Seit über 100 Jahen ist Betzenhausen ein Stadtteil von Freiburg, die Eingemeindung erfolgte am 1.1.1908.

Zur Geschichte des Bürgervereins

Der Lokalverein als Vorläufer des Bürgerverein wurde schon zwei Jahre nach der Eingemeindung gegründet „Zur Wahrung und Förderung örtlicher Interessen des Vorortes Betzenhausen unter Ausschluss von Politik und Religion“. Erste Themen waren elektrisches Licht, ein Schülerbad im Schulhaus und auch damals schon die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (inkl. Straßenbahn). Der elektrischen Strom kam 1917. Eine erste Buslinie durch Betzenhausen kam 1921, die auch viel genutzt wurde. Auf die Strassenbahn mussten man dann doch etwas länger warten, wie wir heute wissen. Im Jahr 1931 kam schliesslich eine Gasleistung: ebenfalls ein Anliegen, für das sich der Lokalverein eingesetzt hatte.

Im Jahr 1933, dem 25-ten Jahr nach der Eingemeindung, dann eine erste Jubiläumsfeier. Eine entsprechende Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Lokalverein gab es dann nicht mehr. Die politischen Verhältnisse ließen eine unabhängige Arbeit nicht mehr zu: stattdessen löste sich der Lokalverein 1936 auf.

Erst 1952 kam es zur Neugründung als Ortsverein; die Gründungsversammlung war im „Bierhäusle“ in Lehen. Die Errichtung der Genkstätte auf dem Betzenhausener Friedhof zur Erinnerung an die Gefallenen war eines der ersten grossen Themen (eingeweiht 1959). Der Bau der Autobahn nach Basel war ein anderes wichtiges Thema: damals gab es Planungen, welche die Trasse noch viel dichter an Freiburg sahen (etwa bei der heutigen Paduaallee). Glücklicherweise drängte der Ortsverein zusammen mit anderen Bürgervereinens im Freibuger Westen auf eine Lösung hinter dem Lehener Bergle, wie sie heute ist. Und die 50 Jahre Zugehörigkeit zu Freiburg konnte dann auch wieder gefeiert werden.

Seit 1965 steht in Betzenhausen Gaskugel als Gas-Reservespeicher der Badenova für Freiburg und die Region. Heute sicher das Erkennungszeichen für Betzenhausen: der damalige Bürgerverein war wenig begeistert und protestierte (Landschaftsschutzgebiet). Ansonsten waren Verkehrsprojekte auch immer wieder Thema ab den 1960-ger Jahren; zentral z.B. der Ausbau von Padua- und Sundgauallee. 1983 kam dann endlich auch die Staßenbahn nach Betzenhausen. Bis Anfang der 1980 Jahre war die Dietenbachstrasse eine Durchgangsstrasse mit sehr grossen Verkehrsaufkommen: dass sie gesperrt wurde, lag sicher auch an den Bemühungen des Bürgervereins.

Im Januar 1976 erschien das erste Bürgerblättle: vorher hatte der Bürgerverein teilweise Beiträge in den Lokalnachrichten Freiburg-West veröffentlicht. Es wurde eine Erfolgsgeschichte, denn im Sommer 2018 erschien die 250-te Ausgabe des Stadtteil-Magazins (aktuell verteilt mit Auflage 7.500)

Wichtiges Thema in den 1970/80-ger Jahren waren darüber hinaus die Entwicklungen am Flückingersee bzw. dem heutigen Seepark, der mit der Landesgartenschau 1987 entstand (und dem ersten Seenachtsfest). Damals wurde auch das heutige Bürgerhaus gebaut: verbunden mit vielen Diskussionen zur Nutzung. Im Januar 1987  lud der Bürgerverein zum ersten Neujahrsempfang, damals noch im Vereinsheim in den Tränkematten.

