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Geschichte der Gaskugel

Die Gaskugel gehört zum Stadtbild von Freiburg; es ist ein Wahrzeichen von Betzenhausen bzw. des gesamten Freiburger Westens. Zitat Joachim Röderer (BZ): „Wenn man nach Urlaubsreisen und langer Rückfahrt heimkehrt, ist man gefühlt erst dann wirklich wieder zurück in Freiburg, wenn man die Gaskugel passiert hat.“

Bauphase der Gaskugel

Foto: Hugo Beyer, ©Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Außenstelle Südbaden

Anfang der 1960-er Jahre sah die Stadt Freiburg, dass der Übergang zum Gas als Energie-Träger ein gewisses Speichervolumen vorort erfordert. Das Gas selbst kam ja durch überregionale Druckleitungen vom Rheintal nach Freiburg: insofern schien das heutige Gelände an der Dreisam ideal für den Zwischenspeicher. Allerdings war das Gebiet eigentlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen: also gab es kurzfristig Anpassung im Gemeinderat.  Schon aus diesem Grunde fühlten sich die Betzenhausener überrumpelt von den Planungen der Stadt. Auch der damalige Ortsverein Betzenhausen als Vorgänger des Bürgervereins war wenig begeistert.

Vor allem gab es auch Ängste, welche Gefahren von diesem „Ungetüm“ ausgehen könnten: in Zeiten des kalten Krieges waren es vor allem die Auswirkungen eines Bombenangriffs, die man fürchtete. Folglich galt es als „Zumutung, dass die Bewohner von Betzenhausen den Gasgeruch einatmen oder in einem Katastrophenfall elendiglich zugrunden gehen müssen“.

Aber am Ende wurde doch gebaut. Zum Bild rechts: „Die untere Kugelkalotte ist gesetzt, der erste Großring schon fast fertig. Mit der damals üblichen Auslegervorrichtung und im Zusammenwirken mit einem Hochkran werden die zuvor am Boden zusammengeschweißten Doppelblechsegmente hochgezogen und zum Schweißen angepasst. Auf der Innenseite befinden sich an jedem Teil zwei der Rundung entsprechende Haltestangen, die das Einpassen erleichtern.“ (Text: R. Funk, Jan. 2021)

Im Oktober 1964 dann die Einweihung durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel: er taufte das Bauwerk auf den Namen „Gaskugel Freiburg“.

Die Windrose auf der Gaskugel stammt von Aiga Müller und ist Ergebnis eines Wettbewerbs aus den frühen 1980er Jahren: immer wieder eine gute Gelegenheit um die Himmelsrichtungen mit dem eigenen Eindruck abzugleichen (ist da wirklich Norden…). Möglicherweise ist es der größte “Kompass” der Welt.

Technische Merkmale: die Kugel hat eine Spannweite von 32 Metern, die Aussenwand ist 3 cm dick. Das Bauwerk ist insgesamt 35 Meter hoch und kann 20.000 m3 Gas aufnehmen. Direkt neben der Gaskugel ist ein Übergabestation, welche u.a. den Gasdruck so absenkt, wie es für Lieferung an Endverbraucher (z.B. Haus-Gasheizung) erforderlich ist.

Weitere Hintergründe und Bilder, insbesondere auch zum Bau, beschreibt Nico Bischler in der Festschrift zu „100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908 – 2008“ (siehe www.kuge-freiburg.de/gaskugel-betzenhausen)

Betrieb über 54 Jahre

Die Gaskugel heute

Sowohl der Gasspeicher (die sichtbare Kugel) als auch die Gasdruckregelanlage fielen unter den Anwendungsbereich der Störfallverordnung, regelmäßigen Prüfungen durch technische Sachverständige waren also vorgeschrieben (in diesem Fall TÜV Süd). Für Details siehe zugehörige Sicherheitshinweise von bnNETZE für die Anwohner (dort aufgeführt sind auch viele techn. Hintergründe).

Aber die Kugel (bzw. das enthaltene Gas) wurde in dieser Zeit von den Anwohner sicher nicht als ständige Gefahr betrachtet. Eine ersten Rückblick auf die Gaskugel als Wahrzeichen in Betzenhausen hatten wir schon im Bürgerblättle 166 (Okt. 2003): da hatte die Gaskugel ihr 40 jähriges Bestehen. Es konnte dort sogar gefeiert werden, zuletzt im Okt. 2017 bei einem Familiennachmittag mit Infos zur Anlage und Führungen. Wer Lust hatte, durfte per Hubsteiger sogar von oben einen Blick auf die fast 40 Meter hohe Kugel werfen (siehe Bericht „Gaskugel zum Anfassen“ im Bürgerblättle 246 mit historischen Bildern zum Bau).

Betriebsende Juli 2019

Im Juli 2019 das Betriebsende: die Bedeutung als Reservespeicher für Freiburg war im Laufe der Jahre immer weiter zurück gegangen, da Erdgasnetze heute überregional miteinander verbunden sind und darüber auch Spitzen abgefangen werden. Die Menge an Gas in der Kugel wäre im Bedarfsfall in weniger Stunden aufgebraucht worden (stattdessen nutzt man heute Gasreserven in grossen, unterirdischen Lagern). Letztendlich war ein wirtschaftlicher Betrieb laut Badenova Tochter bnNETZE nicht mehr gegeben.

Gas ist also zukünftig dort nicht mehr gespeichert. Die Gasdruck-Regel- und Messanlage im Gebäude neben der Kugel bleibt aber erhalten und wird in diesem Zuge erneuert (ab 2020).

Laut Perspektivplan liegt die Gaskugel in einer Entwicklungsfläche J, die nur für Sport, Gärtnern und Naherholung vorgesehen ist. Im Umfeld gibt es Schrebergärten und die letzten Streuobstwiesen von Betzenhausen.

Seit Dezember 2019 steht die Gaskugel als Industrie-Wahrzeichen unter Denkmalschutz.

Die Zukunft der Gaskugel

Im Jan. 2021 mit einer besonderen Mütze

Gleich nach Betriebsende hat sich in Betzenhausen eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der Gaskugel einsetzt (beteiligt sind u.a. der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., der Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.). Innerhalb kürzester Zeit fanden sich viele Unterstützer für die Initiative; siehe www.gaskugel-freiburg.de.

Ziel: „Wir wollen die Gaskugel als Industriedenkmal erhalten, sie aber nicht einfach leer stehen lassen, sondern neu nutzen“, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins, Beate Diezemann. Die drei Institutionen haben einen Arbeitskreis gegründet und ein „sanftes“ Nutzungskonzept entwickelt, wie sie erläutert. Es sieht vor, dass die Gaskugel als solche erhalten bleibt, ebenso der Park mit dem alten Baumbestand. „Wir wünschen uns hier einen lebendigen Treffpunkt für alle Freiburger/innen, mit einem Gartencafé, das an die Kugel angedockt werden könnte.“

Ein solcher Treffpunkt fehlt bislang im Freiburger Westen, obwohl die Gaskugel inmitten des beliebten Naherholungsgebietes an der Dreisam und gegenüber dem Dietenbachsee liegt. Hier führen gleich drei überregionale Radwege vorbei. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich ein niedrigschwelliges und familienfreundliches Gartencafé, das zur Dreisam hin ausgerichtet ist und v. a. Spaziergänger/innen und Fahrradfahrer/innen anlocken soll. Schließlich befindet sich die Gaskugel an der Schnittstelle von vier Stadtteilen und ist von diesen fußläufig zu erreichen: Sie steht im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde, grenzt im Norden an Lehen, im Westen an Rieselfeld bzw. den neuen Stadtteil Dietenbach und im Süden an Weingarten.

„Die Kugel ist in ihrer einmaligen Lage, mit ihrer markanten Form, ihrer Größe und ihrer Geschichte für ein Ausflugsziel geradezu prädestiniert“, resümiert die Kunsthistorikerin Dr. Heike Piehler, die das Konzept verfasst hat. „Aber es wäre bedauerlich, ein solch grandioses Kugel-Bauwerk nicht auch von innen erleben zu können. Wir würden sie gern zugänglich machen, zumindest für kleinere Besuchergruppen und zu Zeiten, in denen es klimatisch möglich ist.“ Gedacht ist an ein möglichst pures Raumerlebnis, mit Licht- und Toninszenierungen und verschiedenen kleineren Veranstaltungsformaten, die dem besonderen Raum Rechnung tragen können. Denn in der Kugel eröffnet sich eine spektakuläre Klangwelt mit einer einzigartigen Akustik – ganz ohne technische Ausstattung.

