StuSie-Hochhaus mit Nistkasten für Turmfalken

Bericht aus Bürgerblättle 261, April/Mai 2020


Im Winter 2019/2020 gab es eine sehr erfreuliche Zusammenarbeit des AK Natur mit dem Freiburger Studierendenwerk und der Fachgruppe Wanderfalkenschutz aus Freiburg. Auf Initiative von Kerstin Geigenbauer wurde auf einem Bestandshochhaus in der Stusie im Februar 2020 ein Nistkasten für Turmfalken aufgehängt, der freundlicherweise vom Ornithologen Matthias Schmidt gespendet wurde.

Bereits im November 2019 gab es ein „Sondierungstreffen“, bei dem ein geeigneter Standort ausgewählt wurde. Zunächst war ein Kasten für den noch selteneren Wanderfalken angedacht. Für diese Art, die bisher in Südbaden noch kein Gebäude besiedelt hat sondern meist in Felswänden brütet, war jedoch kein geeigneter Standort zu finden.

Doch auch für den kleineren Vetter, den Turmfalken, lohnt es sich, Nisthilfen anzubringen. Der Turmfalke fängt Mäuse und benötigt für seine Brut Nischen in Gebäuden, die durch Sanierungen und „Taubenabwehrmaßnahmen“ (Verschließen von Öffnungen und Hohlräumen an der Fassade, Anbringen von Stacheln auf Simsen und Vorsprüngen) den Vögeln praktisch nicht mehr zur Verfügung stehen.

Im Februar wurde es dann Ernst: in schwindelerregender Höhe wurde der Kasten an einem Aufbau auf dem westlichsten Altbau mit Sicht nach Norden aufgehängt. Der zukünftige Bewohner und seine Nachkommen werden nun eine wunderbare Aussicht haben. Mit dabei beim Aufhängen waren Matthias Schmidt von der AG Wanderfalkenschutz, Gerd Hohwiehler von der StuSie, Thomas Wehrle, Architekt des Studierendenwerkes sowie Kerstin Geigenbauer vom AK Natur des Bürgervereins. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten für die rasche, unkomplizierte Umsetzung dieser sinnvollen Artenschutzmaßnahme. Die Turmfalken haben den Kasten schon entdeckt, nun warten wir auf eine Besiedlung.

Die Vogelwelt in Ihren Garten

Jeder kann etwas tun – lassen Sie die Vogelwelt in Ihren Garten

Der Frühling naht! Viele höhlenbrütende Vögel suchen nun verzweifelt nach Nistmöglichkeiten. Ursprünglich fanden Meisen und Co. überall in altem Baumbestand verlassene Specht- oder Fäulnishöhlen, in die sie ihre Kinderstuben anlegen konnten. Heute jedoch werden alternde Bäume mit Totholz und Höhlen aus Verkehrssicherheits- oder ästhetischen Gründen entfernt – sehr zum Leidwesen von Vögeln und Fledermäusen.

Die gute Nachricht: jeder kann etwas gegen diesen Baumhöhlen-Mangel in der Stadt tun!

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt: Bringen Sie einen oder gleich mehrere Nistkästen in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon an!

Die handelsüblichen Kästen sind aus Massivholz oder Holzbeton gefertigt, wobei letzterer eine längere Lebensdauer hat. Sie können in Baumärkten, Raiffeisenmärkten oder Zoogeschäften erworben werden. Kästen mit einem Einflugloch von 32 mm Durchmesser werden unter anderem von Haussperling, Kohlmeise oder sogar dem Wendehals besiedelt. Bei einem Einflugloch von 28 mm haben kleinere Arten wie Blaumeise oder Sumpfmeise eine Chance. Kästen mit einem großen Flugloch von 45 mm werden vom Star angenommen. Manchmal zieht hier sogar ein Eichhörnchen ein. Sogenannte Halbhöhlen-Kästen haben eine halboffene Front und bieten Hausrotschwanz, Rotkehlchen oder sogar dem Zaunkönig Nistplatz und Unterschlupf.

Auch Fledermäuse suchen übrigens verzweifelt nach Höhlen und freuen sich über spezielle Nisthilfen. Hängen Sie die Kästen in mindestens zwei Meter Höhe an Bäume oder die Hauswand. Wichtig ist die geschützte Fluglochausrichtung nach Osten zur wetterabgewandten Seite.

Sie helfen allen Wildtieren auch durch das Pflanzen von Obstbäumen und einheimischen Sträuchern sowie durch die Aussaat von Wildblumen. Letztere haben auch im Balkonkasten Platz.

Mehr Infos zum Vogel- und Fledermausschutz im Garten und auch Bauanleitungen für Nistkästen finden Sie unter: www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/.

Diplom-Biologin Kerstin Geigenbauer

 

Der Runde Tisch “Umwelt”

Als ein Ergebnis der Stadtteilkonferenz im November 2019 ist in Betzenhausen ein Runder Tisch “Umwelt” entstanden; nächstes Treffen ist am Mi. 12.02.2020 von 18:30 – 20:30 Uhr im Stadtteiltreff
Bei diesem Runden Tisch treffen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie verschiedene Institutionen des Stadtteils um sich für mehr Artenvielfalt und ein höheres Umweltbewusstsein in Betzenhausen-Bischofslinde einzusetzen. Schritte, die ins Auge gefasst werden:
  • Information der Öffentlichkeit, z.B. über Bürgerblättle (Tipp des Monats), Musterbalkon im Stadtteilschaufenster usw.
  • Praktische Umwelt-Projekte: Nistkästen, Blumenstreifen,…
  • Erstellung Überblick über bestehende Angebote und Akteure (im Themenfeld) im Stadtteil
  • u.a.
Interessierte im Stadtteil sind herzlich eingeladen, sich einzubringen und z.B. an regelmäßigen Treffen teilzunehmen.

Das nächste Treffen des Runden Tisch “Umwelt”: Mi. 12.02.2020 von 18:30 – 20:30 Uhr, Stadtteiltreff Betzenhausen-Bischofslinde am Bischofskreuz 4.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Über eine Rückmeldung an stadtteiltreff-bb@caritas-freiburg.de würden wir uns jedoch freuen.

Damit es im Stadtteil piepst und zwitschert – Spendenaufruf für den Vogelschutz

Das bundesweite Artensterben und der Vogelrückgang beschäftigten im vergangenen Jahr auch den Bürgerverein-Betzenhausen Bischofslinde. Mit dem neu gegründeten „Runden Tisch Umwelt“ wollen wir tätig werden und durch das Anbringen von Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse an Bäumen auf öffentlichen Grünflächen die hiesigen Populationen fördern. Davon profitieren zum Beispiel Haussperling und Kohlmeise, aber auch Hausrotschwanz, Kleiber, Zwergfledermaus und viele mehr!

Zudem möchte der Bürgerverein in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk Freiburg und hiesigen Vogelexperten den Turmfalken im StuSie-Gelände fördern. Hierfür sollen zwei Nistkästen für den eleganten Mäusejäger an den Hochhäusern angebracht werden. Ein Kasten wird freundlicherweise von Matthias Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz zur Verfügung gestellt. Dies Kosten für den zweiten Kasten wird der Bürgerverein übernehmen.

Aber weitere Nistkästen für Singvögel und Fledermäuse brauchen Ihre Unterstützung. Wir bitten um Spenden auf das Konto des Bürgervereins.

