Geschichtliches zum Stadtteil Betzenhausen

10 Jahre Bauernhoftiere für Stadtkinder

Im Mai 2020 gibt es Bauernhoftiere für Stadtkinder e.V. seit genau zehn Jahren!

Hier der Beitrag aus dem Bürgerblättle 261 Ausgabe April / Mail 2020


Seit 2010 bieten wir qualifizierte tiergestützte Pädagogik und Naturpädagogik für Kinder an, haben viele Kooperationen mit Schulen und Kitas durchgeführt, Kindergruppen angeboten, unzählige Kontakte geknüpft. Vor allem haben wir viele, viele Kinderaugen durch Tierkontakt, Naturerlebnis und die Erfahrung der „Selbstwirksamkeit“ zum Leuchten gebracht und ihre Herzen höher schlagen lassen.

Seit zehn Jahren kämpfen wir unermüdlich für die ökologische Aufwertung und die langfristige Erhaltung des Gewann Obergrüns als Naherholungsgebiet und Naturerlebnisraum, schreiben Briefe, Berichte, Artikel, setzen uns mit Stadtverwaltung und Gemeinderat auseinander.

Begonnen hatte es 2010 alles mit den Ziegen Tiffi und Lorenz und vier zahmen Hühnern. Inzwischen leben sage und schreibe 28 Bauernhoftiere im Gewann Obergrün. Zu den Ziegen kamen 2011 vier Schafe hinzu, inzwischen sind es acht (Molly, Wanda, Susa, Lotte, Lullu, Katja-Vanille, Bella und Pünktchen). Wir begannen einzelne Flurstücke in der verbrachten Wiesenlandschaft zu pachten und diese mit den Ziegen und Schafen zu beweiden. Im Jahre 2012 kam der erste Esel Otto dazu. Bald darauf der zweite, der Esel Jakob.

Wir begannen, mit Unterstützung der Familie Pleuger, unsere Landschaftspflege auf die Wiesen- und Weideflächen Richtung Sonnland auszuweiten. Im Jahre 2013 haben wir dort gemeinsam zum ersten Mal selbst Heu gewonnen. Was für ein Erlebnis für Groß und Klein! Seitdem heuen wir regelmäßig selbst und produzieren wertvolles Futter auf den wertvollen Wiesen direkt vor Ort. Apropos Erlebnis: 2012 wurde der GEO-Tag der Artenvielfalt unter Leitung der Ökostation im Gewann Obergrün durchgeführt. Das hatte der Stadtverwaltung gar nicht gefallen, war doch damals der Tenor aus dem Rathaus, das Obergrün sei keine ökologisch wertvolle Fläche. So war dies bis heute auch der erste und einzige Geo-Tag, an dem kein Freiburger Bürgermeister ein Grußwort sprach. Das machte uns aber nichts. Viele große und kleine Forscher hatten innerhalb weniger Stunden über 600 Tier- und Pflanzenarten gefunden, trotz windigem Wetter. Heute ist die ökologische Wertigkeit der Fläche im Rathaus bekannt. Es gibt hier wertvolle Magere Flachlandmähwiesen, strukturreiche Weiden, Wäldchen, zahllose Insekten, Zauneidechsen und viele Vogelarten. 2019 brütete sogar der Neuntöter hier. Wir haben inzwischen einen Großteil der Flächen gepachtet, werten diese in aufwendiger Wechselweide ökologisch auf und stehen in konstruktivem Austausch mit der Stadtverwaltung.

Doch zurück zu den Tieren: 2014 wurden die Schweine Nelly und Franz angeschafft, 2015 die Kühe, damals Konrad, Rita und Fridolin. Heute sind noch Rita und Adelheid da. Seit 2016 gibt es wieder Pferde und Ponys im Gewann Obergrün, wie schon früher, als die Familie Pleuger auf den Wiesen ihre Trakehner-Pferde weiden ließ. Es war uns immer wichtig, an Vorhandenes anzuknüpfen. Unsere Großpferde Nando (Freiberger) und Nero (Appaloosa) weiden mit den Shettys Rasputin und Fedor.

Es gab immer auch Wechsel und Abschiede. Vor allem bei den Hühnern und bei den Kaninchen gibt es naturgemäß immer wieder Verluste und Neubeginne. Aktuell lebt bei uns das Deutsche Riesen-Kaninchen Kurt mit dem Widder-Zwergkaninchen Pumpernickel. Unsere Hennen heißen Schneewittchen, Frau Holle, Lovis, Olga und Uschi und werden von dem verschmusten Zwerghahn Gustav begleitet. Er liebt es, von Kinderhänden vorsichtig gestreichelt zu werden.

Es ist so viel geschehen in den vergangenen zehn Jahren, es lässt sich nicht alles niederschreiben. Positives wie Negatives, es gab ruhige und sehr aufregende Jahre. Vor allem die Bautätigkeiten haben uns stets umtrieben und werden dies wohl auch zukünftig. Davon lassen wir uns jedoch nicht unterkriegen. Wir betreiben den Verein hauptsächlich ehrenamtlich neben unseren Berufen und unseren Familien, es ist tatsächlich viel Arbeit. Wir sind aber glücklich und dankbar, in unserem geliebten Stadtteil die Möglichkeit zu haben, in Zeiten von Naturentfremdung und Artensterben tätig sein zu können und etwas an die Gesellschaft und die Natur zurückgeben zu können.

Es lässt sich abschließend sagen, dass unser Verein ebenso wächst und gedeiht wie unser Tierbestand. An dieser Stelle wollen wir uns ganz, ganz herzlich bei unseren Mitgliedern und Mitbürgern bedanken, die uns in der Vergangenheit durch ihre Mitgliedsbeiträge, Geld- oder Sachspenden, Mithilfe bei der Tierversorgung oder Aktionstagen, netten Zaungespräche und positiven Worte unterstützt haben! Ohne Sie und Euch wäre uns dies alles nicht möglich gewesen! Danke! Wir freuen uns auf die nächsten zehn Jahre mit Ihnen und Euch!

Cora Geigenbauer und Kerstin Geigenbauer

30 Jahre Japanische Garten

Der Japanische Garten im Seepark ist ein Geschenk der Partnerstadt Matsuyama an die Freiburger Bevölkerung. Er wurde geplant vom japanischen Gartenarchitekten Yoshinori Tokumoto, der ab Herbst 1989 mit drei japanischen Gärtnern an dem Garten arbeitete. Von Freiburger Seite halfen damals bis zu zehn Gärtner, die bei der Gelegenheit die spezielle Technik der Garten-Pflege erlernten (z.B. Schneiden, Schienen und Binden der Gehölze). Der Garten hat eine Größe von 3.500 m² und wurde am  05. Mai 1990 feierlich eröffnet (also haben wir jetzt einen runden Geburtstag).

Zum Hintergrund: Matsuyama ist seit Oktober 1988 Partnerstadt von Freiburg. Eine Stadt im Süden Japans, mit einer halben Millionen Einwohnern, touristisch attraktiv wie Freiburg: vielleicht sogar die Wiege der Japanischen Bade-Kultur. Mit dieser Partnerschaft entstanden regelmäßige Austauschprojekte zwischen beiden Städten: Bürgerreisen ca. alle zwei Jahre, gemeinsame Musik-Veranstaltungen, Schüleraustausch (etwa beim Goethegymnasium) und auch der SC Freiburg hat einen Freundschaftsvertrag mit dem FC Ehime dort; auch in Fragen des Umweltschutzes ist man in fruchtbarem Austausch. Und noch eine Gemeinsamkeit: in Matsuyama gibt es den  Freiburger-Garten mit einer Element, das an die Spitze vom Freiburger Münster erinnern soll (ein Geschenk aus Freiburg).

