiten bot und während der Schau in einem Rundgang alle Gestaltungsobjekte erreichbar machte. Die Besucher wollen nicht längere „Zwischenwege“ machen, um von einem „Projekt“ zum Anderen gehen zu müssen. Auch war der natürlich belassene See mit den verschiedenen Aus – und Einblicken und den hinzugefügten, reizvollen kleinen Bauten  und dem Pontonsteg ein besonderer Mittelpunkt.  Der Freiburger Westen brauchte solch einen Park und die Menschen nutzen ihn nun zu jeder Jahreszeit.

Welche Bilanz ziehen Sie heute – dreißig Jahre nach der Gartenschau?

Es ist ein wunderschönes Naherholungsgebiet geworden, es kein gibt keinen schöneren Park in Freiburg.

Herr Dallmann, es war sehr schön, mit Ihnen diese Erinnerungen noch einmal „nachgeholt“ zu haben, danke für das Gespräch.


Interview mit Herrn Bernhard Utz (2016)

Herr Utz, Sie waren zur Zeit der LGS  der Technische Direktor der Gartenschau, was waren da Ihre Aufgaben vor und während der LGS?

Für mich war es wichtig den Plan der Gartenarchitekten umzusetzen, das bisherige Kieswerkgelände  sowohl für die LGS, als auch für die Zukunft zu gestalten. Ich war  verantwortlich für die Durchführung  guter Arbeiten der verschiedenen Firmen um das „Brachland“ zum grünen und blühen zu bringen.

Besondere Aufmerksamkeit  musste ich für das  Kunstkonzept mit den verschiedensten Bauten, z.B. dem Tempelchen, dem Forsthaus, dem Eingangsbereich an der SGA, dem Turm oder der „Arche“  aufbringen.

Was war in diesen Monaten für Sie besonders wichtig?

In der Zeit der LGS geschah die große Katastrohe in Tschernobyl und es war meine Aufgabe, die Qualität der Anlagen genauestens zu prüfen, zu erhalten und den Besuchern unsere „Ersatz“- Arbeiten verständlich zu machen. Die Pflege der Blumenrabatten, besonders der Rosenbeete und der Einjahrespflanzungen, sowie der Stauden, lag mir sehr am Herzen. Von großer Bedeutung war auch die Vielseitigkeit der verschiedenen Hallenschauen.

Was waren für Sie persönliche Highlights, bzw. Höhepunkte?

Das waren u.a. die Begegnungen mit international anerkannten Künstlern und Architekten  z.B. der des „Tempelchen“, des „Forsthauses“ mit der Verwendung von heimischen Douglasienholz  oder auch dem Gestalter der „Stehle“. Auch die Anlage des „Mammutbaumwäldchens“, und die Anlage  der „Fähre“ über den See  waren besondere Höhepunkte.

Woran – glauben Sie – lag es, dass diese LGS solch einen großen und nachhaltigen Erfolg hatte?

Es war unser Konzept, einen Park für den Westen der Stadt mit einer guten und schnellen Anbindung an die Innenstadt zu schaffen. Dann war es auch die gute „Mischung“ von Wasser – Grün für Alle – Sport , Spiel und Schule mit der angrenzenden, sich ausweitenden  Bebauung zu schaffen. Dazu kam die neue, gute Anbindung an den ÖNPV und nicht zuletzt der wunderbare Hintergrund des Schwarzwaldes.

Welche Bilanz ziehen Sie heute nach 30 Jahren?

Entstanden ist ein Zukunftsträchtiger Park  in der Nähe der Stadt, mit seiner Bekanntheit über die Ländergrenzen hinweg. Wie wahr ist  der Spruch auf der Tafel an der „Stehle“ von Lina Ritter: “Worum trennt uns e Rhi? Ass mir zeige chenne, Wie me Brucke bäut”.

Vielen Dank, Herr Utz, für dieses Gespräch. Vielleicht treffen wir uns mal bei einem zufälligen Rundgang in unserem schönen Park.

 

Störche auf St. Thomas 2016

Bericht im Bürgerblättle 239 (Aug. 2016)


2-5-4…das nicht das neue Spielkonzept von Jogi Löw, nein, es gibt die Entwicklung der Storchenfamilie auf dem St. Thomas Turm wieder.