Wir möchten uns im Namen der Vögel und auch der Bürger schon im Voraus bedanken, denn: Artenvielfalt bereichert unser aller Lebensqualität!

Kerstin Geigenbauer (Runder Tisch Natur)

Die Dreisam


Vorab…

Die Dreisam bei Betzenhausen

Die Dreisam begrenzt Betzenhausen in Richtung Südwesten auf einer Länge von ca. 1.5 km; also in Richtung des Stadtteils Weingarten bzw. dem Dietenbachgelände. Folglich ist auch die Geschichte von Betzenhausen eng mit dem Fluss vor unserer Tür verbunden: darauf wollen wir hier besonders eingehen.

Wir gehen an der Dreisam spazieren oder fahren mit dem Rad dort entlang und finden es eigentlich ganz normal, dass dieser Fluss so gerade verläuft. Und dabei hat dieses Aussehen nichts mit dem ursprünglichen Fluss zu tun, der bis vor etwa 200 Jahren vor den Toren von Betzenhausen seine Wege suchte.

Das heutige Bett der Dreisam hat durchgängig ein sog. “Doppeltrapezprofil”, das auf Planungen von Ingenieur Tulla beruht, der auch für große Teile der Rhein-Begradigung verantwortlich war (siehe Foto der Dreisam rechts, erstellt von der Brücke in der Nähe der Gaskugel).

Grundsätzlich sind viele Hintergründe zum Fluss schon auf Wikipedia ausführlich beschrieben. Und am Ende von unserem Beitrag hier ist dann auch noch eine Buchempfehlung zu finden.


Zum Namen

Info-Schild bei Stegen

Zunächst einmal der Name: “Dreisam” ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf das keltische Wort “Tragisima” zurückzuführen mit der Bedeutung “Die sehr schnelle”. Denn oberhalb von Zarten, wo der Zusammenfluss von Rotbach  und dem Wagensteigbach den Beginn der Dreisam markiert, gab es vor gut 2000 Jahren schon eine keltische Siedlung.

Aber es gibt auch andere Ideen zur Bedeutung, z.B. der Umstand, dass die Dreisam ja aus mehreren Schwarzwaldbächen entsteht und damit hätte auch die Zahl “drei” eine sinnvolle Begründung.

Siehe auch Info-Schild der Wandergruppe Stegen am Zusammenfluss bei Zarten.

Die Dreisam ist bereits im Jahre 864 urkundlich erwähnt (lange Zeit geführt als “Treysam”).

Bei der Gelegenheit noch ein schöner Zufall: auf thailändisch heißt “sam” auch “drei” und so ergibt sich irgendwie die “Dreidrei”.


Vom Anfang und Ende (Fluss-Verlauf)

Hier beginnt die Reise

Der Ursprung der Dreisam liegt zwischen Kirchzarten und Stegen als Zusammenfluss von Wagensteigbach und Rotbach, der aus dem Höllental kommt. Zählt man gleich noch den Ibenbach dazu, hat man drei Zuflüsse und damit eine plausible Begründung für den Namen wie oben schon erwähnt.

Am Ende mündet die Dreisam bei Riegel in die Elz: Seit der Begradigung ergibt sich dabeei eine Länge von knapp 30 km; vorher waren es (über den geschlungenen Verlauf) ein paar km mehr. Zwischen beiden Punkten hat die Dreisam ein Gefälle von knapp 200 m.

Ab Riegel geht es für Elz und Dreisam noch 15 km gemeinsam weiter durch den Leopoldkanal in Richtung Rhein: das gilt insbesondere bei hohem Wasserstand. Aber auch die alte Elz verläuft dort weiter durch Auen bis zum Rhein und sie wird über einen Abzweig aus dem Leopoldkanal kontinuierlich mit Wasser versorgt (Abzweig ist kurz hinter Riegel). Dort ist auch ein Denkmal zu finden, dass die umliegenden Gemeinden errichtet haben in Erinnerung an die Kanal-Bauarbeiten der Jahre 1837-1842: mit Dank für die Abwehr von “verheerenden Überschwemmungen der Dreisam und Elz”. Nebenbei: der Kanal ist auf Höhe Riegel zusätzlich gesäumt von Lindenbäumen, die dort schon um das Jahr 1850 gepflanzt wurden: zum Teil stehen diese ursprünglichen Linden dort noch heute (sie könnten also viel über die letzten 150 Jahre erzählen).

Die Dreisam “füttert” auf Höhe des Schwarzwald-Stadions in Freiburg (bis vor wenigen Jahren war es das “Dreisam-Stadion”) über einen Abzweig die Freiburger Bächle (am sogenannten „Sandfang“): ein Teil dieses Wassers kommt nach Durchquerung der Stadt als Mühlbach auf Betzenhauser Gebiet, bevor es bei Lehen zurück geht in die Dreisam. Ein anderer Teil (der Nordarm) macht einen weiteren Weg in Richtung Gundelfingen, mündet dort in den Schobbach und später bei Nimburg (also in unserer Partnergemeinde Teningen) in die Glotter. Kurz vor Riegel schafft es dieser Teil des Freiburger “Bächlewassers” dann auch wieder zurück in die Dreisam.

Am Ende treffen sich drei Flüsse in Riegel

 


Die historische Dreisam

Dass es ein Fluss-System aus vom Schwarzwald/Feldberg in Richtung Rhein gibt, dürfte seit etwa 2 Millionen Jahren so sein. In dieser langen Zeit mit Eiszeiten und Warmperioden war dieses Fluss-System an den Ablagerungen beteiligt, die heute das oberrheinische Gebiet mit seinen Kies-Schichten kennzeichnet. Nebenbei: dieses oberrheinische Kiesvorkommen ist vermutlich das größte in ganz Europa. Der neuzeitliche Abbau von Kies hat für Betzenhausen u.a. den Flückigersee hervorgebracht.

Die Alte Dreisam

Seit Ende der letzten Eiszeit (ca. 12.000 v.Chr., auch die Zeit erster menschlicher Siedlungen) brachte das Fluss-System inkl. Dreisam keine Geröllmassen mehr mit für weitere Ablagerungen, sondern begann sich selbst ein Flussbett zu schaffen auf immer wieder neuen Wegen. Variantenreich war die Suche der Dreisam vor allem im unteren Flussbereich, also in den Regionen westlich und nördlich des heutigen Freiburg. Östlich hatte sich die Dreisam schon sehr früh eine tiefe Rinne geschaffen und die auch behalten, bis des Menschen Kreativität das änderte.

Bei der Gelegenheit: auf Höhe Freiburg floss die Dreisam früher näher an der Innenstadt vorbei, als wir das heute kennen. Und damit war sie etwas im Weg, als Freiburg ab 1680 vom französischen Baumeister Vauban zu einer Festung ausgebaut werden sollte.  Also wurde im Zuge dieser Baumaßnahmen die Dreisam ab Schwabentorbrücke etwas nach aussen verlegt (vermutlich bis zu 150 Meter) und das alte Flussbett aufgeschüttet.

Alter Seitenarm mit Tot-Holz

Betzenhausen wird erstmals 972 urkundlich erwähnt: über den Verlauf der Dreisam bei Betzenhausen bis zur großen Begradigung scheint aber nur wenig Konkretes dokumentiert. Sicher ist aber, dass sie hier aus einem Geflecht mehrerer Flussarme bestand mit einer Breite von bis zu 2 km, deren Verlauf sich immer wieder änderte. Sicher ist auch, dass ein Teil der Betzhausener Gemarkung bei kräftigen Regenfällen zum Überschwemmungsgebiet wurde: auf die feuchten Wiesen deuten heute noch Gebietsbezeichnungen mit Endung “-matten” (z.B. Stockmatten, Tränkematten).

