Bebauung Obergrün: Bürgerverein lehnt beschleunigtes Verfahren ab!

Der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde hat sich gegen die Planungen der Stadt Freiburg ausgesprochen und das beschleunigte Verfahren für das Baugebiet Obergrün abgelehnt.

Lesen Sie hier die Stellungsnahme der Zweiten Vorsitzenden, Frau Beate Diezemann, im Bauausschuß vom 2.12.2015

Sehr geehrter Herr Prof. Haag,sehr geehrte Gemeinderätinnen/Gemeinderäte,
meine Damen und Herren,

bei allem Verständnis für den dringenden Wohnungsbedarf in Freiburg erhebt der BV Betzenhausen-Bischofslinde massiv die Stimme gegen einen weiteren radikalen Eingriff in den Grüngürtelbereich unseres Stadtteils.

Es ist sicher Konsens, dass es durch die massive Nachverdichtung nicht nur in unserem Stadtteil dringend notwendig ist, freie Landschaften für Luft, Klima, Boden, Wasser und Biotope zu erhalten.
Ich darf Sie deshalb dringend bitten, sich die (Pkt. 2.1.2 = fachliche Prüfung) der UEP (=Umwelterheblichkeitsprüfung) und Pkt. 7 der heutigen Drucksache unter diesen o.g. Gesichtspunkten anzuschauen.
Auch dort wird bestätigt, dass es zu einer Beeinträchtigung für die Schutzgüter kommen würde.

  • Wir brauchen in unserem Stadtteil dieses fußläufig gut erreichbare, verkehrsfreie, natürliche Naherholungsgebiet sowohl für Kinder, wie auch für ältere Bewohner/innen des Stadtteils. Der überfüllte Seepark kann diesen Beitrag nicht alleine leisten.
    Wenn am Seepark dann auch noch die Nachverdichtung der Studentensiedlung mit der Verdoppelung der jetzigen Bewohnerzahl umgesetzt ist, wird es am Seepark richtig eng werden, zumal der Seepark auch sehr stark von Bewohnern anderer Stadtteilen benutzt wird.
    Aus diesem Grund brauchen wir diese freie Fläche des Obergrüns!
    Zwangsläufig führt die Bebauung von Tränkematten Süd – deren Umsetzung in vollem Gang ist – zu Veränderungen. Noch ist allerdings eine in vielerlei Hinsicht wertvolle Fläche vorhanden, die unbedingt als Naturnaher Park geschützt werden sollte!
  • Das Gebiet „Obergrün“ ist für die Kaltluftentstehung und die Kaltluftströmung für unseren Stadtteil immens wichtig. (s. Pkt. 2.1.2 UEP)
    Entsprechende Freiräume für diese wichtige Durchströmung sind kaum noch vorhanden, bzw. werden immer mehr zugebaut.
    Die Luftdurchströmung, die an der Ferdinand-Weiß-Str. beginnt und über die Berliner Allee auf dieses Gebiet trifft, versorgt unser Stadtteil an der südwestlichen Seite mit Frisch- und Kaltluft.

Durch die Bebauung mit Bungalows am Rand der jetzigen Bebauung wurde diesem Gedanken in der Vergangenheit Rechnung getragen, von der Sundgauallee mit der hohen Bebauung abfallend zu den Freiflächen Richtung Dreisam. Diese sinnvolle Stadtteilplanung würde durch die geplanten höheren Reihen-/Doppelhäuser konterkariert werden.

Der ländliche Charme des Gebiets wurde außerdem mit der Architektur der Häuser in der Ricarda-Huch-Straße betont, diese haben alle ein ziegelgedecktes Satteldach. Wir befürchten eine beliebige, nichtsagende Flachdachplanung, die dem Gebiet nicht gerecht wird.

 

Ein sehr wichtiger Punkt, den wir gefährdet sehen ist die umweltpädagogische Arbeit des Vereins „Bauernhoftiere für Stadtkinder e.V.“. Dieser vor 5 Jahren entstandene Verein mit über 60 Mitgliedern bietet auf der ökologisch wertvollen und landschaftlich abwechslungsreichen Fläche „Obergrün“ tiergestützte Pädagogik und Naturpädagogik an. Der Verein arbeitet sehr eng mit der Anne-Frank-Schule und diversen Kitas des Stadtteils zusammen. Der Verein hält auf der Fläche Ziegen, Schafe, Hühner, Esel, Schweine und Kaninchen. Mit den Weidetieren pflegt er die Flächen und vermittelt mitten in der Stadt wertvolles Wissen zu Naturschutz und Landschaftspflege.
Er ist mit seinem pädagogischen Konzept sogar in die Planung der Ganztagsschule „Anne Frank“ als außerschulischer Lernort integriert. Dieser pädagogisch wichtige Teil wäre durch eine Bebauung erheblich eingeschränkt, wenn nicht gar in seinem Bestand gefährdet. Die Bauplanung grenzt unmittelbar an das Vereinsgelände und an die Tierhaltung mit Ziegen, Schafen, Hühnern und Kaninchen an, die naturgemäß Geräusche und Gerüche produzieren. Aktuell ist die Wohnbebauung weit weg, wenn allerdings 10 m entfernt die neuen Nachbarn ihren Liegestuhl aufstellen und sich vom Blöken der Schafe oder Hahnenkrähen gestört fühlen, ist eine Klage nicht unwahrscheinlich.

