Störche in Betzenhausen

Der Bürgerverein arbeitet ehrenamtlich, um das Nest der Weißstörche auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Alt-Betzenhausen instandzuhalten und dort eine Kamera zu betreiben. Hier zunächst ein paar Dinge zum Hintergrund.

Der Weißstorch (Adebar) stand lange Zeit auf der Liste bedrohter Tierarten. Mitte der 70er Jahre gab es in Baden-Württemberg nur noch 15 Weißstorch-Paare und davon keines mehr in unserer Region: der Bestand war seit Beginn der 50er Jahre kontinuierlich zurück gegangen. Im Jahr 2002 wurden dann aber schon wieder rund 200 Brutpaare gezählt, was etwa dem Stand der 50er Jahre entsprach. Heute sind es im ganzen Land über 600 Brutpaare. Zu dieser schönen Entwicklung hat auch das Nest auf dem Turm der St. Thomas Kirche seinen kleinen Beitrag geleistet (siehe Bilder unten).

Das Storchennest auf dem Turm der St. Thomas Kirche hat schon eine lange Tradition und bis 1938 kümmerte man sich auch um die Instandhaltung. In den 1950-ger Jahren kehrten die Störche zeitweise zurück: aber entsprechend dem allgemeinen Trend, blieb der Turm in den nachfolgenden Jahrzehnten unbewohnt. Um Störche wieder anzulocken, wurde 1981 ein neuer Nistkorb eingerichtet. Initiator war der Deutschen Bund für Vogelschutz, ein Vorläufer vom heutigen Naturschutzbund Deutschland (Nabu).  Das Nest hatte man bei einem Korb-Flechter aus Schleswig-Holstein anfertigen lassen; die Feuerwehr sorgte für den Transport nach oben. Sogar die lokale Presse berichtete über dieses Ereignis.

Aber das reichte nicht aus: vorerst blieb das Nest unbewohnt, genauso wie andere Nester in der Umgebung. Also versuchte man es Ende der 80er Jahre mit Auswilderung einige Jungtiere in unserer Region: beteiligt an dieser Initiative war u.a. der Tierfilmer Hagen Späth, der später auch Mitbegründer des Vereins „SOS Weißstorch“ wurde. In den Folgejahren (ab 1992) dann der Erfolg: es fanden fast durchgängig Störche ihr Zuhause auf dem Turm der Thomaskirche und fast immer hat auch Nachwuchs überlebt. Damit war die Wiederansiedlung gelungen: im Mai 2009 wurde der Kirche St. Thomas die Nabu-Plakette „Lebensraum Kirchturm“ verliehen (entgegen genommen vom Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie).

Weiteren Informationen, speziell über die allgemeine Entwicklung der Weißstörche im Breisgau, ist beim Verein „SOS Weißstorch“ zu finden, der sich nach den genannten Erfolgen umbenannte in Weissstorch Breisgau e.V.


Im Frühjahr und Sommer zeigt unsere Storchenkamera das Leben auf dem Turm der St. Thomas Kirche. Als Trost für die Herbst- und Wintermonate finden Sie nachfolgende ein paar Impressionen aus den letzten Jahren.

Sommer 2019

Im Mai dieses Jahres gab es einen Kälteeinbruch mit langer Regen-Phase, was viele Storchenbabys in der Region nicht überlebten. Auf der St. Thomas Kirche hatten wir dreifacher Nachwuchs und alle haben sich bestens entwickelt. Besonderheit: Die Storch-Eltern haben unsere Kamera-Abdeckung als besonderen Aussichtspunkt entdeckt, verbogen und dadurch die Übertragung merklich eingeschränkt.

 

 

 

 

 

 


Sommer 2018

Vierfacher Nachwuchs: alle haben überlebt. Auch in diesem Jahr sorgte wieder Gustav Bickel vom Verein Weissstorch Breisgau e.V. für die passenden Ringe. Im Sommer hat dann ein Junges sehr früh das Nest verlassen und mit Flugversuchen begonnen: es musste daraufhin in der Auffangstation betreut werden.

 

 

 

 

 

 

 

 


Sommer 2016

Naßkaltes Wetter hatte im Juni dazu geführt, dass von den drei Küken nur zwei überlebten (in anderen Nestern der Umgebung war das Ergebnis sogar noch schlimmer).

Für Unruhe sorgte zwischendurch eine laute, ferngesteuerte Drohne, durch die auch junge Störche leicht in Panik geraten können. „Storchennester sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Nist- und Brutstätten“, betont Gustav Bickel und weist darauf hin, dass es nach Artenschutzgesetz und Naturschutzgesetz  streng verboten mit Fluggeräten über Brut- und Nistplätze zu fliegen.

 

 

 

 

 

 


Sommer 2012

In diesem Jahre ein Storchenpaar nur kurz zu Besuch: es wurde von zwei aggressiven Krähen attackiert und hat sich dann lieber nach einer anderen Heimat umgeschaut.

 

 

 

 

 

 


Sommer 2011

Im Bürgerblättle schrieben wir: „Kampf um die Lufthoheit über dem Kirchturm St. Thomas – Bürgerverein bittet um Spenden.“

Zwei aggressiven Krähen waren unterwegs und vertrieben die ersten Störche. Zudem wurde festgestellt, dass dem Nest mal wieder richtig hergerichtet werden musste. Also kam „Storchenvater“ Hagen Späth zur Hilfe und stieg mit seinen 70 Jahren doch noch einmal auf den Turm: „Ungefähr 7 bis 10 Zentimeter dick ist die jährliche Mistschicht, die sich meistens in der Mitte bildet.« Den Kranz verstärkte Späth mit neuem Reisig und legte ins Innere getrocknetes Seegras. Daran konnte ein Storchenpaar Gefallen finden: und die Krähen waren ihnen auch egal. Zweifacher Nachwuchs stellte sich ein: aber in einer sehr kalten Frühjahrs-Nacht sind die Jungtiere dann leider erfroren.

 

 

 

 

 

Über das Bürgerblättle hatten wir zu einem Mal-Wettbewerb »Mal den Storch« aufgerufen. 60 völlig unterschiedliche Bilder gingen ein, die dann in der Sundgau-Passage zu besichtigen waren. Und natürlich gab es auch Preise für ausgewählte Künstler.

Nebenbei: aus dem gleichen Jahr stammt auch ein schönes Video von Hagen Späth, der sich ja auch als Tierfilmer einen Namen gemacht hat. Siehe Störche in Holzhausen bei Freiburg (mit Erläuterungen vom „Storchenvater“).


Sommer 2009

Keine Bilder aber am 11. Mai erhielt die St. Thomas Kirche symbolich die Plakette „Lebensraum Kirchturm“ verliehen. Durchschnittlich seien seit Beginn der 1990-er Jahre ein bis zwei Jungstörche pro Jahr zur Welt gekommen, erläutert Hagen Späth bei der Gelegenheit: „Damit hat dieses Projekt wesentlich dazu beigetragen, dass sich der Storchenbestand in der Region in etwa wieder auf dem Niveau von vor 50 Jahren eingependelt hat.“ Und Pfarrer Franz Leithenmay, der die Plakette entgegennahm, wusste zu ergänzen: da „Meister Adebar“ auf einem Bein stehe, sei er zugleich auch ein Vorbild für Besinnung und Meditation.


Sommer 2008

Aus diesem Jahr haben wir zwar kein Bild, aber doch eine Besonderheit zu berichten: die Störche wurden wieder von Krähen verjagt. Also hat man Lautsprecher aufgestellt, die den Ruf eines Wanderfalken nachahmten. Die Krähen wurden zwar vertrieben, aber Störche haben sich dann doch keine mehr eingefunden.


Sommer 2003

Aus diesem Jahr haben wir leider kein Bild, aber im Bürgerblättle 168 wurde ausführlich berichtet. Es schlüpfte ein Kücken, das dank großem Einsatz der Eltern nicht verhungerte. Denn: in diesem Jahr waren rabiate Krähen unterwegs, die immer wieder das Nest angriffen. Mutter-Storch war komplett mit Schutz desselben beschäftigt: konnte selbst kaum auf Nahrungssuche gehen und war zum Schluss so stark abgemagert, dass nur noch eine „3-Wochen-Kur“ in der SOS Weißstorch Auffangstation helfen konnte. Am Ende machten sich dann alle zusammen auf den Weg ins Winterquartier.