Die Nähe zur Dreisam und ihren Überschwemmungen brachte also einiges an Arbeit mit sich, aber auch Gefahren, Krankheiten und gelegentlich auch nachbarschaftlichen Streit (siehe unseren Beitrag zur Geschichte der Wasserwirtschaft in Betzenhausen). Die Unberechbarkeit der Dreisam war letztendlich auch ein wichtiger Grund für die Begradigung nach den Plänen von Tulla.

Einen kleinen Eindruck davon, wie es früher aussah, erhält man vielleicht noch, wenn man der Alten Dreisam vor Riegel folgt (siehe Foto).


Begradigung nach Plänen von Tulla

Zurück zur Beschreibung der Kelten als “Der schnelle Fluss”: sie waren damit der Zeit wohl voraus, denn so richtig schnell fliessen dürfte das Wasser wohl erst seit der Begradigung zwischen 1817 bis 1842, die nach Plänen von Johann Gottfried Tulla erfolgte, der ja auch dem Oberrhein ein neues Bett verschaffte. Die Umsetzung hat Tulla bei der Dreisam aber nicht mehr selbst geleitet.

Ziel der Begradigung war u.a. der Schutz vor Hochwasser und die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen. Das Ergebnis sehen wir ja noch heute am Rande von Betzenhausen. Das mit der Begradigung geschaffene “Doppeltrapezprofil” war damals sehr beliebt, denn es konnte für kontinuierlich hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers sorgen und gleichzeitig Platz für große Wassermengen bieten, um Überflutungen zu vermeiden.

Die grundlegenden Arbeiten zur Regulierung der Dreisam zwischen Freiburg und Lehen (also auch auf Höhe Betzenhausen) erfolgten in den Jahren 1822 bis 1824; wobei die alten Seitenarme wohl erst in den 1830er Jahren stillgelegt wurden: damit änderte sich vieles bei der Bewirtschaftung der dortigen Ländereien. In den nachfolgenden Jahren senkte sich der Grundwasserspiegel immer mehr; sogar mit der Folge, dass es zu Wassermangel in den Bächen und Brunnen von Betzenhausen kam. So wurde der Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung auch ein wichtiges Anliegen im Eingemeindungsvertrag mit Freiburg von 1908.

Siehe auch unseren ausführlichen Beitrag im Rückblick auf 200 Jahre Dreisambegradigung (Jahr 2022).

Trotz Begradigung: es gab auch weiterhin Wassermassen, denen der Fluss nicht gewachsen war. So forderte ein historisch belegtes Hochwasser im Jahr 1896 viele Tote und zerstörte mehrere Brücken bei Freiburg (z.B. die Schwabentorbrücke). Selbst in neuerer Zeit gab es noch Radfahrer, die bei Hochwasser tödlich verunglückten (z.B. 2010 und 2013).  Ein YouTube-Video zeigt die wirklich schnelle und reissende Dreisam bei einem Hochwasser am 22. Dez. 1991. Der gerade aktuelle Pegelstand der Dreisam wird von der “Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg” bereit gestellt (siehe www.hvz.lubw.baden-wuerttemberg.de).

Dagegen hatte der Wasserstand im Sommer der vergangener Jahre Tiefstände, die kritisch sind für den Fischbestand (siehe Foto weiter hinten).

Heute sind immerhin 800 m der Dreisam bei Ebnet wieder renaturiert, das wäre sicher auch ein lohnenswertes Projekt in unserem Bereich der Dreisam.


Die wirtschaftliche Bedeutung

Info-Schild auf Höhe March

Die Dreisam (bzw. ihr Wasser) hatte in früheren Jahrhunderten eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Die negativen Auswirkungen von Überflutungen der Wiesen sind schon erwähnt (letztendlich ja ein Grund für die Kanalisierung). Aber der Nutzen zum Bewässern von Wiesen und Ländereien sollte auch nicht übersehen werden, wobei diese Nutzung nach der Regulierung sogar noch intensiviert werden konnte (auf dem Weg nach Riegel sieht man auch heute noch Stellfallen zur Zu-/Ableitung von Wasser).

Eine Vielzahl von Mühlen wurde über das Dreisam-Wasser betrieben: schon deshalb gibt es in Betzenhausen und rund um Freiburg diverse Nebenflüsse mit dem Namen “Mühlbach”. In Betzenhausen sind Mahl- und Ölmühlen dokumentiert (mindestens drei) und sie waren von großer wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort: die letzte Mühle wurde bis 1970 betrieben und leier 2002 abgerissen (siehe Beitrag zur alten Mühle in Betzenhausen und zum Mühlbach). Natürlich gab es nicht nur Mühlen als Nutzung, sondern z.B. auch Edelsteinschleifereien oder die Gerber (in der Gerberau). Auseinandersetzungen um den richtigen Umgang mit dem Dreisam-Wasser bestimmten folglich lange das Leben in Freiburg.

Weitere Nutzungsformen, die wir erwähnen wollen: der Baumbestand im Schwarzwald war Grundlage für Freiburgs Sägewerke, die vermutlich sogar zu den ältesten im deutschsprachigen Raum gehörten. Konsequenterweise sorgten Flößer für den Transport auf der Dreisam. Ganz modern wurde es ab Mitte der 1880er-Jahre, als man begann, elektrischen Strom über das Dreisam-Wasser zu erzeugen, insbesondere am Gewerbebach: Anfangs vor allem zum Betrieb von Glühlampen, die Thomas Edison 1881 vorgestellt hatte. Vielleicht war das ja der Anfang von Green-City.

Von grosser Bedeutung war über Jahrhunderte auch der Fischbestand: heute kaum noch vorstellbar, dass in der Dreisam Lachse gesehen und auch gefangen wurden; wie auch in der Elz (dort ist der letzte Lachs sogar dokumentiert auf das Jahr 1958). Natürlich ging es nicht nur um den  Lachs, sondern eher um Forellen, Aal u.a.:  Fisch war Grundnahrungsmittel und eine Fischereiordnung ist schon aus dem 14-ten Jahrhundert bekannt. Die Stadt Freiburg beanspruchte die Hoheit über die Fischereirechte für die Dreisam, aber auch z.B. für den Mühlbach in Betzenhausen: nicht zufällig gibt es z.B. in Freiburg die “Fischerau”. Versteht sich von selbst, dass die breite, gewerbliche Nutzung des fliessenden Wassers durch Mühlen etc. nicht immer leicht zu vereinbaren war mit dem Ziel, die Fischbestände zu erhalten. Folglich gab es schon recht früh passende Regelungen, damit alle Beteiligten darauf achteten, dass die Fische ihren Weg nehmen konnten (auch Dreisam aufwärts). Dahin gehen ja auch heute wieder die Bemühungen, z.B. über neue Fischtreppen.

Dieser Reichtum an Fisch war in den 1950-er Jahren sogar noch im Mühlbach in Betzenhausen zu erleben (siehe Rückblick im Bürgerblättle von 1998, PDF ).