Über den aktuellen Stand zu diesem Projekt berichten wir hier.

 

10-Jahre St. Gallus-Rundweg in Teningen-Heimbach

Der St. Gallus-Rundweg wird 10-Jahre jung: bei der Jubiläumsveranstaltung am Sonntag, 8. Sept. 2019, waren auch Vertreter des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde dabei (eingeladen vom Geschichts- und Bürgerverein Heimbach e.V.).

Konzipiert wurde der Wanderweg anlässlich des Dorfjubiläums „1250 Jahre Heimbach“ mit Eröffnung im Okt. 2009. Die Wegführung bietet die schönsten Ein- und Ausblicke in die Landschaften des Schwarzwaldes, der Vogesen und des Kaiserstuhls (siehe Infos unten).

Leider war das Wetter nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Trotzdem waren einige Wanderer dabei, um unter der Leitung von Werner Kunkler einen Teil der Rundweg zu gehen. Start war am Alten Schlossplatz in Heimbach, vorbei am Steinbruch, Galgen und Auswandererstein.

Zur eigentlich geplanten ausführlichen Steinbruchführung mit Vorführung historischer Werkzeuge kam es aufgrund des Wetters dann nicht mehr (Wanderstrecke: ca. 2,5 km
, Wanderzeit: ca. 2,5 h, Wander- und Steinbruchführer: Werner Hänsle u. Siegfried Lehr)

Wir bedanken uns ganz herzlich für die Bewirtung durch den
 Geschichts- & Bürgerverein Heimbach e.V. auf dem Alten Schlossplatz. Hier der Flyer 10 Jahr Gallus-Rundweg zur Veranstaltung mit weiteren Details.

Trotz Regen an diesem Tag bleibt die Erkenntnis: der Gallus Rundweg Heimbach ist wunderschön und abwechslungsreich. Also einfach mal für den nächsten Wanderausflug in Betracht ziehen!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Christa Götz, der Vorsitzenden Geschichts- und Bürgerverein Heimbach e.V. (zur finden z.B. auf Facebook).


Mit dem St. Gallus-Rundweg ist nicht nur Heimbach im Jahr 2009 um eine touristische Attraktion reicher geworden, sondern auch der Naherholungswert erfuhr einen gehörigen Wertzuwachs.

Am Anfang stand die Idee des Bürgervereinsvorsitzenden Werner Schulz, etwas zu schaffen, das an die 1.250-Jahr-Feier im Jahr 2009 erinnert. Das Ergebnis ist ein interessant gestalteter Rundwanderweg, der dem ambitionierten Wanderer ebenso Entfaltungsmöglichkeiten bietet wie dem Gelegenheitswanderer. Der gelungene Spagat zwischen Naturerlebnis und Landschaftsschutz findet zudem bei den Fachgremien hohe Anerkennung.

Der fast 14 Kilometer lange Rundwanderweg soll dem Wanderfreund Geschichte, Natur und Landschaft von Heimbach näher bringen. Weitere Infos dazu es z.B. auch auf wwww.schwarzwald-panoramastrasse.de und bei www.outdooractive.com .

 


 

Die Verkehrsanbindung Betzenhausen – Freiburg

In die Strassenbahn einsteigen und 10 Minuten später in der Innenstadt von Freiburg: so ist es heute. Da vergisst man leicht, wie beschwerlich die ca. 5 km zwischen Alt-Betzenhausen und dem historischen Freiburg doch in früheren Zeiten warer. Um so verständlicher, dass die Verkehrsanbindung ein elementarer Teil des Eingemeindungsvertrags von 1908 wurde. Sogar die Stassenbahn war dabei schon erwähnt: die ersten Gleise waren wenige Jahre vorher in Freiburg verlegt worden.

War doch u.a. der Markt in Freiburg von großer Bedeutung, auf dem Betzenhausener Landwirte mehrmals in der Woche vertreten waren. Bis dahin war es ein Weg zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferde-Karren über die damalige „Lehener Strasse“. In Erinnerung an diese alten Zeiten übernahm der Kultur und Geschichtskreis Betzenhausen im Herbst 2020 die Patenschaft für einen Marktkarren im Ausgustinermuseum, der noch bis 1954 zum Münsterplatz gezogen wurde.

Bus und Strassenbahn

Bei dem genannten Hintergrund war die Verkehrsanbindung nach Freiburg auch für den 1910 gegründeten Lokalverein von Betzenhausen ein besonderes Anliegen. Im September 1925 wurde zumindest schon mal eine direkte Busverbindung erreicht. Das klappte 20 Jahre gut, am Ende des Krieges brach die Linie aber zeitweise zusammen (vor allem wegen Kraftstoff-Mangel). Ab 1948 wurde eine geänderte Linie eingeführt, die im Ringverkehr über verschiedene Stationen im Westen fuhr (u.a. Hofackerstrasse); einige Jahre später wurden daraus wieder zwei getrennte Linien für Mooswald und Betzenhausen.

Erst im Jahr 1978 begannen die Bauarbeiten für eine Strassenbahnverbindung von der Paduaallee in die Innenstadt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee. Die Eröffnung am 9. Dez. 1983 war ein großes Fest: der Vorstand des Bürgervereins erschien in Kleidung der Jahrhundertwende und Spruchband: „Schon 1908 versprochen, heut‘ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn fährt nach Westen, ist das nicht wunderbar!“. Heute ist es die am meisten genutzte Linie der VAG. Davor lag ein langer Weg und so manche zwischenzeitliche Planungsidee wirkt heute eher skurril, z.B. zur Querung des Bahnhofs mittels Tunnel oder Hochbahn. Schon 1980 – also während der Umsetzungsphase – gab es im Bürgerblättle eine Artikelserie zur Entwicklung dieser Stadtbahn in den Westen.

Im Juni 1985 wurde dann auch die Verlängerung der Linie 1 nach Landwasser fertiggestellt. Gleichzeitig ging die Wendeschleife Bissierstrasse in Betrieb zur Anbindung des „Behördenzentrums“ an der Berliner Allee (incl. Park&Ride); ein Kreuzungspunkt auch für mehrere Buslinien.

Hier sei noch etwas kurioses erwähnt: Ende 1960er Jahre hatte man viel Phantasie bzg. zuküftiger Verkehrssysteme und so stand kurzzeitig auch ein sog. CAT zur Diskussion; ein Kabinentaxisystem, bei dem kleine Kabinen für bis zu 4 Personen über der Straße schweben sollten (einwenig Wuppertaler Schwebebahn also in Freiburg). Insbesondere angedacht auch als Verbindung in den Westen. Es  blieb bei einer Studie, am Ende wurde es die bekannte Straßenbahn über die Sundgauallee.

Die Sundgauallee

Die historische Lehener Strasse war zentrales Element der Ost-/West-Verbindung und führte von Freiburg bis nach Lehen (was der Strassen-Name ja auch nahelegt). Das Dorf Betzenhausen befand sich an der Kreuzung von Lehener Strasse und Dietenbachstrasse (letztere also wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung).  Wer direkt den Unterschied zwischen 1929 und heute sehen möchte: Joachim Scheck von Vistatour History Tour hat zwei Bilder übereinander gelegt (siehe hier).

Bereits Ende der 1920-er Jahren war insbesondere die Lehener Straße so stark befahren, das ein Verbreiterung in Angriff genommen wurde. Umgesetzt wurde diese Verbreiterung in den frühen 30er-Jahren. Nebenbei: auch damals wurde schon ein starkes Fahrrad-Aufkommen festgestellt. Folglich hat man auch damals schon Radwege beidseitig der Lehener Str. vorgesehen.

