40 Jahre Landesgartenschau 1986-2026: Der Seepark – eine grüne Perle Freiburgs

 

Der Seepark ist Freiburgs grünes Herzstück – doch wer sorgt dafür, dass er es bleibt?

Der Seepark ist Freiburgs grünes Herzstück – doch wer sorgt dafür, dass er es bleibt? Christoph Daub, kommissarischer Abteilungsleiter für Grünplanung und Bau beim Garten- und
Tiefbauamt der Stadt Freiburg, gibt Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen und verrät, was er sich zum 40. Jubiläum des Parks wünscht.

Foto: Gerald M. Tautz

Christoph Daub, Kommissarischer Abteilungsleiter Abteilung
Grünflächen der Stadt Freiburg im Breisgau / Garten- und Tiefbauamt,
Foto: Patrick Seeger.

 

 

Der Seepark wurde 1986 für die Landesgartenschau angelegt und zog damals über zwei Millionen Besucher an. Was bedeutet dieses gartenkulturelle Erbe für Sie und Ihr Amt heute noch – wie merken Sie das in der täglichen Arbeit?

Der Seepark ist einer unserer größeren Parks im Freiburger Westen und sicherlich der, welcher landschaftsarchitektonisch
am klarsten geplant und umgesetzt wurde. Er hat daher eine eindeutige und unverkennbare Identität. Die ersten Planungsschritte begannen mehrere Jahre vor der Eröffnung. Deshalb lässt sich in der Anlage der Zeitgeist der 80 Jahre erkennen. Die Ökostation, das Wäldchen neben dem Forsthaus oder der alte Solarspielplatz haben die ökologischen Themen bereits klar in der Landesgartenschau aufgezeigt. Das Landesamt für Denkmalpflege hat den Seepark dieses Frühjahr in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen. Dies sagt für mich sehr viel über den Wert und die Gestaltung des Parks aus und ist eine offizielle Würdigung des Parks. Mit der Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmale ist unser übergeordnetes
Ziel nochmal klar definiert worden: Den Park zu pflegen und zu planen, damit er möglichst nahe an seiner ursprünglichen Gestaltung erhalten bleibt. Dennoch müssen wir den aktuellen Anforderungen gerecht werden und diese in den Park integrieren. Das ist in der Planung immer eine Gratwanderung.

Wenn Sie durch den Park gehen: Was ist bewusst so geblieben, wie es 1986 geplant wurde – und was hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert oder musste aufgrund neuer Anforderungen verändert werden?

Das Grundgerüst des Parks ist im Wesentlichen erhalten geblieben, sei es der Seeparkturm, die Pontonbrücke, das Forsthaus, das Tempelchen oder das Bürgerhaus. Zudem sind die
Wegeverbindungen und Platzsituationen nahezu identisch. Hier zeigen sich beispielhaft Konflikte, weil mittlerweile so viele Menschen im Park unterwegs sind. Viele Besucherinnen
und Besucher laufen neben den Wegen im Rasen. Daher haben wir zum Beispiel im Bereich zwischen Forsthaus und Stusiewiese den Weg verbreitert.
Auch die Baumpflanzungen und ihre thematischen Anordnungen sind in wesentlichen Teilen erhalten. Das sind die Kastanienallee, der Zierkirschenhain oder die prägende Säulenpappelreihe
an der Stusiewiese. Die markanteste Veränderung gab es sicherlich beim Mammutwald. Dieser war ursprünglich in einem streng formalen Raster gepflanzt, jetzt stehen die
Bäume locker angeordnet und die Bepflanzung orientiert sich eher am englischen Landschaftsgarten. Ansonsten fällt mir noch die neue Grillzone mit ihren Grillstellen
und Sitzgelegenheiten ein. Es freut uns, dass sie so gut angenommen wird. Dadurch hat sich das wilde Grillen im Park deutlich reduziert; das entlastet auch die Stusiewiese.

Der Japanische Garten ist ein Partnerschaftsgeschenk aus Matsuyama – seine Pflege erfordert Spezialtechniken, die Freiburger Gärtner seinerzeit direkt in Japan erlernt haben. Wie lebendig ist dieser Austausch heute noch – und wie sichern Sie dieses besondere Fachwissen, wenn erfahrene Kollegen
in Rente gehen?

Der Japanische Garten wurde erst 1989 erstellt und ist somit kein originärer Teil der Landesgartenschau. Die erfahrenen Kollegen, die beim Bau der Anlage beteiligt waren, sind mittlerweile
alle in Rente. Da entsteht natürlich eine Lücke in vielerlei Hinsicht. Erst vor kurzem ging ein Gärtnermeister in Rente, der als Lehrling noch Bäume der Landesgartenschau selbst
mit gepflanzt hat. Das praktische Wissen zur Pflege und zum Schnitt der Gehölze im Japangarten wurde über Jahre bestmöglich an die jungen Gärtnerinnen und Gärtner weitergegeben,
aber natürlich geht da trotzdem etwas verloren. Über die Städtepartnerschaft mit Matsuyama ist die Stadtverwaltung weiterhin in Kontakt und es gibt tatsächlich die Idee unsere
Fachleute für einen Austausch nach Japan zu senden.

Der Seepark wird von sehr unterschiedlichen Gruppen genutzt – ob zum Grillen, für Sport, mit Familien und Freunden oder von Naturliebhabern – wie gehen Sie mit den Konflikten zwischen intensiver Freizeitnutzung und dem ökologischen Anspruch an die Grünfläche um?

