Happy Birthday: 20 Jahre Wikipedia

Welch ein Erfolg: über 50 Millionen Seiten sind heute in Wikipedia zu finden. Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass dies möglich sein könnte. Am 15. Jan. 2001 wurde die Engl. Wikipedia Ausgabe vorgestellt, am 16. März folgte die deutsche Version unter Web-Adresse www.wikipedia.de .

Wikipedia ist eine der meistbesuchten Seiten im Internet und dabei schon fast „unscheinbar“: keine blinkenden Animationen und Bilder, nur ein Logo und Schrift in Schwarz und Blau. Glaubhafte Information steht im Mittelpunkt. Wikipedia sieht damit auch ein wenig aus wie „von gestern“, denn das Design hat sich in den letzten 20 Jahren kaum geändert. Wikipedia, die verlässliche Konstante in dieser kurzlebigen Internet-Zeit!

Dahinter steht kein mächtiger Konzern, sondern eine Stiftung mit Sitz in San Francisco: kein Google, kein Facebook (sie sind mit eigenen Initiativen gescheitert). Und vor allem sind es freiwillige Autorinnen und Autoren, die weltweit für das „freie Wissen“ schreiben. Im Grunde also ehrenamtlich Tätige. Dabei hätte der Gründer Jimmy Wales mit der Idee des „Online-Lexikons“ sehr reich werden können. Aber die Idee war ihm wichtiger: die anfallenden Kosten werden über viele Spenden gedeckt und das sind nicht wenig (bei fast 100 Millionen Dollar jährlich liegt der Aufwand inzwischen).

Wer schaut heute noch in einem Brockhaus nach? (Pflege eingestellt seit 2014). Junge Menschen wüssten vermutlich gar nicht mehr, wie darin etwas zu finden wäre. Nur ein Beispiel dafür, wie Wikipedia unser Denken und Handeln beeinflusst hat.

Warum machen wir diesen Geburtstag hier auch für Betzenhausen zum Thema? Ganz einfach, weil es bei Wikipedia auch so viel über unseren Stadtteil zu entdecken gibt!

Was es noch zu sagen gäbe…

In unserem Land wird viel gelesen und geschrieben: vielleicht ist deshalb die deutsche Ausgabe von Wikipedia auch die viertgrößte der Welt. Aber wo sind die aktiven Frauen? Nur ca. 10% der Schreibenden sind Frauen (die Zahl ist geschätzt, da häufig unter Pseudonym geschrieben wird): und dabei Wikipedia sucht schon lange intensiv nach weiblicher Verstärkung! Ein großes Ungleichgewicht gibt es leider auch bei der geografischen Verteilung: Autoren und Autorinnen (und Leser*Innen) stammen überwiegend aus den Industrie-Nationen der westlichen Welt.

Bei dieser Größe bleibt es nicht aus, dass auch mal Falsches geschrieben wird. Überraschenderweise kam das aber bisher eher selten vor im Vergleich zur unglaublichen Menge an Themen, die behandelt werden. Und wenig auch im Vergleich zu dem, was sonst an „alternaiven Wahrheiten“ bewusst und unbewusst inzwischen in die Welt gesetzt wird. Das zeigt auch, wie wirksam inzwischen das interne Qualitätssystem geworden ist.

Diese Qualität hat aber auch wieder ihren Preis bzw. bedeutet Aufwand; z.B. durch verpflichtende Quellenangaben, durch ein eingespieltes, gegenseitiges Korrektur-System und viele Regeln. Wahrheit als erklärtes Ziel kann sehr anstrengend sein für die Beteiligten einer Diskussion. Leider hat das Streben nach dieser Qualität auch einen anderen Nachteil: in Ländern und Sprachen mit wenig niedergeschriebenen Quellen, ist auch Wikipedia weniger gut vertreten. Dort haben es auch die Wikipedia-Autor*innen schwerer (z.B. im gesamten Afrika). Nebenbei: auch so manchem politischen System ist diese Informationsbreite und Qualität nicht geheuer (Wikipedia dort also gesperrt).

Fazit: Wikipedia ist die größte Wissenssammlung, die je zusammengetragen wurde. Manche sprechen sogar von einem „Weltwunder“. Geschaffen fast ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit von einer Gemeinschaft, die überwiegend aus Nicht-Profis besteht (bisher haben sich über 3,5 Millionen Autor*Innen registriert).

Die Redaktion