Geschichte Betzenhausen: Kriege und Unruhen

Hintergrund: in einer langen Beitragsserie wurde von Nov. 1976 bis Aug. 1978 über die Geschichte von Betzenhausen im Bürgerblättle berichtet (siehe Übersicht).


1. Kriegerische Zeiten

Das Bischofskreuz könnte sicher auch für viele andere weniger berühmte Soldaten stehen, die im Laufe der Jahrhunderte auf Betzenhausens Gemarkung kämpften und ihr Leben ließen. Durch seine Lage im westlichen Vorfeld der Stadt war es jedesmal Aufmarsch- und Durchzugsgebiet von den gerade im Kampf mit der Stadt Freiburg liegenden Truppen.

Der Dreißigjährige Krieg überrollte das kleine Dorf förmlich. Als im Jahre 1632 die Schweden in Freiburg einmarschierten, verließen die Betzenhauser ihr Dorf. In den 40er Jahren kehrten sie wieder zurück, wahrscheinlich gerade rechtzeitig um die große Reiterschlacht im Jahre 1644 mitzuerleben. Im Spanischen Erbfolgekrieg waren die Matten und Acker der Betzenhauser Bauern Aufmarschgelänge für 26 Bataillone. Für die 200 in der Lehener Vorstadt gefallenen Soldaten steht im Augustinermuseum ein Grabmal.

Und die Betzenhauser Männer selbst wurden natürlich auch zum Kriegsdienst gerufen. Am 24.11.1492 mußte Freiburg 150 gerüstete Knechte stellen für den Kampf gegen den Pfalzgrafen. 1567 waren ebenfalls zwei Männer im Krieg. Am 4.7.1600 wurden schließlich alle männlichen Gemeindemitglieder in Freiburg gemustert.

lhre Waffen hatten sie sich selbst zu besorgen. lm Dreißigjährigen Krieg gehörten die Betzenhauser zur Freiburger Fahne, die am 12.9.1632 aufgestellt wurde. Sie sollte die Belagerung Freiburgs durch die Schweden rächen.

2. Unruhen – Der Bundschuh in Lehen

Vielleicht ging es den Betzenhauser Bauern nie mehr so schlecht wie zu Beginn des 16. Jahrhunderts, vielleicht fehlte aber auch ein Mann wie Joß Fritz. Die Beteiligung der Betzenhauser am Lehener Bundschuh ist der einzige Versuch geblieben, in einem größeren Rahmen politisch aktiv zu werden. Zwar sind uns nur drei Betzenhauser namentlich als Bundschuh-Mitglieder bekannt, aber im Falle eines geglückten Aufstandes hätte sich diese Zahl sicher stark vergrößert.

Wie aus den uns erhaltenen Protokollen der Verhöre der Bundschuhler zu ersehen ist, hatten die Bauern in den letzten Jahren in besonderem Maße unter dem Adel der Landschaft zu leiden. Die Abgaben des einfachen Mannes wurden unbarmherzig erhöht, da die Adligen oft selbst verarmt waren. Die Rechte der Bauern an Wald und Wiese wurden eingeschränkt. Da sie auch auf gerichtlichem Wege kein Recht erhielten und von den geistlichen Höfen als auch von den Rottweiler Richtern mehr hingehalten als verteidigt wurden, war der Nährboden für die ldeen eines Joß Fritz vorhanden.

Etwa im Jahre 1510 tauchte er im Nachbarort der Betzenhauser, in Lehen, auf. Geboren war er um 1470 in Untergrombach als Bauernsohn. Mit wachem Geist hatte er alle Ungerechtigkeiten, die damals die Bauern in seiner Umgebung erleiden mußten, erfaßt und sicher auch von der Schlettstadter Bauernbewegung Kenntnis gehabt. Das letzte Wort des damaligen Anführers vor seiner Hinrichtung ,,der buntschuh miest ein furgang haben, es stunt kurz oder lang” wurde zum Leitwort seines Lebens. Bundschuh und Joß Fritz gehören seit 1502 untrennbar zusammen. Nachdem die geplante Erhebung in Untergrombach verraten worden war, mußte er fliehen, und erst 11 Jahre später war der Plan für eine erneute Bundschuhbewegung reif geworden. Nachdem Fritz seit 1510 bei Balthasar Blumeneck in Lehen Bannwart war, begann er im Frühjahr 1513 bei Kilian Meiger mit seiner Werbung. Der Kreis der Mitverschworenen vergrößerte sich bald.

Aber auch der Lehener Bundschuh wurde wie die beiden vorherigen Zusammenschlüsse vorzeitig entdeckt, und die ca. 42 namentlich bekannten Bundschuhler und 150 Sympathisanten mußten fliehen, wurden verurteilt und hofften, daß niemand von ihrem Wissen um den Bundschuh erfahren würde.

Zu den namentlich bekannten Bundschuhmitgliedern gehörten drei Betzenhauser Bauern. Da waren die Mitglieder der Familie Stüblin oder Stüdlin, die in Lehen und Betzenhausen wohnten. Aus Betzenhausen war es ein Cyriacus oder wie man damals gewöhnlich sagte, Cyliax Stüblin, der für tauglich befunden wurde, eine der Führerstellen bei der militärischen Ordnung des Bundes zu bekleiden.

Der zweite Betzenhauser war Konrad Brun, der von seinem Schwager Hans Freuder von Lehen für die Bundschuhsache gewonnen wurde. Zumindest war er es, der den Konrad Brun auf der Betzenhauser Kirchweihe, die damals in die Pfingsttage gefallen sein muß, um Geld für die Bundschuhfahne gebeten hatte. Aber selbst auf diesem Fest, wo es meist nicht sehr sparsam herging, hatte der Betzenhauser kaum Geld bei sich. Hans Freuder mußte ihn zu Hause noch einmal besuchen, um den erbetenen Drittel-Gulden zu erhalten. Er war einer der „arm verdorben purslewt”, wie der Freiburger Magistrat die Bundschuhmitglieder bezeichnete. Aber nicht alle Bundschuhmitglieder waren arm, wie die Mitgliedschaft des Lehener Pfarrers und des alten Lehener Vogtes Enderlin zeigen.

Vom dritten Betzenhauser Bauern, Hans Giger, erfahren wir noch weniger. Er wurde mit Giliax Stüblin auf der Hartmatte bei Lehen zum Weibel gewählt und muß demnach bei allen anderen Teilnehmern ein großes Maß an Vertrauen besessen haben.

Nach den Gerichtsprotokollen hatte es sich wahrscheinlich folgendermaßen abgespielt: Ungefähr 8 Tage vor Michaelis gingen die drei Betzenhauser nach Lehen zur Hartmatte, um dort mit den anderen alles Nötige zu besprechen, damit in den nächsten Wochen das Zeichen zum Aufstand gegeben werden konnte. Kilian Meiger nahm allen den Schwur ab, „das sie bieinander bliben und dheiner von dem andern wichen sol”. Die Forderungen, für die sie kämpfen wollten, waren:

1. Abschaffung der fremden Gerichte

2. Einschränkung der Zinsen

3. angemessene Festsetzung der Frondienste

4. völlige Freigabe von Wald und Jagd

5. gerechte Verteilung des priesterlichen Einkommens und des klösterlichen Besitzes

Aber wieder beendete Verrat vorzeitig das Unternehmen. Einige wurden gefangengenommen und Mitte November war auch Konrad Brun im Gefängnis. Er versuchte zwar, sein Wissen um die Bundschuhsache als harmlos hinzustellen, aber der in Basel festgenommene Jakob Hauser nennt seinen Namen bei den Teilnehmern der Versammlung auf der Hartmatte. Das genügte offenbar den Freiburger Richtern, und nach einem nochmaligen Verhör wird er am selben Tag oder kurz danach hingerichtet. Wie er den Tod erlitten hat, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich wird er, wie fast alle Verurteilten, gevierteilt worden sein. Am 15.12.1513 richtet die Stadt ein Schreiben an den Komtur des Johanniterordens zu Heitersheim mit der Bitte, der Witwe des Konrad Brund „und ire kleine unerzogene kint, deren sie funfe hat” den Todfall (Abgabe beim Tod eines Untertanen an den Herrn) zu erlassen.

Hans Giger und Cyliax Stüblin sind entflohen. Über eine spätere Verurteilung oder weitere Beteiligung am Bundschuh fehlt jeder schriftliche Hinweis.

Am 7.12.1513 beschloß der Freiburger Rat, daß die Lehener und Betzenhauser, da bei ihnen der ,,mortlich handel” begonnen habe und sie die Stadt nicht gewarnt hatten, kein Gewehr länger als eine halbe Elle in die Stadt bringen durften. lm kommenden Mai solle ihnen auch der Weidgang untersagt werden. Daraufhin erbittet der Vogt von Betzenhausen samt der Gemeinde um das Wohlwollen des Rates und die Wiedereinsetzung des Weidrechtes. Am 8. Mai wird es ihnen und den Lehenern wieder gestattet. Daraufhin verpflichtet sich die gesamte Betzenhauser Gemeinde mit Vogt und Richter, ,,diß jars zu geben einen schilling pfenig und ein hun” und jeden Handel treulich und nachbarlich zu melden.

Kein besonders erfreuliches Ergebnis für die Sache der Bauern, auf das sicher nicht nur Konrad Brun, Cyliax Stüblin und Hans Giger ihre Hoffnungen gesetzt hatten.