Unser Auftrag ist es den Park für die Allgemeinheit zu pflegen und zu planen. Wir versuchen auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren und zum Beispiel die Calisthenics-Anlage, zusätzliche
Fußballfelder oder die Grillzone sensibel in den Park zu integrieren. Jedoch pflegen wir den Park auch im Sinne des Ursprungsgedanken. Der ökologische Anspruch lässt sich vor
allem im Bereich des Wäldchens ablesen. Ein starkes Element sind natürlich die Langgraswiesen. Diese sind ökologisch besonders wertvoll. Unsere Gärtner pflegen ausgewogen
zwischen Rasenflächen, welche von den Parkbesuchenden genutzt werden und den Langgrasflächen. Hier gibt es aber häufig Konflikte, da Leute immer wieder in den Langgraswiesen
liegen. Ein absolutes Tabu ist die Magerwiese zwischen Biergarten und dem Röhrenspielplatz, welche im Zuge des Neubaus des SC-Stadions in den Seepark verpflanzt wurde.
Hier achten wir beispielsweise beim Seeparkfest darauf, dass die Wiese abgesperrt wird und keiner durchläuft oder die Fläche zum Fahrradstellplatz umfunktioniert wird. Ein weiterer
ökologischer Partner vor Ort ist natürlich die Ökostation, die mit ihrem Bildungsauftrag und ihrem Garten das ökologische Thema vertritt.
Grundsätzlich akzeptieren wir die Nutzung des Sees als Badegewässer. Da das immer mehr Freiburgerinnen und Freiburger für sich entdecken, gibt es aber auch hier Konflikte. Wenn
Menschen mit Stand-Up-Paddle oder Luftmatratzen auf dem See unterwegs sind, dringen sie häufiger in sensible und geschützte Uferbereiche vor.
Ein aktueller Ansatz ist die Bürgerinnen und Bürger über den ökologischen Wert zu informieren. Dafür haben wir beispielsweise kleine Schilder mit Insekten- oder Tierhabitaten im Seepark
aufgestellt.

Badegäste wünschen sich oft mehr Schatten, der Park lebt aber von seiner Weitläufigkeit und seinen Sichtachsen – wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?
Die Anforderungen verändern sich. Das spüren wir in der aktuellen Hitzephase. Da ist es verständlich, dass es mehr Bäume mit Schatten braucht. Hier haben wir in den vergangenen
Jahren sensibel an der Stusiewiese oder im Bereich der Hügellandschaft rund 50 Bäume nachgepflanzt. Die Standortwahl erfolgte im Sinne der Ursprungsgestaltung der Landesgartenschau.
So wurde beispielsweise darauf geachtet die starke Sichtbeziehung zwischen dem Rosengarten und dem Bürgerhaus freizuhalten.

Welche Baumarten setzen Sie bei Neupflanzungen heute bewusst ein – und was tut das Garten- und Tiefbauamt generell, um den Seepark klimaresilient zu halten?

Generell sehen wir alle unsere Freiburger Parks als Grünoasen und versuchen sie in diesem Sinne weiter zu entwickeln. Das naheliegendste Instrument hierfür sind natürlich Baumpflanzungen.  Das heißt wir ergänzen nach und nach unsere Parks mit zusätzlichen Bäumen. Eine Veränderung der Baumarten hat sich bereits vor 15- 20
Jahren angedeutet. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) testet bereits seit einigen Jahren die „Stadtbäume der Zukunft“. Die Straßenbaumliste der GALK
(Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz) bietet zudem immer einen fachlichen Ansatz für die Baumauswahl. Daher ist es bei der Planung immer eine Mischung aus fachlichen Listen
und den Erfahrungen unsere Leute vor Ort, welche Bäume mit dem Freiburger Klima gut klarkommen – und welche nicht. Bei den 50 neu gepflanzten Bäume haben wir einen Schwerpunkt
auf einheimischen Bäumen gelegt wie zum Beispiel Ulmen, Eiche, Ahorn und Linde. Jedoch haben wir auch einen kleinen Anteil mit Bäumen aus dem neuen Sortiment
gepflanzt, hierzu gehört zum Beispiel der Kolchische Ahorn (Acer cappadocicum). Neben Sitzbänken im Schatten und zusätzlichen Baumpflanzungen werden nach und nach auch Trinkwasserspender in den Freiburger Parks kommen. Zudem werden wir Vernebler testen, um kleinräumige Abkühlungen anzubieten.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für dieses Jubiläum – was sollen die Freiburger über ihren Seepark neu entdecken oder schätzen lernen?

An dieser Stelle möchte zunächst den Gärtnerinnen und Gärtnern vor Ort einen großen Dank aussprechen, die sich in ihrer täglichen Arbeit sehr viel anhören müssen. Da wünsche ich
mir mehr Verständnis für die, die unseren schönen Park mit viel Einsatz erhalten und pflegen. Mein persönlicher Wunsch war zudem schon länger, dass sich
der BDLA (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten), sich mit einer Publikation dem städtebaulichen Wert der LGS 1986 nähert. Weit über seine Grenzen hinaus hat der Park einen
hohen städtebaulichen Wert im gesamten Freiburger Westen. Ich wünsche mir, dass dieser Wert bei allen ankommt, die den Park nutzen. Hierin liegt auch die Hoffnung, dass die Besucherinnen und Besucher den Park respektvoll und würdevoll behandeln. Das hat er aus meiner Sicht wirklich verdient.

Wir danken Christoph Daub für das Interview.