Aktuelle Infomationen zum Stadtteil Betzenhausen

Bürgerhock Betzenhausen-Bischofslinde (1973 – 2012)

Eigentlich hatte der Bürgerhock Betzenhausen-Bischofslinde eine lange Tradition: Ausgangspunkt für ein erster großes gemeinsames Fest war die 1000-Jahrfeier von Alt-Betzenhausen im Jahr 1973. In den Folgejahren organisierte der Bürgerverein zusammen mit anderen Vereinen jährlich einen Hock, der immer über ein komplettes Wochenende ging: bis 2001 wurde auf dem Platz vor der St. Thomaskirche gefeiert, bis zum Ende 2012 dann auf dem Betzenhauser Torplatz.

Einen besonderen Bürgerhock gab es Jahr 1984, nachdem der Platz vor der St. Thomas Kirche mit der Linde im Zentrum neu gestaltet worden war (z.B. mit Kopfsteinpflaster). Der Platz bekam auch erst da seinen Namen “St. Thomas-Platz“ und er prägt – zusammen mit der Kirche und dem umgebenden Friedhof – seither den Dorfkern von Alt-Betzenhausen. Durch Fertigstellung der Westrandstrasse (Paduaallee) war damit endgültig die Dietenbachstr. vom Durchgangsverkehr befreit. Die Neueröffnung wurde mit einem besonderen Bürgerhock gefeiert unter Beteiligung des Bürgervereins und vieler anderer Vereine im Stadtteil (so der Bericht im Bürgerblättle Aug. 1984).


Um einen Eindruck zu gewinnen, im folgenden der Bericht über den letzen Hock 2012, wobei zu dem Zeitpunkt nicht klar war, dass es das – vorerst – letzte Fest in dieser Form war.

Bericht aus Bürgerblättle 215 Aug./Sept. 2012.


Das Wetter setzte dem Bürgerhock nach zwei tollen Tages ein vorzeitiges Ende.

Der Bürgerhock ist ein Stadtteilfest, das allen Besuchern richtig Spaß macht. Die Vereinsgemeinschaft der beiden Musikvereine Betzenhausen-Bischofslinde und Freiburg-Mooswald, von Sportbund Sonnland, Jugendzentrum Chummy, Liederkranz und dem Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde hatte sich zum Bürgerhock am Betzenhauser Torplatz einiges einfallen lassen.

Zum Fassanstich durch Baubürgermeister Martin Haag hatte der Bürgerverein den Teninger Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker eingeladen. In diesem Jahr wird die Partnerschaft unseres Stadtteils mit der Stadt Teningen offiziell besiegelt werden. Mit Freibier und einem Gläschen Sekt wurde der Bürgerhock eröffnet und die Partnerschaft konnte so schon einmal gemeinsam gefeiert werden.

Nach dem gekonnten Fassanstich verwöhnte der Eisenbahner-Musikverein mit bekannten und abwechslungsreichen Melodien die zahlreichen Hockbesucher. Am frühen  Samstagabend hatten die BächleSörfer die Besucher wieder schnell auf ihrer Seite. Jürgen Hack und Günther Gassenbauer sorgten für tolle Stimmung, und immer mehr Besucher schwangen das Tanzbein. Bis in den späten Abend herrschte auf dem vollbesetzten Festplatz eine ausgelassene Stimmung. Gegen 23 Uhr setzten dann Regen und Sturm dem Bürgerhock leider ein jähes Ende.

Die Vereinsgemeinschaft verwöhnte kulinarisch mit einem reichhaltigen Angebot an Speisen und Getränken. Im Weinstand gab es eine große Auswahl von Sekt und Weinen vom Weingut Schätzle, der in diesem Jahr seinen Weinstand erstmals beim Bürgerhock aufgestellt hatte. Es fanden sich so Gelegenheiten zur einem Plausch – ob am Bierstand oder am Weinstand.

Am Sonntag bot der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde schon zur Mittagszeit an der Kuchentheke ein reichhaltigen Angebot von selbstgemachten Kuchen und Torten an. Der Sonntag sollte ganz im Zeichen der Blasmusik stehen. Der Wettergott hatte mit dem Bürgerhock aber leider kein Einsehen und sorgte am Sonntag mit Dauerregen dafür, dass der dritte Bürgerhock-Tag komplett ins Wasser fiel. Das war für die Vereine, aber auch für die Hockbesucher recht schade. Der Bürgerhock war zumindestens zwei Tage lang ein Fest für die ganze Familie.

Die Vereinsgemeinschaft war mit dem verregneten Bürgerhock natürlich nicht zufrieden und dankt besonders der Metzgerei Goldschmidt für ihre vielfältige Unterstützung. Dank geht an die vielen Besucher aus nah und fern, aber auch an die Anwohner für ihr Verständnis, dass drei Tage Bürgerhock vor ihrer Haustüre stattgefunden haben. So endete der Bürgerhock in diesem Jahr mit dem vorzeitigen Abbau ab 18 Uhr.

Abschließend noch ein herzliches Dankeschön an immerhin über 100 Besucher, die sich am Sonntagmittag trotz Dauerregen nicht abhalten ließen, einige gemütliche Stunden im »Musikerzelt« zu verbringen.

„„Michael Kott

 

Holz-Installationen auf dem Torplatz

Für 34 Jahre waren sie ein Erkennungsmerkmal für Betzenhausen: die grossen Holz-Skulpturen/Installationen auf dem Betzenhauser Torplatz. Mitte Oktober 2020 wurden sie bei der Neugestaltung des Platzes entfernt.

