Die Verkehrsanbindung Betzenhausen – Freiburg

Bus und Strassenbahn

Es war ein elementarer Teil der Vereinbarung von 1908 zur Eingemeindung von Betzenhausen in Freiburg: dass der 5-km Weg nach Freiburg weniger beschwerlich werde. Denn es war u.a. der Markt in Freiburg von großer Bedeutung, auf dem Betzenhausener Landwirte mehrmals in der Woche vertreten waren. Bis dahin ein Weg zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferde-Karren über die damalige “Lehener Strasse”. Insofern wenig überraschend, dass schon in der Eingemeindungs-Urkunde die Stassenbahn ein Thema war.

Im September 1926 wurde zumindest schon mal ein direkte Busverbindung eingerichtet; die allerdings am Ende des Krieges auch wieder teilweise zusammenbrach.

1978 begannen die Bauarbeiten für eine Strassenbahnverbindung von der Paduaallee in die Innenstadt auf dem Mittelstreifen der Sundgauallee. Die Eröffnung 1983 war ein großes Fest: der Vorstand des Bürgervereins erschien in Kleidung der Jahrhundertwende und Spruchband: “Schon 1908 versprochen, heut’ wird’s endlich wahr, die Stadtbahn fährt nach Westen, ist das nicht wunderbar!”. Heute ist es die am meisten genutzte Linie der VAG. Davor lag ein langer Weg und so manche zwischenzeitliche Planungsidee wirkt heute eher skurril, z.B. zur Querung des Bahnhofs mittels Tunnel oder Hochbahn. Schon 1980 – also während der Umsetzungsphase – gab es im Bürgerblättle eine Artikelserie zur Entwicklung dieser Stadtbahn in den Westen.

Im Juni 1985 wurde dann auch die Verlängerung der Linie 1 nach Landwasser fertiggestellt. Gleichzeitig ging die Wendeschleife Bissierstrasse in Betrieb zur Anbindung des “Behördenzentrums” an der Berliner Allee (incl. Park&Ride); ein Kreuzungspunkt auch für mehrere Buslinien.

Die Sundgauallee

Die historische Lehener Strasse war zentrales Element der Ost-/West-Verbindung und führte von Freiburg bis nach Lehen (was der Strassen-Name ja auch nahelegt). Das Dorf Betzenhausen befand sich an der Kreuzung von Lehener Strasse und Dietenbachstrasse (letztere also wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung). Bereits Ende der 1920-er Jahren war insbesondere die Lehener Straße so stark befahren, das ein Verbreiterung in Angriff genommen wurde.

Wer direkt den Unterschied zwischen 1929 und heute sehen möchte: Joachim Scheck von Vistatour History Tour hat zwei Bilder übereinander gelegt (siehe hier).

Leider war es auch ein Ergebnis der Bombennacht von 1944, dass viele von Betzenhausen’s damaligen Gebäuden zerstört wurden. So ergab sich für die Stadtverwaltung nach dem Krieg die Gelegenheit, über eine neue (fortschrittliche) Gestaltung nachzudenken; und die sollte natürlich Auto-orientiert sein. Dieses Neu-Denken führte letztendlich zu der breiten Sundgauallee, wie wir sie heute kennen. Sie wird heute durchaus auch als ein trennendes Element im Stadtteil empfunden.

An den Rändern der Sundgauallee entstand ab der 1960-er Jahre der neue Bezirk Bischofslinde. Parallel sollte am westlichen Ende auch das dörflichen Alt-Betzenhausen städtisches Flair erhalten: Hochhäuser für damals höchst attraktive Urbanität, die Sundgauallee als “Boulevard des Westens”. Wie viel kleinstädtischer es vorher noch aussah, zeigt sogar noch das Titelbild des Bürgerblättle 203 mit Vergleich von Bildern aus 1973 und 2010 (die beiden Häuser im Bild von 1973 würden heute wohl auf der Mittel-Trasse der StaBa stehen).

Damals erwartete Verkehrszahlen für die Sundgauallee wurden nie erreicht: was letztendlich auch durch die parallel entstandenen Planungen für den Zubringer Mitte begründet ist.

Ca. ab dem Jahr 2000 enstanden erste Ideen für eine Auffrischung der Sundgauallee bzw. einem Rückbau der breiten Fahrbahn zugunsten von Rad-/Fußwegen entsprechend dem wirklichen Bedarf (und vor allem auch mit der Ziel einer verbesserten Aufenthaltsqualität). Ein neues Einkaufszentrum (Brielmann-Gelände) in unmittelbarer Nähe gab zusätzlichen Anschub für diese Ideen. Daraus wurde das ZAK = ZentrenAktivierungsKonzept. Erste Umbaumaßnahmen erfolgten ab 2012 auf dem Platz am Bischofskreuz und danach an der Haltestelle Betzenhauser Torplatz.