Zunächst waren da nur die 2 Brutstörche, die sich schnell entschieden ihr neues Heim auf dem frisch sanierten Turm samt Nest aufzuschlagen. Wie Storchenvater
Gustav Bickel mitteilt, waren die beiden schon 2015 auf dem St. Thomas-Nest. „Der eine ist auf dem Holzmast vom Mundenhof 2012 geboren, der andere auf dem Kirchturm in Märkt bei Lörrach 2013“, ergänzt Gustav Bickel.

Bald konnte man in Betzenhausen das Klappern der Störche deutlich hören und der Nachwuchs ließ auch nicht lange auf sich warten. Zunächst waren es drei Jungstörche, die Wind und Wetter trotzen und von Eltern gut versorgt werden konnten.

Am 11. Juni 2016 machte sich Gustav Bickel auf, um die 3 Jungstörche zu beringen, was ohne Probleme gelang. Doch es sollte nicht lange dauern, bis der jüngste
Jungstorch verstarb. Am 16. Juni musste Gustav Bickel noch einmal auf den Turm, um den zweiten toten Jungstorch zu bergen. Bei dieser Gelegenheit er hat
auch gleich das Nest gereinigt. Dies war dringend notwendig, da in Folge der starken Regenfälle das Wasser im Nest stand und nicht mehr abfloss. Die beiden verbleibenden Jungstörche entwickeln sich prächtig und starten schon mit den ersten Flugversuchen.

Flugdrohne stört Störche Leider wurde die Ruhe der Storchenfamilie durch eine ferngesteuerte Drohne gestört. Die Tiere werden durch diese doch lauten Fluggeräte verunsichert und geraten in Panik. „Storchennester sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Nist- und Brutstätten“, sagt Gustav Bickel und weist darauf hin, dass es nach Artenschutzgesetz und Naturschutzgesetz streng verboten ist mit Fluggeräten über Brut- und Nistplätze zu fliegen.

Dank an Spenderinnen und Spender Wir möchten uns an dieser Stelle bei den vielen Spenderinnen und Spendern bedanken, die das Projekt finanziell unterstützt haben. Zunächst wurden die Spenden für die Webcam und verschiedene technische Geräte, wie zum Beispiel den Router verwendet. Als nächste Aktion steht an, die Leitungen, die momentan noch recht lose im Kirchturm herumhängen, professionell zu versorgen. Ferner suchen wir noch einer Lösung, den Turmaufstieg (insbesondere zwischen den Glocken hindurch) durch das Anbringen einer Leiter etwas zu erleichtern und sicherer zu gestalten.

Wir freuen uns über weitere Spenden

Text: Nicolai Bischler, Fotos: webcam, Gustav Bickel


500 Jahre Bundschuh-Aufstand

Bericht zum Jubiläum im Bürgerblättle 219, April / Mai 2013


Gegen die Willkür der Obrig- oder Ehrbarkeit: Bundschuher wollten keine Herren außer Papst, Kaiser und Gott

Thomas Hammerich, Vorsitzender des Kultur- und Geschichtskreises, eröffnete den Festakt zum 500-jährigen Bundschuhjubiläum. Bernhard Schätzle, Ortsvorsteher aus Lehen begrüßte die Ehrengäste: Neben Oberbürgermeister Dieter Salomon und mehreren Stadträt(inn) en war eine Delegation aus Untergrombach angereist, der Heimat von Jos Fritz. Die Ehre gaben sich auch Prof. Horst Buszello (Vortrag am 16.3.) und Prof. Masahisa Deguchi aus Japan sowie der Politologe und Soziologe Thomas Adam, der den Festvortrag »Für Freiheit und Gerechtigkeit, Jos Fritz und der Bundschuh im Breisgau 1513«  übernommen hatte. Zum musikalischen Auftakt bot Dirigent Wilhelm Schmid mit seinen Lehener Musikern die Sätze »basse danse« und »saltarello« eines Komponisten aus dem 16. Jahrhundert.

OB Salomon war gekommen, um das Andenken an die Freiheitskämpfer des Bundschuh hochzuhalten. Das von Jos Fritz und seiner Bauernbewegung auf der Hartmatte zwischen Lehen und Betzenhausen propagierte freiheitliche Gedankengut habe sich bis in die heutige Zeit fortgepflanzt und in den Bauernkriegen und der Revolution von 1848 erste Höhepunkte erreicht. Die Bundschuher hätten jedoch die bestehende Ordnung nicht in Frage gestellt, sie kämpften vor allem gegen die Willkür der Obrigkeit aus Adel und Geistlichen.