Kurz zum Hintergrund: der Torplatz war 1986 zentraler Eingangsbereich zur Landesgartenschau im Seepark. Die Holz-Kunstwerke wurde extra für die Gartenschau entworfen von Architekt Hans-Dieter Schaal aus Attenweiler und eigentlich sollte es nur eine temporäre Installation für den Zeitraum der Ausstellung sein. Doch sie blieben stehen und waren damit auch dem Zahn der Zeit ausgesetzt: das Holz verwitterte und wurde immer unansehnlicher. Bereits 10 Jahre nach der Ausstellung berichtete der Bürgerverein erstmals im Bürgerblättle über den kontinuierlichen Verfall.

Im Jahr 2020 wird der Betzenhauser Torplatz im Rahmen des ZAK (= Zentren-Aktivierungs-Konzept) neu gestaltet, wobei dann auch die Skulpturen ihr Ende gefunden haben. Der Künstler selbst hatte nichts dagegen: er hatte sich auf Nachfrage schon 2009 überrascht gezeigt, dass diese Konstruktionenen überhaupt noch stehen.

Gross und beeindruckend waren die Skulpturen, was sicher auch ein Grund war, warum Sie so lange stehen geblieben sind. Aber unspektakulär war dann doch das Ende: aufgrund der Holz-Imprägnierung mussten sie als Müll abtransportiert werden. Nur die Pergula bleibt übrig: sie steht auf dem Privat-Teil des Torplatzes, der nicht in die Umbaumaßnahmen einbezogen werden konnte.


Da die Holz-Skulpturen über die Jahre zu einem Erkennungsmerkmal von Betzenhausen geworden waren, hier einige Erinnerungs-Fotos (ein Dank an Helmut Schiemann, der die Bilder im Okt. 2020 kurz vor dem Abriss erstellt hat).

 

 

 


Auch waren die Holz-Installationen in den vergangenen Jahren mehrfach Titelbild in unserem Stadtteil-Magazins “Bürgerblättle”; deshalb hier auch ein kurzer Rückblick auf frühere Berichte.

Der Platz wird schon 1998 auf der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins als “Sorgenkind” bezeichnet, da sich die großen Kunstobjekte in einem wenig attraktiven Zustand befänden. Im September des gleichen Jahres wurden einige schadhafte Stellen des Kunstwerks wurden von der Stadt ausgetauscht. Aber insgesamt werden die Kunstwerke als “trist und verwahrlost” empfunden, wie es auch die BZ berichtet. So kam die Idee auf, die Kunstwerke mit einem neuen Anstrich zu versehen. Allerdings ergab Rücksprache mit dem Künstler Dieter Schaal, dass dies nicht seinem Wunsch entspricht: eher sei der Verwitterungsprozess Bestandteil seiner Arbeit.


Beitrag im Bürgerblättle 168 (März / Juni 2004)

Zu unserem Titelbild: “Was wird aus dem “Schaal’schen Kunstwerk”?

Vor der Landesgartenschau 1986 hatten sich die Organisatoren und der damalige Bürgerbeirat überlegt, wie der Haupteingang zu diesem Freiburger Großereignis gestaltet werden könnte. Unmittelbar an der Stadtbahnhaltestelle gelegen wäre doch wohl ein Kunstwerk angebracht! Man entschied sich für den recht interessanten Entwurf des Ulmer Künstlers Hans- Dieter Schaal.

Der Künstler “versteht den südlichen Teil des Platzes (so berichtet der offizielle Landesgartenschauführer von 1986) zur Sundgauallee als Bühne vor einem Hintergrund aus großen Bäumen. Auf ihr werden die Grundformen für den Eingang zusammen mit einem keilförmigen Wandelement an einem spannungsvollen Ensemble von insgesamt 4 Torelementen arrangiert, das neugierig macht und einlädt, den Platz und das dahinter gelegene Seeparkgelände zu erkunden.”!

Einst war dies auch ein recht stattliches und ansehnliches Kunstwerk, das auch zu vielen eigenen Spekulationen und Erklärungen eingeladen hatte. Auch der Bürgerverein hatte sich dafür finanziell engagiert. Doch heute, und dies schon seit einigen Jahren, ist es eher zu einem Schandfleck geworden.

Seit Jahren steht der Bürgerverein in Kontakt mit der Stadt, doch außer einigen alles andere als schönen Sicherheitsausbesserungen, hat sich nichts geändert. Für eine Generalrenovation ist kein Geld locker zu machen. Was bleibt zu tun? Der Bürgerverein neigt nach vielen Gesprächen dazu, das gesamte Kunstwerk entfernen zu lassen. Die jüngsten Gespräche laufen darauf hinaus. Doch über das “Wie” und “Wieviel” von den gesamten Aufbauten entfernt werden soll, stehen noch viele Fragen offen. Wir wollen dazu aber im Gespräch bleiben, über Anrufe aus der Bevölkerung oder persönliche Ansprache würde sich der gesamte Vorstand freuen.


