Die Ökostation am Seepark

Was es schon eine “ökologische Utopie” auf der Landesgartenschau 1986, die sich in diesem Gebäude widerspiegelte? Denn eine Woche nach Eröffnung der Ausstellung kam es in Tschernobyl zur Kernschmelze: der Supergau mit verstrahlten Menschen und verstrahlter Natur. Zur Erinnerung: die Grünen hatten erst drei Jahre zuvor den Bundestag erreicht.

Dabei hatte gerade diese Landesgartenschau erstmals mit dem Thema Ökologie punkten wollen und eine der Hauptattraktionen war das uriges Holzhaus, das sich Ökostation nannte. Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung. Die Leitung für dieses ökologische Modelprojektes hatte der Landesverband des BUND. Architekt war Udo Falk-Grab aus Münstertal, anspruchsvoll waren wohl auch die Aufgaben des Statikers Harald Rheinberger, vor allem in Bezug auf die außergewöhnliche Rundholzkonstruktion des Daches.

Auf der Landesgartenschau 1986

Während der Ausstellung lief ein buntes Veranstaltungsprogramm um ökologisches Leben erfahrbar zu machen: man konnte etwas erfahren über Ökolandbau, gesunde Ernährung, Energiesparen uvm. Es gab einen ökologischen Waschtag und sogar Brotbacken war ein Thema (wie heute noch regelmäßig): wobei damals die Brötchen wohl teilweise etwas zu hart daherkamen. Es waren all die Themen, die auch das Angebot der Ökostation in den Jahrzehnten danach prägen sollten (bis heute).

Die Ökostation zählte auf der Landesgartenschau zu den größten Attraktionen und wurde während der Dauer der Ausstellung von über 1 Mio. Gästen besucht. Am Ende waren es vor allem auch die positiven Rückmeldungen der Besucher, die das Überleben des Experiments Ökostation erst ermöglichten: sie veranlasste den BUND Landesverband, die Ökostation als Bildungsstätte weiter zu betreiben.

Ein Leben nach der LGS

Doch dieses (erste) Leben war sehr kurz: im Febr. 1987 zerstörte ein Brand die Ökostation. Insbesondere OB Rolf Böhme war es zu verdanken, dass die Stadt Freiburg sich für den Neuaufbau engagierte. Auch wenn es am Ende mehrere Jahre dauerte: im September 1991 war eine neue Ökostation fertiggestellt. In Grundaufbau wie die erste Version, aber doch auch mit einigen technischen Neuerungen und angepasst an modernere Umwelttechnikstandards (Architekt diesmal das Freiburger “Planungsbüro Ökologisches und Gesundes Bauen Möhrle”).

Und das neue Haus überzeugte mit dem “Charme einer perfekten Baubiologie” wie Peter Heller es als damaliger Umweltbürgermeister beschrieb. Ab dann folgten Fachseminare, Exkursionen und viele Ausstellungen zum ökologischen Bauen, zur Abfallvermeidung, Naturschutz uvm. Im Jahr 1992 wurde Freiburg zu Ökohauptstadt und besonders viele Besucher wollten die Ökostation am Seepark erleben.

Die Ökostation beseht aus einer Rundholzkonstruktion, bei der man nur einheimische Bäume verwendete. Und Wiederverwertung wurde versucht: ein Großteil der verwendeten Backsteine und Ziegel stammte aus abgerissenden Häusern (sogar bei Glas). Lehm wurde verwendet bei nichttragenden Wänden. Solarkollektoren wurden installiert und Kollektorn für Heizungswärme. Insgesamt wurde die Ökostation so fast energieautark.

Wichtiger Bestandteil der Einrichtung sind die Naturgärten. Sie wurden mit der ersten Ökostation 1986 angelegt und bedecken eine Fläche von etwa 2500 m². Sie sind wichtiger Bestandteil im pädagogischen Programm, z.B. als Basis für das “grüne Klassenzimmer”. Wie alle Teile der Ökostation sind auch die Gärten für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

Jährlich kommen rund 15.000 Menschen in die Ökostation und in den angrenzenden 3000 m² großen Biogarten mit Streuobstwiesen. Sie zählt zu den ältesten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland.

Ein tragisches Ereignis aus den Anfangsjahren dürfen wir hier nicht vergessen: im Nov. 1995 wurde ein Praktikantin Opfer eine Mordanschlags bei der Ökostation. Solidarität und Rückhalt in Freiburg Bevölkerung waren groß. Es folgte eine Pause für 3 Monate, in dem auch Teile des Aussenbereichs abgerissen oder umgebaut wurden; letztendlich wurde der Bereich um die Okostation herum freier und besser überschaubar. Der Vorplatz erhielt Licht. Zur Erinnerung pflanzte man vor der Ökostation eine Linde.

Hier zum Abschluss natürlich ein Link auf die Web-Seite der Ökostation: www.oekostation.de