Eine Episode: das “Esso Motor Hotel”

Die Sundgauallee also neue zentrale Verbindung von Freiburg in den Westen (und damit z.B. auch zur Autobahn) lockte Mitte der 1960 Jahre auch Esso an diese Strasse. Die Tankstelle gibt es noch heute, anfangs war sie aber auf beiden Seiten der Strasse zu finden (heute sind dort StuSie-Gebäude). Und anfangs wurde im Gebäude neben der heutigen Tankstelle zusätzlich ein „Esso Motor Hotel“ betrieben, von denen es insgesamt nur drei Deutschland gab. Für etwa 10 Jahre auch ein beliebtes Restaurant im Stadtteil. Ausführliche Infos zum Konzept sind in Wikipedia zu finden.

Zumindest einmal (im Jahre 1970) waren dort prominente Fußballer zu Gast: die Bundesliga-Mannschaft des SF Schalke 04. Anlass war ein Spiel gegen die Kicker von Eintracht Freiburg: natürlich ein Großereignis für die Eintracht. Einige Namen der Schalke-Spieler dürften heute noch bekannt sein: Rolf Rüssmann, Torwart Norbert Nigbur, oder die Kremers-Zwillinge. Trainiert wurde Schalke damals von Trainer-Legende Rudi Gutendorf. Ein Ergebnis hatte das Spiel auch: 2:5 für Schalke; die Eintracht hat sich also durchaus wacker gehalten.

Das betroffene Gebäude an der Tankstelle kennen wir heute als Ärztehaus und Verwaltungsgebäude.

Dietenbachstrasse und Paduaallee (Westrandstrasse)

Die Dietenbachstrasse war früher wichtiger Teil einer Nord-/Süd-Verbindung. In den 1960-er Jahren wurde klar, dass mit wachsendem Verkehr eine West-Umgehung erforderlich wird (heute die Verbindung zwischen Gundelfingen und St. Georgen).  Das Projekt “Westrandstraße” wurde geboren und man begann mit Bau der Mooswaldallee.

Foto: Stadt Freiburg

Für den heutigen Teil der Paduaallee wurde anfangs eine abenteuerliche Lösung vorgeschlagen (und sogar vom Gemeinderat 1971 mit knapper Mehrheit gebilligt): demnach sollte die Paduaallee auf einer Art Damm verlaufen mit fast 8 Metern Höhe, dessen Ausläufer dann über die Dreisam führt. Der Anschluss an Betzenhausen/Lehen und die Sundgauallee wäre Autobahn-ähnlich gewesen mit Strassenführung bis fast vor die St. Thomas Kirche. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative mit Bürgern beteiligter Stadtteile (gegründet vom Ortsverein Betzenhausen). Aus dieser Initiative entstand der Gegenvorschlag mit einer tiefergelegten Paduaallee wie wir sie heute kennen, der letztendlich (mit Umweg über die Landesregierung in Stuttgart) auch vom Freiburger Gemeinderat genehmigt wurde. Ähnliche Varianten waren vorher aus Kostengründen verworfen worden. So konnte der Damm als große “Mauer” zwischen Betzenhausen und Lehen von aktiven Bürgern vermieden werden!

Doch der Bau der Gesamtverbindung brauchte seine Zeit: zwischenzeitlicher Verkehr musste über vorhandenen Strassen geleitet werden. Sehr zum Leidwesen vor allem der Anwohner in der Hofacker- und Dietenbachstraße: an deren Ende ging es über die (zunächst) einspurige Dreisambrücke nach Weingarten. Lange Staus waren die Folge: im Jahr 1970 wurden auf der Dietenbachstraße an einem Tag 4.700 Fahrzeuge (incl. LKW) gezählt; 10 Jahre später waren es unglaubliche 12.300 Fahrzeuge (an einem Tag!). Mit Fertigstellung der Weststrasse dann endlich Endspannung: 1982 dann die Sperrung der Dietenbachstraße für den Durchgangsverkehr (ein wichtiges Anliegen für den damaligen Bürgerverein).

Die heutige vierspurige Brücke zur Überquerung der Dreisam als Teil der Paduaallee wurde 1988 fertiggestellt.

Bleibt noch ein Blick in die Abschussdokumentation der Stadt Freiburg zur Westrandstraße im Jahre 1998 mit Hinweis auf die städteplanerische Bedeutung der Westrandstraße: „Die Stadtplanung hat bei der Bewertung dieses größten kommunalen Straßenbauvorhabens der letzten Jahrzehnte nicht nur die verkehrspolitische Funktion im Auge, sondern achtet auch die gesamtstädtische und städtebauliche Bedeutung. Dabei spielen die Nähe zu den angrenzenden Stadtteilen ebenso eine Rolle wie die Einbettung in die Landschaft oder die Sichtbeziehungen, die sich auf dem Weg von Süden nach Norden öffnen.“ Im Jahre 2017 kamen Pläne auf, angrenzende Waldgebiete im Stadtteil Mooswald als Bauflächen ins Auge zu fassen, siehe Bericht im Bürgerblättle 244 (Juni 2017).