 

 

 

 

 

Gaskugel als Wahrzeichen in Betzenhausen

Bericht aus Bürgerblättle 166 (Okt. 2003): die Gaskugel war gleichzeitig Titelbild


Die Gaskugel – einst ein vieldiskutiertes Projekt – heute ein weithin sichtbares Wahrzeichen in Betzenhausen

Ob auf dem Zubringer – Mitte von der Autobahn kommend oder vom Schlossberg auf die Weststadt blickend, stets ist die gut 35 Meter hohe Gaskugel in Betzenhausen zwischen Dreisam und Mühlbach im Blickfeld: Ein gigantischer Baukörper, der durch seine geschmackvolle Art der Bemalung zugleich ein weithin sichtbarer Anzeiger der Himmelsrichtungen geworden ist.

Die Anfänge in den frühen Sechzigerjahren verliefen indessen nicht ganz reibungslos. Da gab es (wie heute bei allen etwas umstrittenen Bauprojekten) ein Tauziehen um ein geeignetes Gelände. Nachdem die damals noch selbstständige Gemeinde Lehen einen von der Stadtverwaltung vorgesehenen Standort auf ihrer Gemarkung abgelehnt hatte, entschied sich der Stadtrat einstimmig für das Gelände zwischen Dreisam und Mühlbach, obwohl dieses von der Stadt zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden war. Der Beschluss wurde aufgehoben! Angst machte sich jetzt, wir sind im Jahre 1963, im Freiburger Westen, ganz besonders in Betzenhausen breit.

Der Bürgerverein versuchte durch Eingaben, den Bau “dieses gasgefüllten Segenspenders”, der “wie ein apokalyptisches Ungetüm drohend auf Betzenhausen zukäme” (so berichteten 1963 die “Lokalnachrichten Freiburg West”), zu verhindern. “Doch”, so ein Zeitzeuge, “was sollte man dagegen tun?” In einer Frühjahrsausgabe 1963 “Ein Osterei für Betzenhausen” geißelte der Bürgerverein nochmals das städti-sche Vorhaben mit scharfen Worten und kündigte an diese Planung in den zuständigen Gremien, bis hin zum Bundes-gesundheitsamt, zu verhindern. Man muss die Kritik aus der damaligen Zeit heraus verstehen. Die Kriegsjahre lagen nicht so lange zurück, der “Kalte Krieg” mit gegenseitigen Bedrohungen war allgegenwärtig. Musste nicht mit Eskalationen gerechnet werden, vielleicht gar mit einer Bombe auf ein so exponiertes Gebäude? – All diese Befürchtungen haben sich bis heute glücklicherweise nicht bestätigt. Die Gaskugel wurde 1964 fertiggestellt.

Sie dient seit der 1972 erfolgten Umstellung auf Erdgas mit ihrem geometrischen Fassungsvermögen von 20 000 Kubikmetern bei einem Betriebsdruck von 7 bar (ein Auto fährt mit 2 bar Reifendruck) als Speicher für 140 000 Kubikmeter Gas. Ursprünglich war die Kugel mit Stadtgas gefüllt, das aggressive Bestandteile von Cyan enthielt. Für das weniger Korrosionsneigung zeigende Erdgas gelten andere Sicherheitsvorschriften. Mit 7 bis 7,2 bar, so versicherten “FEW” und heute “Badenova”, wird das Druckpotenzial der Betzenhausener Kugel nicht völlig ausgenutzt. Eine 1996 erfolgte gründliche Revision ergab außerdem, dass die Gaskugel sich noch immer in einem hervorragenden Zustand befand. Dennoch wurde damals peinlichst genau geprüft und in leerem Zustand ein durch “einschlägige technische Regeln definierter Sicherheits- Check” durchgeführt. Insbesondere die Schweißnähte in der 34 Meter durchmessenden Stahlkugel wurden auf Haarrisse im Mantel untersucht. Stets wurde deutlich, die Gaskugel befindet sich in einem erstklassigen Zustand.

Die Erdgasmenge in der Kugel ist nicht, wie oft angenommen, als Wintervorrat gedacht. Sie hat vor allem die Aufgabe, den sehr schwankenden Gasabsatz zwischen Tag und Nacht auszugleichen. Der nachts aus Leitungen im Rheintal aufgefüllte Vorrat dient dazu, für einen gleichmäßigen Bezug aus dem überregionalen Versorgungsnetz zu sorgen. Die Badenova kann durch den ausgeglichenen Bezug (ohne Höhen in Spitzenzeiten) jährlich etwa 2 Millionen Euro sparen! Das Erdgas kommt über Hochdruckleitungen (ca. 67 bar!) über das Rheintal nach Freiburg. In Betzenhausen wird das Gas auf 16 bar “entspannt”. Bei den Häusern kommt das Gas mit einem Niederdruck von 35 Millibar an. Die inzwischen 39 Jahre alte Gaskugel in Betzenhausen hat beim Betriebsgelände der Badenova in der Tullastraße noch eine kleine Schwester mit 15 000 Kubikmeter Volumen.

Harald Albiker


Nachtrag 2020: inzwischen hat die Gaskugel ausgedient und der Bürgerverein engagiert sich für den Erhalt; siehe: www.betzenhausen-bischofslinde.de/gaskugel/

 

 

Wetterhexen und Ammonshörner

Bericht in Ausgabe 164 des Bürgerblättle (März 2003)


Hohe Zeit der Wetterhexen und Ammonshörner. Jahrelange Kooperation der beiden Zünfte aus Betzenhausen und Lehen.