Ich möchte Sie dringend auffordern, sich diese wertvolle umweltpädagogische Arbeit vor Ihrer Entscheidung an Ort und Stelle selbst zeigen zu lassen. Bauernhoftiere für Stadtkinder hat außerdem gemeinsam mit dem Bürgerverein die Idee des Naturnahen Parks „Obergrün“ entwickelt, die Ihnen bekannt sein sollte. Dieses innovative Konzept, welches Naherholung, Naturschutz und Pädagogik verbindet, wird durch eine Hauruck-Planung bedroht, ohne dass die Stadtverwaltung und der Gemeinderat davon wirklich Kenntnis genommen haben.

Es ist Teil einer Generationengerechtigkeit, dass auch in Freiburg Kinder qualitative Freiräume erleben können. Wenn sich dann damit Erfahrungen im Umgang von Tieren und der Pflege der Landschaft und Naturschutz verbinden lassen, dann kann man wirklich von einem besonderen Glücksfall sprechen.

  • Auf einen wichtigen Punkt der heutigen Entscheidung möchte ich noch hinweisen:
    Die Baustellenerschließung soll lt. Drucksache über die Baustraße des Baugebiets „Tränkematten Süd“ erfolgen.
    Allerdings wird dabei verschwiegen, dass man selbst von dieser Baustraße dann noch eine zusätzliche Stichstraße bauen müsste. Was wiederum einen zusätzlichen Eingriff in das ökologisch wertvolle Gebiet bedeuten würde.
    Es ist bekannt, dass das gesamte Gebiet Obergrün und gerade auch der Bereich in dem Sie bauen wollen, Lebensraum der streng geschützten Zauneidechse ist. Für diese Art, die im Anhang IV der europaweit geltenden FFH-Richtlinie aufgeführt ist, herrscht absolutes Tötungsverbot. Schon für die Anlage der Baustraße zum Baugebiet Tränkematten-Süd musste ein erheblicher planerischer Aufwand betrieben werden. Eine Ordnungsgemäße Untersuchung des Gebiets, Vergrämungen in Ersatzlebensräume, Ausgleichsmaßnahmen, die vor Ort erschaffen werden müssen, dies alles braucht Zeit. 2016 müssen Untersuchungen erfolgen, anschließend müssen jahreszeitlich angepasst Ersatzlebensräume geschaffen und die Tiere dorthin vergrämt werden. Zusätzlich muss eine Erfolgskontrolle erfolgen. Erst dann kann das Gebiet überhaupt bebaut werden. Und dies betrifft nur die Straße: das gesamte Planungsgebiet Obergrün ist von der Zauneidechse besiedelt. Für die durch das Wohngebiet vertriebenen Tiere müssen auch laut Gesetz Ersatzlebensräume vor Ort geschaffen werden. Wir fragen uns, wo das im Obergrün geschehen soll, ohne dass bereits besiedelte Bereiche „überfrachtet“ werden. Sie sollten dieses Thema nicht zu leicht nehmen, es gibt hier viele Gerichtsurteile zu Gunsten der streng geschützten Tiere. Wir werden alle Abläufe sehr aufmerksam beobachten!

 

Abschließend möchte ich noch Bezug nehmen auf das am 23.09.2015 stattgefundene Bürgergespräch mit Herrn OB Dr. Salomon.
Im Protokoll zu diesem öffentlichen Bürgergespräch steht folgendes:

Ich zitiere: „... Ob der im Flächennutzungsplan dargestellte, direkt an die Ricarda-Huch-Straße anschließende kleine Abschnitt des Gewanns Obergrün baulich entwickelt werden kann, hängt vom grundsätzlichen Interesse der dortigen Eigentümer/innen ab.“

Es fällt uns schwer dieses Statement der Verwaltung mit dem heutigen Druck zur Beschlussfassung für die Aufstellung des Bebauungsplans „Obergrün“ im „beschleunigten Verfahren“, nachzuvollziehen. Wir gehen davon aus, dass Die Verwaltung bereits zum damaligen Zeitpunkt über die heutige Beschluss-Vorlage Kenntnis hatte.
Warum dann dieser Druck vor Weihnachten und die Geheimnistuerei bei dem Bürgergespräch?

Uns ist bekannt, dass mindestens ein Eigentümer nicht verkaufen wird. Dessen Grundstück ist auf der Gebäudeplanung allerdings mit Häusern überzeichnet. Dadurch wird eine größere Ergiebigkeit der Fläche vorgegaukelt

Der BV fordert Sie auf, sich bei der für den Stadtteil sehr wichtigen Entscheidung nicht unter Druck setzen zu lassen. Bedenken Sie unsere Argumente, wie auch die Prüfung der Umweltbehörde.

  • Gefährdung des Kinderbauernhofs Obergrün
  • Problematik des Strengen Artenschutzes Zauneidechse
  • Verlust eines wichtigen Naherholungsgebiets und Lebensqualität

 

Bitte lassen Sie sich nicht vor dem Hintergrund des vertraglich festgeschriebenen Rückbaus der Baustraße zu vorschnellen Entschlüssen verleiten.
Es sollte geprüft werden, ob beim Aufkommen dieser FFH-Art ein „beschleunigtes Verfahren“ überhaupt angewandt werden darf.

Meine Damen und Herrn,
Sie haben eine für unser Stadtteil und die Kinder der Anne-Frank-Schule sowie zahlreicher Kitas sehr wichtige Entscheidung in der Hand!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Foto: David Geigenbauer

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