Mit der Bombennacht von 1944 wurde das Ortszentrum von Betzenhausen mit vielen der damaligen Gebäude zerstört. Ein Wiederaufbau von Betzenhausen ensprechend früherem Bestand war nicht vorgesehen: vielmehr bot der neue „Freiraum“ jetzt der Stadt Freiburg die Gelegenheit, über eine neue, „fortschrittliche“ Gestaltung nachzudenken. Und die sollte natürlich großzügig gedacht und Auto-orientiert sein. Dieses Neu-Denken führte letztendlich zu der Sundgauallee, wie wir sie heute kennen und deren Breite (ca. 30 m) heute als ein stark trennendes Element im Stadtteil empfunden wird. In gewisser Weise hat also die Kriegs-Zerstörung von Betzenhausen die heutige Situation erst erlaubt, wobei allerdings auch Gebäude, die den Krieg überstanden hatten, jetzt ein Opfer der neuen Planung wurde und geräumt werden mussten.

Die in der anfänglichen Planung der 1960er Jahre erwarteten Verkehrszahlen für die Sundgauallee wurden nie erreicht, was letztendlich auch durch die parallel entstandenen Planungen für den Zubringer Mitte begründet ist. Als ursprüngliche Bundesstraße B 31 sollte die Sundgauallee eine leistungsfähige Verbindung zwischen Freiburg und Breisach sicher stellen und dabei gleichzeitig für einen Anschluss an die Autobahn sorgen: der so geplante Ausbau der Sundgauallee wurde auch dann noch weitergeführt, als nicht viel später die Verlegung der B 31 an die Dreisam auf den Tisch kam.

An den Rändern der Sundgauallee entstand ab der 1960-er Jahre der neue Bezirk Bischofslinde. Parallel sollte am westlichen Ende auch das dörflichen Alt-Betzenhausen ein städtisches Flair erhalten: Hochhäuser sollten für eine attraktive Urbanität sorgen mit der Sundgauallee als „Boulevard des Westens“. Wie viel kleinstädtischer es vorher noch zuging, zeigt ein Titelbild des Bürgerblättle (Ausgabe 203) mit Vergleich von Bildern aus dem Jahr 1973 und 2010: die beiden Häuser im unteren Bild von 1973 würden heute auf der Mittel-Trasse der Stassenbahn stehen.

Ca. ab dem Jahr 2000 enstanden erste Ideen für eine Auffrischung der Sundgauallee bzw. einem Rückbau der breiten Fahrbahn zugunsten von Rad-/Fußwegen. Eine Anpassung an den wirklichen Bedarf; vor allem auch mit der Ziel einer verbesserten Aufenthaltsqualität. Ein neues Einkaufszentrum (Brielmann-Gelände) in unmittelbarer Nähe gab zusätzlichen Anschub für diese Ideen. Daraus wurde das ZAK = ZentrenAktivierungsKonzept. Erste Umbaumaßnahmen erfolgten ab 2012 auf dem Platz am Bischofskreuz und danach an der westlichen Sundgau mit Haltestelle Betzenhauser Torplatz.

Eine Episode: das „Esso Motor Hotel“ (Motel)

Die Sundgauallee also neue zentrale Verbindung von Freiburg in den Westen (und damit z.B. auch zur Autobahn) lockte Mitte der 1960er-Jahre auch Esso an diese Strasse. Die Tankstelle gibt es noch heute, anfangs war sie sogar auf beiden Seiten der Strasse zu finden (heute sind dort StuSie-Gebäude). Und anfangs wurde im Gebäude neben der heutigen Tankstelle zusätzlich ein „Esso Motor Hotel“ betrieben, von denen es insgesamt nur drei Deutschland gab. Für etwa 10 Jahre war es auch ein beliebtes Restaurant im Stadtteil. Ausführliche Infos zum Konzept der Esso Motor Hotels sind auch in Wikipedia zu finden.

Zumindest einmal (im Jahre 1970) waren dort prominente Fußballer zu Gast: die Bundesliga-Mannschaft des SF Schalke 04. Anlass war ein Spiel gegen die Kicker von Eintracht Freiburg. Zufällig oder nicht: es war 50 Jahre nach Gründung der ersten Fußballmannschaft in Betzenhausen und natürlich war ein Großereignis für die Eintracht. Einige Namen der Schalke-Spieler dürften heute noch bekannt sein: Rolf Rüssmann, Torwart Norbert Nigbur, oder die Kremers-Zwillinge. Trainiert wurde die Mannschaft damals von Trainer-Legende Rudi Gutendorf. Ein Ergebnis hatte das Spiel auch: 5:2 für Schalke; die Eintracht hat sich also durchaus wacker gehalten (siehe auch Beitrag zu  100 Jahre Vereinsfussball in Betzenhausen).

Das betroffene Gebäude an der Tankstelle kennen wir heute als Ärztehaus und Verwaltungsgebäude.

Dietenbachstrasse und Paduaallee (Westrandstrasse)

Freiburg bildete historisch schon immer den Knotenpunkt zwei wichtiger Verbindungen: zum einen die Ost-West-Route als Verbindung vom Schwarzwald in Richtung Frankreich; zum anderen die Nord-Süd-Verbindung zwischen Karlsruhe und Basel am Rand des Schwarzwaldes bzw. entlang des Rheins. Ein wichtiger Teil der Nord-Süd-Verbindung war früher die Dietenbachstrasse. In den 1960-er Jahren wurde klar, dass mit wachsendem Verkehr eine großzügige West-Umgehung erforderlich wird (heute die Verbindung zwischen Gundelfingen und St. Georgen).  Das Projekt „Westrandstraße“ wurde geboren; im Jahr 1962 genehmigte der Gemeinderat den ersten Abschnitt mit Bau der Mooswaldallee.

Foto: Stadt Freiburg

Für den heutigen Teil der Paduaallee zwischen Betzenhausen und Lehen wurde anfangs eine abenteuerliche Lösung vorgeschlagen und im Jahr 1971 sogar vom Gemeinderat 1971 knapper Mehrheit gebilligt: die Paduaallee sollte auf einer Art Damm verlaufen mit fast 8 Metern Höhe und über 50 Meter Breite. Beginnen sollte der Damm bei Querung der Breisacher Bahn im benachbarten Mooswahl, auslaufen sollte er nach Überquerung der Dreisam. Der Anschluss an Betzenhausen, Lehen und die Sundgauallee wäre Autobahn-ähnlich gewesen mit einer Strassenführung bis fast vor die St. Thomas Kirche. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative mit Bürgern beteiligter Stadtteile (gegründet vom Ortsverein Betzenhausen), denn dieses Vorhaben hätte die Stadtteile im Westen – insbesondere Betzenhausen und Lehen – wie ein Mauer getrennt. Die Bedrohung durch eine „2. Berliner Mauer“ wurde ausdrücklich angeführt.

Aus dieser Initiative entstand der Gegenvorschlag mit einer tiefergelegten Paduaallee, wie wir sie heute kennen: persönliche Verbindungen zur Landesregierung in Stuttgart waren in diesem Fall hilfreich; dort konnte man überzeugen! Zuschüsse machten schon bald den Weg frei für den Vorschlag der Bürgerinitiative. Letztendlich stimmte ein Jahr später auch der Freiburger Gemeinderat zu. Ähnliche Varianten waren vorher aus Kostengründen verworfen worden. So konnte der Damm als große „Mauer“ zwischen Betzenhausen und Lehen von aktiven Bürgern vermieden werden!

Doch der Bau der Gesamtverbindung brauchte seine Zeit: zwischenzeitlich musste immer mehr Verkehr in unfertigen Abschnitten über die vorhandenen Strassen geleitet werden; das waren insbesondere die Hofacker- und Dietenbachstraße. Sehr zum Leidwesen der Anwohner dort: am Ende der Dietenbachstraße ging es zunächst einspurige über die alte Dreisambrücke nach Weingarten und eine Ampel regelte den Verkehr. Natürlich waren lange Staus bis zurück zur Sundgauallee die Folge: so wurden im Jahr 1970 auf der Dietenbachstraße an einem Tag erst 4.700 Fahrzeuge (incl. LKW) gezählt; 10 Jahre später waren es schon unglaubliche 12.300 Fahrzeuge (an einem Tag!).  Mit wachsendem Verkehr installierte man temporär eine Zusatzbrücke über die Dreisam, so dass der Verkehr hier zumindest in beide Richtungen laufen konnte. Mit Weiterbau der Weststrasse kam dann endlich Endspannung: 1982 konnte die Dietenbachstraße endlich für den Durchgangsverkehr gesperrt werden (ein wichtiges Anliegen für den damaligen Bürgerverein).

Die heutige vierspurige Brücke zur Überquerung der Dreisam als Teil der Paduaallee wurde 1988 fertiggestellt. Die Westrandstrasse konnte den wachsenden Verkehr aufnehmen und sie brachte natürlich auch Entlastung für innerstädtische Strecken (Rückbau der Eschholzstraße, die auch schon mal 4-spurig war). Mehr zur dazu siehe unser Beitrag Westrandstrasse (Paduaallee).

Treffpunkt Familienbildung

Die Initiative ist regelmäßig mit Berichten und Terminen im Bürgerblättle vertreten (z.B. Ausgabe 257, Aug. 2019).


Treffpunkt Familienbildung: Kinder und Familien im Stadtteil

Die Initiative „Treffpunkt Familienbildung“ in Betzenhausen-Bischofslinde wurde im Sommer 2017 vom Förderverein der Matthäusgemeinde (Diakonieverein) gestartet. Kooperationspartner sind die Kindertagesstätten im Stadtteil, das Evangelische Jugendwerk und das Jugendzentrum Chummy (beide Sundgauallee 31) sowie das Diakonische Werk, die Psychologische Beratungsstelle und die Erwachsenenbildung (EEB) der Evangelischen Kirche in Freiburg.

„Treffpunkt Familienbildung“ will Eltern von Anfang an bei der Erziehung und im Familienleben stärken / unterstützen / begleiten / beraten. Einige Stichworte und Beispiele zu Themen:

Elternkurs / PEKiP®-Kurs (Prager-Eltern-Kind-Programm): Diese Kurse sind für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr gedacht. Ziel der Kurse ist es, Eltern und Babys im Prozess des Zueinanderfindens zu unterstützen.

Kochen mit Kindern: „An die Töpfe, fertig, los!“ : Kochen mit Kindern macht Spaß. Mit kindgerechten Rezepten werden auch die Kleinsten großartige Köche. Bei unserem Workshop wird von Eltern und Kindern gemeinsam ein leckeres Essen aus frischen Zutaten zubereitet. Besonders wichtig: Die Zutaten kommen aus der Region und sind typisch für die Jahreszeit. Wir essen gemeinsam.

Mit-Mach-Garten „MiMa“ mit Café: Ein Urban-Gardening-Projekt auf dem Matthäusgelände. Kooperation der evangelischen Matthäusgemeinde mit dem Kinder- und Jugendzentrum Chummy und dem Matthäus-Kindergarten. Alle sind willkommen! Wir treffen uns zweimal im Monat, donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Leitung: Benjamin Beck (Natur- und Erlebnispädagoge).

FuN – Familie und Nachbarschaft: eine gemeinsame Familienzeit für 8–10 Familien. Alle Familienmitglieder sind herzlich willkommen!

Starke Eltern – Starke Kinder: Mehr Freude und weniger Stress im Alltag.

Darüber hinaus gibt es Vater-Kind-Events wie Bogenschiessen und Ralleys, Vorträge, Workshops u.v.m.

Das Jahresprogramm ist im Internet zu finden unter www.familienbildung-freiburg.de (oder Bestellung über Telefon 27 66 42).

Veranstaltungsort ist das Gemeindezentrum Matthäus (Sundgauallee 31).

 

Geschichte zum Bezirk Bischofslinde

Vorgeschichte

Der Bezirk Bischofslinde lag schon früher auf den Gemarkungsgrenzen des Dorfes Betzenhausen.

Auf diesem Gelände fand 1299 ein bemerkenswertes Gefecht statt, das für die gesamte Entwicklung von Freiburg wichtig sein dürfte: Der kriegerische Bischof von Straßburg (Konrad von Lichtenberg) wurde in dieser Schlacht durch einen Freiburger Metzger names Hauri verletzt wurde und starb kurze Zeit später daran. Die beteiligten Soldaten stellten darauf den Kampf ein, so dass mit dem Tod des Bischofs auch die Schlacht um Freiburg beendet war. Zum Gedenken an dieses besondere Ereignis wurde ein Steinkreuz/Sühnekreuz aufgestellt (das Bischofskreuz), neben dem über Jahrhunderte eine Linde wuchs (folglich Bischofslinde genannt). Für weitere Hintergründe siehe Das Bischofskreuz und seine Geschichte.

An die Bürger von Freiburg, die ihre Stadt damals so tapfer verteidigt hatten, wurde offensichtlich weniger gedacht oder zumindest nicht direkt. Indirekt wurde das Bischofskreuz auch zum Zeichen wachsender Eigenständigkeit städtischer Gemeinschaften (z.B. über die Zünfte) als Gegenpol zu den Adligen jener Zeit.  Mit der gewonnen Schlacht gab es erst mal Ruhe: allerdings mussten die zugehörigen Betzenhausener Felder im weiteren Verlauf der Geschichte noch häufiger als Aufmarschgebiet herhalten.

Andererseits war der „Schotterboden“ auch nicht besonders fruchtbar: so wurden mit zunehmender Bautätigkeit in Freiburg Sand- und Kiesgruben in diesem Gebiet angelegt. Aus dem letzten und größten Baggerloch ist dann der Flückiger See entstanden.

Schön ist auch die Geschichte des Brunnens neben dem Bischofskreuz: Hintergrund ist ein Laufbrunnen an der Lehenerstraße, der in geschichtlichen Zeiten Haltepunkt von Markfrauen aus Lehen und Betzenhausen war, die sich ja üblicherweise zu Fuss auf den Weg nach Freiburg machten (bei mehr Interesse an den Hintergründen siehe Bericht (pdf) im Bürgerblättle 147 von 1998).

Entstehungsgeschichte Bezirk Bischofslinde

Bereits im Bebauungsplan von 1956 wurde das Gebiet des heutigen Bezirks Bischofslinde erstmals als Erweiterungsfläche für Wochnungsbau erwähnt. Ab 1963 erstellte die Städtische Wohnungsbaugesellschaft im Zehnsteinweg eine Wohnsiedlung für über 300 Familien, das größte soziale Wohnbauprojekt in Freiburg nach dem Krieg. Es sollte auch Heimat werden für Flüchtlinge, Rückkehrer und auch Obdachlose. Gleichzeitig sollte ein neues Zentrum für Behörden im Westen entstehen.

Damit wurde auch der Grundstein gelegt für den Bezirk Bischofslinde: Namengeber wurde eine historische Bischofslinde sein, die über Jahrhunderte neben dem Bischofskreuz stand und in den 1940-er Jahren einem Sturm mit Blitz-Einschlag zum Opfer gefallen war. Symbolisch für den Aufbruch pflanzte OB Dr. Keidel am 29. Mai 1963 am selben Ort eine neue Linde, die heute auch wieder eine stattlich Größe aufweist. Der Name dieses Stadtbezirks ist also gleichzeitig Geschichte.

Eine gute Übersicht zu den damaligen Planungen Bischofslinde gab ein Rückblich 25 Jahre später zum Jubiläum der Grundsteinlegung (also im Jahre 1988): hier die wichtigsten Teile für Interessierte zum Nachlesen in 25 Jahre Bischofslinde (PDF)“.

Bei den Planungen zum Bezirk Bischofslinde wurde vier Siedlungsbereiche identifiziert:

  • Das Seeparkviertel mit den Schwerpunkten Studentensiedlung (StuSie, ab 1965) und Idinger Hof (gebaut 1976)
  • Das Behördenzentrum mit zentralen Objekten wie Polizeidirektion und Regierungspräsidium,
  • Das „Kernland“von Bischofslinde mit dem Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, sowie Anne-Frank-Schulen und Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen.
  • Das Runzmattenviertel, in dem auch Gewerbe vorgesehen war

Das Seeparkviertel

Für die Studenten-Siedlung (StuSie) wurde geplant als sog. Parksiedlung. Sie war Ergebnis eine Wettbewerbs mit den Stuttgarten Archikten Irion, Graf und Maier als Sieger. Der Bau begann und bestand aus jeweils 3 Wohngebäuden unterschiedlicher Höhe mit gemeinsamen Hofraum. Im Juni 1966 wurde dieser erste Teil der StuSie feierlich eröffnet: dabei waren u.a. Ministerpräsident K.G. Kiesinger und Magnifizenz Prof. Helmut Baitsch. Einige der weiteren Hochhäuser wurden mit Unterstützung der Max-Kade-Stiftung erstellt. Nach Ende der ersten großen Bauphase bestand die StuSie aus ca. 20 Häusern mit etwas 1.500 Plätzen und wurde so zum größten Studentendorf in Freiburg.

Der Idinger Hof mit seinem eher ungewöhnlichen Klinker wurde 1976 errichtet und ist ein zweiter markanter Punkt im Seeparkviertel; ebenfalls ein Wettbewerbserfolg von den Freiburger Architekten Saß und Partner.

Zentrales Element des Seeparkviertels ist natürlich der Seepark selbst, der erst zur Landesgartenschau 1986 die heutige Gestalt annahm (nebenbei eine der erfolgreichsten Landesgartenschauen in Deutschland bisher). Der Seepark enhält eine Reihe markanter Bauwerke als Überbleibsel der Ausstellung; z.B. das Forsthaus,  der Aussichtsturm, das aus Sandstein gebaute Wassertürmchen sowie der Bacchus. Am Rande des Seeparks befindet sich das Hallenbad West, Freiburgs größtes Schwimmbad. Noch früher (ab 1968) gab es dort auch ein Freibad, das hoffentlich in 2022 wieder eröffnet wird.

Das Behördenzentrum

Erster Behördenbau war 1966 das Flurbereiningungsamt, es folgten u. a. das Landespolizeipräsidium (1973/74), die Oberpostdirektion (1975), das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (1990) und das Regierungspräsidium (2001-2004). Sieht man von der Wohnbebauung an der Bissierstrasse ab, dann bildet die ab 1962 geplante Berliner-Allee die Trennlinie zwischen dem Behördenzentrum und dem Wohnquartier Bischofslinde.

Das „Kerngebiet“ Bischofslinde

ist geprägt durch den Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, der Anne-Frank-Schulen und den beiden Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen. Dieser Bereich entstand zeitgleich mit dem Bau der Studentensiedlung auf der gegenüberliegenden Seite der Sundgauallee; maßgeblich beteiligt am Wohnungsbau waren die Genossenschaften „Wohnstättenbau“ und „Familienheim Freiburg“.

Die vierspurige Sundgauallee wurde mit Hochhäusern eingefasst, wobei die Höhe der Häuser jeweils in Richtung Dreisam und Flückigersee abnimmt. Letztendlich ergab sich daraus auch ein Mix aus unterschiedlichen Baustile: Geschoßwohnungsbau der Genossenschaften, Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und auch Einzelwohnhäuser. Abseits der Sundgauallee sind die Wohnbereiche über Sackgassen oder Schlaufenstrassen erschlossen, so dass hinter den Hochhäusern eher ruhige Wohngebiete entstanden. Es sollte eine mustergültige Parksiedlung werden im Sinne einer „gegliederten und aufgelockerten Stadt“: erkennbar ist eine Trennung in die Bereiche Ost, Mitte und West mit jeweils durchgehenden Grünzügen von Dreisam zum Flückigersee (incl. Unterführung zur Sundgauallee).

Das Runzmattenviertel

Hier ist u.a. der Zehnsteinweg zu finden: die Städtische Wohnungsbaugesellschaft setzte dort dort ab 1963  das größte soziale Wohnbauprojekt Freiburg um, eine Wohnsiedlung für über 300 Familien, in denen vor allem Flüchtlinge, Rückkehrer und Obdachlose eine neue Heimat finden sollten. Ein Mischgebiet in dem auch Gewerbe vorgesehen wurde.

Besondere Architektur

Zahlreiche Gebäude in Betzenhausen-Bischofslinde sind über Architektenwettbewerbe entstanden und haben Auszeichnungen erhalten als typische Vertreter  einer gehobenen Nachkriegsarchitektur. Beispiele dazu: der 1976 errichtete Idingerhof, eine Wohnanlage mit über 200 Wohneinheiten in fünf- bis siebengeschossigen Häusern, deren besonderes Kennzeichen eine Klinkerfassade ist (war für Freiburger Verhältnisse eher ungewöhnlich ist). Und doch zeigt sich nur wenige hundert Meter entfernt an der Ecke Berliner Allee / Sundgauallee die ehemaligen OPD (Oberpostdirektion) ebenfalls als imposanter Klinkerbau. Desweiteren zur nennen ist das Bürgerhaus im Seepark, die Wohnanlage Gruberhof („Wiehre des Westens“) und auch die Wohngruppe Tränkematten (realisiert von den ersten Baugruppen in Freiburg). Diese Gebäude sind Fixpunkte und nicht nur prägend für den Stadtteil.

Nicht vergessen wollen wir die den kühne Kirchenrundbau der Kirchengemeinde St. Albert (1968/69): gebaut in Form einer überdimensionalen Krone aus Betonfertigteilen und Buntglasfenstern. Zum 50 jähringen Jubiläum (2019) wurde die Kirche ausgezeichnet als eine von zwölf besonderen Kirchenbauten der Nachkriegszeit und steht seither unter Denkmalschutz.

Auch das noch…

Verkehrsanbindung: Zur Nachkriegsarchitektur gehört wie selbstverständlich auch das Auto als prägendes Element im Städtebau: Ergebnis dieses Denkens ist die Sundgauallee, anfangs auch als „Boulevard des Westens“ gepriesen. Sie war geplant als Verbindungsschnellstrasse zwischen Westumfahrung (Paduaallee) und Friedrichring. Daran erinnert auch die heutige ESSO-Tankstelle, die ursprünglich auf beiden Seiten der Sundgauallee existierte (heute ist das gegenüberliegende Gelände ein Teil der Studentensiedlung). Seit 1983 fährt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee die Straßenbahnlinie 1, die wohl meistgenutzte Verbindung in Freiburg. Darüber hinaus ist der Behördenbereich durch die Linien in Richtung Weingarten/Rieselfeld bestens an die Innenstadt angebunden.

Jubiläum: ein erstes richtiges Jubiläum gab es dann 25 Jahre nach der Grundsteinlegung (also im Jahre 1988): Anlaß für den damaligen Bürgerverein zu einem ersten Rückblick. Von der zugehörigen Festschrift mit vielen Informationen zum Werden des Bezirks Bischofslinde gibt es nur noch wenige Exemplare; deshalb haben wir die wichtigsten Teile eingescannt zum Nachlesen („25 Jahre Bischofslinde“).

Sonstige Infos: viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der Bezirksatlas-Betzenhausen-Bischofslinde (pdf) aus dem Jahr 2018.

Der Mühlbach in Betzenhausen

Die letzte Mühle in Betzenhausen

Der heutige Mühlbach hat nicht mehr viel zu tun mit dem ursprünglichen Gewässer, das über lange Zeit das Leben in Betzenhausen geprägt hat. Der frühere Mühlbach (Mühlebach) war ein Wasserkanal mit mehreren Metern Breite und folglich auch mit weit mehr Wasser: nur so konnten auch die Wasserräder betrieben werden. Nebenbei versorgte dieser Bach auch noch die umliegenden Wiesen mit Wasser. Der Mühlbach galt einst als Lebensader von Betzenhausen (Beitrag aus Bürgerblättle 161, Juni 2002).

Auch der alte Mühlbach wurde über die Dreisam gespeist (mit Abzweigung etwa auf der Höhe der heutigen Berliner Allee) und endete wie heute hinter Legen. Es war also schon damals ein Runzbach. Der heutige Bach bei der Anne-Frank-Schule entspricht etwa noch dem ursprüglichen Lauf.

Über den Mühlbach wurden sogar im Jahr 1941 noch drei Wasserräder betrieben: eines gehörte zur Firma Beck, die Polsterwatte herstellte. Eine Wasserrad gehörte zur Mehlmühle Messerschmitt an der Dietenbachstraße (siehe Bild), die noch bis Ende der 1960er Jahre betrieben wurde. Diese letzte Mühle wurde auch erst 2002 abgerissen (siehe Bürgerblättle 161, Die alte Mühle von Betzenhausen ). In Lehen gab es dann noch ein Wasserrad, über das Maschinen zur Bürstenherstellung betrieben wurden.

Für die Kinder war der alte Mühlbach eine Gelegenheit um zu baden: in den 1920er-Jahren war sogar mal im Gespräch, dort ein Freibad einzurichten, denn in Betzenhausen hatte noch kein Schüler-/Volksbad wie andere Stadtteilen. Aber der Wasserstand war wohl zu schwankend und auch das Wasser nicht immer sauber genug: keine Wunder bei der verbreiteten Wassernutzung über Färbereien,  Fabriken sowie Gas- und Elektrizitätswerke (ein Bad wurde am Ende im Keller der Volksschule realisiert, siehe Beitrag hier).

Irgendwann war die Zeit der Wasserränder vorbei; und auch die Bewässerung der Wiesen nicht mehr erforderlich. In den 1960-er Jahre kamen zwei Bauvorhaben dem Mühlbach bzw. dem vorherigen Abzweig aus der Dreisam in die Quere: der Bau des Zubringers-Mitte mit Berliner Allee und auch die dort neu verlegte Gasleitung. Der vorherige Zulauf wurde geschlossen und Teile des Mühlbachs dort zugeschüttet. Zeitweise war sogar die komplette Trockenlegung diskutiert worden; allerdings konnten Vertreter von Betzenhausen und Lehen intervenieren. Mit dem Runz-Wesen verknüpft sind auch alte Wasserrechte der Runzmitglieder, die nicht einfach so übergangen werden können. So kam es zur heutigen „Notlösung“ mit Restwasser aus der Escholz-/Metzgergrün-Runz.

Und so ist der heutige Weg des Wassers zu uns: nach Ausleitung aus der Dreisam auf Höhe Sandfang führt der Wasserweg über Gewerbekanal bis zum Martinstor. Von dort geht es überwiegend unterirdisch weiter entlang Metzgerau bis zur Faulerstrasse.  Dann Unterquerung der Bahnhofs-Bahnlinie und ab Kanalstrasse teilweise oberirdisch weiter entlang Ferdinand-Weiß-Strasse: durch die Schrebergärten an der Bissierstrasse, um dann die Berliner Allee zu unterqueren. Die Restmenge an Wasser füttert ab Anne-Frank-Schule unseren heutigen „Mühlbach“.

Gleich im ersten Abschnitt hinter der Anne-Frank-Schule wurde Ende der 1980-Jahre mit der neuen Bachführung auch ein Feuchtbiotop angelegt. Für dieses „Schulbiotop“ hat dankenswerterweise und mit viel Engagement die Anne-Frank-Schule schon 1998 eine Bachpatenschaft übernommen (siehe Bericht zur Übergabe der Urkunde im Bürgerblättle 148). Auch über die Pflege durch Eltern und Kinder der Schule haben wir gelegentlich berichtet, z.B. im Bürgerblättle 183 (April 2007).

Das Bett des Mühlbachs führt vorbei an Sonnland und den SFE Sportplätzen weiter in Richtung Lehen (mit Unterquerung Paduaallee); in Lehen führt schliesslich der Weg zurück in die Dreisam an der Strasse „Im Hirschgarten“.

Leider hat dieser Rest Mühlbach kaum eine Chance zu aktivem Flussleben; zumal er inzwischen sehr oft ausgetrocknet ist (z.B. in trockenen Sommermonaten aber auch begründet durch Wartungsarbeiten am Gewerbekanal). Unrat tut ein Übriges. Der Zustand den Mühlbachs war schon häufig Thema im Bürgerblätte (z.B. Ausgabe 146 von 1998 mit dem Bericht „Warum gibt es im Mühlbach keine Forellen mehr ).

Der Bürgerverein Betzenhausen und Ortsverein Lehen setzen sich ein für eine weitere Renaturierung des Mühlbachs ein, was z.B. als Ausgleichsmaßnamen für aktuelle Bauvorhaben erfolgen könnte.


Stand 03.2020

2018 und 2019 waren sehr trockene Jahre und der Mühlbach praktisch das ganze Jahr über ausgetrocknet. Dies liegt zum einen am Wassermangel in diesen Jahren (Klimawandel), zum anderen wurde auch die EU Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt: nach dieser Richtlinie muss die Dreisam nun bei trockener Witterung einen höheren Restwasserspiegel behalten, um die dortigen Fischbestände zu schonen. Der Mühlbach bekommt sein Wasser als „Restgewässer“ vom Gewerbekanal, der am Sandfangwehr in Littenweiler abzweigt. Wenn bei Trockenheit für den Gewerbekanal die Wassermenge reduziert wird, kommt weniger in Betzenhausen-Bischofslinde an. Das wenige Wasser versickert zudem unterwegs. Eine technische Möglichkeit, um Wasser bis nach Lehen zu behalten, wäre das Einbauen von Lehmmatten, schon auf Höhe des Stühlingers. Dies ist jedoch eine aufwenige und teure Methode. Sie könnte vielleicht als Ausgleichsmaßnahme für die Baugebiete Kleinescholz und Metzgergrün fungieren. Der AK Natur hat der Stadtverwaltung entsprechende Vorschläge gemacht.

 

Stadtteiltreff in neuen Räumen

Eröffnung der neuen Räume des Stadtteiltreffs am Samstag, den 11. Mai 2019

Die Quartiersarbeit Betzenhausen-Bischofslinde des Caritasverbandes Freiburg Stadt e. V. ist umgezogen. In zentraler Lage, Am Bischofskreuz 4, bietet der Stadtteiltreff Bürgersprechstunden, Beratungs- und soziokulturelle Angebote und ist Treffpunkt von Selbsthilfegruppen. Eine Übersicht zur Quartiersarbeit Betzenhausen Bischofslinde ist zu finden unten www.quartiersarbeit-bb.de.

Die neuen Räumlichkeiten eigenen sich für Vorträge und Veranstaltungen, ein Stadtteil-Schaufenster informiert über Aktuelles im Quartier.

Die Eröffnungsveranstaltung am Samstag, den 11. Mai 2019, ab 11 Uhr kamen viele Besuche (Einladung siehe hier).  Der Tag wurde eröffnet von Dr. Rainer Gantert, Vorstand des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e. V., der die Geschichte und Erfolge in der Quartiersarbeit schilderte. Es folgten Grussworte von Boris Gourdial, dem Leiter des Amtes für Soziales und Senioren Freiburg, und Werner Hertleif als Vetreter des Bürgervereins.

Viel Sonne (es regente erst nach Ende der Feier), Zauberer, Kinderschminken und musikalische Beiträge rundeten das Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier ab.

Jetzt ist das Stadtteilbüro also direkt am Platz am Bischofkreuz zu finden. Auch der Bürgerverein wird diese Räume zukünftig nutzen können für Treffen, zur Unterbringung des Archivs, aber auch ganz einfach als postalische Adresse.

Hier der ausführliche Bericht in der Badischen Zeitung.


Nachtrag Juli 2019:  Der Bauverein fördert Stadtteiltreff vom Caritasverband – Positives Zwischenfazit zwei Monate nach der Eröffnung des Stadtteiltreffs

Exakt zwei Monate nach der Eröffnung des Stadtteiltreffs Betzenhausen-Bischofslinde ziehen der Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. und die Bauverein Breisgau eG ein positives Zwischenfazit. „Bereits seit den ersten Tagen nehmen die Bürgerinnen und Bürger den Stadtteiltreff an und beleben das Miteinander“ berichtet Dr. Rainer Gantert, Vorstand Caritasverband Freiburg-Stadt e.V.. Die Bauverein Breisgau eG hat die Räume des Stadtteiltreffs Am Bischofskreuz 4 an den Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. vermietet. Die Genossenschaft fördert mit 500 Euro die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements.

Jörg Straub, Vorstand Bauverein Breisgau eG verdeutlicht: „Das Engagement des Caritasverbands ist vorbildlich und ermöglicht ein selbstbestimmtes Wohnen auch für Menschen mit Einschränkung. In Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein entsteht hier ein engmaschiges Netzwerk.“ … Hier die zugehörige Pressemitteilung vom 15. Juli auf Regiotrends.

 

 

 

Nach Nimburg mit dem Rad

Nimburg – das Tor zum Kaiserstuhl – ist ein Ortsteil unserer Partnergemeinde Teningen und hat eine schöne Gemeinsamkeit mit Betzenhausen: die Nähe zur Dreisam. Also ist es naheliegend, einfach mal mit dem Rad entlang der Dreisam nach Nimburg zu fahren (flussabwärts), denn schon nach etwa 13 km ist man am Ziel.

Idealer Startpunkt in Betzenhausen ist natürlich die Gaskugel: im ersten Teilstück bis auf Höhe Umkirch folgt man dem Dreisam-Uferradweg (FR1), aber auch danach ist Fahrt direkt am Ufer ohne Problem möglich (je nach Geschmack auf der linken oder rechten Uferseite).

Auch wenn Ingenieur Tulla hier vor fast 200 Jahren beim Umbau der Dreisam auf Gradlinigkeit Wert gelegt hat, es gibt doch viel zu entdecken an der Strecke, wobei eine Herde Schafe mit Nachwuchs in den Tagen um Ostern natürlich besonders passt (hier ein kleines Video zu dieser Begegnung, bitte mit Ton anschauen, denn vor allem die Lämmer haben viel zu sagen…).

Auf Höhe Nimburg lohnt ein kleiner Abstecher in das schöne Winzerdorf Eichstetten, z.B. um am Eingang Ausläufer der alten Dreisam wiederzufinden.

Nimburg hat eine lange Geschichte (erwähnt schon im Jahr 977) und ist seit 1974 Ortsteil von Teningen. Das Wein-Dorf hat heute knapp 2200 Einwohnern (zusammen mit Bottingen): im Ortskern findet man eine Reihe schöner Fachwerkhäuser, es lohnt sich also, einfach mal durch den Ort zu bummeln. Auf dem (ehemaligen) Rathaus sieht man im Sommer Störche: eine kleine Gemeinsamkeit mit Betzenhausen.

Von der kleinen Anhöhe „Beckebirgle“ aus hat man einen fantastischen Rundblick über die Oberrheinebene und Kaiserstuhl: verständlich, dass dort früher die Grafen von Nimburg ihre Burg erbauen liessen. Von der östlichen Seite Nimburgs ist es nicht mehr weit zum Nimburger Bagger-/Badesee, der natürlich vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Südlich von Nimburg liegt der Nimberg, wobei „Berg“ eher etwas übertrieben ist für Höhen bis zu 70 Metern. Aber dieser kleine Höhenzug ist aus vielen Gründen erwähnenswert: zum ersten ist er das Zentrum des Wein-Anbaus von Nimburg. Genutzt werden ca. 60 ha, überwiegend in kleinteiligen Terrassen. Die Winzergenossenschaft Nimburg-Bottingen ist dem Badischen Winzerkeller angeschlossen. Am Nimberg liegt auch die Bergkirche (ca. 2 km entfernt von Nimburg): sie geht zurück auf ein ehemaliges Kloster und ist mit wunderbaren Fresken und beeindruckender Orgel ausgestattet. Auch wegen der besonderen Akustik gibt es hier gelegentlich Konzerte.

Den Nimberg zu Fuß zu erkunden geht am besten über den Nimbergpfad: ein Rundweg insbesondere für Wanderer, die Weitblick lieben (auf Kaiserstuhl, Schwarzwald, Vogesen u.s.w.). Man ist überwiegend unterwegs durch Weinberge, Obstwiesen, Hohlgassen und kommt auch an der erwähnten Bergkirche vorbei. Der Rundweg wurde 2008 eingeweiht (Länge 7.5 km): idealer Startpunkt ist das Rathaus von Nimburg, denn dort findet man auch gleich eine passende Info-Tafel (und dann weitere Themen-Tafeln am Weg).

Rückweg

Für den Weg zurück nach Freiburg gibt es mehrere Optionen: z.B. die Breisgau S-Bahn, die am Bahnhof von Nimburg hält (etwas ausserhalb des Ortes). Mit dem Rad wieder zurück entlang der Dreisam geht natürlich auch.

Aber es ist absolut lohnenswert, einen anderen Weg einzuschlagen: denn der oben genannte Nimberg liegt ohnehin südlich von Nimburg, also genau in Richtung Heimweg. Die leichte Steigung sollte man nicht scheuen: zur Belohnung folgt logischerweise die Abfahrt beim Ortsteil Bottingen. Der Radweg führt teilweise durch Löss-geprägte Hohlgassen, wie man sie typischerweise vom Kaiserstuhl kennt. Einer dieser Gassen ist ein sehr alter Verkehrsweg von Nimburg in die March (und damit Richtung Freiburg).

Hinter dem Nimberg folgt der schon erwähnte kleine Ort Bottingen: schon lange ein Teil von Nimburg und damit im Gebiet von Teningen. Auch Bottingen ist vom Wein geprägt und auch dort ist ein Storchenpaar zuhause (verständlich, denn Reute mit der Auffangstation ist ja auch nur wenige km entfernt).

Am Ausgang von Bottingen schlagen wir vor, der Dorfstrasse zu folgen, denn dann geht es ausserhalb des Ortes an schönen Bächen entlang in Richtung March: zuerst dem Schobbach, dann später dem Mühlbach, der letztendlich nach Holzhausen führt oder man fährt alternativ über Buchheim. Die vielfältigen Möglichkeiten weitere nach Betzenhausen zu kommen, dürften bekannt sein.

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis für Leser aus Nimburg: die Tour ist genauso schön anders herum für den nächsten Besuch in Betzenhausen.


Bei Interesse: hier eine Vorstellung der Ortsteile von Teningen.

Auch in früheren Zeiten war der Weg nach Teningen etwas besonderes, erst recht wenn die Reise mit dem Boot erfolgte. Zum Nachlesen hier ein kleiner Bericht, den wir 2018 im Bürgerblättle abgedruckt haben.

 

Freundeskreis Freiburg-Lviv

Seit 24. August 1989 ist Lviv (das frühere Lemberg, teilweise wird auch „Lwiw“ verwendet) eine Partnerstadt Freiburgs: es ist die größte Stadt in der westlichen Ukraine, etwa 80 km von Polens Ostgrenze entfernt. Fast ebenso lange engagieren sich verschiedene Gruppen Freiburgs im „Freundeskreis Freiburg-Lviv e.V.“ für die Region. In Betzenhausen organisierte Maria Steinle über viele Jahre Hilfsprojekte und hielt die Kontakte nach Lviv. Im Jahr 2017 erhielt sie für ihren Einsatz das Bundesverdienstkreuz.

Angefangen hatte alles mit der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft und einer Initiative von acht Freiburgerinnen, die sich „Frauen bauen eine Brücke“ nannten. Daraus wurde 1993 der Verein „Freundeskreis Freiburg – Lviv“: Maria Steinle übernahm die Buchhaltung, ab 1996 war sie Vorsitzende. Altersbedingt musste sie den zugehörigen Verein „Freundeskreis Freiburg – Lviv“ im Jahr 2019 auflösen (und ist dabei aufgegangen in den Freiburger Städtepartnerschafts-Verein).

Über den Freundeskreis wurden Sammlungen häufig vor Weihnachten und Ostern organisiert. Insbesondere Lebensmittelpakete wurden aus Freiburg finanziert mit den nötigsten Dingen: Eine Firma in Lviv kauft die Sachen, übernahm die Zusammenstellung und Verpackung und liefert die Pakete den Menschen nach Hause. Zeitweise finanzierte der „Freundeskreis Freiburg-Lviv“ auch eine Suppenküche in Lviv für 150 Menschen.

Fast jährlich gab es Reisen per Zug nach Lviv um die Kontakte dort zu pflegen; übernachtet wurde dort in Jugendherbergen.


Wappen Rathausplatz Freiburg

Zur Städtepartnerschaft Freiburg-Lviv (Lemberg)

Für diese Städtepartnerschaft gibt es eigentlich auch gute, historische Gründe:

  • Freiburg (und damit auch Betzenhausen) gehörte bis zum Frieden von Preßburg zum Erzherzogtum Österreich (vierhundert Jahre lang bis 1805), Lemberg bis zum Vertrag von St. Germain (1918).
  • Es waren diejenigen Städte innerhalb von Österreich, die am weitesten im Westen (Freiburg) und am weitesten im Osten (Lemberg) lagen (ab 1772).
  • Nach 1772 sind viele Familien aus Baden und der Pfalz in die neuen Länder nach Osten gezogen und haben dort gesiedelt (Galizien und Bukowina). An manchen Namen in West-Galizien (heute Polen, dort auch Ortsnamen) und teilweise auch in Ost-Galizien (heute Ukraine) sind auch heute noch diese Wurzeln zu erkennen.