Unser Titelbild im Bürgerblättle zeigt die Masken der beiden noch recht jungen Narrenzünfte aus Betzenhausen und Lehen. Die Wetterhexen, 1988 gegründet und ursprünglich im Gasthaus “Zur Armbrust” im Freiburger Osten beheimatet, entstanden aus der Initiative von acht Gründungsmitgliedern. Die ersten Zunftvögte waren Manfred Hirth und Karl-Heinz Schillinger. Auf Vorschlag von Guido Hilberer wählte man den passende Namen Wetterhexen. Das “Häs” wurde gemeinsam gefunden und Schnitzer Rieder aus Kenzingen als Maskenschnitzer gewonnen. Die Farben Rot, Ocker und Schwarz stehen für die Sonne, den Blitz und die Gewitterwolken. Am 3. September 1988 konnte das erste Häs bei einem Sommerfest vorgestellt werden. Die eingängigen Verse “Hagel, Blitz und Donnerschlag, d’Wetterhexi am liebschde mag” wurden als Hexenruf rasch bekannt.

Am Schmutzige Dunnschdig 1989 konnte die erste Fasnet-ausgrabung stattfinden. Man beteiligte sich auch an der Freiburger “Stroßefasnet”, dem Rosenmontagsumzug und beerdigte die Fasnet am FasnettZischdig unter lautem Geheule und Schluchzen. Sehr eindrucksvoll gestaltet sich bei der Fasnetausgrabung stets der Hexentanz zur Nachtzeit unter unheimlicher Beleuchtung. Heimisch in Betzenhausen wurden die Wetterhexen durch die Wahl der Eintrachtgaststätte als Zunftlokal. Unmittelbar daneben findet auch die jeweilige Fasnetausgrabung und Beerdigung statt. Beim Umzug zur Fasnetausgrabung und dem Narrenbaumstellen jeweils am “Schmutzige Dunnschdig” ist stets eine größere Abordnung der Lehener Ammonshörner dabei. In den letzten Jahren wirkten immer einige Musiker der Guggemusik der Ammonshömer mit.

Die Ammonhörner aus Lehen durften 1999, gerade mal 1 Jahre alt, das Protektorat der 99iger Fasnet ausrichten. Dies war ein schöner Achtungserfolg, da für das Protektorat meist Zünfte mit einer höheren Jubiläumszahl ausgewählt werden. Mit einigem Stolz hatten sich damals Zunftvogt Arno Disch und Zeremonienmeister Matthias Gerber über das frühzeitige Protektorat gefreut. Das große Fest hatte allerdings auch sehr viel Arbeit bedeutet. Dazu gehörten Ehrengaben, eine schön gestaltete Festschrift und natürlich die Ausrichtung der Großveranstaltung in der Bundschuhhalle. Große Verdienste hatte sich damals (und bis heute) das älteste Gründungsmitglied Bärbel Gloderer erworben.

In diesem Jahr (2002) ist der Fasnetfreitag wieder der erste Höhepunkt. Nachmittags ab 14 Uhr laden die Ammonshömer zum großen Kinderball mit Kostümprämierung ein. Anschließend wird der Nanenbaum auf dem Bundschuhplatz aufgestellt. Natürlich sind hier sehr aktiv auch die benachbarten Wetterhexen aus Betzenhausen mit dabei und zeigen ihren großen Hexentanz. Dieser Abend hat sieh in Lehen zu einem gut besuchten Narrentreffen für Zünfte aus der weiteren Umgebung mit der Lehener Bevölkerung entwickelt. Natürlich gibt’s auch für die erwachsenen Narren noch einen großen Kostümball in der Bundschuhhalle.

Harald Albiker


Stand 2020 sind die Wetterhexen regelmäßig mit ihrem Hexentanz auf dem Betzenhauser Torplatz zu finden: und auch immer noch mit Unterstützung der Ammonhörner aus Lehen (das Bürgerblättle berichtet fast jedes mal darüber und ein passenden Fassnet-Thema war auch noch mehrmals Titelbild).

Sportbund Sonnland

Bericht im Bürgerblättle 162 (Oktober 2002) zu Jubiläum 50 Jahre Sportbund Sonnland:


Die Sport-, Freizeit und Campinganlage ist heute ein Kleinod in Betzenhausen

Mittelpunkt des Vereinslebens beim Sportbund Sonnland ist der in vielen Jahren geschaffene und stets verschönerte Freizeit – und Sportpark. Der 1952 auf Betzenhauser Gelände nahe der Gaskugel im Gewann Fischermatten gegründete Verein mit 1100 Mitgliedern ist aus der traditionellen Freikörperkultur (FKK) – Bewegung entstanden. Neben Freiburg und der Umgebung kommen auch viele Mitglieder aus Frankreich und der Schweiz. Sonnland gehört von Beginn an dem Deutschen Verband für Freikörperkultur e.V. (DFK) – einem Verband für Familien- Breitensport und Naturismus im Deutschen Sportbund an.

Die Zugehörigkeit des Sportbunds Sonnland zu den Fachverbänden Badischer Turnerbund, Tischtennis- und Volleyballverband zeigt die große sportliche Bandbreite. Auf dem rund 4 ha großen Freizeit- und Sportpark mit einem von Mai bis Oktober beheizten 25-Meter- Schwimmbecken befinden sich elf weitere verschiedenartige Sportfelder sowie eine sechs Platten umfassende Tischtennisanlage. Das sportliche Angebot ist groß und vielseitig. Amateure und Profis, Senioren und Jugendliche, Mitglieder und Gäste treiben intensiv Breiten- und Leistungssport….