Fischbestand heute

Trockenheit bei March im Sommer 2020

Heute haben noch etwa 20 kleine Fischarten ihre Heimat in der Dreisam und sie haben es nicht immer leicht: insbesondere aufgrund der trockenen Sommermonate in den letzten Jahren, als zeitweise die Dreisam flussabwärts vor Riegel ausgetrocknet war. Besonders schlimm war es im Jahr 2018: Da wurde es in der zweiten Juni-Hälfte trocken, und bis Mitte Oktober. Die Austrocknung beginnt üblicherweise auf Höhe March-Neuershausen und dann weiter flussabwärts. In solchen Fällen braucht der Fischbestand sehr lange, um sich zu erholen.

Mit der Trockenheit und großen Hitze kommt eine hohe Wassertemperatur als weiterer Stress-Test für die Tiere hinzu. Und auch der Mensch, der die Dreisam an sonnigen Tagen gern auch zum Freibad macht. Dass es im Tulla-regulierten Bereich der Dreisam wenig Bäume gibt, die im Sommer für Abkühlung sorgen könnten, hat auch seinen Grund:  die Wurzeln könnten die Stabilität der seitlichen Dämme gefährden. Als kleine Hilfen wurden bei March schon Wurzelstöcke von Harthölzern im Fluss verankert: in der Hoffnung, dass diese Strömungsbremsen dienen und dabei Rückzugsräume mit Schatten bieten (siehe auch Bericht Bad. Zeitung im Aug. 2020).

Um die Fische und Renaturierungsmaßnahmen kümmert sich seit 2001 die “IG Dreisam e.V.”, einem Zusammenschluss mehrerer Anglervereine im Dreisam-Gebiet. Ziel der Interessengemeinschaft ist es, die Qualität der Dreisam sowohl als Biotop für Tier- und Pflanzenwelt wiederherzustellen, als auch den Erholungswert für den Menschen zu erhalten bzw. zu verbessen (siehe www.ig-dreisam.de ).

Wasserentnahme: Grundsätzlich ist das Entnehmen von Wasser aus öffentlichen oberirdischen Gewässern in geringen Mengen zulässig. In Zeiten geringer Wasserführung gilt dies jedoch nicht! Es ist in Niedrigwasserzeiten durch eine Rechtsverordnung der Stadt Freiburg eingeschränkt (siehe Homepage der Stadt Freiburg, hier als PDF). Bezugsgröße für die Niedrigwasserführung für alle Freiburger Gewässer ist der Pegel der Dreisam in Ebnet.


Achtsamkeit an der Dreisam

Man muss sich erinnern: die Regulierung war ja vor allem für den Schutz vor Hochwasser gedacht, doch die blieben auch danach noch gefährlich. Heute gibt es an der Dreisam vielbefahrene Radwege, die bei Hochwasser rechtzeitig gesperrt werden.

Der Freizeitwert der Dreisam ist unbestritten: im Corona-Sommer 2020 war es an vielen Tagen der schönste Ersatz für einen Freibad-Besuch. Doch dieses Freizeit-Verhalten hat leider auch sein negativen Seiten; zu sehen insbesondere am vielen Unrat, der immer wieder liegen bleibt. Bedauerlich, dass es bei der Müllvermeidung noch immer noch so viel Verbesserungsbedarf gibt.

Aber um so erfreulicher, dass sich immer wieder Initiativen finden, die aufräumen und den Müllen einsammeln, z.B. “Freiburg putzt sich raus” oder auch die Initiative DreisamCleanUp. Herzlichen Dank an dieser Stelle!


Wer jetzt sogar noch mehr lesen mag…

(1) Empfehlen möchten wir zunächst das Buch von von Jörg Lange “Die Dreisam -Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft”. Erschienen 2007 im Lavori-Verlag und immer noch hochaktuell! Dort zu finden sind z.B. viele historische Aufnahmen, insbesondere auch Erläuterungen zur Begradigung nach den Entwürfen von Tulla ab 1817.

(2) “Die Mooswälder”: Natur- und Kulturgeschichte der Breisgauer Bucht. Herausgegeben im Auftrage des Badischen Landesverbandes für Naturkunde und Naturschutz e.V. von Helge Körner. Erschienen 2008 im Lavori-Verlag u.a. mit Beiträgen zur Dreisam und Betzenhausen-Lehen.

(3) Vom immerwährenden Unglück der Dreisam – eine kultur-historische Analyse (Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau, c/o Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschafte); siehe PDF hier.

(4) Unsere Dreisam – Zukunft Dreisam: Bürgerbeteiligungsprojekt im Gebiet der Gemeinde March

(5) Der Hinweis auf das größte Lexikon der Welt darf hier natürlich auch nicht fehlen: Wikipedia – Die Dreisam.

(6) Vom immerwährenden Unglück der Dreisam – eine kultur-historische Analyse. Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau c/o Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschafte (2006), Christoph Schade & Thomas Uhlendahl (hier als PDF-Download auf www.zobodat.at in der Zoologisch-Botanische Datenbank der Landes-Kultur GmbH, Linz).

(7) Axel Mayer, BUND Geschäftsführer: “Dreisam: Fluss oder Kanal?“.


Naturnahe Gartengestaltung – Jeder Garten zählt!

Es ist inzwischen traurige Gewissheit, die durch anerkannte Studien belegt ist: das Insektensterben hat beängstigende Ausmaße angenommen, die auch uns Menschen gefährden. Die Auswirkungen, die wir direkt erleben, sind neben sauberen Autoscheiben ziemlich „stumme“, leere Blumenbeete und abnehmende Vogelpopulationen. Da Insekten für die meisten Vogelarten die Hauptnahrung darstellen, und vor allem zur Fütterung der Jungvögel während der Brutzeit wichtig sind, sind die Auswirkungen bei Vögeln besonders deutlich. In Paris wurde zuletzt bei der Weltkonferenz zur Artenvielfalt Anfang Mai 2019 zu schnellem Handeln aufgefordert – das Artensterben bedroht die Zukunft des Menschen in gleichem Maße wie der Klimawandel. Auch wir Menschen brauchen eine intakte Natur, saubere Gewässersysteme, artenreiche, gesunde Wälder und unvergiftete Böden. Die rasante Abnahme der Arten auch in Deutschland zeugt von unserem ausbeutendem Umgang mit der Natur. Industrielle Landwirtschaft mit intensivem Gifteinsatz, rasanter Flächenverbrauch durch Straßenbau und Neubaugebiete sowie eine immer sterilere Gartengestaltung in den Städten (man nehme nur die lebensfeindlichen Schottergärten!), machen der Biodiversität den gar aus.

Die gute Nachricht: Jeder von uns kann durch sein Handeln nicht nur zum Klimaschutz beitragen, wir alle können auch helfen, die Biodiversität zu erhalten und zu fördern. Der Kauf von (lokalem und saisonalem) Bio-Gemüse und Getreide fördert z.B. giftfreie, nachhaltige Landwirtschaft vor Ort.

Besonders alle Gartenbesitzer sind gefragt! Eine naturnahe, giftfreie Gartengestaltung nützt allen wildlebenden Tieren, von der Amsel über den Igel bis zur Zauneidechse.