Die jüngste Vergangenheit: der Bürgerverein (mit Dr. Thomas Hammerich als Vorsitzendem) kämpfte viele Jahre um ein Jugendzentrum in Betzenhausen-Bischofslinde, das wir heute als Chummy kennen. Zur Aufwertung des Stadtteils wurde das Zentrenaktivierungskonzept (ZAK) erstellt mit den bisherigen Maßnahmen zur Neugestaltung des Platzes am Bischofskreuz und der Staßenbahnhaltestelle Sundgauallee/Betzenhauser Torplatz. Und gefeiert wurde auch immer wieder: z.B. bei den jährlichen Neujahrsempfängen, aber vor allem  auch das Jubiläum zum 100-ten Jahr der Zugehörigkeit zu Freiburg.

Amtszeit der bisherigen Vorsitzenden

Ab 1910  Ludwig Kiesel, Mühlenbesitzer
Ab 1919  Josef Raimund Müller, Hauptlehrer und Schulleiter
Ab 1929  Herr Kunzelmann, Bahninspektor
Ab 1933  Otto Ritt, Bäckermeister

1936 Auflösung des Lokalvereins
1952 Wiedergründung mit Otto Ritt

Ab 1952  Karl Unmüßig, Zimmermeister, Unternehmer
Ab 1967  Walter Kiefer, Stadtrat und ÖTV- Vorsitzender
Ab 1975  Willy Kapp, Installateurmeister
Ab 1987  Rolf Abendschein, Architekt, Projektleiter
Ab 2005 Dr. Thomas Hammerich, Hals-,Nasen-Ohrenarzt
Ab 2011 Nicolai Bischler
Ab 2018 Rolf Baiker
Ab 2019 Beate Diezemann

In Kürze auch ein paar Dinge zur Geschichte von Betzenhausen

Hier ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte des Stadtteils, denn Betzenhausen zählt zu den ältesten Umlandsiedlungen von Freiburg:

  • 932 gilt als das Jahr einer ersten Erwähnung von „Bezenhusa“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Einsiedeln durch Otto I. Dort blieb die Bauerngemeinde auch ca. 250 Jahre. Die gleiche Urkunde nennt übrigens auch unsere heutige Partnergemeinde Tenigen als „Deninga“: eine durchaus bemerkenswerte Gemeinsamkeit.
  • 1299 wird der Bischof von Straßburg – Konrad II von Lichtenberg – von rebellischen Bürgern Freiburgs vor den Toren der Stadt verletzt (am Bischofskreuz) und stirbt nach Rückkehr in Straßburg.
  • Im Jahr 1381 kauft Freiburg die Gemeinde Betzenhausen; gut 400 Jahre hält dieses Untertanenverhältnis.
  • 1806 wird Betzenhausen eine selbständige Gemeinde im Großherzogtum Baden. Die Einwohner waren daraufhin freie Bürger, mit Gemeinderat und eigenem Bürgermeister.

Was dann geschah:

  • 1908 waren es vor allem wirtschaftliche Gründe, die Betzenhausen zu Freiburg führten. Die Stadt sah eine Chance zur Ausdehnung nach Westen (noch heute aktuell), im Gegenzug erhielt Betzenhausen eine eigene Wasserleitung, neue Straßen und die Gerhard Hauptmann Schule.
  • 1910 gründet sich der Ortsverein, aus dem später der Bürgerverein Betzenhausen entstand.
  • Die beiden Weltkriege hinterließen Leid und große Zerstörung auch in Betzenhausen.
  • Ab 1963 wird der Bezirk Bischofslinde gebaut mit dem Platz am Bischofskreuz als Zentrum; eine neue Bischofslinde wird als Gründungssymbol gepflanzt. Etwa zeitgleich Beginn des großen, sozialen Wohnbauprojekts „Zehnsteinweg“.
  • 1965 Einweihung „StuSie“, der größten Studentensiedlung in Freiburg.
  • 1986 Landesgartenschau als Grundlage für den heutigen Seepark.
  • 2012 Beim ZentrenAktivierungsKonzept (ZAK) beginnt die Umsetzung mit Platz am Bischofskreuz und Neugestaltung Sundgauallee.

Für Interessierte hier ein Hinweis auf den „Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.“, der sich seit 1998 um Themen in der Geschichte von Betzenhausen-Bischofslinde kümmert (https://www.kuge-freiburg.de/).