Der gesamte Beitrag aus Bürgerblättle 162 (Oktober 2002) ist hier als PDF hinterlegt.

Auszeichnungen:

  • 1984 Landessieger im Wettbewerb “vorbildliche Campingplätze”)
  • 1986 mit anschließender Silbermedaille auf Bundesebene
  • 1986 Ausrichter INF-Weltkongress mit Verleihung des “Erwin-Koch-Preis”
  • 2009 “Erhard-Wächtler-Plakette“ des DFK als vorbildlicher FKK-Verein
  • 2009 “Goldene Ehrennadel des DFK“ für 1. Vorsitzenden S. Timinger

Hier geht es zur Homepage: www.sonnland-freiburg.de


Nachtrag Juni 2021: ein aktueller Bericht über Sportbund Sonnland in der Badischen Zeitung, siehe Das umzäunte Paradies der Nacktheit in Freiburg-Betzenhausen (ggf. mit eingeschränktem Zugriff).

Hochaltar St. Thomaskirche

Bericht im Bürgerblättle 160 vom März 2002: der Barockaltar war gleichzeitig Titelbild.

Die Thomaskirche in Betzenhausen besitzt mit dem seit 1978 im Chor aufgestellten Hochaltar eine besondere Kostbarkeit barocker Baukunst.

Der mit ziemlicher Sicherheit aus den Jahren 1722/23 stammende Scagliola-Hochaltar aus der Abtei­kirche in Schuttern lagerte lange Zeit unbeachtet in der als ein Fabriklager genutzten Pfarrkirche von Illingen bei Rastatt. Offensichtlich hatten auch Fachleute diesen Altar nicht näher gekannt, er konnte daher von der Pfarrei Heili­ge Familie günstig für die Thomaskirche erworben werden.

Wegen Bauarbeiten in Schuttern hatte man den Altar 1847 dem Stukkateur Erhard Oesterle aus Iffezheim zum Abbruchpreis von 50 Gulden überlassen! Illingen gelangte 1850 in den Besitz des Altars. Er schmückte die Pfarrkir­che bis zu der schon erwähnten Umwandlung der Kirche in ein Fabriklager.

Die im zweiten Weltkrieg stark angeschlagene Thomaskir­che wurde auf Betreiben der Geistlichen Konrad Fuchs, Emil Dannenmayer und Harald Schweizer zwischen 1949 und 1978 mit großem finanziellem Aufwand innen und außen gründlich renoviert. Großen Anteil daran hatte der heimische Restaurator Michael Bauernfeind.

Mit der Fer­tigstellung des neu erworbenen Altars erhielt die kleine Kirche neben ihren vielen anderen Kostbarkeiten einen künstlerischen Glanzpunkt. Vor allem der Scagliola Tech­nik im unteren Teil verdankt der Altar seinen Seltenheits­wert und macht ihn zu einer sakralen Kostbarkeit in Süd­baden. Diese Scagliolabilder ließen in den Stuckmarmor-Schichten kunstvoll verarbeitete Zierflächen entstehen, die an Holzintarsien erinnern.

Gewiss lohnt sich ein Gang in die 1767/68 gebaute Thomaskirche in Betzenhausen. Man sollte dann etwas länger beim Anblick des Hochaltars ver­weilen und eventuell auch eine vom großen Barockkenner Hermann Brommer, Merdingen, verfasste Schrift über die Kirchen Hl. Familie und St. Thomas erwerben.

Harald Albiker


Zur weiteren Info hier ein Link auf www.sueddeutscher-barock.ch mit Vorstellung des Klosters. Beeindruckend auch dort (wie in Wikipedia) die spannende Beschreibung, wie der Altar nach Betzenhausen kam.

90 Jahre Zugehörigkeit zur Stadt Freiburg (Sonderheft 1998)

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen des Bürgerblättle, die je nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthielten; siehe dazu auch unseren Online-Beitrag zur Geschichte des Bürgerblättle mit Hinweis auf diese Sonderhefte.

An dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Sonderseiten “Sonderheft “90-jährigen Zugehörigkeit Betzenhausen zur Stadt Freiburg” einer Bürgerblättle-Ausgabe im Jahre 1998. Inhalt:

  • Titelblatt mit der Gemarkung von Betzenhausen im Jahr 1820.
  • Grusswort OB Rolf Böhme
  • Grusswort Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde, Rolf Abendschein.
  • Betzenhausen-uraltes Dorf
  • Gewann von Betzenhausen
  • Die Eingemeindung wurde am Silvestertag des Jahres 1907 zu einem glänzenden Dorffest.
  • Oberbürgermeister Winterer zeigte Weitblick

Hier geht es zum gesamten Text (PDF).

Interessierte Leser wenden sich auch bitte gern an den Bürgerverein bzw. den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde.


Harald Albiker hat in diesem Heft die Geschichte von Alt-Betzenhausen ausführlich niedergeschrieben. Deshalb nachfolgend sein Beitrag in ausführlicher Version.