Bernhard Schätzle verglich Jos Fritz mit Robin Hood, von Zeitgenossen »teuflischer Eingebungen« geziehen worden, später aber sehr geachtet. Er habe lediglich Minimalforderungen an die Obrigkeit gestellt. Dazu gehörten unter anderem, dass »Vögel, Fische, Wald und Holz« den Armen und Reichen gleichermaßen gehören sollten. Gleichzeitig dankte Bernhard Schätzle den vielen engagierten Bürgern aus Lehen und Betzenhausen, die es ermöglichen, das Bundschuhjahr so vielfältig und ideenreich zu gestalten.

Der Projektchor, gebildet aus Sänger(inne)n der Lehener und Betzenhausener Chöre, erfreute mit einem Madrigal unter der Leitung von Bernhard Moncado.

Den Festvortrag hielt Thomas Adam, Autor des neu bearbeiteten Buches »Jos Fritz, das verborgene Feuer der Revolution«. Er gilt als einer der besten Kenner der Materie. Die meisten Bauern gehörten, obwohl es auch arme Tagelöhner gab, der Mittelschicht an. Sie waren zugleich die größte Bevölkerungsgruppe der damaligen Zeit, jedoch von allen wichtigen Rechten und sozialem Aufstieg ausgeschlossen.

Durch viel zu hohe Zinslasten sei der Abstieg zum Bettler ständige Drohung gewesen. Für die damals aufstrebenden Juristen waren die Bauern leichte Beute. Die Geschehnisse des Bundschuh, so betonte Adam, hätten zu Recht ihren Niederschlag in den Geschichtsbüchern gefunden. Freiheit und Gerechtigkeit hätten eine zentrale Rolle gespielt. Gerade diese Forderung seien der Grund, weshalb man sich an Jos Fritz erinnere. Darin läge auch das Potential für den Anstoß zum Nachdenken. Der Bundschuh gehöre zur deutschen Freiheitsbewegung.

Dem Referenten wurde für seinen temperamentvollen Vortrag mit tosendem Beifall gedankt. Der Bundschuh von 1513 scheiterte, so ergänzte Thomas Hammerich, und endete mit Todesurteilen für die Bauern. Rechne man die Bauernkriege dazu, so müsse man wohl 50 000 tote Bauern beklagen. Dennoch sei bei der Regierung die Angst vor einer Empörung des Volkes umgegangen und man habe sich deshalb zu pragmatischem Umgang mit dem »gemeinen Mann« gezwungen gesehen. Aus Furcht vor neuen Bundschuhaufständen warnten die Reichsstände deshalb vor einer Bekämpfung Martin Luthers.

Zum Schluss dankte Hammerich herzlich den vielen Helfer(inne)n für den gelungenen Festabend. Den musikalischen Schlusspunkt setzte gewohnt hervorragend die Orchestergemeinschaft Seepark unter der Leitung von Michael Schönstein. Danach konnten sich die Besucher im Foyer an der Moritat des Jos Fritz, vorgetragen vom Wilden Haufen Betzenhausen, erfreuen oder sich ein Exemplar des Jos-Fritz-Buches von Thomas Adam signieren lassen. Dazu wurde eine sehr informative  Ausstellung über die gesamte Bundschuhbewegung im Breisgau gezeigt, die ein Team des Kultur- und Geschichtskreises unter Leitung von Dr. Thomas Hammerich erarbeitet hatte. Sage und schreibe 1.500 Kanapees, Bundschuhbier in Bundschuhkrügen, weitere Getränke aller Art und Hefezopf standen für die Gäste bereit. Noch lange wurde in kleinen Gruppen gefeiert, diskutiert oder man ließ den gelungenen Festabend nochmals Revue passieren.

„„Text: Harald Albiker, Fotos: Stefan Grugel


Ausführliche Informationen zur Jubiläumsausstellung gibt es auf der Internet-Seite des Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen. Dort zur finden sind insbesondere diverse Tafeln, die während der Ausstellung im Jahr 2013 das Geschehen von 1513 beschrieben: siehe Der Bundschuh im Breisgau 1513 (PDF). Im Jahr darauf wurden unter dem Titel Das Narrenschiff vom Bundschuh (PDF) weitere Tafeln ergänzt, um den Zusammenhang auf den “Bundschuh zu Lehen und seine literarischen Folgen 1513/14” hinzuweisen (insbesondere gedacht als Unterrichtsmaterial).