Japanische Gärten können sehr unterschiedlich sein und Regionen Japans haben sogar eigene Stile: naheliegend, dass der Garten in Freiburg stark dem Matsuyama-Stil entspricht. Typisch für einen Japanischen Garten ist, dass Szenen einer Landschaft zusammengefasst werden auf kleiner Fläche. In Freiburg ist es ein Wasserlauf, der von der Quelle in den Bergen über einen Wasserfall und Fluss zum Meer fliest (hier Flückigersee). Alles genauestens geplant: nichts überlässt der Architekt dem Zufall. Ein Japanische Garten lebt von den Formen der Steine, der Pflanzen, den Wasserstrukturen, aber auch von der Ruhe und Beschaulichkeit als wesentliches Element.

Auf uns wirkt diese Garten-Kultur manchmal wie eine zu groß geratene “Bonsai-Landschaft”: ist doch diese Art des Schneidens von Bäumen der europäischer Garten-Welt eher fremd. Aber gerade diese Fremdartigkeit läd auch wieder ein zu Besinnlichkeit und stiller Meditation (gut dass es einen aufregenden Kinder-Spielplatz schon einige Hundert Meter weiter gibt).

Sicher ist die Pflege dieses Gartens teurer als die einer normalen Gartenanlage, aber im Sinne der Partnerschaft mit Matsuyama wird es hoffentlich weiter gelingen, das Geschenk gut zu behandeln. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Mitarbeiter des GuT, die mit Engagement versuchen, die Ideen des Gartens wach zu halten. Wahrscheinlich ist es der am besten gepflegte städtische Park in Freiburg. Aber leider gab es auch immer wieder Vandalismus: die BZ berichtete schon vor Jahren darüber, auch wir haben im letzten Jahr zu mehr Achtsamkeit aufgerufen im Bürgerblättle. Und leider plätscherte auch das Wasser in den vergangenen Jahren nicht immer über die Granitblöcke: für die Sommersaison wird regelmäßig ein Sponsor gesucht, der die Kosten z.B. für die Umwälzpumpe trägt.

Herr Tokumoto (er ist inzwischen verstorben) kam anfangs einige Male zurück nach Freiburg, um sein Kunstwerk wieder zu sehen und dann und wann auch wieder Rat zu erteilen, wie und wann Bäume oder Sträucher zu schneiden sind. Gelegentlich waren auch Freiburger Baumschulgärtner in Japan, um in sich in der Kunst weiter zu bilden und Anregungen mitzunehmen.

Die „Deutsch-Japanische Gesellschaft Freiburg Matsuyama e. V.“ feiert jährlich im Mai ihr Frühlingsfest „Kodomonohi“ am Garten bzw. im Bürgerhaus. Vorführungen, Ausstellungen und Workshops bieten Gelegenheit, Einblick in die japanische Kultur zu nehmen. In diesem Jahr soll das Fest am 3. Mai stattfinden; für mehr Infos siehe: www.djg-freiburg.de.

Schon gewusst? Im Japanischen Garten wurde vor wenigen Jahren einen Bank aus Bambusholz aufgestellt, die in Matsuyama gefertigt worden war. Und auch weitere Partnerstädte sind mit Bänken in ihren jeweils eigenen Stil vertreten (Besançon, Guildford, Innsbruck): diese Bänke stehen vor dem Eingang zum Bürgerhaus.

Nachfolgend einige Bilder; oder haben Sie vielleicht sogar Lust auf Bilder als 360 Grad Aufnahme? (aber das alles kann einen eigenen Besuch nicht ersetzen…).

 

 

 

Bomben auf Freiburg und Betzenhausen (Nov. 1944)

Dieses traurige Ereignis jährt sich im Jahre 2019 zum 75-ten mal. Wir wollen deshalb kurz zurückblicken.

Am 27. November 1944 wurde die Freiburger Innenstadt in einem Bombardement von 20 Minuten durch die Royal Air Force weitestgehend zerstört. Ca. 2.800 Menschen kamen nach heutiger Kenntnis zu Tode; fast 10.000 wurden verletzt und jede dritte Familie in Freiburg verlor ihre Wohnung.

Der Angriff liefert unter dem Namen “Operation Tigerfish”, dauerte knapp 23 Minuten und begann kurz vor 20:00 Uhr. Es wurde im ganzen Stadtgebiet etwas 3.000 Sprengbomben und 50.000 Stabbrandbomben abgeworfen (siehe auch ausführliche Darstellung mit vielen Quellen bei Tigerfish in Wikipedia).

Viele Bomben fielen auch auf Betzenhausen, das in der Anflugschneise der Flieger lag. Es gab vermutlich 89 Todesopfer, meist Kinder, Frauen und Alte. Keine Wohnung im Stadtteil war ohne Schaden, etwa die Hälfte des Wohnraums wurde vernichtet, gegen die Brandbomben scheiterten die Löschversuche. Schon kurz nach dem Angriff musste ein grosser Teil der Einwohner Betzenhausen verlassen.

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Wentzinger Realschule hat der Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen im Jahr 2004 dieses für Betzenhausen so schreckliche Ereignis aufgearbeitet und die Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Titel: ” Zivilbevölkerung im Bombenkrieg – Die Zerstörung Betzenhausens am 27.11.1944″. Weitere Infos gibt es beim Kultur- und Geschichtskreis erhältlich (siehe www.kuge-freiburg.de).


Als Folge dieses Bombenangriffs und kleinerer weiterer Angriffe lag Freiburg in Trümmern, die nach dem Ende des Krieges beseitigt werden mussten. Für den Abtransport aus der Innenstadt wurde von 1947 bis 1949 sogar eine eigene Bahnstrecke betrieben, der sog. “Tümmerexpress”. Sie führte nach Betzenhausen zum früheren Baggersee, der seit Anfang der 1920-Jahre südöstlich vom heutigen Flückingersee betrieben wurde: also etwa dort, wo heute der Rosengarten bzw. Grenzstrasse liegen. Letztendlich wurde dieser See durch die Trümmer wieder aufgefüllt. Dieses Kapitel der Freiburger Geschichte hat eine Arbeitsgruppe am Friedrich-Gymnasium im Jahr 2016 in einer beeindruckenden Dokumentation aufgearbeitet (inkl. Film von ca. 14 min Länge). Viele Infos zur Trümmerbahn gibt es auch wieder Wikipedia .


Mitte der 1950-Jahre kam der Wunsch auf, für die Toten und Vermissten des Weltkriegs (und der Kriege davor) auch in Betzenhausen eine Gedankstätte zu errichten. So entstand die Gedenkstätte auf dem Friedhof der St. Thomas Kirche. Seither legt der Bürgerverein dort – in Vertretung der Vereine des Stadtteils – am 1. November jedes Jahres einen Kranz nieder.


Am 27. November 2019 beging die Stadt Freiburg diesen Gedenktag mit einer besonderen Klanginstallation, die mehrmals am Tag auf dem Münsterplatz zu hören ist. Das Musikstück der Hochschule für Musik Freiburg wurde eigens für diesen Anlass komponiert. Die Klanginstallation soll eine zweifache Botschaft zum Ausdruck bringen: erinnerndes Gedenken und Friedensappell.

Vor 19:00 bis 20:10 Uhr erinnert ein Gedenk-Läuten am Freiburg Münster und anderer Kirchen an das Bombardement. Um 20:00 Uhr begann im Freiburger Münster ein Ökomenischer Gottesdienst mit Redebeiträgen. Im Anschluss gegen 21:15 Auszug der Teilnehmenden mit Kerzen und stillem Gedenken.

Im Fritz-Hüttinger-Haus im Stadtteil Mooswald wurde aus diesem Anlass das Hörstück “Tigerfish und Schangele. Vom Keller aus die Sterne sehen” aufgeführt (18:00 bis 19:00 Uhr). Das Hörstück des gebürtigen Freiburgers Betram Denzel ist eine Nacherzählung des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht von Schangele, die als Vierjährige die Bombennacht in der Freiburger Mooswaldsiedlung erlebt hat. Und aus der Sicht von Dr. Peter Saundby, damals acht Jahre alt: sein Vater ist Sir Robert HMS Saundby, Air Marshal bei der RoyalAir Force und „Erfinder“ der sogenannten Fishcodes für Angriffsziele in Deutschland (Freiburg =Tigerfish).

 

 

 

 

 

Seepark und Flückiger See

Der Seepark mit dem Flückiger See im Zentrum entstand zur Landesgartenschau 1986: ein Naherholungsgebiet von ca. 35 Hektar mitten in Freiburg. Man findet dort vielfältige Freitzeitmöglichkeiten aber auch ruhige Orte (wie z.B. den Japanischen Garten). Einmal im Jahr veranstaltet die Stadt Freiburg zusammen mit dem Bürgerverein Mooswald das große Seefest mit großem Feuerwerk (jeweils an einem Wochende Anfang August).


Geschichte und Entstehung

Seit den frühen frühen 1920-er Jahren förderte man an dieser Stelle Sand und Kies.  Allerdings wurde anfangs nicht am heutigen Standort gearbeitet, sondern weiter südöstlich: etwa dort, wo heute der Rosengarten liegt bzw. benachbare Strassen. Durch diese erste Phase der Förderung war schon ein See entstanden: dort wurden nach dem zweiten Weltkrieg viele Trümmerteile der Freiburger Innenstadt abgeladen.  Für den Transport der Trümmer wurde von 1947 bis 1949 wurde sogar eine Bahnstrecke betrieben, der sog. “Tümmerexpress“. Letztendlich wurde dadurch der erste See wieder aufgeschüttet.

Diese Altlasten (inklusive von Brandbomben) führte vermutlich später zu starken Phospat-Belastungen im See, die zunächst nicht erklärt werden konnten (und u.a. zum Bürgerprojekt Flückigersee führten).

Nach dem Krieg wurde aber auch die Förderung von Kies und Sand wieder aufgenommen, und zwar an der heute bekannten Stelle: ein Foto von den Arbeiten im Jahr 1951 ist z.B. zu sehen bei den Freiburger Erinnerungen von Hanspeter Schlatterer im Stadtkurier. Betreiber war jetzt die Firma Flückiger, die damit auch Namensgeber wurde (rechts ein Bild von 1983).

Im Nachhinein etwas überraschend, aber bereits Ende der 1960-er Jahre gab es am südöstlichen Ufer ein Freibad mit Zugang zum See. Trotz Baggerarbeiten wurde der See also schon recht früh zur Freizeitgestaltung genutzt: sehr schön zu sehen am Beginn eines Rundflug über Freiburg im Jahr 1970 (siehe SWR Video).  Leider wurde dieses Freibad 2003 aus Kostengründen geschlossen (Wiedereröffnung Aussenbecken Westbad scheint aber 2019 nur noch eine Frage der Zeit).

Ende der 1970-er Jahren hatte die Besiedlung des Gebietes bereits so zugenommen, dass ein weiterer Kiesabbau kaum noch sinnvoll erschien. So entstanden Pläne für eine Hilton-Hotel: der Bürgerverein war wenig begeistert von diesen Aussichten. Erst danach entstanden Ideen, das Gelände (eigentlich eine Industriebrache) in einen Park für die westlichen Stadtteile zu verwandeln. Erste Überlegungen sind schon im Bürgerblättle von 1980 beschrieben. Die Stadt lobte im Jahr 1983 einen Architektenwettbewerb aus: es war die Grundlage der Landesgartenschau 1986 und Basis für das Freizeitgelände der heutigen Form. Bei diesem Projekt wurde die Form des Sees teilweise sogar verändert und insbesondere auch das vorher steile Ufer abgeflacht.

Durch Ausrichtung LGS 1986 entwickelte sich also eine See- und Parklandschaft, die für viele Freiburger/innen nicht mehr wegzudenken ist.


Rückblick auf die Landesgartenschau 1986

Ministerpräsident und Schirmherr Lothar Späth eröffnete die Landesgartenschau am 18. April 1986.  Sie dauerte bis zum 12. Oktober und hatte dann über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher. Sie zählt damit bis heute zu den erfolgreichsten Landesgartenschauen in Baden-Württemberg. Hier Bilder im Archiv der Badischen Zeitung.

Die Eröffnung fand bei schlechtem Wetter statt, alles Wachstum war im Rückstand und man wartete sehnlichst auf Sonnenschein und Wärme. Dann – keine zwei Wochen später – ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe – und alles schien zu erstarren! Doch das ganz alltägliche Leben auf der Landesgartenschau ging weiter; trotz all der niederschmetternden Berichte aus und über Tschernobyl, strömten die Menschen.

Es war eines der ersten Ausstellungen, bei der das Thema Ökologie zentrale Bedeutung hatte in der Gestaltung und bei Veranstaltungen. Daraus entstand auch die Idee zur Ökostation, wie wir sie heute kennen.

Auch Kunst spielt eine wichtige Rolle: zeitlich begrenzte Beiträge waren nur während der Gartenschau zu sehen. Anderes blieb: z.B. das Bürgerhaus und Seetribüne, Seeparkturm, Forsthaus, Tempelchen, Pontonbrücke.. (siehe auch nachfolgende Abschnitte). Installiert wurden zur Landesgartenschau auch diverse Kunstwerke, z.B. die imposanten Holz-Bauten auf dem Betzenhauser Torplatz.

Ein Anekdote aus dieser Zeit: auf den See schwam zur Landesgartenschau auch eine Art Arche in Form eines Rheinkahns mit rot-weißen Wellblechhaus. Die Arche versank während eines Sturms kurz nach Ende der Gartenschau. Sie ist liegt noch heute in den Tiefen des Sees und wird noch gern von Tauchern besucht (siehe Video über einen Tauchgang).

Noch ein paar Fakten: 35.000 m² Gesamtfläche, davon 9.800 m² Wasseroberfläche. Gepflanzt wurden 3.200 Bäume und über 500.000 Blumen.

Im Jahr 2016 (also 30 Jahre nach der Ausstellung) ist es der Redaktion des Bürgerblättle gelungen, Dr. Rolf Böhme als damaligem Oberbürgermeister, Bernhard Utz, seinerzeit Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer, sowie Bernd Dallmann als damaligem Direktor der LGS, zu einem Kurzinterview für einen Rückblick zu gewinnen (siehe Bürgerblättle 238, Juni 2016 bzw. Beitrag hier).


Sehenswert im Seepark

Bürgerhaus

Das heutige Bürgerhaus war zur Landesgartenschau zum großen Teil eine Blumenhalle bzw. genutzt als zentrale Infostelle. Es wird heute vielfälltig genutzt für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen (z.B. Neujahrsempfang, Gesundheitstage, Varieté, Hobbybasar…). Hier hatten auch Veranstaltungen ihren Ursprung, die später wegen ihres Erfolges umziehen mussten wie z.B. die Mundologia und die Internationale Kulturbörse Freiburg (IKF).

Seebühne

Vom Bürgerhaus in Richtung See sieht man sofort die Seebühne, eine Freilichtbühne: mehrmals im Jahr gibt es dort kostenlose “Konzerte im Freien“, bei denen sich Freiburger Orchester präsentieren (Sonntags nachmittag in den Sommer-Monaten). Aber auch Hobbymusikern sind bei schönem Wetter immer wieder zu sehen.

Tempelchen

Das Tempelchen bietet eine schönen Blick auf den See bzw. das Ufer zur Seebühne. Vor einigen Jahren war das Tempelchen dann ziemlich vermalt, verkritzelt und zugemüllt: deshalb initiierte der Bürgerverein 2014 eine Aktion zur Säuberung und Entfernung von Graffiti.

Forsthaus

Hierbei handelt es sich um eine spektakuläre, öffentlich zugängliche Konstruktion aus Douglasien-Holz am Ufer des Flückiger Sees. Das Forsthaus trug auch den Titel ,,Der liegende Turm” und wurde explizit geplant “ohne besondere Nutzung”. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den See, die gegenüberliegende Anhöhe mit dem Seeparkturm und den Stadtteil Mooswald dahinter.

Pontonbrücke

Über diese Brücke “muß” man einfache gehen; möglichst bei jedem Spaziergang. Die Brücke schwimmt mit Hilfe von Plastikelemente und ist über Seile so auf dem Boden des Sees geankert, dass sich ein Rundung ergibt. Zusammen mit Seerosen haben in dieser Ecke des Sees inzwischen viele Seeschildkröten Ihre Heimat gefunden: anfangs wohl ausgesetzt von Privat-Personen.

Fliesen-Sonnenuhr

Wenn man “ausnahmsweise” mal nicht den Weg über die Pontonbrücke nimmt, sondern am Ufer vor dem Westbad schlendert, dann findet man vielleicht eine wunderschöne Sonnenuhr: ein Geschenk der Partnerstadt Besançon, dem Zentrum der französichen Uhren-Industrie. Folglich sind dort auch historische Gebäude aus Besançon abgebildet. Um die Uhr zu nutzen, muss man sich selbst in die Mitte stellen und der Schatten zeigt die Uhrzeit.

Ökostation

Die Landesgartenschau 1986 setzte bereits Schwerpunkte zum Thema Ökologie. Dazu gehörte auch die Ökostation: ein Naturhaus mit Grasdach, Lehmwänden und Solaranlage verbunden mit verschiedenen Naturgärten. Für viele Schulklassen und Kindergärten ist die Ökostation immer wieder ein “Grünes Klassenzimmer”.

Leider zerstörte im Febr. 1987 ein Brand das komplette Gebäude der Ökostation. Der Wiederaufbau erfolgte 1991 in einer Kooperation zwischen der Stadt Freiburg und dem BUND als neuem Träger.

Seeparkturm

Der Holz-Turm bietet natürlich eine schöne Aussicht über den gesamte Park, bzw. auf die Siluette von Freiburg oder das Panorama von Schwarzwald und Kaiserstuhl/Vogesen (je nach Wetter natürlich). Viel später (im Jahr 2003) wurde der Holzturm Opfer von Brandstiftung und musste daraufhin abgerissen werden. Aber innerhalb eines Jahr wurde der Turm neu gebaut. Dank an die Stadt Freiburg für diese spontane Reaktion.

Rosengarten

Im Osten des Parks befindet sich ein schöner Rosengarten. Im Jahre 2005 konnte er durch eine großzügige Spende der Eugen-Martin Stiftung wieder belebt und komplett neu bepflanzt werden.


Japanischer Garten

Der Japanische Garten im westlichen Teil des Seeparks wurde 1989 vom japanischen Gartenarchitekten Tokumoto geplant und 1990 fertiggestellt (also nach der Landesgartenschau).

Er gilt als Zeichen der Partnerschaft der beiden Städte Freiburg und Matsuyama und ist wohl einer der schönsten Japanischen Gärten in Deutschland. Siehe auch unser Bitte um Achtsamkeit bei Nutzung des Gartens.


Es gäbe noch vieles zu sagen…

Durchaus lohnenswert ist ein Blick auf Infos bei Wikipedia: zum Seepark, zum Flückigersee und auch zur Trümmerbahn.

Eine liebevolle Beschreibung mit vielen Details und schönen Bildern bietet Michael auf Erkunde-die-Welt.de.

Der Flückigersee wird gern von Tauchern besucht, insbesondere der 1. Tauchclub Freiburg ist regelmäßig zu Gast.

Die Geschichte von (Alt-)Betzenhausen

Seit über 100 Jahren ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg, die Eingemeindung erfolgte am 1.1.1908.

Hier ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte des Stadtteils, denn Betzenhausen zählt zu den ältesten Umlandsiedlungen von Freiburg:

  • 972 gilt als das Jahr einer ersten Erwähnung von „Bezenhusa“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Einsiedeln durch Otto I. Dort blieb die Bauerngemeinde auch ca. 250 Jahre. Die gleiche Urkunde nennt übrigens auch unsere heutige Partnergemeinde Tenigen als „Deninga“: eine durchaus bemerkenswerte Gemeinsamkeit.
  • 1299 wird der Bischof von Straßburg – Konrad II von Lichtenberg – von rebellischen Bürgern Freiburgs vor den Toren der Stadt verletzt (am Bischofskreuz) und stirbt nach Rückkehr in Straßburg.
  • Im Jahr 1381 kauft Freiburg die Gemeinde Betzenhausen; gut 400 Jahre hält dieses Untertanenverhältnis.
  • 1806 wird Betzenhausen eine selbständige Gemeinde im Großherzogtum Baden. Die Einwohner waren daraufhin erstmals freie Bürger, mit Gemeinderat und eigenem Bürgermeister.
  • Die Begradigung der Dreisam in den 1820-er Jahren änderte die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in weiten Bereichen, in denen es vorher regelmäßig Überschwemmungen gegeben hatte.

1908 waren es vor allem wirtschaftliche Gründe, die Betzenhausen zu Freiburg führten (damals ein Dorf mit 600 Einwohnern). Die Stadt sah eine Chance zur Ausdehnung nach Westen (noch heute aktuell), im Gegenzug erhielt Betzenhausen Anschluss an die Freiburger Wasserversorgung, neue Straßen und eine Volksschule, die heutige Gerhard Hauptmann Schule (ab Ende der 1920-er Jahre auch genutzt als Volksbad; hier eine ausführliche Beschreibung zu Geschichte der Schule).

Die Eingemeindung am 1.1.1908 wurde ein großes Fest, wie es Betzenhausen wohl noch nicht erlebt hatte. Bei Interesse: im Stadtarchiv Freiburg ist noch der damalige Bericht der Freiburger Zeitung über die Feier zu finden.


Entwicklung nach der Eingemeindung:

1910 gründet sich der Ortsverein, aus dem später der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde entstand (Geschichtliches dazu siehe hier) .

Die beiden Weltkriege hinterließen Leid und große Zerstörung auch in Betzenhausen: im zweiten Weltkrieg war es insbesondere eine Bombennacht im November 1944.

Ab 1963 wird der Bezirk Bischofslinde gebaut mit dem Platz am Bischofskreuz als Zentrum; eine neue Bischofslinde wird als Gründungssymbol gepflanzt. Etwa zeitgleich Beginn des großen, sozialen Wohnbauprojekts „Zehnsteinweg“.

1965 Einweihung „StuSie“, der größten Studentensiedlung in Freiburg.

1986 Landesgartenschau als Grundlage für den heutigen Seepark.

2012 Beim ZentrenAktivierungsKonzept (ZAK) beginnt die Umsetzung mit Platz am Bischofskreuz und Neugestaltung Sundgauallee.


Für Interessierte hier ein Hinweis auf den „Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.“, der sich seit 1998 um Themen in der Geschichte von Betzenhausen-Bischofslinde kümmert: siehe www.kuge-freiburg.de.

Viele Details zur Geschichte von Betzenhausen enthält die Festschrift “100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908-2008” (herausgegeben vom KuGe), sowie die Sonderzeiten zum Bürgerblättle anlässlich der “90-jährigen Zugehörigkeit Betzenhausen zur Stadt Freiburg (pdf)“ im Jahr 1998.

Viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der letzte Bezirksatlas-Alt-Betzenhausen (pdf) aus dem Jahr 2018.

Geschichte der Gaskugel

Die Gaskugel gehört zum Stadtbild von Freiburg; es ist ein Wahrzeichen von Betzenhausen bzw. des gesamten Freiburger Westens. Zitat Joachim Röderer (BZ): „Wenn man nach Urlaubsreisen und langer Rückfahrt heimkehrt, ist man gefühlt erst dann wirklich wieder zurück in Freiburg, wenn man die Gaskugel passiert hat.“

Bauphase

Anfang der 1960-er Jahre sah die Stadt Freiburg, dass der Übergang zum Gas als Energie-Träger ein gewisses Speichervolumen vorort erfordert. Das Gas selbst kam ja durch überregionale Druckleitungen vom Rheintal nach Freiburg: insofern schien das heutige Gelände an der Dreisam ideal für den Zwischenspeicher. Allerdings war das Gebiet eigentlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen: also gab es kurzfristig Anpassung im Gemeinderat.  Schon aus diesem Grunde fühlten sich die Betzenhausener überrumpelt von den Planungen der Stadt. Auch der damalige Ortsverein Betzenhausen als Vorgänger des Bürgervereins war wenig begeistert.

Vor allem gab es auch Ängste, welche Gefahren von diesem “Ungetüm” ausgehen könnten: in Zeiten des kalten Krieges waren es vor allem die Auswirkungen eines Bombenangriffs, die man fürchtete. Folglich galt es als “Zumutung, dass die Bewohner von Betzenhausen den Gasgeruch einatmen oder in einem Katastrophenfall elendiglich zugrunden gehen müssen”.

Aber am Ende wurde doch gebaut. Im Oktober 1964 war Einweihung durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel. Er taufte das Bauwerk auf den Namen “Gaskugel Freiburg”. Technische Merkmale: die Kugel hat eine Spannweite von 32 Metern, die Aussenwand ist 3 cm dick. Das Bauwerk ist insgesamt 35 Meter hoch und kann 20.000 m3 Gas aufnehmen. Direkt neben der Gaskugel ist ein Übergabestation, welche u.a. den Gasdruck so absenkt, wie es für Lieferung an Endverbraucher (z.B. Haus-Gasheizung) erforderlich ist.

Weitere Hintergründe und Bilder, insbesondere auch zum Bau, beschreibt Nico Bischler in der Festschrift zu „100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908 – 2008“ (siehe www.kuge-freiburg.de/gaskugel-betzenhausen)

Betrieb über 54 Jahre

Sowohl der Gasspeicher (die sichtbare Kugel) als auch die Gasdruckregelanlage fielen unter den Anwendungsbereich der Störfallverordnung, regelmäßigen Prüfungen durch technische Sachverständige waren also vorgeschrieben (in diesem Fall TÜV Süd). Für Details siehe zugehörige Sicherheitshinweise von bnNETZE für die Anwohner (dort aufgeführt sind auch viele techn. Hintergründe).

Aber die Kugel (bzw. das enthaltene Gas) wurde in dieser Zeit von den Anwohner sicher nicht als ständige Gefahr betrachtet. Es konnte dort sogar gefeiert werden, zuletzt im Okt. 2017 bei einem Familiennachmittag mit Infos zur Anlage und Führungen. Wer Lust hatte, durfte per Hubsteiger sogar von oben einen Blick auf die fast 40 Meter hohe Kugel werfen (“Gaskugel zum Anfassen”, siehe Bürgerblättle 246 mit historischen Bildern zum Bau).

Betriebsende Juli 2019

Im Juli 2019 das Betriebsende: die Bedeutung als Reservespeicher für Freiburg war im Laufe der Jahre immer weiter zurück gegangen, da Erdgasnetze heute überregional miteinander verbunden sind und darüber auch Spitzen abgefangen werden. Die Menge an Gas in der Kugel wäre im Bedarfsfall in weniger Stunden aufgebraucht worden (stattdessen nutzt man heute Gasreserven in grossen, unterirdischen Lagern). Letztendlich war ein wirtschaftlicher Betrieb laut Badenova Tochter bnNETZE nicht mehr gegeben.

Gas ist also zukünftig dort nicht mehr gespeichert. Die Gasdruck-Regel- und Messanlage im Gebäude neben der Kugel bleibt aber erhalten und wird in diesem Zuge erneuert (ab 2020).

Laut Perspektivplan liegt die Gaskugel in einer Entwicklungsfläche J, die nur für Sport, Gärtnern und Naherholung vorgesehen ist. Im Umfeld gibt es Schrebergärten und die letzten Streuobstwiesen von Betzenhausen.

Seit Dezember 2019 steht die Gaskugel als Industrie-Wahrzeichen unter Denkmalschutz.

Die Zukunft der Gaskugel

Gleich nach Betriebsende hat sich in Betzenhausen eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der Gaskugel einsetzt (beteiligt sind u.a. der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., der Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.). Innerhalb kürzester Zeit fanden sich viele Unterstützer für die Initiative.

Ziel: „Wir wollen die Gaskugel als Industriedenkmal erhalten, sie aber nicht einfach leer stehen lassen, sondern neu nutzen“, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins, Beate Diezemann. Die drei Institutionen haben einen Arbeitskreis gegründet und ein „sanftes“ Nutzungskonzept entwickelt, wie sie erläutert. Es sieht vor, dass die Gaskugel als solche erhalten bleibt, ebenso der Park mit dem alten Baumbestand. „Wir wünschen uns hier einen lebendigen Treffpunkt für alle Freiburger/innen, mit einem Gartencafé, das an die Kugel angedockt werden könnte.“

Ein solcher Treffpunkt fehlt bislang im Freiburger Westen, obwohl die Gaskugel inmitten des beliebten Naherholungsgebietes an der Dreisam und gegenüber dem Dietenbachsee liegt. Hier führen gleich drei überregionale Radwege vorbei. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich ein niedrigschwelliges und familienfreundliches Gartencafé, das zur Dreisam hin ausgerichtet ist und v. a. Spaziergänger/innen und Fahrradfahrer/innen anlocken soll. Schließlich befindet sich die Gaskugel an der Schnittstelle von vier Stadtteilen und ist von diesen fußläufig zu erreichen: Sie steht im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde, grenzt im Norden an Lehen, im Westen an Rieselfeld bzw. den neuen Stadtteil Dietenbach und im Süden an Weingarten.

„Die Kugel ist in ihrer einmaligen Lage, mit ihrer markanten Form, ihrer Größe und ihrer Geschichte für ein Ausflugsziel geradezu prädestiniert“, resümiert die Kunsthistorikerin Dr. Heike Piehler, die das Konzept verfasst hat. „Aber es wäre bedauerlich, ein solch grandioses Kugel-Bauwerk nicht auch von innen erleben zu können. Wir würden sie gern zugänglich machen, zumindest für kleinere Besuchergruppen und zu Zeiten, in denen es klimatisch möglich ist.“ Gedacht ist an ein möglichst pures Raumerlebnis, mit Licht- und Toninszenierungen und verschiedenen kleineren Veranstaltungsformaten, die dem besonderen Raum Rechnung tragen können. Denn in der Kugel eröffnet sich eine spektakuläre Klangwelt mit einer einzigartigen Akustik – ganz ohne technische Ausstattung.

Der aktuelle Stand zu diesem Projekt ist hier zu finden.

 

St. Thomas Kirche

Es ist vermutlich das älteste noch erhaltene Gebäude in Betzenhausen: die schöne Barockkirche St. Thomas. Eine Betzenhauser Ortskirche wird erstmals 1447 erwähnt. Sie dürfte aber noch nicht viel mit dem heutigen Bau zu tun gehabt haben; der ist vermutlich um 1600 entstanden und urkundlich erwähnt bereits 1608.  Seit 1768 hat die Kirche ihre heute bekannte Gestalt und Größe (eine Arbeit von Johann Baptist Häring).

Bei der Bombadierung 1944 erlitt die Kirche grossen Schaden: offensichtlich gab es sogar die Meinung, ein Abriß sei die richtige Lösung. Es ist zu einem großen Teil das Verdienst von Stadtpfarrer, Konrad Fuchs, dass es zum Wiederaufbau in kleinen Schritten kam (zwischen 1954 und 1969). Eine zweite Phase der Renovierung begann 1978, die dann zur Landesgartenschau 1986 abgeschlossen werden konnten.

Eine große Aufwertung erhielt die Kirche 1977, als es gelang einen vorher kaum noch beachteten Hochaltar zu erwerben, der früher zum Benediktinerkloster Schuttern gehörte. Vor allem dieser Altar aus Stuckmamor mit Skagliola-Arbeiten gibt der Kirche heute ihren barocken Glanz.

Die Orgel in der Kirche ist eine der ältesten in Freiburg (gebaut Anfang des 19. Jahrhunderts vom Hugstetter Orgelbauer E. Stadtmüller).

Der Brunnen vor der Kirche ist ein Geschenk der Stadt Freiburg aus Anlass der Eingemeindung von Betzenhausen im Jahr 1908 und ist Zeichen für den damaligen Wunsch, Anschluss an die Wasserversorgung von Freiburg zu erhalten.

Der Platz vor der Kirche wurde im Jahr 1984 neu gestaltet (z.B. mit Kopfsteinpflaster) und bekam auch da erst seinen Namen “St. Thomas-Platz“. Der Platz rund um die Linde – zusammen mit der Kirche und dem umgebenden Friedhof – prägt seither den Dorfkern von Alt-Betzenhausen. Durch Fertigstellung der Westrandstrasse (Paduaallee) war damit endgültig die Dietenbachstr. vom Durchgangsverkehr befreit. Die Neueröffnung wurde mit einem besonderen Bürgerhock gefeiert unter Beteiligung des Bürgervereins und vieler anderer Vereine im Stadtteil (so der Bericht im Bürgerblättle Aug. 1984). Der Bürgerhock wurde auch in vielen nachfolgenden Jahren hier gefeiert, später dann auf dem Betzenhauser Torplatz.

Die Kirchengemeinde Hl. Familie begann 2015 (trotz knapper Kassen) die Fassade des Kirchenschiffs von St. Thomas zu sanieren. Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde entschloss sich, die Kirchengemeinde zu unterstützen, da die Kirche wesentlich dem Ortsbild von Alt-Betzenhausen zugute kommt. Zur Unterstützung gab es Konzerte, es wurde ein Kalender gedruckt und Unterstützer konnten “ein Stück” St. Thomas auch mit nach Hause nehmen in Form eine Dachziegels (letztendlich kamen 15.000 Euro zusammen).

Der Turm der Kirche – vermutlich der älteste erhaltene Teil der Kirche – beherbergt sein Jahrzehnten ein Storchennest, das vom Bürgerverein instand gehalten wird.

Eine ausführliche Darstellung zur Geschichte der Kirche ist im Bürgerblättle 229 zu finden (Dez. 2014 / Jan. 2015) und siehe auch Angaben in Wikipedia.

 

Die Verkehrsanbindung Betzenhausen – Freiburg

Bus und Strassenbahn

Es war ein elementarer Teil der Vereinbarung von 1908 zur Eingemeindung von Betzenhausen in Freiburg: dass der 5-km Weg nach Freiburg weniger beschwerlich werde. Denn es war u.a. der Markt in Freiburg von großer Bedeutung, auf dem Betzenhausener Landwirte mehrmals in der Woche vertreten waren. Bis dahin ein Weg zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferde-Karren über die damalige “Lehener Strasse”. Insofern wenig überraschend, dass schon in der Eingemeindungs-Urkunde die Stassenbahn ein Thema war.

Im September 1926 wurde zumindest schon mal ein direkte Busverbindung eingerichtet; die allerdings am Ende des Krieges auch wieder teilweise zusammenbrach.

1978 begannen die Bauarbeiten für eine Strassenbahnverbindung von der Paduaallee in die Innenstadt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee. Die Eröffnung 1983 war ein großes Fest: der Vorstand des Bürgervereins erschien in Kleidung der Jahrhundertwende und Spruchband: “Schon 1908 versprochen, heut’ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn fährt nach Westen, ist das nicht wunderbar!”. Heute ist es die am meisten genutzte Linie der VAG. Davor lag ein langer Weg und so manche zwischenzeitliche Planungsidee wirkt heute eher skurril, z.B. zur Querung des Bahnhofs mittels Tunnel oder Hochbahn. Schon 1980 – also während der Umsetzungsphase – gab es im Bürgerblättle eine Artikelserie zur Entwicklung dieser Stadtbahn in den Westen.

Im Juni 1985 wurde dann auch die Verlängerung der Linie 1 nach Landwasser fertiggestellt. Gleichzeitig ging die Wendeschleife Bissierstrasse in Betrieb zur Anbindung des “Behördenzentrums” an der Berliner Allee (incl. Park&Ride); ein Kreuzungspunkt auch für mehrere Buslinien.

Die Sundgauallee

Die historische Lehener Strasse war zentrales Element der Ost-/West-Verbindung und führte von Freiburg bis nach Lehen (was der Strassen-Name ja auch nahelegt). Das Dorf Betzenhausen befand sich an der Kreuzung von Lehener Strasse und Dietenbachstrasse (letztere also wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung). Bereits Ende der 1920-er Jahren war insbesondere die Lehener Straße so stark befahren, das ein Verbreiterung in Angriff genommen wurde.

Wer direkt den Unterschied zwischen 1929 und heute sehen möchte: Joachim Scheck von Vistatour History Tour hat zwei Bilder übereinander gelegt (siehe hier).

Leider war es auch ein Ergebnis der Bombennacht von 1944, dass viele von Betzenhausen’s damaligen Gebäuden zerstört wurden. So ergab sich für die Stadtverwaltung nach dem Krieg die Gelegenheit, über eine neue (fortschrittliche) Gestaltung nachzudenken; und die sollte natürlich Auto-orientiert sein. Dieses Neu-Denken führte letztendlich zu der breiten Sundgauallee, wie wir sie heute kennen. Sie wird heute durchaus auch als ein trennendes Element im Stadtteil empfunden.

An den Rändern der Sundgauallee entstand ab der 1960-er Jahre der neue Bezirk Bischofslinde. Parallel sollte am westlichen Ende auch das dörflichen Alt-Betzenhausen städtisches Flair erhalten: Hochhäuser für damals höchst attraktive Urbanität, die Sundgauallee als “Boulevard des Westens”.

Damals erwartete Verkehrszahlen für die Sundgauallee wurden nie erreicht: was letztendlich auch durch die parallel entstandenen Planungen für den Zubringer Mitte begründet ist.

Ca. ab dem Jahr 2000 enstanden erste Ideen für eine Auffrischung der Sundgauallee bzw. einem Rückbau der breiten Fahrbahn zugunsten von Rad-/Fußwegen entsprechend dem wirklichen Bedarf (und vor allem auch mit der Ziel einer verbesserten Aufenthaltsqualität). Ein neues Einkaufszentrum in unmittelbarer Nähe gab zusätzlichen Anschub für diese Ideen. Daraus wurde das ZAK = ZentrenAktivierungsKonzept. Erste Umbaumaßnahmen erfolgten ab 2012 auf dem Platz am Bischofskreuz und an der Haltestelle Betzenhauser Torplatz.

Eine Episode: das “Esso Motor Hotel”

Die Sundgauallee also neue zentrale Verbindung von Freiburg in den Westen (und damit z.B. auch zur Autobahn) lockte Mitte der 1960 Jahre auch Esso an diese Strasse. Die Tankstelle gibt es noch heute, anfangs war sie aber auf beiden Seiten der Strasse zu finden (heute sind dort StuSie-Gebäude). Und anfangs wurde im Gebäude neben der heutigen Tankstelle zusätzlich ein „Esso Motor Hotel“ betrieben, von denen es insgesamt nur drei Deutschland gab. Für etwa 10 Jahre auch ein beliebtes Restaurant im Stadtteil. Ausführliche Infos zum Konzept sind in Wikipedia zu finden.

Zumindest einmal (im Jahre 1970) waren dort prominente Fußballer zu Gast: die Bundesliga-Mannschaft des SF Schalke 04. Anlass war ein Spiel gegen die Kicker von Eintracht Freiburg: natürlich ein Großereignis für die Eintracht. Einige Namen der Schalke-Spieler dürften heute noch bekannt sein: Rolf Rüssmann, Torwart Norbert Nigbur, oder die Kremers-Zwillinge. Trainiert wurde Schalke damals von Trainer-Legende Rudi Gutendorf. Ein Ergebnis hatte das Spiel auch: 2:5 für Schalke; die Eintracht hat sich also durchaus wacker gehalten.

Das betroffene Gebäude an der Tankstelle kennen wir heute als Ärztehaus und Verwaltungsgebäude.

Dietenbachstrasse und Paduaallee

Die Dietenbachstrasse war früher wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung. In den 1960-er Jahren wurde klar, dass mit wachsendem Verkehr eine West-Umgehung erforderlich wird (heute die Verbindung zwischen Gundelfingen und St. Georgen).  Das Projekt “Westrandstraße” wurde geboren. Man begann mit Erstellung der Mooswaldallee.

Für den heutigen Teil der Paduaallee wurde anfangs eine abenteuerliche Lösung vorgeschlagen (und sogar vom Gemeinderat 1971 mit knapper Mehrheit gebilligt): demnach sollte die Paduaallee auf einer Art Damm verlaufen mit fast 8 Metern Höhe, dessen Ausläufer dann über die Dreisam führt. Der Anschluss an Betzenhausen/Lehen und die Sundgauallee wäre Autobahn-ähnlich gewesen mit Strassenführung bis fast vor die St. Thomas Kirche. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative mit Bürgern beteiligter Stadtteile (gegründet vom Ortsverein Betzenhausen). Aus dieser Initiative entstand der Gegenvorschlag mit einer tiefergelegten Paduaallee wie wir sie heute kennen, der letztendlich (mit Umweg über die Landesregierung in Stuttgart) auch vom Freiburger Gemeinderat genehmigt wurde. Ähnliche Varianten waren vorher aus Kostengründen verworfen worden. So konnte der Damm als große “Mauer” zwischen Betzenhausen und Lehen von aktiven Bürgern vermieden werden!

Doch der Bau der Gesamtverbindung brauchte seine Zeit: zwischenzeitlicher Verkehr musste über vorhandenen Strassen geleitet werden. Sehr zum Leidwesen vor allem der Anwohner in der Hofacker- und Dietenbachstraße: an deren Ende ging es über die (zunächst) einspurige Dreisambrücke nach Weingarten. Lange Staus waren die Folge: im Jahr 1970 wurden auf der Dietenbachstraße an einem Tag 4.700 Fahrzeuge (incl. LKW) gezählt; 10 Jahre später waren es unglaubliche 12.300 Fahrzeuge (an einem Tag!). Mit Fertigstellung der Weststrasse dann endlich Endspannung: 1982 dann die Sperrung der Dietenbachstraße für den Durchgangsverkehr (ein wichtiges Anliegen für den damaligen Bürgerverein).

Die heutige vierspurige Brücke zur Überquerung der Dreisam als Teil der Paduaallee wurde 1988 fertiggestellt.

Geschichte zum Bezirk Bischofslinde

Vorgeschichte

Der Bezirk Bischofslinde lag schon früher auf den Gemarkungsgrenzen des Dorfes Betzenhausen.

Auf diesem Gelände fand 1299 ein bemerkenswertes Gefecht statt, beim der kriegerische Bischof von Straßburg (Konrad von Lichtenberg) in einer Schlacht um Freiburg durch einen Freiburger Metzger names Hauri verletzt wurde und später daran verstarb. Die beteiligten Soldaten stellten darauf den Kampf ein, so dass mit dem Tod des Bischofs auch die Schlacht um Freiburg damit beendet war. Zum Gedenken an dieses besondere Ereignis wurde ein Steinkreuz aufgestellt (das Bischofskreuz), nebem dem über Jahrhunderte eine Linde wuchs (folglich “Bischofslinde” genannt).

An die Bürger von Freiburg, die ihre Stadt dort verteidigt hatten, hat man offensichtlich weniger gedacht oder zumindest nicht direkt. Indirekt wurde das Bischofskreuz auch zum Zeichen wachsender Eigenständigkeit städtischer Gemeinschaften (z.B. über die Zünfte) als Gegenpol zu den Adligen jener Zeit.  Mit der gewonnen Schlacht gab es erst mal Ruhe: allerdings mussten die zugehörigen Felder der Betzenhausener Felder im weiteren Verlauf der Geschichte noch häufiger als Aufmarschgebiet herhalten

Andererseits war der “Schotterboden” auch nicht besonders fruchtbar: so wurden mit zunehmender Bautätigkeit in Freiburg Sand- und Kiesgruben in diesem Gebiet angelegt. Aus dem letzten und größten Baggerloch ist dann der Flückiger See entstanden.

Entstehungsgeschichte Bezirk Bischofslinde

Bereits im Bebauungsplan von 1956 wurde das Gebiet des heutigen Bezirks Bischofslinde erstmals als Erweiterungsfläche für Wochnungsbau erwähnt. Ab 1963 erstellte die Städtische Wohnungsbaugesellschaft im Zehnsteinweg eine Wohnsiedlung für über 300 Familien, das größte soziale Wohnbauprojekt in Freiburg nach dem Krieg. Es sollte auch Heimat werden für Flüchtlinge, Rückkehrer und auch Obdachlose. Gleichzeitig sollte ein neues Zentrum für Behörden im Westen entstehen.

Damit wurde auch der Grundstein gelegt für den Bezirk Bischofslinde: Namengeber sollte eine historische Bischofslinde sein, die über Jahrhunderte neben dem Bischofskreuz stand und in den 1940-er Jahren einem Sturm zum Opfer gefallen war. Symbolisch für den Aufbruch pflanzte OB Dr. Keidel am 29. Mai 1963 am selben Ort eine neue Linde, die heute wieder eine stattlich Größe aufweist. Der Name dieses Stadtbezirks ist also gleichzeitig Geschichte.

Bei den Planungen zum Bezirk Bischofslinde wurde vier Siedlungsbereiche identifiziert:

  • Das Runzmattenviertel, in dem auch Gewerbe vorgesehen war
  • Das Seeparkviertel mit den Schwerpunkten Studentensiedlung (StuSie, ab 1965) und Idinger Hof (gebaut 1976)
  • Das Behördenzentrum mit zentralen Objekten wie Polizeidirektion und Regierungspräsidium,
  • Das “Kernland”von Bischofslinde mit dem Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, sowie Anne-Frank-Schulen und Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen.

Das Seeparkviertel

Der Bau der Studenten-Siedlung (StuSie) begann und bestand aus 3 Wohnhäuser unterschiedlicher Höhe mit gemeinsamen Hofraum. Im Juni 1966 wurde dieser erste Teil der StuSie feierlich eröffnet: dabei waren u.a. Ministerpräsident K.G. Kiesinger und Magnifizenz Prof. Helmut Baitsch. Einige der weiteren Hochhäuser wurden mit Unterstützung der Max-Kade-Stiftung erstellt. Nach Ende der ersten großen Bauphase bestand die StuSie aus ca. 20 Häusern mit etwas 1.5000 Plätzen und wurde so zum größten Studentendorf in Freiburg.

Der Idinger Hof mit seinem eher ungewöhnlichen Klinker wurde 1976 errichtet und ist ein zweiter makanter Punkt im Seeparkviertel.

Zentrales Element des Seeparkviertels ist natürlich der Seepark selbst. der erst zur Landesgartenschau 1986 die heute Gestalt erhielt (nebenbei eine der erfolgreichsten Landesgartenschauen in Deutschland bisher). Der Seepark enhält eine Reihe markanter Bauwerke als Überbleibsel der Ausstellung; z.B. das Forsthaus,  der Aussichtsturm, das aus Sandstein gebaute Wassertürmchen sowie der Bacchus. Am Rande des Seeparks befindet sich das Hallenbad West, Freiburgs größtes Schwimmbad. Noch früher (ab 1968) gab es dort auch ein Freibad, das hoffendlichin 2022 wieder eröffnet wird.

Das Behördenzentrum

Erster Behördenbau war 1966 das Flurbereiningungsamt, es folgten u. a. das Landespolizeipräsidium (1973/74), die Oberpostdirektion (1975), das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (2000) und das Regierungspräsidium (2001-2004).

Sieht man von der Wohnbebauung an der Bissierstrasse ab, dann bildet die ab 1962 geplante Berliner-Allee die Trennlinie zwischen dem Behördenzentrum und dem Wohnquartier Bischofslinde.

Das “Kernland”von Bischofslinde

ist geprägt durch den Platz am Bischofskreuz als Nahversorgungsbereich, der Anne-Frank-Schulen und den beiden Kirchen St. Albert / Matthäus als zentrale Stellen. Dieser Bereich entstand zeitgleich mit dem Bau der Studentensiedlung auf der gegenüberliegenden Seite der Sundgauallee; maßgeblich beteiligt am Wohnungsbau waren die Genossenschaften „Wohnstättenbau“ und „Familienheim“.

Die vierspurige Sundgauallee wurde mit Hochhäusern eingefasst, wobei die Höhe der Häuser jeweils in Richtung Dreisam und Flückigersee abnimmt. Letztendlich ergab sich daraus auch ein Mix aus unterschiedlichen Baustile: Geschoßwohnungsbau der Genossenschaften, Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und auch Einzelwohnhäuser. Abseits der Sundgauallee sind die Wohnbereiche über Sackgassen oder Schlaufenstrassen erschlossen, so dass hinter den Hochhäusern eher ruhige Wohngebiete entstanden.

Besondere Architektur

Zahlreiche Gebäude in Betzenhausen-Bischofslinde sind über Architektenwettbewerbe entstanden und mit Auszeichnungen versehen als typische Vertreter  einer gehobenen Nachkriegsarchitektur. Beispiele dazu: der 1976 errichtete Idingerhof, eine Wohnanlage mit über 200 Wohneinheiten in fünf- bis siebengeschossigen Häusern, deren besonderes Kennzeichen eine Klinkerfassade ist (war für Freiburger Verhältnisse eher ungewöhnlich ist). Und doch zeigt sich nur wenige hundert Meter entfernt an der Ecke Berliner Allee / Sundgauallee die ehemaligen OPD (Oberpostdirektion) ebenfalls als imposanter Klinkerbau. Desweiteren zur nennen ist das Bürgerhaus im Seepark, die Wohnanlage Gruberhof (“Wiehre des Westens”) und auch die Wohngruppe Tränkematten (realisiert von den ersten Baugruppen in Freiburg). Diese Gebäude sind Fixpunkte und nicht nur prägend für den Stadtteil.

Nicht vergessen wollen wir die den kühne Kirchenrundbau der Kirchengemeinde St. Albert (1968/69): gebaut in Form einer überdimensionalen Krone aus Betonfertigteilen und Buntglasfenstern. Zum 50 jähringen Jubilärum (2019) wurde die Kirche ausgezeichnet als eine von zwölf Kirchenbauten der Nachkriegszeit ausgezeichnet und steht seither unter Denkmalschutz.

Auch das noch…

Verkehrsanbindung: Zur Nachkriegsarchitektur gehört wie selbstverständlich auch das Auto als prägendes Element im Städtebau: Ergebnis dieses Denkens ist die Sundgauallee, anfangs auch als „Boulevard des Westens“ beschrieben. Sie war geplant als Verbindungsschnellstrasse zwischen Westumfahrung (Paduaallee) und Friedrichring. Daran erinnert auch die heutige ESSO-Tankstelle, die anfangs ursprünglich auf beiden Seiten der Sundgauallee existierte (seit neuestems ist gegenüberliegende Gelände Teil der Studentensiedlung). Seit 1983 fährt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee die Straßenbanklinie 1: heute die meistgenutzt Linie in Freiburg. Darüber hinaus ist Behördenbereich durch die Linien in Richtung Weingarten/Rieselfeld bestens an die Innenstadt angebunden.

Jubiläum: ein erstes richtiges Jubiläum gab es dann 25 Jahre nach der Grundsteinlegung (also im Jahre 1988): Anlaß für den damaligen Bürgerverein zu einem ersten Rückblick. Von der zugehörigen Festschrift mit vielen Informationen zum Werden des Bezirks Bischofslinde gibt es nur noch wenige Exemplare; deshalb haben wir die wichtigsten Teile eingescannt zum Nachlesen (“25 Jahre Bischofslinde“).

Sonstige Infos: viele Informationen zur Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Wohnen und auch Wahlergebnissen im heutigen Stadtbezirk stellt wie üblich die Stadt Freiburg über das FR.ITZ-Portal zur Verfügung; hier der letzte Bezirksatlas-Betzenhausen-Bischofslinde (pdf) aus dem Jahr 2018.

 

 

 

 

 

Geschichte der Störche in Betzenhausen

Der Bürgerverein arbeitet ehrenamtlich, um das Nest der Weißstörche auf dem Turm der St. Thomas Kirche in Alt-Betzenhausen instandzuhalten und dort eine Kamera zu betreiben (seit 2011). Hier zunächst ein paar Dinge zum Hintergrund.

Der Weißstorch (Adebar) stand lange Zeit auf der Liste bedrohter Tierarten. Mitte der 70er Jahre gab es in Baden-Württemberg nur noch 15 Weißstorch-Paare und davon keines mehr in unserer Region: der Bestand war seit Beginn der 50er Jahre kontinuierlich zurück gegangen. Im Jahr 2002 wurden dann aber schon wieder rund 200 Brutpaare gezählt, was etwa dem Stand der 50er Jahre entsprach. Heute sind es im ganzen Land über 600 Brutpaare. Zu dieser schönen Entwicklung hat auch das Nest auf dem Turm der St. Thomas Kirche seinen kleinen Beitrag geleistet (siehe Bilder unten).

Der Storchenhorst in Betzenhausen hat eine lange Tradition, beherbergt aber nicht jedes Jahr ein Storchenpaar. Bereits 1827 wurde eine Storchenbrut im Rahmen der badischen Landesvermessung auf St. Thomas dokumentiert. Das Nest war 1870, in den Jahren 1911-1913 und weiterhin bis 1951 besetzt. Nach mehrjährigem Ausbleiben gab es noch 1955 und dann 1963 eine letzte Brut. Danach brach die Storchenpopulation deutschlandweit durch die weitreichende Flurbereinigungen, wie die Entwässerung von Feuchtgebieten, und den damit verbundenen Lebensraumverlust, zusammen.

Um Störche wieder anzulocken, wurde 1981 ein neuer Nistkorb eingerichtet. Initiator war der Deutschen Bund für Vogelschutz, ein Vorläufer vom heutigen Naturschutzbund Deutschland (Nabu).  Das Nest hatte man bei einem Korb-Flechter aus Schleswig-Holstein anfertigen lassen; die Feuerwehr sorgte für den Transport nach oben. Sogar die lokale Presse berichtete über dieses Ereignis.

Aber das reichte nicht aus: vorerst blieb das Nest unbewohnt, genauso wie andere Nester in der Umgebung. Also versuchte man es Ende der 80er Jahre mit Auswilderung einige Jungtiere in unserer Region: beteiligt an dieser Initiative war u.a. der Tierfilmer Hagen Späth, der später auch Mitbegründer des Vereins “SOS Weißstorch” wurde. In den Folgejahren (ab 1992) dann der Erfolg: es fanden fast durchgängig Störche ihr Zuhause auf dem Turm der Thomaskirche und fast immer hat auch Nachwuchs überlebt. Damit war die Wiederansiedlung gelungen (z.T. mit fünf flüggen Jungvögeln): im Mai 2009 wurde der Kirche St. Thomas die Nabu-Plakette “Lebensraum Kirchturm” verliehen (entgegen genommen vom Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie).

Weiteren Informationen, speziell über die allgemeine Entwicklung der Weißstörche im Breisgau, ist beim Verein “SOS Weißstorch” zu finden, der sich nach den genannten Erfolgen umbenannte in Weissstorch Breisgau e.V.

Auch im Bürgerblättle wird regelmäßig über das Leben der Störche berichtet (z.B. Ausgabe 233, Aug./Sept. 2015).