Die Eingemeindung wurde am Silvestertag des Jahres 1907  zu einem glänzenden Dorffest

Besonders schön geschmückte Häuser, flatternde Fahnen, viele frohe und gut gekleidete Menschen, dies war das Ambiente  für einen festlichen Tag des Jahresschlusses, der zugleich mit dem mitternächtlichen Glockenschlag die Eingemeindung der bisher kleinen freien Landgemeinde Betzenhausen innerhalb des Großherzogtums Baden in die Stadt Freiburg bringen sollte. Noch im Mittelalter, genau am 25. Mai 1381 war Betzenhausen durch Franz Geben- Sigstein für den geringen Preis von 18 Mark oder Pfund Silber  an die Stadt Freiburg verkauft worden. Es blieb bis 1805 , dem Jahr großer Gebietsumwandlungen, bei der Stadt.-

Betzenhausen wünschte die Eingemeindung

Es war den Bürgern von Betzenhausen offenbar nicht schwer gefallen, sich mit einem Eingemeindungsgedanken vertraut zu machen, im Gegenteil, man ging den Verhandlungen mit dem Freiburger Stadtrat über die Bedingungen einer Eingliederung mit viel Elan und großem Vertrauen entgegen. Es war damals sehr schlecht um die Finanzen der kleinen Landgemeinde bestellt. Man benötigte dringend eine Wasserleitung, da die eigenen Schöpf- und Ziehbrunnen durch die Absenkung des Grundwasserspiegels fast versiegt waren. Man befürchtete seit langem, daß man etwaigen Bränden fast wehrlos ausgeliefert wäre. Auch die Einwohnerzahl war im Steigen, man wollte daher unbedingt ein eigenes Schulhaus, ebenso wünschten sich die Bürgersfamilien eine Ortsbeleuchtung. Dies alles waren wichtige Gründe für die Gemeindeversammlung am 26. September 19o7, eine möglichst rasche Eingemeindung zu beantragen. Die Bedeutung dieser Versammlung zeigte sich schon an der , vergleicht man heutige Zusammenkünfte, überwältigenden Beteiligung: von 43 stimmberechtigten Bürgern waren 41 gekommen und nur ein Bürger stimmte gegen die Eingemeindung. Beim städtischen Nachbarn lagen die Verhältnisse ganz anders. Dort hielt man beim Bürgerausschuß die Eingemeindung für verfrüht. Man glaubte, daß Betzenhausen nur Vorteile hätte, die Stadt hingegen Nachteile. Allzugern erinnerte man sich an die hohen Kosten bei der Eingemeindung Zähringens.


Oberbürgermeister Winterer zeigte Weitblick

Oberbürgermeister Dr. Winterer

Doch in dieser Diskussion zeigte sich der Weitblick von Oberbürgermeister Dr. Winterer. Er hatte schon frühzeitig die Bedeutung des Freiburger Westens für die Stadtentwicklung erkannt. Hierzu gehörten gewiß auch die 28o Hektar Land, die Betzenhausen mit seiner Gemarkung einbrachte. Die weitere Entwicklung bis in unsere Tage hat gezeigt, daß dem Westen eine immer größere Bedeutung zukommt und das einstige Ost- West- Gefälle nahezu abgebaut ist. Überzeugend war die Mehrheit beim Freiburger Bürgerausschuß dennoch nicht. Mit 59 Ja- und 38 Neinstimmen blieb doch eine erhebliche Minderheit gegen einen Anschluß von Betzenhausen an die Stadt.- Schon am 18. September 1907 hatte es eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der noch freien Landgemeinde gegeben. Die dort ausgehandelten Punkte waren dann Gegenstand der Abstimmungen in der Gemeindeversammlung Betzenhausen und dem städtischen Bürgerausschuß auf Antrag des Stadtrates gewesen.

Wichtige Vereinbarungen zur Eingemeindung

  1. Der Zeitpunkt der Eingemeindung ist der 1. Januar 1908. Zur Verwirklichung ist aber die Zustimmung der großherzoglichen Regierung und des Landtages noch innerhalb des Jahres 1907 notwendig.
  2. Der bestehende Bürgernutzen wird den im Genuß befindlichen Bürgern nach den bisherigen Grundsätzen belassen. Diesen sollen aber nicht nur Bürger erhalten, die bis zum 1.1.1908 gerade 25 Jahre alt werden sondern auch diejenigen, welche nach den Regeln des Bürgernutzens die Bedingungen innerhalb der nächsten 10 Jahre erfüllen. Also auch 14- und 15-jährige Betzenhausener können noch im Laufe von 10 Jahren nach der Eingemeindung in den Genuß des Bürgernutzens kommen.
  3. Betzenhausen erhält innerhalb Jahresfrist  nach der Eingemeindung den Anschluß an die allgemeine Wasserleitung und wird mit der notwendigen Anzahl von Hydranten versorgt.
  4. Die Stadt verpflichtet sich weiterhin, auf einem noch zu bestimmenden Platz (1909 an der Hofackerstraße fertiggestellt!) ein Volksschulhaus für eine genügende Anzahl von Klassen (die Bevölkerung betrug rund 600 Seelen) zu erstellen.
  5. Die Stadt verspricht, die bestehenden Gemeindeämter beizubehalten und ihre Inhaber wie Bürgermeister, Ratschreiber, Gemeinderechner, Polizeidiener, Farrenwärter und Ziegenbockhalter, Feldhüter und Hebamme  soweit wie möglich in ihrem bisherigen Dienst und mit den entsprechenden Bezügen weiterzubeschäftigen.
  6. Zur Bequemlichkeit der Betzenhausener Bürger sollen bewährte Zweigstellen städtischer Ämter beibehalten werden.
  7. Ortspolizeiliche Bestimmungen der Stadt dürfen nur unter Berücksichtigung des landwirtschaftlichen Charakters von Betzenhausen eingeführt werden. Besonders bei den bestehenden Schlachtverhältnissen sollen vorerst keine Änderungen vorgenommen werden, gleiches gilt für das Beerdigungswesen. Natürlich, so wird betont, dürfen die Betzenhausener Bürger städtische Gemeindeanstalten der Altstadt nach Belieben nutzen.
  8. Auch die Zahl der Stadträte wird nach dem Gesetz zur entsprechenden Wahl geregelt.
  9. Vom Tag der Eingemeindung an gelten für Betzenhausen die gleichen Umlagen wie für die Stadt.