Hier eine paar Tipps, wie Sie die Natur in ihren Garten holen und jedes tierische Herz höher schlagen lassen:

  • Pflanzen Sie einheimische Gehölze statt Kirschlorbeer und Thuja! Letztere sind bei uns leider sehr beliebt, haben für unsere wildlebenden Tiere jedoch keinerlei ökologischen Nutzen, bieten weder Insekten noch Vögeln Brut- oder Lebensraum. Wer es blickdicht mag, kann zu Hainbuche oder Liguster als Schnitthecke greifen.
  • Wer mehr Platz zur Verfügung hat, kann eine richtige, blüten und beerenreiche Hecke aus z.B. Wildrosen, Hartriegel, Holunder, Schneeball oder Paffenhütchen pflanzen. Diese bietet durch ihren Blütenreichtum im Frühjahr (Wild-) Bienen Nektar und durch die Beeren Vögeln im Winter wertvolles Futter.
  • Pflanzen Sie Obstbäume! Alle Obstgehölze bieten wichtige Bienennahrung und sind im Alter wertvoller Vogellebensraum
  • Wer zumindest einen Teil seines Rasens in eine Blumenwiese umwandelt, spart Zeit, durch die nur zweimal jährliche Mahd (Juni und September) und wird durch den Besuch von Schmetterlingen und Wildbienen belohnt. Man kann seinen Rasen durch Wiesenkräuter-Samen beimpfen oder einfach mal abwarten, was denn so wächst – gerade ältere Rasen sind oft erstaunlich artenreich, wenn man sie lässt…
  • Kletterpflanzen wie Efeu, wilder Wein oder auch Blauregen sehen hübsch aus, kaschieren manches, was man nicht so gerne sehen mag und sind wertvoller Brutplatz für Vögel. Altes Efeu ist sogar ein echter Tausendsasa, bietet Pollen, Beeren und Versteckmöglichkeiten.
  • Auch Totholz gehört zur intakten Natur dazu. Im naturnahen Garten darf ein abgestorbener Baum stehen bleiben und wird von Wildbienen und Bockkäfern bewohnt. Die frisst dann der Buntspecht, der sich freut, endlich nicht nur in gedämmte Fassaden sondern in sein abgestammtes Habitat hacken zu dürfen. Wem das Toltholzthema noch zu radikal erscheint: ein toter Ast in der Sonne kann Sonnenplatz von Zauneidechse oder Blindschleiche werden. Ein Totholzhaufen in einer ruhigen Ecke ist Rückzugsort für Igel oder Brutplatz des Zaunkönigs.
  • Nistkästen für Vögel und Insektenhotels dürfen natürlich ebenfalls in keinem Naturgarten fehlen.

Ein Naturgarten bereichert durch seine Vielfalt und die Beobachtungsmöglichkeiten, die seine zahlreichen Bewohner bieten. Insgesamt gilt: je größer die Strukturvielfalt im Garten, desto größer die Artenvielfalt. Ostbaum, Wiese, Hecke, Gartenteich (ohne Goldfische sondern mit Bergmolch und Libellen) und Totholzhaufen bieten einer Vielfalt von Insekten, Vögeln und vielleicht sogar Amphibien und Reptilien Lebensraum.

Ein weiterer Vorteil: Ein naturnaher Garten ist kostengünstig, da einheimische Gehölze und Kräuter im Vergleich zu Zuchtsorten sehr viel billiger zu haben und auch robuster sind, es gibt kaum Ausfälle. Zudem spart man im Naturgarten Zeit, da im Blumenbeet mehrjährige Stauden stehen, es muss nicht jährlich neu gepflanzt werden. Die von selbst aufgekommenen Wildkräuter, die gefallen, dürfen bleiben, bieten Insekten Nahrung und füllen Lücken.

Natürlich müssen nicht alle oben aufgeführten Punkte „abgearbeitet“ werden, um Insekten und Vögeln zu helfen. Und natürlich sollen jetzt nicht alle Forsythien oder Rhododendren gerodet werden. Die exotischen Farbklekse haben in der Gartengestaltung bei uns seit jeher ihren Platz. Aber vielleicht sind Sie ja neugierig geworden und wollen etwas mehr Natur in ihrem Garten wagen? Auch Balkonbesitzer können im Kleinen ein richtiges Naturparadies schaffen.

Tolle Inspirationen und Tipps finden Sie auch unter: www.naturgarten.org oder www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/. Viel Spaß!

Der Mühlbach in Betzenhausen

Die letzte Mühle in Betzenhausen

Der heutige Mühlbach hat nicht mehr viel zu tun mit dem ursprünglichen Gewässer, das über lange Zeit das Leben in Betzenhausen geprägt hat. Der frühere Mühlbach (Mühlebach) war ein Wasserkanal mit mehreren Metern Breite und folglich auch mit weit mehr Wasser: nur so konnten auch die Wasserräder betrieben werden. Nebenbei versorgte dieser Bach auch noch die umliegenden Wiesen mit Wasser. Der Mühlbach galt einst als Lebensader von Betzenhausen (Beitrag aus Bürgerblättle 161, Juni 2002).

Auch der alte Mühlbach wurde über die Dreisam gespeist (mit Abzweigung etwa auf der Höhe der heutigen Berliner Allee) und endete wie heute hinter Legen. Es war also schon damals ein Runzbach. Der heutige Bach bei der Anne-Frank-Schule entspricht etwa noch dem ursprüglichen Lauf.

Über den Mühlbach wurden sogar im Jahr 1941 noch drei Wasserräder betrieben: eines gehörte zur Firma Beck, die Polsterwatte herstellte. Eine Wasserrad gehörte zur Mehlmühle Messerschmitt an der Dietenbachstraße (siehe Bild), die noch bis Ende der 1960er Jahre betrieben wurde. Diese letzte Mühle wurde auch erst 2002 abgerissen (siehe Bürgerblättle 161, Die alte Mühle von Betzenhausen ). In Lehen gab es dann noch ein Wasserrad, über das Maschinen zur Bürstenherstellung betrieben wurden.

Für die Kinder war der alte Mühlbach eine Gelegenheit um zu baden: in den 1920er-Jahren war sogar mal im Gespräch, dort ein Freibad einzurichten, denn in Betzenhausen hatte noch kein Schüler-/Volksbad wie andere Stadtteilen. Aber der Wasserstand war wohl zu schwankend und auch das Wasser nicht immer sauber genug: keine Wunder bei der verbreiteten Wassernutzung über Färbereien,  Fabriken sowie Gas- und Elektrizitätswerke (ein Bad wurde am Ende im Keller der Volksschule realisiert, siehe Beitrag hier).

Irgendwann war die Zeit der Wasserränder vorbei; und auch die Bewässerung der Wiesen nicht mehr erforderlich. In den 1960-er Jahre kamen zwei Bauvorhaben dem Mühlbach bzw. dem vorherigen Abzweig aus der Dreisam in die Quere: der Bau des Zubringers-Mitte mit Berliner Allee und auch die dort neu verlegte Gasleitung. Der vorherige Zulauf wurde geschlossen und Teile des Mühlbachs dort zugeschüttet. Zeitweise war sogar die komplette Trockenlegung diskutiert worden; allerdings konnten Vertreter von Betzenhausen und Lehen intervenieren. Mit dem Runz-Wesen verknüpft sind auch alte Wasserrechte der Runzmitglieder, die nicht einfach so übergangen werden können. So kam es zur heutigen “Notlösung” mit Restwasser aus der Escholz-/Metzgergrün-Runz.

Und so ist der heutige Weg des Wassers zu uns: nach Ausleitung aus der Dreisam auf Höhe Sandfang führt der Wasserweg über Gewerbekanal bis zum Martinstor. Von dort geht es überwiegend unterirdisch weiter entlang Metzgerau bis zur Faulerstrasse.  Dann Unterquerung der Bahnhofs-Bahnlinie und ab Kanalstrasse teilweise oberirdisch weiter entlang Ferdinand-Weiß-Strasse: durch die Schrebergärten an der Bissierstrasse, um dann die Berliner Allee zu unterqueren. Die Restmenge an Wasser füttert ab Anne-Frank-Schule unseren heutigen “Mühlbach”.

Gleich im ersten Abschnitt hinter der Anne-Frank-Schule wurde Ende der 1980-Jahre mit der neuen Bachführung auch ein Feuchtbiotop angelegt. Für dieses “Schulbiotop” hat dankenswerterweise und mit viel Engagement die Anne-Frank-Schule schon 1998 eine Bachpatenschaft übernommen (siehe Bericht zur Übergabe der Urkunde im Bürgerblättle 148). Auch über die Pflege durch Eltern und Kinder der Schule haben wir gelegentlich berichtet, z.B. im Bürgerblättle 183 (April 2007).

Das Bett des Mühlbachs führt vorbei an Sonnland und den SFE Sportplätzen weiter in Richtung Lehen (mit Unterquerung Paduaallee); in Lehen führt schliesslich der Weg zurück in die Dreisam an der Strasse “Im Hirschgarten”.

Leider hat dieser Rest Mühlbach kaum eine Chance zu aktivem Flussleben; zumal er inzwischen sehr oft ausgetrocknet ist (z.B. in trockenen Sommermonaten aber auch begründet durch Wartungsarbeiten am Gewerbekanal). Unrat tut ein Übriges. Der Zustand den Mühlbachs war schon häufig Thema im Bürgerblätte (z.B. Ausgabe 146 von 1998 mit dem Bericht “Warum gibt es im Mühlbach keine Forellen mehr ).

Der Bürgerverein Betzenhausen und Ortsverein Lehen setzen sich ein für eine weitere Renaturierung des Mühlbachs ein, was z.B. als Ausgleichsmaßnamen für aktuelle Bauvorhaben erfolgen könnte.


Stand 03.2020

2018 und 2019 waren sehr trockene Jahre und der Mühlbach praktisch das ganze Jahr über ausgetrocknet. Dies liegt zum einen am Wassermangel in diesen Jahren (Klimawandel), zum anderen wurde auch die EU Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt: nach dieser Richtlinie muss die Dreisam nun bei trockener Witterung einen höheren Restwasserspiegel behalten, um die dortigen Fischbestände zu schonen. Der Mühlbach bekommt sein Wasser als “Restgewässer” vom Gewerbekanal, der am Sandfangwehr in Littenweiler abzweigt. Wenn bei Trockenheit für den Gewerbekanal die Wassermenge reduziert wird, kommt weniger in Betzenhausen-Bischofslinde an. Das wenige Wasser versickert zudem unterwegs. Eine technische Möglichkeit, um Wasser bis nach Lehen zu behalten, wäre das Einbauen von Lehmmatten, schon auf Höhe des Stühlingers. Dies ist jedoch eine aufwenige und teure Methode. Sie könnte vielleicht als Ausgleichsmaßnahme für die Baugebiete Kleinescholz und Metzgergrün fungieren. Der AK Natur hat der Stadtverwaltung entsprechende Vorschläge gemacht.

 

Geschichte der Störche in Betzenhausen

Der Bürgerverein arbeitet ehrenamtlich, um das Nest der Weißstörche auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Alt-Betzenhausen instandzuhalten und dort eine Kamera/WebCam zu betreiben (seit 2011): es ist übrigens eine von ganz wenigen WebCams in Freiburg.

Auch im Bürgerblättle berichten wir regelmäßig über die Entwicklung der Störche in Betzenhausen (z.B. Ausgabe 233, Aug./Sept. 2015 und 262 Aug./Sept. 2020).


Der Weißstorch als bedrohte Tierart

Der Weißstorch (Adebar) stand lange Zeit auf der Liste bedrohter Tierarten. Gleichzeitig ist für kaum eine Vogelart die Bestandsentwicklung so gut dokumentiert wie beim Weißstorch. Ein paar bundesweite Zahlen: im Jahr 1934 wurden auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland rund 9.000 Brutpaare gezählt, im Jahr 1988 ergab eine Bestandserhebung gerade noch 2.949 Brutpaare. Danach hat sich der Bestand aber dank intensiver Schutzbemühungen wieder erholt: 1994 wurden bundesweit 4.155 Brutpaare gezählt, 2017 waren es schon 6.756 Brutpaare (Quelle: LUBW Karte des Monats vom 29.05.2020).

Mitte der 70er Jahre gab es in Baden-Württemberg nur noch 15 Weißstorch-Paare und davon keines mehr in unserer Region: der Bestand war auch hier seit Beginn der 50er Jahre kontinuierlich zurück gegangen. Im Jahr 2002 wurden dann aber schon wieder rund 200 Brutpaare gezählt, was etwa dem Stand der 1950er Jahre entsprach. Im Jahr 2019 belegten in Baden-Württemberg schon wieder 1.334 freifliegende Weißstorch-Paare ein Nest (davon allein ca. 130 Paare im Breisgau; an der Spitze stehen die Kreise Karlsruhe und Ortenau).

Innerhalb der letzten 10 Jahren (von 2010 auf 2020) hat sich die Zahl der Brutpaare sogar verdoppelt (siehe Statistik hier). Zu dieser schönen Entwicklung hat auch das Nest auf dem Turm der St. Thomas Kirche seinen kleinen Beitrag geleistet.

Wie das Lebensjahr eines Storchs typischerweise aussieht, haben wir in einem eigenen Beitrag unter dem Titel “Das Jahr der Störche” zusammengefasst.

Der Weißstorch bevorzugt ein Leben in Flussniederungen mit Feuchtwiesen und Teichen sowie landwirtschaftlich extensiv genutztes Grünland. Alles weitere zu seinen Lebensgewohnheiten beschreibt der Verein Weißstorch Breigau unter dem Titel Vogel dreier Kontinente.

Das Storchennest in Betzenhausen

Der Storchenhorst auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Betzenhausen hat eine lange Tradition, beherbergt aber nicht jedes Jahr ein Storchenpaar. Bereits 1827 wurde eine Storchenbrut im Rahmen der badischen Landesvermessung dokumentiert. Das Nest war 1870, in den Jahren 1911-1913 und weiterhin bis 1951 besetzt. Nach mehrjährigem Ausbleiben gab es noch 1955 und dann 1963 eine letzte Brut. Danach brach die Storchenpopulation deutschlandweit zusammen: Ursache waren wohl die weitreichenden Veränderungen der Landschaft und der damit verbundene Verlust an Lebensraum (z.B. durch Flurbereinigungen und die Entwässerung von Feuchtgebieten).

1980 wurde dann wieder ein Storch im Bürgerblättle protokolliert. Um Störche weiterhin anzulocken, wurde im Jahr danach ein neuer Nistkorb eingerichtet. Initiator war der Deutschen Bund für Vogelschutz, ein Vorläufer vom heutigen Naturschutzbund Deutschland (Nabu).  Das Nest hatte man bei einem Korb-Flechter aus Schleswig-Holstein anfertigen lassen; die Feuerwehr sorgte für den Transport nach oben. Sogar die lokale Presse berichtete über dieses Ereignis.

Aber das reichte nicht aus: vorerst blieb das Nest unbewohnt, genauso wie andere Nester in der Umgebung. Also versuchte man es Ende der 80er Jahre mit Auswilderung einige Jungtiere in unserer Region: beteiligt an dieser Initiative war u.a. der Tierfilmer Hagen Späth, der später auch Mitbegründer des Vereins “SOS Weißstorch” wurde. In den Folgejahren  dann der Erfolg: ab 1989 mit einem Brutpaar und 4 Jungen fanden fast durchgängig Störche ihr Zuhause in Betzenhausen und fast immer hat auch Nachwuchs überlebt; in Einzelfällen sogar mit fünf Jungvögeln. Von 1989 bis 2020 sind in Betzenhausen 59 Jungstörche ausgeflogen.

Die Wiederansiedlung ist also gelungen und im Mai 2009 erhielt die Kirche St. Thomas dafür die Nabu-Plakette “Lebensraum Kirchturm”: entgegen genommen vom Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie. Beim jährlichen Hock in Betzenhausen wurde das zugehörige Weinglas auch schon mal mit einem passenden Bild der Störche verschönert.

Siehe auch weitere Impressionen und Geschichten aus den letzten Jahren. Nicht weit entfernt vom Storchennest steht die imposante Gaskugel von Betzenhausen: Und da gibt es durchaus Verbindungen (siehe Störche und die Gaskugel).

Weißstorch Breisgau e.V.

Weiteren Informationen, speziell über die allgemeine Entwicklung der Weißstörche im Breisgau, ist beim Verein “SOS Weißstorch” zu finden, der sich nach den genannten Erfolgen umbenannte in Weissstorch Breisgau e.V.: der Verein sorgt u.a. dafür, die Jungstörche im Alter von 4 bis 6 Wochen einen beringt werden. Dabei wird ein Kunststoffring am Bein befestigt; dort ist eine individuelle Nummer eingetragen, mit deren Hilfe die Störche schon mit einem Blick durchs Fernglas oder Spektiv identifiziert werden können. Der Ring ist leicht und stört die Tiere in keiner Weise, hilft aber bei Forschungsarbeiten: so lässt sich z.B. nachvollziehen wo und mit welchem Partner die Störche brüten, wann sie ihre Reise nach Afrika antreten oder zurückkommen.

Der Verein betreibt in Reute eine Pflegestation, in der auch schon Jungstörche aus Betzenhausen versorgt wurden (z.B. im Jahr 2019 nach einem voreiligen Flugversuch).

Weissstörche aus dem Breisgau gehören zu den Westziehern, d.h. für ihr Winterquartier fliegen sie südwärts über Frankreich nach Spanien und Portugal, ggf. auch weiter über Gibraltar nach Westafrika; manche sogar zum Nigerdelta (siehe Infos des Nabu unter dem Titel “Ein Vogel auf Weltreise”). Bei Interesse an den Flugrouten unserer Störche: einige Tiere aus dem Breisgau tragen inzwischen kleine Sender. Über die App “Animal Tracker” lässt sich erkennen, wohin deren Reise in den Süden geht.  Einen Sender haben insbesondere diejenigen Störche erhalten, die in der Aufzuchtstation in Reute betreut werden mussten: so möchte man u.a. erkennen, ob sie andere Routen wählen als die frei fliegenden Störche.

Bei dieser Gelegenkeit auch ein Blick auf weitere Nester im Bereich von Freiburg (laut Infos der Stadt 2020). In Freiburg gibt es insgesamt 26 Nester. Davon allein 15 auf dem Mundenhof, alle besetzt mit Brutpaaren und 33 Jungstörchen als Nachwuchs. Riegel hat 12 Nester, in Reute liegen 14 Nester auf zwei Ortsteile verteilt.

Gefahr durch Asiatische Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke ist bei uns eigentlich nicht heimisch und sie ist sehr aggressiv. Seit dem Jahr 2015 gibt es Populationen in Freiburg (im Sommers 2018 auch im Nachbarstadtteil Mooswald gemeldet).

Weibchen der Asiatischen Tigermücke auf einem Ligusterzweig sitzend

Der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zu Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS e.V.) angegliederte Institut für Dipterologie (ID) wurde von der Stadt Freiburg beauftragt, diese Populationen zu bekämpfen und zu eliminieren.

Geeignete Brutstätten der Asiatischen Tigermücke sind jegliche Behältnisse natürlicher oder künstlicher Art, in denen über mehrere Tage hinweg Wasser stehen kann.

Im ersten Schritt ist es wichtig, vorhandenen Populationen zu melden, alle relevanten Informationen zur Meldung sind unten dem nachfolgendne Link zu finden:  www.freiburg.tigermuecke.info.

 

Hilfe für unsere Schwalben – Machen Sie mit!

Jedes Jahr im April kehren die Mehlschwalben von ihrer Reise nach Afrika zu uns zurück. Früher waren die hübschen Zugvögel in allen Städten häufig, inzwischen sind sie in ihrem Bestand bedroht. Auch in Betzenhausen-Bischofslinde sind sie in den letzten Jahren immer seltener geworden. Eine Begehung des Stadtteils im Frühjar 2018 brachte ernüchternde
Ergebnisse: Naturnester waren im vergangenen Jahr im Stadtteil überhaupt keine mehr zu finden.

Der Bürgerverein, der Nabu Freiburg und Bauernhoftiere für Stadtkinder e.V. machen sich seit 2018 gemeinsam für die Mehlschwalben im Stadtteil stark (siehe auch Bericht im Bürgerblättle 255, April/Mai 2019).

Um den Bestand der Mehlschwalbe in Betzenhausen-Bischofslinde langfristig konstant zu halten oder zu vergrößern, ist es dringend notwendig, Grünflächen zu erhalten, offene Erdbereiche anzubieten und weitere Nisthilfen anzubringen. Für letzteren Punkt bedarf es der Mithilfe der Bürger. Angebracht werden Nisthilfen unter dem Dachtrauf. Geeignet sind wetterabgewandte Hauswände (Ost oder West) ab zwei Meter Höhe.

Der Nabu würdigt Naturfreunde, die Schwalbennester an Ihren Gebäuden erhalten mit einer Plakette und einer Urkunde. Sind bei Ihnen Mehlschwalben willkommen? Lassen Sie ihr Haus durch den Nabu auszeichnen!

Bei Interesse oder Fragen melden Sie sich bitte unter: kerstin.geigenbauer@gmx.de oder 0761/4893181.


Zur weiteren Info hier Auszüger aus einem Bericht im Bürgerblättle 213, April / Mai 2012.

Hilfe für die gefiederten Glücksbringer

Die Mehlschwalbe bei der Aufnahme von Nistmaterial. Mit freundlicher Genehmigung von Markus König (www.koenig-naturfotografie.com).

Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) ist ein hübscher Sommervogel Mitteleuropas mit blauschwarzer Ober- und hellweißer Unterseite. Im Flug sieht man den weißen Bürzel. Ein bisschen sieht sie aus, als wäre sie im Mehl gelandet, daher rührt vermutlich auch der Name.

Den Winter verbringt die Mehlschwalbe im fernen Afrika, ab April/Mai kann mit der Rückkehr des wendigen Fliegers gerechnet werden. Ihr Erscheinen nach der kalten Jahreszeit und ihre Eigenschaft als emsiger Insektenfresser (Nützling) haben ihr den Ruf als Frühlingsbote und sogar Glücksbringer beschert.

Mehlschwalben brüten in Kolonien an Hauswänden unter dem Dachtrauf in selbst erbauten, kugeligen Nestern aus Lehm. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Vögel in Dörfern und sogar Städten so häufig, dass sie auch als Stadtschwalben bezeichnet wurden. In letzter Zeit nehmen die Bestände allerdings besorgniserregend ab. Schuld daran sind der Schwund von Nahrungsflächen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft und vermehrten Siedlungsbau und die unbeabsichtigte oder beabsichtigte Zerstörung von Nestern durch die Renovierung von Gebäuden oder aus »ästhetischen Gründen«. Außerdem ist die zunehmende Flächenversiegelung ein großes Problem, da die Vögel kaum mehr offene Bodenstellen, wie z. B. an Ufern unbegradigter Flüsse und Bäche, finden, um geeignetes Nistmaterial für ihre Nester heranzuschaffen.

Frau Hensler aus der Lichtenbergstraße 36 kennt das Problem. Bei ihr versuchten zwei Paare am Haus Naturnester zu errichten, doch: »Die Nester brachen immer wieder ab.« Deshalb hat die Familie vier »Wohnheime«, künstliche Schwalbennester angebracht. Diese sind jedes Jahr besetzt; Wenn Mehlschwalben einen Neststandort einmal angenommen haben, bleiben sie ihm über Generationen treu.

In der Lichtenbergstraße haben noch weitere Naturfreunde künstliche Mehlschwalbennester an ihre Häuser angebracht und leisten damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Im Sommer kann man die Mehlschwalben in Betzenhausen-Bischofslinde im Obergrün, an der Dreisam und im Seepark auf der Jagd nach Insekten beobachten. Dabei hört man auch ihren Ruf, ein raues »Tschirpp Tschirrp«. Ihre nahe Verwandte, die Rauchschwalbe (Hirundo rustica), kommt ebenfalls im Stadtteil vor. Sie baut ihre schalenförmigen Lehmnester innerhalb von Gebäuden wie Viehställen, Garagen und auch Carports. Auch die Rauchschwalbe ist bedroht und kann durch das Anbringen von Nisthilfen unterstützt werden. Dabei sollte auf freie Einflugmöglichkeiten z. B. durch ein ständig gekipptes Fenster, geachtet werden.

Jeder kann den Schwalben helfen, indem er künstliche Nester an seinem Haus anbringt. Die speziellen Nisthilfen werden in jedem Baumarkt und größerem Zoogeschäft angeboten. Für Mehlschwalben sollten sie an die wetterabgewandte Seite am Haus unter dem Dach angebracht werden. Besonders leicht werden sie von den geselligen Vögeln angenommen, wenn schon besetzte Nester in der Nachbarschaft existieren. Ansonsten muss man sich meist ein oder zwei Jahre gedulden. Gegen eine Verschmutzung der Fassade kann ein Brett Abhilfe schaffen, dieses sollte allerdings mit genügend Abstand (ca. 50 cm) unter dem Nest angebracht werden, damit die Vögel ungestört anfliegen können.

Helfen Sie mit, Betzenhausen-Bischofslinde zu einem schwalbenfreundlichen Stadtteil zu machen! Bringen Sie jetzt, bevor die sympathischen Weltenbummler aus dem Winterquartier zurückkehren, eine Nisthilfe an. Belohnt werden Sie mit Ihren ganz persönlichen Glücksbringern am Haus. Wenn Sie Fragen zum Anbringen von Nisthilfen allgemein oder speziell an Ihrem Haus haben, können Sie sich gerne an bauernhoftiere-fuer-stadtkinder@gmx.de wenden.

Kerstin Geigenbauer

 

„Klimawandel-Garten“ im Seepark

Das Gesicht des nördlichen Seeparks wird sich verändern: durch den Klimawandel, und vor allem den vergangenen heißen Sommer 2018 wurde das Mammutwäldchen beim Bürgerhaus in der Vergangenheit stark geschädigt.

Die Mammutbäume, die 1984 und 86 gepflanzt wurden, stehen auf einem extrem steinigen, für die Art ungeeigneten Boden und wurden zudem bereits im Hitzesommer 2003 stark geschädigt. Der heiße Sommer 2018 hat sein Übriges getan – viele der stattlichen Bäume waren im vergangenen Herbst völlig oder fast völlig abgestorben, eine Genesung ist bei solch stark geschwächten Bäumen nicht zu erwarten. Deshalb wurden im Dezember 2018 zahlreiche kranke Mammutbäume gefällt.

Doch so kahl soll es nicht bleiben: Das Garten- und Tiefbauamt Freiburg plant in dem Bereich langfristig die Anlage eines „Klimawandel-Gartens“, der auch eine Art Experimentierfeld für künftige Stadtbäume werden soll. Aus hitze- und trockenheitsresistenten, sowohl exotischen als auch einheimischen Baumarten soll eine vielfältige und strukturreiche Parklandschaft mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen, angelehnt an einen „Englischen Landschaftsgarten“. Ziel ist eine natürlich wirkende Pflanzung, bestehend aus großkronigen Schirmbäumen (z.B. Zerr-Eiche), Hecken und Gebüschen.

Noch vitale Mammutbäume werden in das Konzept integriert. Auf den Hinweis des Arbeitskreises Natur und Umwelt des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde hin wurde der Brutplatz der bislang im Mammutwäldchen brütenden Waldohreule im vergangenen Jahr gesucht und gefunden, dieser Brutbaum wird ebenfalls erhalten bleiben.

Wir haben auch vorgeschlagen, dass einige völlig von Efeu eingewachsene Bäume nicht ganz entfernt, sondern aus Verkehrsicherungsgründen eingekürzt werden und stehenbleiben dürfen, um als Lebensraum zumindest für ein paar Jahre erhalten zu bleiben, bis die neu gepflanzten Bäume etwas gewachsen sind. Alte Efeupflanzen haben nämlich einen sehr hohen Wert als Nistplatz für Vögel, liefern Bienen und anderen Insekten im Spätsommer Nektar und Vögeln mit ihren Beeren wertvolle Winternahrung.

Die Stadtverwaltung nahm unsere Vorschläge entgegen und versprach sie zu prüfen. Wenn es hier gelingt, heimische Artenvielfalt mit optisch ansprechenden Exoten geschickt
zu kombinieren, kann unseres Erachtens ein tolles Projekt entstehen, wovon Bürgerschaft und Wildtiere im Stadtteil gleichermaßen profitieren. Die Umgestaltung soll laut Stadtverwaltung, auch aus Kostengründen, in drei Abschnitten von West nach Ost erfolgen.

Siehe ausführlicher Bericht im Bürgerblättle 244, Dez.2018/Jan.2019. Bei Interesse oder Fragen melden Sie sich bitte unter: kerstin.geigenbauer@gmx.de oder 0761/4893181.


Aktuelle Info zum Stand von Kristina Paleit,  Stadt Freiburg:

Aufgrund der Witterung wird die Baustelle im Seeparkgelände bis voraussichtlich 3.5.2019 in Betrieb sein.

Die Bäume sind inzwischen alle gepflanzt, es werden nun noch die Bodenarbeiten ausgeführt.

An Ostern ist die Baustelle nicht in Betrieb. Der Absperrzaun wird nach der Auflösung der Baustelle voraussichtlich noch weitere 8 Wochen verbleiben bis die Ansaaten vollständig aufgelaufen sind