Mehr dazu auch in der Vorstellung von Lviv auf der Partnerseite der Stadt Freiburg. Natürlich ist auch der Beitrag auf Wikipedia wieder zu emphehlen.


Sonstige Hinweise / Berichte

 

 

Die Geschichte von Betzenhausen

Seit über 100 Jahren ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg, die Eingemeindung erfolgte am 1.1.1908. Hier wollen wir in aller kürze ein paar Dinge zur Geschichte nennen (ausführlicher siehe späterer Beitrag Ein Blick in die Geschichte von Betzenhausen). Der Zeitraum seit erster nachgewiesener Erwähnung im Jahr 972 lässt sich sehr grob in vier Blöcke unterteilen:

  • 400 Jahre im Besitz des Klosters Einsiedeln und weiterer individueller „Herren“ (ab 972)
  • 400 Jahre im Besitz der Stadt Freiburg (ab 1381)
  • 100 Jahre Selbstständigkeit als Landgemeinde im Großherzogtum Baden (ab 1806)
  • 100 Jahre Stadtteil von Freiburg (ab 1908)

Vor der Eingemeindung 1908.

Über Jahrhunderte war Betzenhausen bäuerlich geprägt (im Grunde bis zum Zeiten Weltkrieg). Alles fing sehr klein an; deshalb hier ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte des Stadtteils, denn Betzenhausen zählt zu den ältesten Umlandsiedlungen von Freiburg:

  • 972 gilt als das Jahr einer ersten Erwähnung von „Bezenhusa“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Einsiedeln durch Otto I. Dort blieb die Bauerngemeinde auch ca. 250 Jahre. Die gleiche Urkunde nennt übrigens auch unsere heutige Partnergemeinde Tenigen als „Deninga“: eine durchaus bemerkenswerte Gemeinsamkeit.
  • Nach den Jahren der Zugehörigkeit zum Kloster Einsiedeln folgte eine Periode (13. und 14. Jahrhundert), in der Betzenhausen als Besitz zwischen verschiedenen  „Herrschaften“ verschoben wurde: mit dabei die Freiburger Grafen, die Falkensteiner, andere Klöster und am Ende das Haus „Geben-Sigsteins“.
  • 1299 wird die Betzenhausener Gemarkung Schauplatz einer für Freiburg geschichtlich wichtigen Schlacht: der Bischof von Straßburg – Konrad II von Lichtenberg – wird von rebellischen Bürgern Freiburgs verletzt (am Ort vom späteren Bischofskreuz) und stirbt nach Rückkehr in Straßburg.
  • Im Jahr 1381 kauft Freiburg die Gemeinde Betzenhausen für „18 Mark oder Pfund Silber“ vom letzten der wechselnden Besitzer, dem Haus „Geben-Sigsteins“. Gut 400 Jahre hält dieses Untertanenverhältnis. Zu jener Zeit war das Dorf noch immer sehr klein: so verzeichnet ein Bericht von 1525 ganze 11 Häuser, im Jahr 1683 wurden dann aber schon 27 Häuser erwähnt.
  • 1806 wird Betzenhausen eine selbständige Landgemeinde im Großherzogtum Baden. Die Einwohner waren daraufhin erstmals freie Bürger, mit Gemeinderat und eigenem Bürgermeister.
  • Die Begradigung der Dreisam in den 1820er Jahren änderte die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in weiten Bereichen, in denen es vorher regelmäßig Überschwemmungen gegeben hatte. Das Gebiet wurde trockener, das Grundwasser senkte sich ab, so dass teilweise sogar Brunnen versiegten. Also ging der Beitritt zur Stadt Freiburg auf eine Initiative von Betzenhausen zurück. Freiburgs Oberbürgermeister Winterer erkannte die Perspektiven und unterstützte die Anfrage: ein großer Teil des Stadträte war skeptisch, denn Betzenhausen hatte einige Wüsche und die erschienen teuer zu werden.

Zum Zeitpunkt der Eingemeindung im Jahr 1908 war Betzenhausen ein Dorf mit knapp 100 Häusern und ca. 600 Einwohnern mit einer Fläche von rund 280 Hektar. Das Dorf-Zentrum lag an der Kreuzung Dietenbachstrasse / Lehener Strasse (der heutigen Sundgauallee). Entlang des Mühlbachs gab es ein kleines „Gewerbezentrum“ mit verschiedenen Handwerkern; insbesondere auch drei Mühlen, denn der Bach führte damals noch weit mehr Wasser als heute.

Einen Grundriß des Dorfes zum Zeitpunkt der Eingemeindung zeigte das Titelbild des Bürgerblättle 189 (April 2008, erschienen im Jahr des 100-jährigen Jubiläums).

1908 waren es vor allem wirtschaftliche Gründe, die Betzenhausen zu Freiburg führten: das Dorf erhielt Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung, neue Straßen und eine Volksschule, die heutige Gerhard Hauptmann Schule (ab Ende der 1920-er Jahre auch genutzt als Volksbad; hier eine ausführliche Beschreibung zu Geschichte der Schule). Die Stadt Freiburg sah in der Eingemeindung eine Chance zur Ausdehnung nach Westen, denn Betzenhausen bot große unbebaute Flächen, auf denen in den 1960-Jahren z.B. der Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde entstand (das Thema der Ausdehnung in Richtung Westen ist ja noch heute aktuell). Trotzdem brauchte OB Winterer einiges an Überzeugungskraft: zum Schluss stimmte man im Stadtrat mit 59 zu 38 dafür (in Betzenhausen war es klarer: 40 zu 1).

Die Eingemeindung am 1.1.1908 wurde ein großes Fest, wie es Betzenhausen wohl noch nicht erlebt hatte. Bei Interesse: im Stadtarchiv Freiburg ist noch der damalige Bericht der Freiburger Zeitung über die Feier zu finden.


Entwicklung nach der Eingemeindung.

Im Jahre 1910 gründet sich der Ortsverein, aus dem später der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde wurde (siehe Geschichtliches dazu) .

Die beiden Weltkriege hinterließen Leid und große Zerstörung auch in Betzenhausen: im zweiten Weltkrieg war es insbesondere eine Bombennacht im November 1944.

Ab 1963 wird der Bezirk Bischofslinde gebaut mit dem Platz am Bischofskreuz als Zentrum und einer neuen Bischofslinde als Gründungssymbol. Etwa zeitgleich beginnt das  große, soziale Wohnbauprojekt „Zehnsteinweg“.

1965 Einweihung „StuSie“ als größte Studentensiedlung in Freiburg.

1973 war die Zeitgekommen für 1000 Jahre Betzenhausen, die nachfolgenden Jahr auch ausgiebig gefeiert wurden.

1986 Landesgartenschau als Grundlage des heutigen Seeparks.

2012 Das ZentrenAktivierungsKonzept (ZAK) soll die Attraktivität des Stadtteils verbessern; es beginnt die Umsetzung von Baumaßnahmen auf dem Platz am Bischofskreuz und die Neugestaltung Sundgauallee auf Höhe Betzenhauser Torplatz.


Für geschichtlich Interessierte

Hier ein Hinweis auf den „Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.“, der sich seit 1998 um Themen in der Geschichte von Betzenhausen-Bischofslinde kümmert: siehe www.kuge-freiburg.de.

Viele Details zur Geschichte von Betzenhausen enthält die Festschrift „100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908-2008“ (herausgegeben vom KuGe), sowie die Sonderzeiten zum Bürgerblättle anlässlich der „90-jährigen Zugehörigkeit Betzenhausen zur Stadt Freiburg (pdf)“ im Jahr 1998.

Zusätzlich: zwischen Nov. 1976 und Aug. 1978 wurde viel über Ereignisse in der Geschichte von Betzenhausen zusammengetragen und in einer langen Beitragsserie im Bürgerblättle veröffentlicht (mit insgesamt 19 Fortsetzungen). Auch wenn das selbst schon “lange her” ist: die Erkenntnisse zur Vorgeschichte von Betzenhausen bleiben ja bestehen.

Viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der letzte Bezirksatlas-Alt-Betzenhausen (pdf) aus dem Jahr 2018.