Das Abstimmungsprotokoll der Gemeinde Betzenhausen sieht noch vor, daß die Stadt Sorge tragen soll, für die Erweiterung der elektrischen Bahn nach Betzenhausen nachdrücklich einzutreten.


Das Ja-Votum des Badischen Landtags

Der Schlußpunkt um die offizielle Eingemeindung wurde am 16. und 20. Dezember 1907 durch die namentliche Abstimmung in beiden Kammern des Badischen Landtags durchgesetzt.

Es gab allerdings mehrere Redebeiträge besonders von Freiburger Abgeordneten. Vom Zentrum war dies der Abgeordnete Gießler, der besonders die Grundstückswerte erläuterte. Besonders der Abgeordnete Kopf  mußte eine gewaltige Kehrtwendung machen. Im Bürgerausschuß hatte er noch mit Nein zur Eingemeindung Betzenhausens gestimmt. Durch die Annahme beider Partner, Stadt und Gemeinde, mußte er jetzt im Landtag aus staatlichem Interesse seine Zustimmung geben. Oberbürgermeister Dr. Winterer dankte der Großherzoglichen Regierung nach der Behandlung in der Ersten Kammer im Namen beider Gemeinden für die rasche Erledigung der Sache. Immerhin waren sämtliche Verhandlungen innerhalb von vier Monaten einvernehmlich abgeklärt und  in vier Gremien abgestimmt worden.- Der Stadt muß zugebilligt werden, daß sie alle fest zugesagten Verhandlungspunkte wie den Anschluß an die Wasserleitung, die Aufstellung von Hydranten und den Bau einer Volksschule fristgerecht erfüllt hat.

Als Vertreter  des Vororts Betzenhausen in den städtischen Kollegien wurden Gemeinderat und Mühlenbesitzer Kiesel als Stadtrat  und die Gemeinderäte Weber und Zähringer  als Stadtverordnete aufgenommen. Bezirksvorsteher des extra gebildeten Armenbezirks Vorort Betzenhausen wurde Altbürgermeister Fraider, der auch die Geschäfte des Gemeindebürovorstehers übernahm, dazu gehörten etwa polizeiliche An- und Abmeldungen, die Gemeindekrankenkasse und Ortskrankenkasse mit ihren Zu- und Abgängen. Umlagen, Beiträge und Gebühren sowie die Erhebung von Verbrauchssteuern führte der bisherige Gemeinderechner Zähringer weiter. Adolf Trescher behielt die Feldhüterstelle. Der bisherige Ratschreiber Josef Scherer zog ins Grundbuchamt der Stadt ein.-

Schon bei der ersten Stadtratssitzung nach der Eingemeindung gab es eine erfreuliche Überraschung: den Betzenhausener Vertretern wurden 15 Erdöllampen überreicht, die im Vorort angebracht werden sollten. Die Betzenhausener Familien freuten sich, daß es alsbald auch nachts in ihrem kleinen Ort hell geworden war.


Der neugründete Ortsverein zeigt sich kämpferisch

Erste Buslinie ab 1926

Insgeheim hatten die Bürger des Vororts noch viele Wünsche, doch für deren Erfüllung  mußte in der Zukunft sehr hart gekämpft werden. Zur eigenen Stärkung gründete man am 10. April 1910 den Lokalverein Betzenhausen, sein erster Vorsitzender wurde Stadtrat Kiesel. Der eigentliche Geschäftsführer und Schriftführer des Vereins war aber Hauptlehrer Müller. Er war anscheinend sehr schreibgewandt, hatte eine äußerst „spitze Feder“ und war  keineswegs bescheiden in den Wünschen. Einer baldigen Verkehrsanbindung an die Stadt galt das Hauptaugenmerk des Lokalvereins.

Erst 1926 gab es eine eigene Buslinie nach Betzenhausen. Der anfänglich erhobene Sonderzuschlag von 10 Pfennig wurde nach harten Verhandlungen zwischen Stadt und Lokalverein aufgehoben. Bereits 1931 folgte der Anschluß an die Gasfernversorgung.

Im Dezember 1983 schließlich wurde die Stadtbahn bis zur Paduaallee fertiggestellt. Der Bürgerverein feierte dies mit seinen Mitgliedern in Frack, Stresemann und Zylinder, da der Wunsch an eine Verkehrsanbindung bis ins Eingemeindungsjahr zurückreichte. Ein Transparent verkündete “Schon 1908 versprochen, heut’ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn führt nach Westen, ist das nicht wunderbar!“ Die ausgiebige Feier mit den Stadtoberen fand in der Lehener Bundschuhhalle statt.


Festlicher Empfang für die städtischen Gäste

Kehren wir zum Tag vor der Eingemeindung ins festlich geschmückte Dörflein Betzenhausen zurück. Punkt 4 Uhr dröhnten Böllerschüsse als Zeichen des Beginns der Festlichkeiten durch die Ortschaft. In Wagen trafen die Gäste aus der Stadt ein, sofort von den Klängen der Blasmusik empfangen. Allen voran schritt Oberbürgermeister Dr. Winterer, ihm folgten Bürgermeister Riedel, der Abgeordnete Fehrenbach, sowie mehrere Stadträte und Stadtverordnete. Die ersten herzlichen Grußworte entbot Bürgermeister Fraider aus Betzenhausen. Er hob zugleich die hohe Bedeutung des Tages hervor und brachte ein „Hoch“ auf Freiburg und seinen Oberbürgermeister aus. Ehrenjungfrauen traten aus dem Kreis der Umstehenden, Fräulein Agathe Waldvogel empfing das Stadtoberhaupt mit einem von Hauptlehrer Müller verfaßten  recht sinnigen Gedicht. Hier sei nur eine von 10 Strophen erwähnt.

Ein voll Jahrhundert ging zur Ruh’
Da endlich schallts uns trostvoll zu:
Komm Dörflein, fremdgewordnes Kind’
In Mutterarme treu und lind.

Die Tränkestrasse in den 1930-ger Jahren (Stadtarchiv Freiburg)

Das Gedicht geht hier auf die frühere Zugehörigkeit Betzenhausens zur Stadt Freiburg  ein. Auch die Schulkinder, wieder unter der Leitung von Hauptlehrer Müller, sangen ein Lied. In der „Krone“ wurde danach das Festbankett eröffnet. Hier beteiligten sich die Musikkapelle Lehen- Betzenhausen mit Dirigent Kitterer sowie der Männergesangverein  Lehen- Betzenhausen ( Dirigent war der vielzitierte Hauptlehrer Müller, offenbar ein „Tausendsassa“ jener Zeit) . Dr. Winterer wies in seiner Ansprache daraufhin, daß Betzenhausen urkundlich schon 150 Jahre früher als die Stadt Freiburg erwähnt sei. Die ganze Stadt, so meinte der Oberbürgermeister, sei von dem einen Gefühl beherrscht, daß aus der Eingemeindung für beide Teile nur Glück und Segen entspringen möge.

Mit Dankbarkeit müsse man auch des Großherzogs Friedrichs des Ersten , jenes großen und edlen Verstorbenen gedenken, der soviel für das Wohl des badischen Landes , auch für Betzenhausen, getan habe. Seiner Mitwirkung sei es zu verdanken, daß manche Schwierigkeiten und Hindernisse bei der Eingemeindung ausgeräumt werden konnten. Aller Wunsch sei es, so fuhr Winterer fort, daß man von seinem Nachfolger Friedrich dem Zweiten, der sich so stark für Freiburg interessiere, manche Proben gleicher Gesinnung erhalten möge. Des Redners Hoch und Neujahrswunsch galt dem allerverehrten Landesvater und der geliebten Landesmutter! Es gab an diesem Silvesterabend noch viele Reden, etwa durch den Stadtverordneten Rau oder den Freiburger Abgeordneten und Präsidenten der Badischen Kammer Fehrenbach, welcher der „Mutter Freiburg gratulierte, die Tochter Betzenhausen“ wiedergefunden zu haben. Pfarrverweser Barreiß hoffte, daß die „gemeinsame, tätige und fromme Einwohnerschaft  Betzenhausens der Stadt Freiburg zur Zierde gereiche.“ Der gesamte Gemeinderat von Betzenhausen, damals aus den Herren Kiesel, Gloderer, Schwaier, Brucker, Fraider und Zähringer bestehend, hatte seine helle Freude an der allerseits begeistert aufgenommenen Eingemeindungsfeier.

Harald Albiker (Text und Fotos)

Festschrift zum Jubiläum “25 Jahre Bischofslinde” (1988)

In Laufe der Zeit gab es mehrmals Anlass für Sonderausgaben und Beilagen des Bürgerblättle, die je nach Anlaß auch viele Informationen zur Geschichte des Stadtteils enthielten; siehe dazu auch unseren Online-Beitrag zur Geschichte des Bürgerblättle mit Hinweis auf diese Sonderhefte.

Als einen Höhepunkt des Jahres 1988 durfte der Bürgerverein das Fest zum 25- jährigen Jubiläum der Bischofslinde ausrichten. Es war ein schönes Zusammenwirken zwischen Bürgerverein und Schule, Vereinen, Matthäusgemeinde und St. Albert. Die OPD stellte ihr Kasino für den Festakt zur Verfügung.

An dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Festschrift zu “25 Jahre Bischofslinde” im Jahre 1988 (es ist lang her, aber doch eine einmalige Zusammenfassung von Hintergründen).  Inhalt:

  • Titelblatt Zeichnung St. Albert Kirche
  • Grusswort OB Rolf Böhme
  • Grusswort Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde, Rolf Abendschein.
  • Bischofslinde in der Westentwicklung Freiburgs
  • Bischofslinde – Planung und Baugeschichte
  • Bischofslinde – Stadtteil auf historischem Grund
  • Wohnstättenbau als Partner
  • Der erste Spatenstich ist getan (Rückblick auf den 19.Mai.1963)

Hier geht es zum gesamten Text (PDF).

Interessierte Leser wenden sich auch bitte gern an den Bürgerverein bzw. den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde.